Ziel der vorliegenden Arbeit ist eine, zunächst theoretische, Annäherung an das Thema Geschlechtsstereotype. Der Komplex Kontaktanzeigen soll kommunikations-wissenschaftlich und in Bezug auf Geschlechtsstereotype abgehandelt werden. In einem empirischen Teil werden eigene Forschungsergebnisse zu Detailfragen vorgestellt. Die empirische Untersuchung beschäftigt sich exemplarisch mit den beiden österreichischen Tageszeitungen Der Standard und die Neue Kronen Zeitung. Die Daten stammen aus dem Herbst 2004.
In der Kommunikationsforschung gibt es, vor allem seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts, eine lange Tradition der Erforschung von Kontaktanzeigen. Immer wieder wird darauf hingewiesen, dass über Kontaktanzeigen gesellschaftliche Konstellationen und Bedingungen beschrieben werden können. Inserate zur Partnersuche wurden häufig stark kritisiert und sind auch aus einer feministischen Perspektive heraus ins Interesse von Studien gerückt. Ob positiv oder negativ bewertet, Kontaktanzeigen begegnen uns permanent in Tageszeitungen und anderen Medien. Sie stellen für Zeitungen eine Einnahmequelle dar (in der Kronen Zeitung zum Beispiel erscheinen täglich Kontaktanzeigen), und für Partnersuchende eine Möglichkeit, in einer zunehmend anonymen und unübersichtlichen Gesellschaft einen Partner/eine Partnerin zu finden. Auf die gesellschaftliche Relevanz des Themas weisen auch eine steigende Zahl von Dating-Shows im Fernsehen und zunehmende Möglichkeiten zur Partnersuche im Internet hin. Kontaktanzeigen eigenen sich für eine Studie besonders gut, da bei der Schaltung nicht mit einer wissenschaftlichen Untersuchung gerechnet wird. Das Material ist leicht zugänglich und von vornherein anonymisiert. Eine sehr große Zahl von Fragestellung ist möglich.
Den Beginn der Arbeit bildet ein Einblick in die Geschlechterforschung, die Gender Studies. Fragestellungen und Theorien der Geschlechterforschung stellen die Basis der vorliegenden Arbeit dar und sind für das Verständnis der Arbeit, wie für das Entstehen der Forschungsfrage grundlegend.
Gliederung
1. Einleitung
2. Das soziale Geschlecht – eine Einführung in die Gender Studies
3. Geschlechterstereotype und Geschlechterrollen
3.1. Der Erwerb von Geschlechtsstereotypen
3.2 Geschlechterrollen
4. Kontaktanzeigen
4.1. Begriffsbestimmungen und kommunikationswissenschaftliche Beschreibung
4.2. Geschichtlicher Abriss
4.3. Ergebnisse bisheriger Studien zu Kontaktanzeigen – eine Auswahl
5. Empirische Analyse: Kontaktanzeigen in österreichischen Tageszeitungen
5.1. Forschungsfragen und Ergebnisse
6. Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle von Geschlechtsstereotypen im Kontext von Kontaktanzeigen aus einer kommunikationswissenschaftlichen Perspektive. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie sich gesellschaftliche Geschlechterrollen und Stereotype in Inseraten widerspiegeln und ob diese durch empirische Analysen in österreichischen Tageszeitungen bestätigt werden können.
- Grundlagen der Gender Studies und Geschlechterforschung
- Entstehung und Funktion von Geschlechtsstereotypen und Rollenbildern
- Kommunikationswissenschaftliche Analyse von Kontaktanzeigen
- Historische Entwicklung der Partnerwahl über Inserate
- Empirische Untersuchung in den Tageszeitungen "Der Standard" und "Neue Kronen Zeitung"
Auszug aus dem Buch
3. Geschlechterstereotype und Geschlechterrollen
Dieses Kapitel setzt sich mit Geschlechtsstereotypen auseinander. An den Anfang soll eine Erklärung des Begriffes Stereotype gestellt werden. Angerissen wird auch die geschichtliche Entwicklung der Stereotypenforschung. Ein wichtiger Punkt ist die Frage nach der Entstehung von Geschlechtsstereotypen sowie deren Bedeutung für Wahrnehmungsprozesse. Ausgeführt wird ebenfalls, wie sich Geschlechtsstereotype und Geschlechterrollen zueinander verhalten.
Nach Alfermann stellen Stereotype „verbreitete und allgemeine Annahmen über die relevanten Eigenschaften einer Personengruppe dar.“ Obwohl diese Beschreibung sehr einfach wirkt, weist sie doch auf wichtige Aspekte von Stereotypen hin: Nämlich, dass kognitive Schemata generalisierend verwendet werden. Eigenschaften werden sowohl einer ganzen Gruppe zugeschrieben, als auch dazu gebraucht, einzelne Personen aus dieser Gruppe – weniger auf Basis individueller Merkmale als auf Grund der Gruppenzugehörigkeit – zu beschreiben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, eine theoretische Annäherung an Geschlechtsstereotype zu leisten und diese kommunikationswissenschaftlich auf Kontaktanzeigen anzuwenden, flankiert durch eine eigene empirische Untersuchung.
2. Das soziale Geschlecht – eine Einführung in die Gender Studies: Dieses Kapitel erläutert die Analysekategorie 'Geschlecht' und führt in die Unterscheidung zwischen 'sex' und 'gender' sowie in verschiedene feministische Ansätze wie den Egalitäts- und Differenzansatz ein.
3. Geschlechterstereotype und Geschlechterrollen: Hier werden die Definitionen von Stereotypen und Geschlechterrollen dargelegt, deren Erwerb im Sozialisationsprozess beschrieben und die Verknüpfung dieser normativen Erwartungen mit der Wahrnehmung von Individuen diskutiert.
4. Kontaktanzeigen: Dieses Kapitel bietet eine kommunikationswissenschaftliche Einordnung von Kontaktanzeigen, beleuchtet deren Geschichte sowie den kritisch diskutierten Marktcharakter und stellt bisherige Forschungsergebnisse vor.
5. Empirische Analyse: Kontaktanzeigen in österreichischen Tageszeitungen: Die empirische Untersuchung vergleicht die Kontaktanzeigen in "Der Standard" und der "Neuen Kronen Zeitung" anhand konkreter Forschungsfragen zu Berufsangaben, Zielvorstellungen und Selbstbeschreibungen.
6. Schlussbemerkungen: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und bestätigt, dass Kontaktanzeigen einen Spiegel gesellschaftlicher Verhältnisse darstellen, in dem sich Geschlechtsstereotype weiterhin manifestieren.
Schlüsselwörter
Geschlechtsstereotype, Geschlechterrollen, Kontaktanzeigen, Gender Studies, Sozialisation, Kommunikation, Partnerwahl, soziale Interaktion, doing gender, Androgyniekonzept, Diskurs, gesellschaftliche Normen, empirische Analyse, Medien, Tageszeitungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bakkalaureatsarbeit?
Die Arbeit untersucht, wie Geschlechtsstereotype in Kontaktanzeigen auftreten und welche Rolle diese bei der Selbstpräsentation von Frauen und Männern in österreichischen Zeitungen spielen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die theoretischen Grundlagen der Gender Studies, die Entstehung von Geschlechterrollen und -stereotypen sowie die kommunikationswissenschaftliche Beschreibung der Kontaktanzeige als soziales Interaktionsinstrument.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich stereotype Annahmen über Geschlechter in der Partnersuche manifestieren und ob sich Unterschiede zwischen den LeserInnenschichten zweier österreichischer Tageszeitungen nachweisen lassen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wurde eine quantitative Inhaltsanalyse von 200 Kontaktanzeigen aus den Tageszeitungen "Der Standard" und "Neue Kronen Zeitung" durchgeführt, ergänzt durch einen theoretischen Vergleich mit bestehender Literatur.
Welche Inhalte umfasst der Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Aufarbeitung der Geschlechterforschung und der Geschichte der Kontaktanzeige sowie eine detaillierte empirische Auswertung bezüglich Berufsangaben, Finanzhinweisen und Beschreibungen des Äußeren.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem "doing gender", das Androgyniekonzept, die sex-gender-Relation sowie verschiedene soziologische Ansätze zur Struktur von Kontaktanzeigen.
Inwiefern beeinflusst der Bildungsgrad der Zeitung die Inserate?
Die Arbeit zeigt, dass die LeserInnen von Zeitungen wie "Der Standard" im Vergleich zur "Neuen Kronen Zeitung" tendenziell älter sind und Unterschiede in der Häufigkeit der Nennung von Berufsdaten und finanziellen Angaben aufweisen.
Was bedeutet "doing gender" in diesem Kontext?
Der Ansatz beschreibt Geschlecht nicht als starre Eigenschaft, sondern als etwas, das Menschen durch ihr Handeln und die Art, wie sie sich in Interaktionen – wie etwa einer Kontaktanzeige – präsentieren, ständig neu herstellen.
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- Elisabeth Augustin (Author), 2005, Geschlechtsstereotype und Kontaktanzeigen - Theorie und Empirie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52486