Meine Motivation, mich mit „Toleranz“ zu beschäftigen, lag vor allem darin, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Begriffen Akzeptanz und Toleranz zu studieren. Ausschlaggebend für mich war dabei der Spruch „Akzeptanz statt Toleranz“ 1 der Homosexuellen, einer Minderheitsbewegung, die, so geht man davon aus, aufgrund ihrer Minderheit Toleranz bei der Mehrheit einfordern müsste, stattdessen aber ihr Politikum in der Akzeptanz sucht.
Wo liegt der Unterschied? Werden die Begriffe Akzeptanz und Toleranz nicht eigentlich wie Synonyme in der Gesellschaft behandelt? Wo sind Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede in den Begriffen? Ist Toleranz gar negativ zu betrachten, Akzeptanz als positiv? Wo liegt da die Wertigkeit der jeweiligen Begriffe? Ist Toleranz überhaupt erstrebenswert? Kann die Philosophie dabei eine Hilfe sein, wenn es darum geht, hier zu differenzieren?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Rahmen
2.1 Begriffsdefinitionen
2.2 Voraussetzungen und Grenzen
2.3 Solidarität und Unterstützung
2.4 Erkenntnistheoretische Problematik
3. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die begrifflichen Unterschiede sowie die Wertigkeit von Toleranz und Akzeptanz vor dem Hintergrund der politischen Forderung „Akzeptanz statt Toleranz“ durch die Homosexuellenbewegung. Ziel der Reflexion ist es, mittels philosophischer Konzepte zu klären, ob diese Begriffe als Synonyme zu verstehen sind oder ob sie durch spezifische Voraussetzungen, Grenzen und Kontextabhängigkeiten voneinander differenziert werden müssen.
- Begrifflich-philosophische Differenzierung von Toleranz und Akzeptanz
- Analyse der Forderung nach Akzeptanz im Rechtsstaat
- Diskussion der Voraussetzungen (Mündigkeit, Selbstbewusstsein, Identität)
- Reflexion der Bedeutung von Solidarität und Unterstützung
- Untersuchung der Grenzen von Toleranz und Akzeptanz nach dem "Mill-Limit"
Auszug aus dem Buch
Die Befreiung aus Unmündigkeit, d.h. die Entwicklung von Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl, die Entwicklung einer Identität im Sinne von Einzigartigkeit und Persönlichkeit, findet sich als Voraussetzung für die Ausübung von Toleranz und Akzeptanz auch bei Iring Fetschers Beitrag „Toleranz“ (1990) wieder:
„Toleranz, so meine Folgerung, setzt ein angemessenes Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl voraus. Nur wer sich seiner kulturellen Identität sicher ist und sie (…) anerkannt hat, ist imstande auch Fremde und Fremdartiges als legitim zu akzeptieren“ (Fetscher, 1990)
Weiterhin geht diese These auch mit K. Peter Fritzsches Vorstellung von Toleranzkompetenz einher, der in seinem Beitrag „Toleranz im Umbruch – Über die Schwierigkeit, tolerant zu sein“ (1996) ebenfalls schreibt:
„Das Zulassen des Fremden und Abweichenden erfordert einen weit größeren kongnitiv-emotionalen Bearbeitungsaufwand, als die Abwehr und Ausgrenzung des Fremden,…“ (Fritzsche, 1996)
„Die Art und Weise, wie man den Anderen wahrnimmt und beurteilt, hängt vor allem davon ab, wie man sich selbst sieht und fühlt. Je stabiler (…) das eigene Selbstwertgefühl ist, desto weniger Bedrohungsgefühle lösen Fremde aus.“ (Fritzsche, 1996)
„Das Geltenlassen des Anderen oder das Zulassen von Abweichungen erfordert zuallererst Selbstsicherheit und Ich-Stärke.“ (Fritzsche, 1996)
Hier wird deutlich, dass in der Voraussetzung der Identität bzw. in der Mündigkeit, sich eine Einstellung zu bilden, zwischen Akzeptanz und Toleranz nicht zu unterscheiden ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Motivation hinter der Untersuchung der Begriffe Akzeptanz und Toleranz sowie Herleitung der Forschungsfrage anhand des Leitspruchs der Homosexuellenbewegung.
2. Theoretischer Rahmen: Untersuchung verschiedener philosophischer Positionen (u.a. Reemtsma, Locke, Kant, Mill, Fetscher, Forst) zur Analyse von Voraussetzungen, Grenzen und inhaltlichen Schnittmengen der beiden Begriffe.
3. Fazit: Zusammenfassende Bewertung, dass Akzeptanz und Toleranz kontextabhängig betrachtet werden müssen, keine strikten Synonyme sind, aber in der Praxis oft als komplementär angesehen werden können.
Schlüsselwörter
Toleranz, Akzeptanz, Aufklärung, Unmündigkeit, Homosexualität, Minderheiten, Rechtsstaat, Mill-Limit, Solidarität, Identität, Selbstwertgefühl, Meinungsvielfalt, Diskriminierung, Ethik, Philosophie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit reflektiert die begriffliche Wertigkeit und die Unterschiede zwischen Toleranz und Akzeptanz angesichts gesellschaftspolitischer Forderungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die philosophische Abgrenzung der Begriffe, die Rolle der Mündigkeit und Identität sowie die Grenzen staatlicher und individueller Toleranz.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Differenzierung, ob Akzeptanz und Toleranz deckungsgleich sind oder ob kontextabhängige Entscheidungen zwischen beiden gefällt werden müssen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine philosophische Literaturanalyse und Reflexion bekannter Theorien (z.B. Kant, Mill, Reemtsma), um die Begriffe zu evaluieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Voraussetzungen wie Mündigkeit, diskutiert Grenzen der Toleranz anhand von Machtverhältnissen und beleuchtet Solidaritätsaspekte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Toleranz, Akzeptanz, Aufklärung, Mündigkeit und Rechtsstaat geprägt.
Warum fordern Homosexuelle „Akzeptanz statt Toleranz“?
Die Forderung zielt auf rechtliche Anerkennung und Integration ab, statt lediglich geduldet zu werden, was nach Reemtsma eine Forderung nach Rechten darstellt.
Was besagt das Mill-Limit?
Das Mill-Limit beschreibt die Grenze der Handlungsfreiheit: Der Staat darf nur dann eingreifen, wenn das Wohl oder die Freiheit anderer geschädigt wird.
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- Udo Lihs (Author), 2006, Akzeptanz statt Toleranz - Eine Seminarreflexion über die Wertigkeit der Begriffe Toleranz und Akzeptanz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52537