In dieser Seminararbeit stehen die beiden Gemälde „Beweinung Christi“ (1495) von Perugino und „Grabtragung“ (1507) von Raphael, der Epoche Renaissance zugehörig, im Mittelpunkt. Nach einer detailgenauen, einzeln verfassten Bildbeschreibung, werden die Gemälde verglichen und nach Unterschieden und Gemeinsamkeiten untersucht, die sich hauptsächlich auf bildkompositorische Tatsachen belaufen werden. Die Orientierung an den, bei beiden Szenen gleichen Bibelstellen (Matthäus 27 bzw. Lukas 23 und Johannes 19), weist wiederum ikonographische und typologische Unterschiede auf, die ebenfalls im Bildvergleich herausgearbeitet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bildbeschreibungen:
2.1. „Beweinung Christi“ von Perugino (1495)
2.2. „Grabtragung“ von Raphael (1507)
3. Bildvergleich
4. Fazit
5. Abbildung der Gemälde
Zielsetzung & Themen
Diese Seminararbeit untersucht und vergleicht die zwei Renaissance-Gemälde „Beweinung Christi“ von Perugino und „Grabtragung“ von Raphael. Das primäre Ziel ist es, durch eine detaillierte Bildbeschreibung Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Bildkomposition, der Ikonographie und der emotionalen Darstellung der biblischen Szenen herauszuarbeiten und die stilistische Entwicklung vom Lehrer Perugino zum Schüler Raphael zu analysieren.
- Vergleichende Analyse bildkompositorischer Konzepte
- Untersuchung ikonographischer und typologischer Merkmale
- Betrachtung der emotionalen Wirkung und Dramatik
- Analyse des Einflusses von Perugino auf Raphael
- Kontextualisierung durch biblische Überlieferungen
Auszug aus dem Buch
3. Bildvergleich
Beide Gemälde unterliegen einem gleichen Kompositionsprinzip, was die Bildaufteilung angeht: Die Personen sind gleichmäßig auf den vorderen zwei Dritteln des Gemäldes angeordnet, dahinter folgt ein Streifen begrünter Landschaft und dann der Himmel. Die Landschaft ist gleichermaßen hügelig, öffnet die Sicht auf eine Stadt und ist mit Bäumen geziert. Allerdings sind die Personen bei Perugino stringenter verteilt: Christus wird mit gleichmäßigem Abstand zu den äußeren Bildrändern eingesetzt und die anderen Personen in einem Halbkreis sitzend bzw. in einer nahezu geraden Linie stehend um den Protagonisten angeordnet, was Ruhe und Systematik in die Komposition bringt. Raphael schafft eher eine friesbandähnliche Verteilung, da vor allem die Köpfe der Menschen in zwei Ebenen auf gleicher Höhe sind. Ansonsten sind die Personen in zwei Fünfer- Gruppen geteilt, von denen sich beide nach hinten lehnen, was zur Folge hat, dass sich niemand, abgesehen von einem Baum, auf der Bildmittelachse befindet. Die Menschen wirken somit hektischer und unkooperativer als bei Perugino.
Die Tatsache, dass sich bei Raphael Maria Magdalena nach vorne und der Christus` Beine Tragende nach hinten beugt bzw. lehnt, schafft eine fast rechtwinklige Kluft, die Sicht auf die Landschaft öffnet. Dieses Auseinanderklaffen erinnert wiederum an Peruginos Gemälde, auf dem die beiden sich seitlich befindenden Felsen nach unten rechts bzw. links so abschüssig werden, dass die Stadt sichtbar wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der beiden Gemälde „Beweinung Christi“ und „Grabtragung“ als zentrale Untersuchungsobjekte der Renaissance sowie Erläuterung der Zielsetzung und methodischen Vorgehensweise.
2. Bildbeschreibungen:: Detaillierte, individuelle Analyse der Komposition, Figuren und Szenerie der Gemälde von Perugino (2.1.) und Raphael (2.2.).
3. Bildvergleich: Direkte Gegenüberstellung der beiden Werke hinsichtlich ihrer Bildaufteilung, Personenanordnung und emotionalen Wirkung sowie Diskussion der stilistischen Entwicklung zwischen Lehrer und Schüler.
4. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der gewonnenen Erkenntnisse über die ineinander verwobenen Szenen und die methodische Reflexion des eigenen Vorgehens.
5. Abbildung der Gemälde: Visuelle Darstellung der untersuchten Hauptwerke.
Schlüsselwörter
Renaissance, Hochrenaissance, Beweinung Christi, Grabtragung, Perugino, Raphael, Bildkomposition, Ikonographie, Bildvergleich, Kunstgeschichte, Malerei, Biblische Szenen, Stilentwicklung, Bildanalyse, Figurendarstellung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einem vergleichenden kunsthistorischen Studium der Gemälde „Beweinung Christi“ (1495) von Perugino und „Grabtragung“ (1507) von Raphael.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Bildbeschreibung, dem systematischen Bildvergleich hinsichtlich Komposition und Dramaturgie sowie der ikonographischen Einordnung in den Kontext der Renaissance.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Werke aufzudecken und die künstlerische Weiterentwicklung von Perugino hin zu seinem Schüler Raphael aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin nutzt eine detaillierte, subjektive Bildbeschreibung (deskriptive Analyse) und vergleicht diese unter Einbeziehung biblischer Überlieferungen, ohne dabei auf externe Sekundärliteratur zurückzugreifen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Einzelbeschreibung beider Gemälde sowie eine anschließende komparative Analyse ihrer kompositorischen und inhaltlichen Merkmale.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Renaissance, Bildkomposition, Ikonographie, Perugino, Raphael, Bildvergleich und dramatische Figurendarstellung.
Wie unterscheidet sich die Bildkomposition bei Perugino von jener bei Raphael?
Während Perugino durch eine symmetrische Anordnung im Halbkreis Ruhe und Systematik erzeugt, wählt Raphael eine hektischere, friesbandartige Gruppierung, die das Geschehen dynamischer und realistischer wirken lässt.
Welche Rolle spielt Maria in den beiden Gemälden laut der Analyse?
Perugino platziert Maria zentral und präsent nahe bei ihrem Sohn, während Raphael sie aufgrund eines Ohnmachtsanfalls an den rechten Bildrand versetzt, was die Szene dramatisiert.
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- Anna-Lena Henkel (Author), 2006, Beschreibung und Vergleich der Gemälde "Beweinung Christi" von Perugino und "Grabtragung" von Raphael, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52607