Die hier vorliegende Arbeit setzt sich mit dem ‚politischen Lernen vor Ort’ im Rahmen von Exkursionen auseinander. Dabei soll im ersten Teil der Arbeit der Frage nachgegangen werden, welche Potentiale ein politischer Unterricht bietet, der das Lernen außerhalb der Schule ermöglicht. Die reale Erfahrung der politischen und gesellschaftlichen Wirklichkeit, so die These, erhöht die Motivation seitens der Schüler, sich mit komplexen politischen, gesellschaftlichen und historischen Inhalten auseinander zu setzen. Des weiteren soll den Schülern dadurch deutlich werden, dass der gelernte Unterrichtsstoff durchaus praxisrelevant ist und eben das Lernen in der Schule nicht nur ein „Lernen für den Lehrer“ ist. Neben den Ausführungen über die Leistungsfähigkeiten von Exkursionen soll natürlich auch nach möglichen Problemen oder Nachteilen gefragt werden und in wieweit diese die erfolgreiche Durchführung von Exkursionen im Sozialkundeunterricht gefährden könnten. Auch wenn man sich mit dieser Arbeit auf ein politikdidaktisch dünnes Eis begibt, weil empirische Untersuchungen bezüglich des Lernens vor Ort kaum vorhanden sind, scheint es trotzdem angebracht eine Zusammenfassung möglicher Verfahren für den außerschulischen Sozialkundeunterricht im Rahmen von Exkursionen darzustellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Exkursionen im Sozialkundeunterricht
2.1. Exkursionen und ihre Bedeutung für die politische Bildung
2.2. Didaktische Legitimierung von Exkursionen
2.3. Mögliche Probleme von Exkursionen
3. Die Erkundung
3.1. Allgemeine, didaktische und methodische Überlegungen
3.2. Vorbereitung, Durchführung, Auswertung und Dokumentation
4. Besichtigung und Besuch
4.1. Allgemeine, didaktische und methodische Überlegungen
4.2. Vorbereitung, Durchführung, Auswertung und Dokumentation
4.3. Der Parlamentsbesuch
4.4. Der Besuch von Gedenkstätten
4.5. Probleme der Besichtigung und des Besuches
5. Das Expertengespräch
5.1. Allgemeine und didaktische Überlegungen
5.2. Vorbereitung, Durchführung, Auswertung und Dokumentation
5.3. Das Informationsgespräch
5.4. Probleme der Expertenbefragung und des Informationsgespräches
6. Praxisbeispiel: Exkursion in die Bundeshauptstadt Berlin
6.1. Planung und Vorbereitung der Berlin-Exkursion
7. Fazit
8. Literatur
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das „politische Lernen vor Ort“ im Rahmen von Exkursionen, um Potenziale für einen handlungsorientierten Politikunterricht aufzuzeigen und dabei gleichzeitig die fachdidaktische Notwendigkeit einer fundierten Vor- und Nachbereitung hervorzuheben.
- Potenziale und Herausforderungen des Lernens außerhalb der Schule
- Didaktische Einordnung von Erkundung, Besichtigung und Expertenbefragung
- Praktische Durchführungsmethoden für den außerschulischen Sozialkundeunterricht
- Reflexion der Schüleraktivierung und Handlungsorientierung
- Praxisbeispiel: Planung und Vorbereitung einer Berlin-Exkursion
Auszug aus dem Buch
3.1. Allgemeine, didaktische und methodische Überlegungen
Im Rahmen des sozialwissenschaftlichen Unterrichts hat die Erkundung sich als eine mit Beobachtungsaufgaben verknüpfte Grundform des Projektes erwiesen. Im Gegensatz zum Unterrichtsgang und zur Besichtigung ist sie objektzentrierter und arbeitsaufwendiger. Sie kann als selbstständige Methode oder Teil einer Exkursion, einer Sozialstudie, eines Praktikums oder Ausfluges eingesetzt werden.
„Die Erkundung ist eine Realitätsbegegnung mit der Alltags- oder Umgebungswelt der Lernenden oder eines gewählten Ausschnittes aus der Welt der Realitäten. Es geht dabei darum, Wirklichkeit so, wie sie erscheint, nicht wie sie in Zeichensystemen gefasst ist, in sinnlicher Anschauung und Erfahrung zu erfassen, zu ordnen, zu analysieren und mit ihren Beschreibungen und Deutungen in Form von Alltags- und/oder Wissenschaftstheorien zu vergleichen. Die Erkundung ist also wechselseitig kompensatorisch für Wissenschaftswissen und Alltagswissen.“
Im wesentlichen lassen sich vier Merkmale daraus ableiten. Zum einen findet eine Begegnung mit der Realität statt. So wird die Wirklichkeit unmittelbar und nicht durch Symbole (Texte, Tafel) vermittelt. Zweitens ist eine Erkundung stets interaktionell angelegt. Alle Phasen dieser Methode / dieses Verfahrens sind von einem hohen Grad der Interaktion und Schülertätigkeit (Handlungsorientierung) geprägt. Drittens sind Erkundungen niemals spontan, sondern beruhen auf einer intensiven Planung von LerhrerIn und Schülern. Viertens kommen schließlich in der Erkundung sozialwissenschaftliche Arbeitsweisen zum Tragen, die den Schülern für das Gelingen der Erkundung bekannt sein müssen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Arbeit analysiert das Potenzial des politischen Lernens vor Ort und stellt die drei zentralen Verfahren Erkundung, Besuch und Expertenbefragung vor.
2. Exkursionen im Sozialkundeunterricht: Dieses Kapitel erläutert die didaktische Bedeutung von Exkursionen für die politische Bildung und thematisiert die Notwendigkeit einer methodisch fundierten Planung.
3. Die Erkundung: Die Erkundung wird als handlungsorientierte Methode definiert, bei der Schülerinnen und Schüler durch eigene Beobachtungen und Arbeitsaufträge die Realität unmittelbar erschließen.
4. Besichtigung und Besuch: Hier wird die Besichtigung als eine Form der Exkursion behandelt, die zwar weniger aktiv als die Erkundung gestaltet ist, aber durch gute Vor- und Nachbereitung ebenfalls wichtige Erkenntnisse ermöglicht.
5. Das Expertengespräch: Dieses Kapitel behandelt das Expertengespräch und das Informationsgespräch als Verfahren, um Insiderwissen und politische Realität direkt durch Akteure zu erfahren.
6. Praxisbeispiel: Exkursion in die Bundeshauptstadt Berlin: Anhand einer dreitägigen Berlin-Exkursion wird die praktische Anwendung der zuvor diskutierten theoretischen Erkenntnisse in der Schulplanung illustriert.
7. Fazit: Das Fazit bestätigt, dass das politische Lernen vor Ort die Motivation fördert und politisches Urteilsvermögen stärkt, sofern eine fachdidaktische Einbettung stattfindet.
8. Literatur: Dieses Verzeichnis listet die fachdidaktische Literatur auf, die als Grundlage für die Untersuchung der verschiedenen Exkursionsformen diente.
Schlüsselwörter
Politische Bildung, Sozialkundeunterricht, Exkursion, Erkundung, Besichtigung, Expertengespräch, Handlungsorientierung, Politikdidaktik, Außerschulische Lernorte, Lehrerinteresse, Schülermotivation, Lernpsychologie, Methodik, Politische Realität, Berlin-Exkursion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den didaktischen Chancen und Methoden des außerschulischen politischen Lernens („Lernen vor Ort“), insbesondere durch Exkursionen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Didaktik und Methodik von Exkursionen, Erkundungen, Besichtigungen von Institutionen und der Durchführung von Expertengesprächen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die didaktischen Potenziale von Exkursionen aufzuzeigen und praktische Ansätze für eine strukturierte Vor- und Nachbereitung zu liefern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikdidaktische Arbeit, die fachwissenschaftliche Literatur mit persönlichen Erfahrungen aus einem Schulpraktikum verbindet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Methoden der Erkundung, Besichtigung und Expertenbefragung sowie deren spezifische Vorbereitung und Auswertung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Handlungsorientierung, politische Bildung, außerschulische Lernorte und methodische Planung.
Warum betont der Autor die Notwendigkeit von Vorgesprächen mit Experten?
Vorgespräche sind wichtig, um Referenten auf die Zielgruppe (Schüler) einzustimmen, Spannungen vorzubeugen und sicherzustellen, dass die Inhalte schülergemäß vermittelt werden.
Welche Rolle spielt die Auswertung für den Lernerfolg?
Die Auswertung ist zwingend notwendig, um die gewonnenen Eindrücke in den Unterrichtskontext zu übertragen, einseitige Sichtweisen zu relativieren und wissenschaftliches Wissen mit dem Erlebten zu verknüpfen.
Was zeichnet die Berlin-Exkursion als Praxisbeispiel besonders aus?
Sie demonstriert die komplexe organisatorische und inhaltliche Planung über einen langen Zeitraum und zeigt, wie man durch eigene Ideen der Schüler ein hohes Motivationsniveau erreicht.
- Arbeit zitieren
- Christian Tischner (Autor:in), 2005, Sozialkundeunterricht: politisches Lernen vor Ort. Exkursionen, Erkundungen und Expertengespräche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52617