Analyse des Gesprächs zweier Jugendlicher im Hinblick auf Gesprächs- und Erzählstrukturen


Hausarbeit, 2003
21 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Gesprächsanalyse
2.1. Aufbau und Struktur von Gesprächen und Dialogen
2.2. Gesprächsanalyse nach Henne und Rehbock
2.3. Terminologien der Gesprächsanalyse
2.3.1. Turn-Taking
2.3.2. Pausen

3 Erzählungen – Struktur und Aufbau
3.1. Funktion und Zweck von Erzählungen
3.2. Aufbau und Struktur von Erzählungen
3.3. Konversationelle Erzählungen
3.4. Funktion von Erzählungen in Gesprächen

4 Analyse der Aufnahme
4.1. Hintergrund und Umstände der Entstehung der Aufnahme
4.2. Erzählstrukturen im Gespräch
4.3. Gesprächsstrukturen im Gespräch
4.3.1. Partikel
4.3.2. Themenwechsel
4.3.3. Amalgamierung
4.3.4. Verzögerungsphänomene
4.3.5. Verknüpfungssignale

5 Zusammenfassung der Ergebnisse

Literaturverzeichnis

Anlage: Transkript

1 Einleitung

In der vorliegenden Arbeit möchte ich einen Ausschnitt aus einer Aufnahme eines Gesprächs zweier Jugendlicher unter gesprächsanalytischen und erzählstrukturellen Gesichtspunkten analysieren. Besonderen Schwerpunkt lege ich dabei einerseits auf die Strukturen des Gesprächs, andererseits auf die Merkmale der vorkommenden Geflechterzählungen.

Dazu werde ich im ersten Teil dieser Arbeit die entsprechenden Theorien der Gesprächsanalyse und besonders die nötigen Terminologien erläutern, anschließend jene Theorien von Erzählungen im allgemeinen und außerdem von Erzählungen in Gesprächen.

Nach Erläuterung der Theorie möchte ich diese auf die Aufnahme anwenden.

2 Gesprächsanalyse

2.1 Aufbau und Struktur von Gesprächen und Dialogen

Konventionell stellt man sich unter der Kategorie „Gespräch“ einen Kommunikationsakt zwischen mindestens zwei Gesprächspartnern vor, der auf Anrede und Erwiderung basiert. „Die Anrede des einen ist somit auf die Erwiderung der anderen hin angelegt“ (W. von Humboldt; in: Henne/Rehbock 1982:12), was einerseits eine Wechselbeziehung der Gesprächsakte impliziert und andererseits eben, dass mindestens zwei Kommunikationspartner vorhanden sind. Humboldt zufolge kann man schließen, dass Sprechen nicht immer auch Kommunikation bedeutet: jemand, der Selbstgespräche führt, erhält keine Reaktion bzw. Erwiderung auf das Gesagte; der hier fehlende Kommunikationspartner ist ein unentbehrlicher Bestandteil von Gesprächen.

Gespräche basieren auf Gemeinschaft und Gemeinsamkeiten zweier oder mehrerer Menschen, ohne Gemeinschaft kommt erst gar kein Gespräch zustande und ohne gewisse Gemeinsamkeiten als Grundlage kann die Kommunikation misslingen. Schon das kollektivierende Präfix „ge-“ weist auf die im Wort Gespräch implizierte Voraussetzung von Gemeinschaft hin. Da jeder Gesprächspartner „je eigene lebensgeschichtlich begründete Perspektiven“ (Henne/Rehbock 1982:15) und Weltanschauungen in das Gespräch einbringt, müssen für das Gelingen der Kommunikation Basisregeln geschaffen werden, welche die grundsätzlichen Unvereinbarkeiten des Interaktionsprozesses bewältigen (s. Henne/Rehbock 1982:14). Die Kommunikationspartner erstellen diese Basisregeln mithilfe von Idealisierungen, welche unterstellen, dass diese Unvereinbarkeiten

„für die jeweilige Interaktion in ausreichendem Maße aufgehoben sind“ (Kallmeyer/Schütze; in: Wunderlich 1976:9). Nach Kallmeyer und Schütze gehört das Vornehmen von Idealisierungen und Aufstellen von Basisregeln zu den Organisationsaufgaben der Kommunikationspartner und zwar in den Bereich der Kooperativität. Kooperativität in Bezug auf den dialogischen Charakter von Kommunikation beinhaltet die „Sprech- und Zuhörbereitschaft“ der Gesprächspartner und somit das „Alternieren der Sprecher“(Kallmeyer/Schütze; in: Wunderlich 1976:10). Nach Linke ist der Prototyp von Kommunikation das „dialogische, private, persönliche Gespräch zwischen zwei einigermassen [sic!] gleichberechtigten Kommunikationspartnern“ (Linke 1991:176), was eben auch das regelmäßige Alternieren der Sprecher beinhaltet und eine auffällige Dominanz eines Sprechers vermeidet.

Nach Kallmeyer und Schütze ist eine weitere Organisationsaufgabe der Kommunikationspartner die Sicherung des „eigene[n] Verstehen[s] von Partneräußerungen sowie [der] Verständlichkeit eigener Äußerungen für den Partner“ (Kallmeyer/Schütze; in: Wunderlich 1976:9). Hier kann man die Konversationsmaximen von Grice anführen, die er in seiner Theorie der konversationellen Implikatur formuliert hat. Grice geht davon aus, dass Kommunikation Handeln ist (s. Grice; in: Linke 1991:196), dass in einer kommunikativen Interaktion Verständigung zwischen den beiden Kommunikationspartnern erreicht werden muss und dass Kommunikation ohne ein minimales gemeinsames Interesse nicht zustande kommen kann (s. Grice; in: Linke 1991:196). In den Konversationsmaximen formuliert Grice die notwendige Beschaffenheit von Gesprächsbeiträgen, die nämlich „informativ, angemessen klar formuliert, relevant und wahr“ (Grice; in: Linke 1991:196) sein sollen, damit eine Kommunikation erfolgreich ist.

2.2 Gesprächsanalyse nach Henne und Rehbock

Henne und Rehbock unterscheiden in der Gesprächsanalyse drei Hauptebenen. Die Makroebene unterscheidet die drei Gesprächsphasen „Gesprächseröffnung“, „Gesprächsmitte“ und „Gesprächsbeendigung“ (s. Henne/Rehbock 1982:20), auf die ich jedoch nicht näher eingehen werde, da sie für die Analyse des vorliegenden Transkripts nicht von Bedeutung sind. Zweite Hauptebene bei Henne und Rehbock ist die mittlere Ebene, die Gesprächsschritte, den Sprecherwechsel und die Gesprächssequenz umfasst. Auf der Mikroebene als dritter Ebene der Gesprächsanalyse werden syntaktische, lexi

kalische und phonologisch-/prosodische Strukturen untersucht (s. Henne/Rehbock 1982:20).

2.3 Terminologien der Gesprächsanalyse

2.3.1 Turn-Taking

Unter dem Begriff des turn-takings versteht man konkret den Sprecherwechsel innerhalb eines Gesprächs; der Sprecher übernimmt dann die Hörerrolle und der bzw. einer der Hörer übernimmt die Sprecherrolle. Der Terminus „turn“ an sich bezeichnet das „Dransein“ in einem Gespräch; hat man den turn, hat man die Möglichkeit sich zu äußern. Die Stelle an der ein turn-taking erfolgen kann, wird als „übergaberelevante Stelle“ (Meibauer 2002:244) bezeichnet.

Das turn-taking unterteilt sich in Fremdwahl und Selbstwahl. Bei der Fremdwahl wird dem Hörer das Wort erteilt, entweder durch direkten Aufruf z.B. durch einen Diskussionsleiter oder auch durch die Anrede durch einen Gesprächspartner. Stellt der Gesprächspartner dem Hörer z.B. eine Frage, fordert er ihn damit auf zu antworten und übergibt ihm somit den turn. Das Wort kann einem Hörer aber auch auf nonverbale Weise übergeben werden, z.B. durch entsprechende Blicke, Gesten oder eine deutliche Körperzuwendung (s. Linke 1991:265).

Die „Selbstwahl kann immer dann erfolgen, wenn ein Sprecher oder eine Sprecherin einen Beitrag beendet hat, ohne dass eine bestimmte Person aus der Gesprächsrunde bereits zum nächsten Sprecher fremd-gewählt worden ist“ (Linke 1991:265). Dabei ist wichtig, darauf zu achten, ob der vorige Sprecher seinen Redebeitrag wirklich beendet hat oder ob er nur gerade eine Denk- oder Formulierungspause einlegt und vor allen Dingen müssen die für den kommenden turn in Frage kommenden potentiellen Sprecher klären, wer den turn jetzt übernimmt, damit nicht alle gleichzeitig das Wort ergreifen. Kommen mehrere potentielle Sprecher in Frage, wird das turn-taking oft so geregelt, dass derjenige, der nach Ende des vorigen Gesprächsbeitrages als Erster das Wort ergreift dann auch das Rederecht, also den turn innehat. Eine Ausnahme wäre, wenn der nächste Redebeitrag schon reserviert ist (having the floor), z.B. weil der Sprecher in seinem Beitrag unterbrochen wurde und diesen nun fortführen darf.

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Analyse des Gesprächs zweier Jugendlicher im Hinblick auf Gesprächs- und Erzählstrukturen
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Veranstaltung
Konversationsanalyse
Note
2,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
21
Katalognummer
V52858
ISBN (eBook)
9783638484572
ISBN (Buch)
9783638765336
Dateigröße
440 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Der Hausarbeit liegt ein Transkript des Gesprächs zweier Jugendlicher beigefügt (vier Seiten).
Schlagworte
Analyse, Gesprächs, Jugendlicher, Hinblick, Gesprächs-, Erzählstrukturen, Konversationsanalyse
Arbeit zitieren
Bernadette Bideau (Autor), 2003, Analyse des Gesprächs zweier Jugendlicher im Hinblick auf Gesprächs- und Erzählstrukturen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52858

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Analyse des Gesprächs zweier Jugendlicher im Hinblick auf Gesprächs- und Erzählstrukturen


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden