Das Controlling als Informationslieferant zur Unterstützung der Unternehmens- Führung bei der Planung, Steuerung und Überwachung des Unternehmens- Geschehens ist aus ähnlichen Ausgangssituationen in mittelständischen Unternehmen entstanden und zu einem notwendigen Bestandteil geworden. Ein wesentliches Instrument eines Controllers ist die Kosten- und Leistungsrechnung (KLR). Denn sie -und das kann nur sie- liefert Informationen zu zwei wichtigen Bereichen: 1. Kalkulation – Preisbildung und 2. Kostensituation des Unternehmens. Im Unternehmen fehlte diese bis zum Ende 2005 weitestgehend. Dem Management standen somit im laufenden Geschäftsjahr keine aktuellen und komprimierten Daten aus dem internen Rechnungswesen zur Verfügung. Die Daten waren meistens zu spät, zu pauschal oder gar nicht vorhanden. Dies erschwerte eine Entscheidungsfindung in vielen Bereichen. Die Anbindung der Kosten- und Leistungsrechnung an die Finanzbuchhaltung wurde vom Leiter Finanzwesen angeregt. Die Daten werden im internen Rechnungswesen mit der Buchung in der Finanzbuchhaltung aktualisiert. Ein aufwendiges Nacharbeiten und Zusammenstellen der Daten entfällt.
Nun sind erste Vorbereitungen für die Einführung der KLR getroffen. Diese Studienarbeit zeigt den eingeschlagenen Weg zur Implementierung einer KLR am Beispiel der Personenverkehrsgesellschaft Muldental mbH unter dem Aspekt, schnellstens aktuelle Aussagen zur Ergebnisentwicklung liefern zu können. Im Gliederungspunkt 2 werden zunächst gängige und häufig benutzte Begriffe definiert, die theoretischen Grundlagen eines Kostenrechnungssystems genannt und die Vollkostenrechnung als gewählte Variante vorgestellt. Danach werden unter Punkt 3 die Stufen der Kostenrechnung, d.h. Kostenartenrechnung, Kostenstellenrechnung und Kostenträgerrechnung in ihren Details erklärt. Der Gliederungspunkt 4 setzt sich mit der Kostenrechnung im Straßenpersonenverkehr am Beispiel der PVM auseinander. Mit Gliederungspunkt 5 endet diese Studienarbeit. Er enthält eine kritische Beurteilung des eingeführten Systems und zeigt kurz das weitere Vorgehen im neuen Betätigungsfeld auf.
Inhaltsverzeichnis
1 PROBLEM UND ZIELSTELLUNG DER ARBEIT
2 EINFÜHRUNG IN DIE KOSTENRECHNUNG
2.1 Abgrenzung und Erklärung relevanter Begriffe
2.2 Merkmale und Aufgaben der Kostenrechnung
2.3 Aufbau der KLR
2.4 Systeme
3 STUFEN DER KOSTENRECHNUNG
3.1 Kostenartenrechnung
3.1.1 Aufgaben der Kostenartenrechnung und Unterscheidung von Kostenarten
3.1.2 Die Erfassung der wichtigsten Kostenarten
3.2 Kostenstellenrechnung
3.2.1 Definition und Aufgaben der Kostenstellenrechnung
3.2.2 Kostenstellen und ihre Einteilung
3.2.3 Betriebsabrechnungsbogen (BAB) und seine Aufgaben
3.2.4 Innerbetriebliche Leistungsverrechnung
3.3 Kostenträgerrechnung
3.3.1 Aufgaben und Grundbegriffe der Kostenträgerrechnung
3.3.2 Prinzipien
3.3.3 Kostenträgerstückrechnung
3.3.4 Kostenträgerzeitrechnung
4. Kostenrechnung für den Straßenpersonenverkehr
4.1 Linienverkehr
4.2 Schülerverkehr und Behinderten-Beförderung nach Freistellungs-Verordnung
4.3 Gelegenheitsverkehr nach § 48 PBefG und § 49 BefG
4.4. Schienenersatzverkehr
5 Beurteilung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Studienarbeit hat zum Ziel, den Aufbau und die Implementierung einer Kosten- und Leistungsrechnung (KLR) am Beispiel der Personenverkehrsgesellschaft Muldental mbH zu beschreiben, um zeitnahe und aussagekräftige Informationen für die Unternehmenssteuerung und Ergebnisentwicklung zu generieren.
- Theoretische Grundlagen und Aufbau eines Kostenrechnungssystems
- Methodik der Kostenarten-, Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung
- Besonderheiten der Kostenrechnung im öffentlichen Straßenpersonenverkehr
- Anwendung des Betriebsabrechnungsbogens (BAB) und verschiedener Kalkulationsverfahren
- Integration der Kostenrechnung zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeitskontrolle
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Die Erfassung der wichtigsten Kostenarten
Die konkrete Unterteilung erfolgt nach verbrauchten Produktionsfaktoren. Üblich ist die Unterteilung nach: 1) Materialkosten 2) Personalkosten 3) Dienstleistungskosten 4) Öffentliche Abgaben 5) Kalkulatorische Kosten
Zu 1) Materialkosten
- Dies sind Fertigungsstoffe, die unmittelbar in das Erzeugnis, nämlich die Dienstleistung eingehen. Diese werden als Einzelkosten erfasst, z.B. Treibstoffe oder bezogene Ersatzteile für die Busse. Im Verkehrsgewerbe ist als explizites Beispiel der Fahrplan zu nennen.
- Weiterhin zählen Hilfsstoffe dazu, welche auch unmittelbar in das Erzeugnis eingehen, erfüllen aber nur Hilfsfunktion und haben einen geringen wertmäßigen Anteil. Es erfolgt die Erfassung als Gemeinkosten, z.B. sonstiges Hilfsmaterial für die Werkstatt.
- Dazu kommen Betriebsstoffe, die nicht in Erzeugnisse eingehen. Sie werden bei der Herstellung verbraucht und werden als Gemeinkosten erfasst, z. B. Heizmaterial für die Werkstatt.
- Die Ermittlung der Verbrauchsmengen erfolgt über die Skontrationsmethode (Forschreibungsmethode), Inventurmethode oder Retrograde Methode.
- Dieses Muster für Materialkosten ist normalerweise für klassische Produktionsbetriebe zu sehen. Bei der PVM mbH handelt es sich um ein Dienstleistungsunternehmen. Folglich gibt es hier keine unmittelbaren Materialkosten. Das Praxisunternehmen kann als Materialkosten bspw. nur Ersatzteile für Busse annehmen. Die Erfassung dieser erfolgt hier per Skontrationsmethode, d.h. in der Werkstatt wird eine Lagerkartei geführt. Die Zugänge werden per Lieferschein ermittelt. Die Abgänge werden durch Materialentnahmescheine belegmäßig erfasst. Der MES beinhaltet die betreffende Kostenart und die betreffende Kostenstelle, auf welche das Material zugeordnet wird (z.B. Bereifung auf die KST „MTL-PV 46“). Für welchen Kostenträger dieses Material verbraucht worden ist, ist zu diesem Zeitpunkt nicht sinnvoll zu erfassen, denn die Kostenträger sind wie schon erwähnt die Leistungsarten. Das heißt, man könnte hier prozentual berechnen, zu welchem Anteil ein Bus für welche Leistungsart eingesetzt wird. Inventurmethode und Retrograde Methode sind dabei nicht zweckmäßig, da die PVM mbH kein Produktionsbetrieb ist, für welche diese Methoden besser für geeignet sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1 PROBLEM UND ZIELSTELLUNG DER ARBEIT: Das Kapitel erläutert die Notwendigkeit einer Kostenrechnung im Unternehmen zur Sicherung der Wirtschaftlichkeit und Entscheidungsfindung.
2 EINFÜHRUNG IN DIE KOSTENRECHNUNG: Hier werden grundlegende Begriffe definiert, Aufgaben der KLR dargelegt und die Struktur sowie verschiedene Systeme der Kostenrechnung vorgestellt.
3 STUFEN DER KOSTENRECHNUNG: Dieses Kapitel beschreibt detailliert die drei Säulen der KLR: die Kostenarten-, Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung.
4. Kostenrechnung für den Straßenpersonenverkehr: Es wird die praktische Anwendung der Kostenrechnung am Beispiel der Personenverkehrsgesellschaft Muldental mbH für verschiedene Leistungsarten verdeutlicht.
5 Beurteilung und Fazit: Das Fazit bewertet die Vorteile der eingeführten Kostenrechnung, insbesondere hinsichtlich der Kostentransparenz und der Datenintegration durch neue Software.
Schlüsselwörter
Kostenrechnung, Leistungsrechnung, Controlling, Kostenartenrechnung, Kostenstellenrechnung, Kostenträgerrechnung, Vollkostenrechnung, Betriebsergebnis, Straßenpersonenverkehr, Kalkulation, Kostentransparenz, Wirtschaftlichkeit, Betriebsabrechnungsbogen, Materialkosten, Personalkosten
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Aufbau und der Implementierung einer Kosten- und Leistungsrechnung bei der Personenverkehrsgesellschaft Muldental mbH zur Verbesserung der wirtschaftlichen Transparenz.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind die theoretischen Grundlagen der KLR, deren dreistufiger Aufbau und die spezifische Anwendung auf die betrieblichen Anforderungen eines Verkehrsunternehmens.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, ein System zu etablieren, das zeitnahe und fundierte Informationen zur Ergebnisentwicklung für die Unternehmensführung bereitstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse und die anwendungsbezogene Implementierung der Vollkostenrechnung sowie die statistisch-tabellarische Auswertung mittels Kostenträgerblatt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die drei Stufen der Kostenrechnung (Kostenarten, Kostenstellen, Kostenträger) und deren spezifische Ausgestaltung im Straßenpersonenverkehr.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Kostenrechnung, KLR, Controlling, Kostentransparenz, Vollkostenrechnung, Kostenstellenrechnung und Straßenpersonenverkehr.
Wie werden Kostenstellen bei der PVM mbH definiert?
Die Kostenstellen bei der PVM mbH sind primär die vorhandenen Kraftfahrzeuge, ergänzt durch die Bereiche Verwaltung, Werkstatt und die verschiedenen Niederlassungen.
Warum hat sich das Unternehmen für die Vollkostenrechnung entschieden?
Das Management wählte die Vollkostenrechnung auf Istkostenbasis, um eine vollständige Kostenerstattung über den Preis zu sichern und somit langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.
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- Sebastian Regber (Author), 2006, Aufbau einer Kostenrechnung zur Beurteilung der wirtschaftlichen Situation eines Betriebes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52864