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Sind Menschen mit geistiger Behinderung "normal"? - Reflexionen zur Normalismusdiskussion

Title: Sind Menschen mit geistiger Behinderung "normal"? - Reflexionen zur Normalismusdiskussion

Examination Thesis , 2006 , 72 Pages , Grade: 2,7

Autor:in: Christina Bohlen (Author)

Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education
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Summary Excerpt Details

In meiner Arbeit gilt es herauszufinden, ob Menschen mit geistiger Behinderung‘normal’sind. Der Begriff des ‘Normalen’, der ‘Normalität’ scheint eindeutig zu sein - im Alltag wird er ganz selbstverständlich benutzt. Doch es gibt kaum einen Begriff wie den der ‘Normalität’, der so verworren und so vieldeutig ist. Auf die Frage, ob Menschen mit geistiger Behinderungnormalsind, können verschiedene Menschen unterschiedlich antworten. So können zwei Personen der Ansicht sein, dass sie Menschen mit Behinderung nicht normal finden und doch etwas Unterschiedliches damit meinen, den Begriff des Normalen unterschiedlich deuten. Der Erste könnte meinen, dass es nicht normal ist, behindert zu sein, weil er ‘normal’ mit der biologischen Norm gleichsetzt, welcher Menschen mit Behinderung nicht entsprechen; der Zweite könnte ‘normal’ mit seinem Alltag vergleichen, in dem Menschen mit Behinderung nicht (oder nur in unterdurchschnittlicher Anzahl) vorkommen. Zwei weitere Personen, die die Ansicht vertreten, dass Menschen mit Behinderung normal sind, übersetzen diesen Begriff für sich wieder anders. Der Erste findet Behinderung normal, da Behinderung für ihn eine natürliche Daseinsform darstellt und der Zweite, weil er in einer Werkstatt für Menschen mit geistiger Behinderung arbeitet und jeden Tag mit dieser Personengruppe im Kontakt kommt und es so für ihn zu seiner persönlichen Normalität geworden ist. An diesen Beispielen wird deutlich, dass es eben nichtdie eine, richtigeDefinition von ‘Normalität’ gibt und sich die verschiedensten Bedeutungen hinter ihr verbergen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

0. EINLEITUNG

0.1 Aufbau der Arbeit

1. NORMALITÄT

1.1. Etymologie

1.1.1 Normal, Normalität

1.2. Normativität

1.3 Normenkonzepte

1.3.1 Die Statistische Norm

1.3.2 Technische Normen

1.3.3 Biologische/funktionelle Normen

1.3.4 Idealnorm

1.3.5 Soziale Norm

1.3.5.1 Bestandteile der sozialen Norm

1.3.5.3 Normverbindlichkeiten

1.4 Normalismus

1.4.1 Protonormalismus

1.4.2 Der Flexible Normalismus

1.5 Zusammenfassung - 1.Kapitel

2. NORMALITÄT und GEISTIGE BEHINDERUNG

2.1 Behinderung

2.1.1 WHO-Klassifikationen

2.1.2 Sozialpolitische Definition

2.1.3 Soziologische Definition

2.1.4 Definition: geistige Behinderung (behindertenpädagogisch)

2.1.4.1 Medizinische Sichtweise

2.1.4.2 Psychologische Sichtweise

2.1.4.3 Soziologische Sichtweise

2.1.5 Statistische Häufigkeit

2.2 Behinderungen als Abweichung

2.3 Zusammenfassung - 2.Kapitel

3. BEHINDERUNG als NORMALITÄT

3.1 Behinderung auf dem Weg zur Normalität

3.2 Verschiedenheit als neue Normalität

3.3 Integration als Aussonderungsabsage

3.4 Zusammenfassung – 3.Kapitel

4.FAZIT/ STELLUNGNAHME zur FRAGESTELLUNG

5. LITERATUR

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch den Normalitätsbegriff im Kontext der Behindertenpädagogik und geht der zentralen Forschungsfrage nach, ob Menschen mit geistiger Behinderung als „normal“ bezeichnet werden können. Dabei wird aufgezeigt, dass Normalität kein natürliches Gegebenes, sondern ein durch gesellschaftliche Prozesse und Strategien hergestelltes Konstrukt ist, das stark mit Stigmatisierung und Ausgrenzung von Menschen mit Behinderung verknüpft bleibt.

  • Analyse der Etymologie und Begriffsgeschichte von Normalität und Normativität.
  • Gegenüberstellung von Normalismusstrategien (Protonormalismus vs. Flexibler Normalismus).
  • Untersuchung der Definitionen von Behinderung aus medizinischer, psychologischer und soziologischer Sicht.
  • Diskussion der Integration und des Transnormalismus als Wege zu einem neuen Normalitätsverständnis.

Auszug aus dem Buch

1.1. Etymologie

Der Begriff der Normalität und der Norm geht etymologisch auf den lateinischen Begriff ‘norma’ zurück, der so viel bedeutet wie ‘Winkelmaß’ und in der antiken Architekturlehre das rechtwinklige Werkzeug eines römischen Baumeisters bezeichnete. Der Ausdruck des Winkelmaßes hat sich im Laufe der Zeit auch auf das menschliche Denken und Handeln übertragen; die „Natur als Baumeisterin, die das rechte Maß und den Maßstab für jegliches menschliches Handeln vorgibt“ (Gröschke 2002, 185) und im übertragenen Sinne wurde daraus die „Regel“ oder „Vorschrift“ (vgl. Weinmann 2001, 427).

Etwa 1050-1350 entstand aus dem lateinischen ‘norma’ das deutsche Substantiv ‘Norm’, das viele Bedeutungen enthielt (und teilweise bis heute enthält): Richtschnur, Regel, Maßstab, sittliches Gebot oder Verbot, Rechtsvorschrift als Grundlage der Rechtsordnung, Leistungssoll, Arbeitsleistung, Richtwert (für Arbeitsaufwand, Materialeinsatz), Größenanweisung für die Technik.

Im Laufe der Jahrhunderte leiteten sich mehrere Begriffe aus dem Terminus ‘Norm’ ab: Anfang des 18. Jahrhunderts das Adjektiv normal: „der Norm entsprechend, regelrecht, vorschriftsmäßig, allgemein üblich, gewöhnlich, durschnittlich, geistig gesund“ (vgl. Ritter 1984). Anfang des 19. Jahrhunderts: das Verb normieren, das so viel bedeutete wie ‘nach dem Winkelmaß abmessen’, ‘so wie es angenehm ist, einrichten, vereinheitlichen’.

Zusammenfassung der Kapitel

0. EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die Problematik des vieldeutigen Normalitätsbegriffs ein und stellt die Forschungsfrage nach der Normalität von Menschen mit geistiger Behinderung.

1. NORMALITÄT: Dieses Kapitel arbeitet den Normalitätsbegriff historisch und theoretisch auf, differenziert zwischen Normativität und deskriptiver Normalität und erläutert den Normalismus.

2. NORMALITÄT und GEISTIGE BEHINDERUNG: Der zweite Teil beleuchtet verschiedene Definitionen von Behinderung (WHO, sozialpolitisch, soziologisch) und deren Verhältnis zum Normalitätsbegriff.

3. BEHINDERUNG als NORMALITÄT: Das dritte Kapitel diskutiert Integrationsansätze sowie den Übergang von flexiblen Normalisierungsstrategien hin zu einem Transnormalismus, der Verschiedenheit als neue Normalität begreift.

4.FAZIT/ STELLUNGNAHME zur FRAGESTELLUNG: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Frage nach der Normalität bei Anerkennung von Verschiedenheit als neue Normalität an Bedeutung verliert.

5. LITERATUR: Das Literaturverzeichnis listet die für die Arbeit herangezogenen Quellen auf.

Schlüsselwörter

Normalität, Normativität, Normalismus, Behinderung, geistige Behinderung, Behindertenpädagogik, Integration, Stigmatisierung, Normalverteilung, Transnormalismus, soziale Norm, Normalisierungsprinzip, Verschiedenheit, Abweichung, Teilhabe.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht kritisch, wie der Begriff „normal“ konstruiert wird und inwieweit er auf Menschen mit geistiger Behinderung anwendbar ist.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die Schwerpunkte liegen auf der begrifflichen Klärung von Normalität und Normativität, der Analyse von Normalisierungsstrategien in modernen Gesellschaften sowie der theoretischen Einbettung von Behinderung als soziale Konstruktion.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Hauptziel ist es, die Frage zu beantworten, ob Menschen mit geistiger Behinderung „normal“ sind, und dabei die Machtmechanismen hinter dieser Kategorisierung aufzudecken.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin wählt einen wissenschaftstheoretischen Ansatz, der auf der Diskursanalyse (insbesondere angelehnt an Jürgen Link) basiert, um den Normalitätsbegriff kritisch zu dekonstruieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung von Normalität, eine Auseinandersetzung mit verschiedenen Behinderungsdefinitionen und eine Diskussion über Integration und Transnormalismus.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Normalität, Normalismus, Behinderung, Stigmatisierung, Integration, soziale Norm und der Transnormalismus als Vision einer inklusiven Gesellschaft.

Wie unterscheidet die Autorin zwischen Protonormalismus und flexiblem Normalismus?

Der Protonormalismus wird als starre, „harte“ Form mit engen Grenzen definiert, während der flexible Normalismus als „weiche“ Strategie gilt, die Grenzen verschiebt, um eine breitere Inklusion zu ermöglichen.

Was bedeutet „Transnormalismus“ in diesem Kontext?

Transnormalismus bezeichnet das Ziel, die Grenzen zwischen „normal“ und „anormal“ vollständig aufzulösen, sodass Verschiedenheit als eine akzeptierte, normale menschliche Daseinsform gilt.

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Details

Title
Sind Menschen mit geistiger Behinderung "normal"? - Reflexionen zur Normalismusdiskussion
College
University of Cologne  (Heilpädagogische Fakultät )
Grade
2,7
Author
Christina Bohlen (Author)
Publication Year
2006
Pages
72
Catalog Number
V52889
ISBN (eBook)
9783638484763
ISBN (Book)
9783656790556
Language
German
Tags
Sind Menschen Behinderung Reflexionen Normalismusdiskussion
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christina Bohlen (Author), 2006, Sind Menschen mit geistiger Behinderung "normal"? - Reflexionen zur Normalismusdiskussion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52889
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