Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › World History - Early and Ancient History

„Magna mortalitas fuit” - Seuchen im dritten Jahrhundert und die „Krise“ des römischen Reiches

Title: „Magna mortalitas fuit” - Seuchen im dritten Jahrhundert und die „Krise“ des römischen Reiches

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 28 Pages , Grade: 1

Autor:in: Christoph Wälz (Author)

World History - Early and Ancient History
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Im 3. Jahrhundert kam es zu mehreren Seuchenwellen in Alexandria, Carthago und anderen Orten. Diese Seuchen wurden von der Forschung lange als eines von diversen Phänomenen einer Globalkrise der Römischen Reichs angesehen. Eng verbunden damit ist die Diskussion um Ursachen für den Untergang des Reichs.
Neben den Seuchen kam es zu wirtschaftlichen Krisen, zu gewaltsamen und schnellen Thronwechseln, zu zahlreichen „Barbaren“-Einfällen, unsicheren Grenzen und anderen „Krisen“-Phänomenen. Die Interpretation einer umfassenden Krise wird von der neueren Forschung jedoch zunehmend hinterfragt (Vgl. v.a. Witschel 1999).
In dieser Arbeit wird der Frage nachgegangen, was den vorhandenen Quellen tatsächlich an brauchbaren Informationen entnommen werden kann. Es soll abgewogen werden, welche Schlussfolgerungen daraus für das Ausmaß und die demographischen Auswirkungen der Seuchen möglich sind. Des weiteren stellt sich die Frage, ob die Seuchen subjektiv als Krisenphänomen wahrgenommen wurden.
Das Fehlen statistischer Daten zwingt dazu, sich vor allem an literarischen Quellen zu orientieren, also an Briefen, Chroniken usw., in denen allein direkte Aussagen zu Seuchen zu finden sind. Die überlieferten zeitgenössischen Quellen (Dionysius, Cyprian) sowie spätere, historiographische Zeugnisse der Antike (Zosimus, Orosius, Historia Augusta, Eutropius, Zonaras) werden kritisch untersucht.
Des weiteren werden die verschiedenen Versuche der Forschung, aus anderen Quellen indirekte Hinweise zu Seuchen und demographischen Entwicklungen des 3. Jahrhunderts herauszulesen, vorgestellt und eingeschätzt. Wierschowski (1994), Duncan-Jones (1996), Haberman (1998). Die grundsätzliche Möglichkeit, demographische Aussagen für die Antike zu machen, wurde u.a. von Boak (1955), Finley (1958), Wierschowski (1994) und Witschel (1999) diskutiert. Die Diskussion wird hier zusammengefasst und auf die Frage von Seuchen bezogen.
Es wird ein abgewogenes Fazit auf der Grundlage von Quellen und Forschungslage gezogen. Antike Quellen vermitteln zunächst ein ausschnittartiges Bild von einem individuellen Beobachterstandpunkt. Ihre objektive Aussagekraft gilt es einzuschätzen. Bei allen Problemen, das Ausmaß der Seuchen zu erfassen, ist es bemerkenswert, dass sie sich wie ein roter Faden durch die Geschichtsschreibung der nächsten Jahrhunderte zieht. Ihre Wirkung auf das kollektive Bewusstsein der Spätantike scheint gegeben. Dennoch ist die Kritik gegenüber globalen Krisenmodellen zu betonen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1.) Einleitung

2.) Quellen

2.1) Literarische Quellen

2.1.1) Zeitgenössische Überreste

2.1.1.1) Dionysius

2.1.1.2) Cyprian

2.1.2) Spätere, historiographische Zeugnisse

2.1.2.1) Zosimus

2.1.2.2) Orosius

2.1.2.3) Historia Augusta

2.1.2.4) Eutropius

2.1.2.5) Zonaras

2.1.3) Fazit der Quellenanalyse

2.2) Indirekte Hinweise auf Bevölkerungsrückgänge

3.) Antike und Demographie

4.) Schluss

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Diese Arbeit untersucht die Rolle von Seuchen im dritten Jahrhundert und hinterfragt kritisch, inwieweit diese als maßgeblicher Faktor für eine „Krise“ des römischen Reiches interpretiert werden können. Dabei wird insbesondere analysiert, welchen Aussagewert antike literarische Quellen sowie indirekte demographische Indikatoren hinsichtlich des tatsächlichen Ausmaßes und der Auswirkungen dieser Epidemien besitzen.

  • Kritische Analyse zeitgenössischer und späterer antiker Quellen zu Seuchen.
  • Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Seuchen und subjektiver Krisenwahrnehmung.
  • Diskussion methodischer Herausforderungen der historischen Demographie in der Antike.
  • Bewertung der Rolle von Seuchen als Faktor für den Untergang des römischen Reiches.

Auszug aus dem Buch

2.1.1.1) Dionysius

Die „Historia Ecclesiastica“ des Eusebius -im Original auf syrisch verfasst- zählt zu den Chroniken christlicher Autoren, enthält also heils- und kirchengeschichtliche Aspekte. Eusebius zitiert in seinen Ausführungen zu Bürgerkriegsereignissen in Alexandria einen Brief, den der Bischof Dionysius Ostern 249 formell an den ägyptischen Bischof Hierax schrieb, der sich jedoch an die christliche Gemeindeöffentlichkeit richtete. Denn diese Art von Brief war ein „offizielle[s] kirchenpolitische[s] ... Dokument ...“, für das Dionysius eine „eigenständige ... inhaltliche ... Konzeption“ entwickelte.

Zunächst geht Dionysius auf die Bürgerkriegsereignisse infolge eines lokalen antichristlichen Pogroms ein, bei deren Schilderung er sich deutlich an das Alte Testament anlehnt. Die Pest, die mit dem Bürgerkrieg in Zusammenhang stand, muss nach Strobel von „der großen Epidemie“ getrennt werden, die erst später einsetzte. Auch Dionysius macht den Zusammenhang von Pest und Bürgerkrieg deutlich:

„Die Dämpfe der Erde, die Winde des Meeres, die Dünste der Flüsse und die Nebel der Häfen sind der Art, daß der Tau Blutwasser ist, da in allen Stoffen, aus denen er entsteht, Leichen faulen. Und da wundert man sich und fragt, woher die andauernde Pest, die schweren Krankheiten, die verschiedenartigen Seuchen, das mannigfaltige und häufige Sterben der Menschen kommen [...]“

Zusammenfassung der Kapitel

1.) Einleitung: Diese Einleitung stellt die Forschungsfrage nach der tatsächlichen Bedeutung der Seuchen im dritten Jahrhundert als Krisenfaktor und erläutert die methodische Herangehensweise anhand kritischer Quellenarbeit.

2.) Quellen: Dieses Kapitel analysiert sowohl zeitgenössische als auch spätere literarische Zeugnisse zu den Seuchen im dritten Jahrhundert und bewertet deren Glaubwürdigkeit und dramatische Intentionen.

2.1) Literarische Quellen: Dieser Abschnitt unterteilt die literarische Überlieferung in Augenzeugenberichte und spätere historiographische Texte, um deren unterschiedliche Perspektiven auf die Epidemien zu untersuchen.

2.1.1) Zeitgenössische Überreste: Hier werden die Berichte von Dionysius und Cyprian als unmittelbare, wenn auch topisch geprägte Zeugnisse der Zeit behandelt.

2.1.1.1) Dionysius: Dieser Unterpunkt befasst sich mit dem Osterbrief des Bischofs Dionysius von Alexandria und analysiert die rhetorische Darstellung der Seuche im Kontext des Bürgerkriegs.

2.1.1.2) Cyprian: Dieser Abschnitt untersucht die Schrift „De mortalitate“ von Cyprian von Karthago und dessen Interpretation der Seuche aus christlich-theologischer Sicht.

2.1.2) Spätere, historiographische Zeugnisse: Dieser Bereich betrachtet Darstellungen byzantinischer und späterer Historiker, die die Seuchenereignisse aus zeitlicher Distanz in ihre Geschichtswerke einbetteten.

2.1.2.1) Zosimus: Dieser Abschnitt analysiert die Darstellung der Seuchen in der „Neuen Geschichte“ des Zosimus und deren Einordnung in das Gesamtszenario der Krisenphänomene.

2.1.2.2) Orosius: Hier wird untersucht, wie Orosius die Seuche als gottgegebene Strafe für die Verfolgung der Christen in seine Weltchronik integriert.

2.1.2.3) Historia Augusta: Dieser Unterpunkt kritisiert den hohen Grad an literarischer Fiktionalität und die unklaren Angaben zu Opferzahlen in der Historia Augusta.

2.1.2.4) Eutropius: Diese Analyse widmet sich Eutropius, der die Seuche in seinem Breviarium als bestimmendes Moment der Regierungszeit von Gallus und Volusianus darstellt.

2.1.2.5) Zonaras: Dieser Abschnitt betrachtet die knappe Erwähnung der Seuche durch den byzantinischen Historiker Zonaras und deren Charakter als tradiertes Allgemeingut.

2.1.3) Fazit der Quellenanalyse: Dieses Fazit fasst zusammen, dass literarische Quellen aufgrund ihrer mangelnden Quantifizierbarkeit und der kontextabhängigen Dramatisierung nur bedingt für demographische Aussagen taugen.

2.2) Indirekte Hinweise auf Bevölkerungsrückgänge: Dieses Kapitel diskutiert Versuche der Forschung, den Bevölkerungsrückgang durch indirekte Methoden wie die Auswertung von Inschriften und Papyri zu belegen, und setzt sich mit der Witschel-Kritik auseinander.

3.) Antike und Demographie: Hier werden die grundsätzlichen Möglichkeiten und Grenzen der historischen Demographie für die Antike im Kontext der Diskussion über den Untergang des römischen Reiches erörtert.

4.) Schluss: Das Fazit stellt fest, dass ein reichsweites Krisenbewusstsein im Zusammenhang mit Seuchen unwahrscheinlich ist, räumt jedoch ein, dass Seuchen einen bedeutenden Platz im kollektiven Gedächtnis eingenommen haben.

Schlüsselwörter

Drittes Jahrhundert, Römische Krise, Seuchen, Epidemien, Quellenkritik, Historische Demographie, Dionysius von Alexandria, Cyprian von Karthago, Historiographie, Bevölkerungsrückgang, Antike, Krisenbewusstsein, Soldatenkaiser, Sozialgeschichte, Historische Analyse

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Seuchen des dritten Jahrhunderts n. Chr. und deren Rolle als Krisenfaktor für das römische Reich. Dabei wird kritisch hinterfragt, ob die Quellen eine zuverlässige Aussage über das Ausmaß und die demographischen Folgen zulassen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind die quellenkritische Analyse antiker Texte, die Methodik der historischen Demographie sowie die Differenzierung zwischen subjektiver Krisenwahrnehmung und objektiven demographischen Fakten.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist zu klären, welche brauchbaren Informationen den antiken Quellen tatsächlich entnommen werden können, um demographische Auswirkungen der Seuchen zu bewerten und ein differenzierteres Bild der „Krise des dritten Jahrhunderts“ zu gewinnen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor stützt sich vor allem auf eine umfassende Kritik der Wissenschaft und der antiken Quellen, wobei er die Positionen moderner Forscher (wie Witschel und Strobel) gegenüberstellt und die Validität der Berichte sowie indirekter demographischer Hinweise prüft.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Untersuchung zeitgenössischer Überreste (Dionysius, Cyprian) und späterer historiographischer Zeugnisse (Zosimus, Orosius, Historia Augusta, Eutropius, Zonaras) sowie eine Diskussion indirekter demographischer Indikatoren.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere die Krise des dritten Jahrhunderts, die quellenkritische Methode, historische Demographie, antike Historiographie und die Rolle von Seuchen im kollektiven Gedächtnis.

Warum ist die Unterscheidung zwischen „Zeitgenössischen Überresten“ und „Traditionsquellen“ so wichtig?

Diese Unterscheidung ist essenziell, da Zeitgenossen wie Dionysius und Cyprian die Seuche als unmittelbare Betroffene in einem religiösen Kontext schildern, während spätere Historiker die Ereignisse in interpretative Schemata ihrer jeweiligen Zeit einordneten.

Welche Bedeutung misst der Autor den „indirekten Hinweisen“ auf Bevölkerungsrückgänge bei?

Der Autor sieht diese Studien (wie etwa zur Häufigkeit von Inschriften oder Papyri) kritisch. Er betont, dass diese Indikatoren oft nicht repräsentativ genug sind und ein Rückgang nicht vorschnell in die Quellen hineininterpretiert werden sollte, da die Überlieferungssituation ungleichmäßig ist.

Excerpt out of 28 pages  - scroll top

Details

Title
„Magna mortalitas fuit” - Seuchen im dritten Jahrhundert und die „Krise“ des römischen Reiches
College
University of Leipzig  (Historisches Seminar)
Grade
1
Author
Christoph Wälz (Author)
Publication Year
2004
Pages
28
Catalog Number
V52894
ISBN (eBook)
9783638484817
ISBN (Book)
9783638693134
Language
German
Tags
Seuchen Jahrhundert Reiches
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christoph Wälz (Author), 2004, „Magna mortalitas fuit” - Seuchen im dritten Jahrhundert und die „Krise“ des römischen Reiches, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52894
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  28  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint