Über den Wertewandel im Zeitalter des Post-Industrialismus im Bezug auf anthropologische Erklärungsansätze


Zwischenprüfungsarbeit, 2002

24 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Begriffserklärungen
2.1. Industrialisierung
2.2. Werte

3. Das Individuum – ein Mängelwesen aus anthropologischer Sicht
3.1. objektiver Weltbezug
3.2. intersubjektiver Weltbezug
3.3. subjektiver Weltbezug
3.4. Zusammenfassung

4. Entlastung

5. Exkurs: Technik

6. Institutionen
6.1. Merkmale und Funktionen von Institutionen
6.2. Institutionen im Wandel

7. Wertewandel
7.1. gesellschaftliche Entwicklung
7.2. Mentalitätsänderungen des Individuums
7.3. Konsequenzen des Wertewandels

8. Konsequenzen für das Individuum aus anthropologischer Sicht
8.1. Anpassung
8.2. Erfahrungsverlust

9. Schlussbemerkung

1. Einleitung

Ist der Mensch gut oder böse? Besitzt der Mensch so etwas wie eine Seele?

Das sind Grundfragen der Anthropologie, die den Menschen schon seit der Antike beschäftigen.[1] Ein weiteres Grundproblem der Anthropologie stellt die Frage dar, ob der Mensch ein Kultur- oder ein Naturwesen ist. Arnold Gehlen hat sich diese Frage zur Aufgabe gemacht und einen Vergleich zwischen Tier und Mensch angestellt, mit dem Ziel über diesen dialektischen Umweg das angeführte Grundproblem des Menschen erklären zu können. In dieser Ausarbeitung werde ich das Kultur- Natur Problem des Menschen aufgreifen (vgl. Kapitel 3-6). Unter starkem Bezug auf die Studien Arnold Gehlens wird sich herausstellen, dass des Menschen Natur seine, von ihm geschaffene Kultur ist. Des weiteren wird sich zeigen, dass der Mensch aufgrund seiner fehlenden Natur, Spannungen ausgesetzt ist. Allerdings finden diese besonders in der Technik, aber auch in Institutionen ihren Ausgleich. In Kapitel 6.2. werde ich auf die Veränderungen der Institutionen im Zusammenhang mit der Industriellen Revolution eingehen. Dieser epochale Wandel hat sowohl auf das Individuum, als auch auf die Institutionen Auswirkungen. Bedingt durch den Prozess des „Institutionenwandels“ folgen daraus gesellschaftliche Veränderungen. Die anthropologischen Erklärungsansätze bezüglich der gesellschaftlichen Veränderungen, gehen einher mit dem Erklärungsansatz des aktuellen Problems über den Wertewandel. In Kapitel 2. werden zunächst Werte im Allgemeinen vorgestellt, die in Kapitel 7. als gesellschaftliche Veränderung im Zeitalter des Postindustrialismus näher untersucht werden.

Diese Ausarbeitung soll als Versuch gesehen werden, eine aktuelle gesellschaftliche Veränderung, wie den Wertewandel, auf der Ebene der Anthropologie zu erklären. Durch diese Verknüpfung lassen sich wesentliche Erkenntnisansätze über das Zustandekommen und die Auswirkungen von gesellschaftlichen Veränderungen machen.

2. Begriffserklärungen

Zum weiteren Verständnis möchte ich vorab auf die grundlegenden Begrifflichkeiten –Industriegesellschaft- und –Werte- eingehen. Diese Begriffe bilden den Rahmen, in dem sich die Ausarbeitung bewegt.

2.1. Industrialisierung

„Industrie ist ein umfassender gesellschaftlicher Tatbestand.“[2]

Dieses Zitat von G. Schmidt skizziert die Bedeutung und den Umfang, den der Industrialisierungsprozess auf unsere Gesellschaft hatte, bzw. hat. Die Veränderungen durch die Industrielle Revolution sind nicht alleine auf fortschrittlichere Techniken zu beschränken, sondern es kam auch zu grundlegenden Veränderungen in nahezu allen gesellschaftlichen Lebensbereichen. In Kapitel 6.2. gehe ich näher auf die Veränderungen und den Wandel ein, den die Industrielle Revolution einher brachte. Im folgenden werden die durch die Industrialisierung bedingten gesellschaftlichen Veränderungen mit den gesellschaftlichen Entwicklungen die heutzutage erkennbar sind verglichen. Dazu wird vorab der Begriff der Industriegesellschaft näher durchleuchtet.

Der Begriff der Industriegesellschaft beschreibt ein Gesellschaftsmodell, das zeitlich gesehen, ab Mitte des 18. Jahrhundert eingesetzt hat. Generell dient ein Gesellschaftsmodell dazu, eine Gesellschaft zu charakterisieren, d.h., ihre sozialen Tatbestände zu ermitteln. Mit einer Gesellschaftsanalyse lassen sich somit strukturelle Wandlungsprozesse wie z.B. die Ängste, Hoffnungen oder Befürchtungen der Individuen deuten.[3]

Darüber hinaus wird eine solche Gesellschaftsanalyse vorgestellt, die sich allerdings auf den Bereich der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung in der Industriegesellschaft und den der kulturellen Wandlungsprozesse in der postindustriellen Gesellschaft beschränkt.

Die gesamtgesellschaftliche Entwicklung in der Industriegesellschaft kennzeichnet sich durch:

die Steigerung der Produktivität von Arbeit und Kapital;

die räumliche Trennung von Familie und Beruf;

die sowohl räumliche als auch soziale Mobilität und Berufshierarchie;

die zunehmende Arbeitsteilung und Automatisierung;

eine hohe Lebenserwartung und eine niedrige Geburtenrate;

das Vordringen städtischer Lebensweisen;

eine Standardisierung des Lebenslaufes in vier wesentliche Phasen: Kindheit, Jugend, Erwachsensein und Alter.

Die nun angeführten Merkmale des kulturellen Wandlungsprozesses in der postindustriellen Gesellschaft sind als Folgen der Industrialisierung zu betrachten:

im Zentrum der Wertschöpfung stehen Wissen, Innovation und Anpassungsfähigkeit;

die soziale Bedeutung räumlicher Trennungen verschwindet durch zunehmende Vernetzungsmöglichkeiten;

Berufshierarchien werden für kollektive Identitäten immer unwichtiger;

Arbeitsteilung und Automatisierung werden zugunsten von Kooperation und Dezentralisierung zurückgenommen;

unternehmerische Denk- und Lebensweisen werden immer prägender;

weniger standardisierte Lebensläufe;

Tendenz zu pluralen Lebensformen.[4]

Diese Analyse macht deutlich, dass mit der Technisierung und Modernisierung, welche die Industrialisierung mit sich brachte, grundlegende gesellschaftliche Veränderungen hervortraten. Diese werden wiederum besonders in der Phase des Postindustrialismus erkennbar. Sowohl das Individuum als auch die Institutionen, in denen sich das Individuum organisiert, haben eine Veränderungen erfahren.

Deshalb ist es evident die gesellschaftlichen Veränderungen in ihrem Ursprung zu untersuchen, d.h. zum einen aus der Perspektive des Individuums (Kapitel 3.) und zum anderen aus der Perspektive der Institutionen (Kapitel 4.). Sowohl das Individuum, als auch die Institutionen orientieren und handeln nach Werten, Normen und Regeln. Um Gesellschaft in seiner Komplexität zu verstehen ist es deshalb nötig auch den gesellschaftlichen Überbau zu betrachten.

2.2. Werte

Innerhalb der Kulturanthropologie versteht man unter Werten die Verknüpfung zwischen normativem Handeln und dem alltäglichen Handeln. Allerdings hat dieses Werteverständnis durch die empirische Sozialwissenschaft eine zusätzliche Bedeutung erfahren. Zu dem kulturanthropologischen Verständnis kommt nun noch eine neue Komponente hinzu. Werte sind nicht mehr nur ausschließlich handlungsleitende Verbindlichkeiten, sondern sie sind personeninterne Bestimmungsgrößen des sozialen Handelns.

Eine mögliche Definition lautet: „Ein Wert sei eine Auffassung vom Wünschenswerten, die explizit oder implizit sowie für ein Individuum oder für eine Gruppe kennzeichnend ist und welche die Auswahl der zugänglichen Weisen, Mittel und Ziele des Handelns beeinflusst.“[5]

Zum weiteren Verständnis dieser Definition lassen sich die Erkenntnisse aus der Soziologie und der Psychologie hinzuziehen. Dabei werden Werte aus einer doppelten Sichtweise betrachtet.

Einerseits werden Werte betrachtet, die kulturell oder institutionell definiert worden sind. Diese Werte sind dementsprechend auch in den Institutionen verankert, z.B. das Rechtssystem, und werden aufgrund dessen auch mit Sanktionen belegt. Andererseits gibt es die Gruppe der individuellen Wertefindung, bzw. der individuellen Werteentwicklung. Allerdings können beide Wertegruppen eine Veränderung erfahren, d.h. einen Wertewandel durchlaufen. Dieser geht entweder mit einer Veränderungen der Institutionen einher oder er erfolgt spontan individuell.[6]

Die folgende Graphik stellt das Wertebild in Deutschland 1997 dar und liefert somit einen Überblick über präzise Werte und ihren gesellschaftlichen Stellenwert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] vgl. Thies, Christian; Gehlen zur Einführung; 1.Auflage, Hamburg, 2000, S. 23f

[2] vgl. Schmidt, Gert; In: Schäfers, Bernhard/ Zapf, Wolfgang; Handwörterbuch zur

Gesellschaft Deutschlands; 2. Auflage, Bonn, 2001, S.307

[3] vgl. Immerfall, Stefan; In: Schäfers, Bernhard/ Zapf, Wolfgang; Handwörterbuch zur

Gesellschaft Deutschlands; 2. Auflage, Bonn, 2001, S.259

[4] vgl. Immerfall, Stefan; In: Schäfers, Bernhard/ Zapf, Wolfgang; Handwörterbuch zur

Gesellschaft Deutschlands; 2. Auflage, Bonn, 2001, S.260ff

[5] vgl. Kluckhohn, Clyde; In: Parsons / Shils; Toward a General Theory of Action; 1951

[6] vgl. Klages, Helmut; In: Schäfers, Bernhard/ Zapf, Wolfgang; Handwörterbuch zur

Gesellschaft Deutschlands; 2. Auflage, Bonn, 2001, S.726ff

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Über den Wertewandel im Zeitalter des Post-Industrialismus im Bezug auf anthropologische Erklärungsansätze
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Institut für Pädagogik)
Veranstaltung
Pädagogische Anthropologie
Note
2,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
24
Katalognummer
V52935
ISBN (eBook)
9783638485111
Dateigröße
645 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wertewandel, Zeitalter, Post-Industrialismus, Bezug, Erklärungsansätze, Pädagogische, Anthropologie
Arbeit zitieren
Christian Fritsch (Autor), 2002, Über den Wertewandel im Zeitalter des Post-Industrialismus im Bezug auf anthropologische Erklärungsansätze, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/52935

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