Als ein entscheidender Faktor bei der Entwicklung des bürgerlichen Selbstverständnisses im 18. Jahrhundert ist zweifelsohne der Zeitschriftentypus der Moralischen Wochenschriften anzuführen. Mit Beiträgen zu verschiedensten Fragen des täglichen Lebens und dem Charakter eines Ratgebers propagierten diese nicht nur Bildung und die gesellschaftliche Anerkennung der Frau, sondern behandelten ebenso moralische und religiöse Angelegenheiten. Außerdem trugen sie in großem Maße dazu bei, in breiten Kreisen des Bürgertums das Interesse an Kultur und Literatur zu wecken. Sie lieferten ebenso ein vorparlamentarisches Diskussionsforum auch für jene Teile des Bürgertums, die von der politischen Macht ausgeschlossen waren. Besonders in Deutschland waren die Blätter in ihrer Blütezeit sehr beliebt und verbreiteten hier wie im übrigen Europa mit ihren Beiträgen die Ideen der Aufklärung und erwiesen sich somit als maßgebliches Beeinflussungsorgan der öffentlichen Meinung.
Nachfolgend soll die Ausdifferenzierung und Entstehung der Moralischen Wochenschriften sowie ihre Wegweiser und deren Inhalte erläutert werden. Weiterhin soll auch ein Augenmerk auf den gesellschaftlichen Veränderungen im Zuge der Aufklärung, wie beispielsweise das neue aufgeklärte Bürgertum und die Entstehung einer (politischen) Öffentlichkeit, liegen. Dabei soll die Rolle der Moralischen Wochenschriften bezüglich dieser Umstrukturierungen, zumindest am Beispiel Deutschlands, herausgestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Moralische Wochenschriften
1.1. Entstehung eines neuen Zeitschriftentyps
1.2. Aufbau und Inhalt Moralischer Wochenschriften
2. Die Aufklärung in Deutschland
2.1. Das Bürgertum
2.2. Entstehung einer Öffentlichkeit
3. Die Rolle der Moralischen Wochenschriften in diesem Kontext
(Zusammenfassung)
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der Moralischen Wochenschriften als zentrales Medium für die Verbreitung aufklärerischer Ideale im Deutschland des 18. Jahrhunderts. Sie geht der Frage nach, inwiefern dieser Zeitschriftentypus zur Bildung eines bürgerlichen Selbstverständnisses sowie zur Entstehung einer kritischen, politischen Öffentlichkeit beitrug.
- Historische Entstehung und publizistische Charakteristika der Moralischen Wochenschriften
- Die Rolle des Bürgertums als tragende Säule der Aufklärung
- Entwicklung und Funktionen einer bürgerlichen (politischen) Öffentlichkeit
- Wechselwirkung zwischen Literatur, Moral und gesellschaftlicher Emanzipation
- Einfluss der Wochenschriften auf die Säkularisierung und den sozialen Diskurs
Auszug aus dem Buch
2.1. Entstehung eines neuen Zeitschriftentyps
Die Moralischen Wochenschriften beziehungsweise der Moraljournalismus entstanden Anfang des 18. Jahrhunderts als „Kind der englischen Aufklärung“. Dabei wurden die Grundlagen für die bedeutende publizistische Erscheinungsform von Joseph Addison und Richard Steele mit den von ihnen herausgegebenen Zeitschriften „The Tatler“ (1707-1711), „The Spectator“ (1711-1712, 1714) und „The Guardian“ (1713) geschaffen. Wegweisend für ganz Europa entstanden sie vielmehr aus bürgerlich-puritanischer Kritik an der Kultur und dem Lebensstil der dortigen Aristokratie. Das neue Genre der Medienlandschaft erfuhr seine größte Ausbreitung allerdings im deutschsprachigen Raum.
Auch wenn die Entstehung der Moralischen Wochenschriften tendenziell in Großbritannien gesehen wird, so lassen sich zumindest frühe und beschränkte Ansätze auch in Deutschland erkennen, die sich nicht primär auf die Nachahmung einer bereits vorhandenen Gattung beschränken. So sind beispielsweise auch Christian Thomasius’ erfolgreiche Versuche, durch die „Monatsgespräche“ (1688-1690) die deutsche Sprache als Mediensprache zu etablieren und in unterhaltsam aufgelockertem, ironisch-freimütigem und kritisch-satirischem Stil zu schreiben, bereits in gewisser Weise Vorboten für die Moralischen Wochenschriften des 18. Jahrhunderts, ganz zu schweigen von Johann Frischs erstmals 1676 wöchentlich in Hamburg herausgebrachten „Erbaulichen Ruhstunden“, die als belehrend-moralische beziehungsweise belehrend-unterhaltende Zeitschriften bereits auf das neue Genre hinweisen. Moralische Wochenschriften sind daher vielmehr eine „Synthese aus den neuentstehenden englischen „moral weeklies“ und neuen Tendenzen im deutschsprachigen Journalismus und in der deutschsprachigen Literaturentwicklung“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Moralische Wochenschriften: Dieses Kapitel erläutert die Genese der Moralischen Wochenschriften als adaptierter englischer Zeitschriftentypus und beschreibt deren spezifische formale sowie inhaltliche Gestaltung.
2. Die Aufklärung in Deutschland: Hier werden der sozialhistorische Kontext der Aufklärung, der Aufstieg des Bürgertums sowie die Prozesse der Formierung einer öffentlichen Diskussionssphäre analysiert.
3. Die Rolle der Moralischen Wochenschriften in diesem Kontext (Zusammenfassung): Das abschließende Kapitel synthetisiert die Bedeutung der Schriften als Katalysatoren für soziale Differenzierung, Emanzipation und die Etablierung kritischer Publizität im 18. Jahrhundert.
Schlüsselwörter
Moralische Wochenschriften, Aufklärung, Bürgertum, Öffentlichkeit, Moraljournalismus, 18. Jahrhundert, Publizistik, Zeitschriften, Emanzipation, Vernunft, Tugend, Säkularisierung, Medienlandschaft, Diskussionsforum, Gesellschaftskritik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die historische Bedeutung und Funktion der Moralischen Wochenschriften als einflussreiches Medium, das maßgeblich zur Verbreitung aufklärerischer Ideen im Deutschland des 18. Jahrhunderts beigetragen hat.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Entstehungsbedingungen der Moralischen Wochenschriften, das Selbstverständnis des damaligen Bürgertums sowie die Herausbildung einer eigenständigen (politischen) Öffentlichkeit.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel ist es, die Rolle dieser Schriften als Instrument zur Erziehung zu einem selbstbewussten Bürgertum und als Forum für gesellschaftliche Debatten nachzuvollziehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historisch-systematischen Literaturanalyse, die verschiedene medien- und kommunikationswissenschaftliche Quellen auswertet.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Zeitschriftentyps selbst, die Analyse der gesellschaftlichen Strukturen der Aufklärung sowie eine zusammenfassende Bewertung des Einflusses der Wochenschriften.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den Schlüsselwörtern zählen Moralische Wochenschriften, Aufklärung, Bürgertum, Öffentlichkeit und Moraljournalismus.
Warum galten die Moralischen Wochenschriften als innovativ für die damalige Zeit?
Sie nutzten die deutsche Sprache statt Latein, wandten sich an ein breiteres Publikum und förderten durch den Austausch von Leserbriefen eine neue, engere Bindung zwischen Verfassern und Lesern.
Welche Bedeutung hatten die Moralischen Wochenschriften für Frauen im 18. Jahrhundert?
Die Schriften dienten als wichtiges Medium der Emanzipation, da sie Bildung als erstrebenswert vermittelten und Frauen explizit als Leserinnen ansprachen.
Inwiefern beeinflussten diese Schriften die Säkularisierung?
Indem sie weltliche Themen behandelten und den eigenen Verstand betonten, traten sie an die Stelle christlicher Erbauungsliteratur und förderten ein rationaleres, innerweltliches Weltbild.
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- Matthias Groß (Author), 2003, Moralische Wochenschriften und ihre Bedeutung für die Aufklärung in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53064