Erziehung stellt eine zentrale, alltägliche Aufgabe der Familie dar (vgl. Tschöpe-Scheffler, 2003), kann aber von immer weniger Eltern verantwortungsvoll ausgeübt werden, weil „Väter und Mütter sich unsicher, überfordert, hilflos und allein gelassen fühlen“ (S. 13). Der Spiegel (29/2005; 18.07.05) macht diese Hilflosigkeit zum Titelthema mit der Überschrift „Die Erziehung der Eltern“, „Abends in die Elternschule“ (S. 124) und beginnt den Artikel mit „Deutschlands Väter und Mütter sind überfordert...“. Gleichzeitig wird die Frage diskutiert, ob sich der richtige Umgang mit Kindern überhaupt lernen lässt. „Erziehen üben!“ überschrieb Die Zeit ihr Dossier bezüglich dieses Themas bereits im Oktober 2004 (Ausgabe Nr. 44, vom 21.10.2004). Die Zeitschrift „Spielen und Lernen“ (Heft 11, November 2004) stellt unter „Ghandi im Kinderzimmer“ eine spezielle Kunst des gewaltfreien Widerstands vor, ein Elterncoaching für Familien mit aggressiven und schwierigen Kindern. Die Zeitschrift „Hörzu“ beschäftigt sich unter dem Titelthema „Eltern in der Klemme“ mit der Frage, warum sich „Mutter und Vater als Erzieher heute so schwer tun und was Experten raten, um den Familienfrieden zu retten“ (S.7, Ausgabe 3, 14.01.2005). In all diesen beispielhaft genannten Artikeln werden die allgemeine Hilflosigkeit der Eltern, das „Erziehungselend“ (Hörzu), die Ratlosigkeit sowie die vielen Fragen der Eltern zur Erziehung ihrer Kinder thematisiert. Dass sich viele Väter und Mütter mit den Fragen überdierichtige Erziehung beschäftigen, zeigt neben der Zuschauerquote der „SuperNanny“ (4,4 Millionen, vgl. Gorris, im Spiegel 29/2005; bis zu 5,5 Millionen, vgl. Hoffman, in Hörzu Ausgabe 3) auch der Betrag, der für Erziehungsbücher und Zeitschriften ausgegeben wurde: im vergangenen Jahr waren dies 750 Mio. Euro laut Spiegel, die Hörzu spricht sogar von über 1 Milliarde, die die Deutschen pro Jahr für entsprechende Ratgeberliteratur ausgeben. Dabei kann aus einem breiten Angebot gewählt werden, eine Marktforschung ergab 360 Titel, 360 Erziehungsberater, Handreichungen usw. (vgl. Gorris, Spiegel 29/2005, S. 135). In dieses Angebot reihen sich ein die Vielzahl an Elterntrainings oder Elternschulen. Allgemeine Zielsetzung von Elterntrainings ist es, den Eltern eine professionelle Hilfestellung zu geben, um den Erziehungsalltag besser bewältigen zu können. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
1.1 Aufbau der Arbeit
2. Theoretische Einordnung
2.1 Erziehung und Erziehungsstile
2.2 Eltern-Training
3. Triple P: Positive Parenting Programm oder Positives Erziehungsprogramm
3.1 Die Ziele
3.2 Das Angebot von Triple P
3.2.1 Der Mehrebenen- Ansatz
3.2.2 Die Materialien
3.3 Inhaltliche Darstellung von Triple P
3.4 Methoden und Arbeitsweisen im Elterntraining
3.5 Evaluation
3.6 Theoretischer Hintergrund
3.6.1 Verhaltenstherapie
3.6.2 Geschichte und Entwicklung
3.6.3 Das Menschenbild
4. Das Gordon-Familientraining
4.1 Die Ziele
4.2 Das Verhaltensfenster
4.3 Das Prinzip des Problembesitzes
4.3.1 Der Bereich des annehmbaren Verhaltens
4.3.2 Der Bereich des nicht annehmbaren Verhaltens
4.3.3 Der Konflikt
4.4 Methoden und Arbeitsweisen im Familientraining
4.5 Evaluation
4.6 Theoretischer Hintergrund
4.6.1 Der klienten- oder personzentrierte Ansatz von Carl Rogers
4.6.2 Das Menschenbild der personzentrierten Psychotherapie
4.6.3 Die Persönlichkeits- und Beziehungstheorie
4.7 Kurzer Vergleich der Verhaltens- und der personzentrierten Therapie
5. Vergleichende Gegenüberstellung der Elterntrainings anhand ausgewählter Schwerpunkte
5.1 Das Menschenbild
5.2 Die Ziele
5.3 Kontrolle – Beeinflussung
5.3.1 Angemessenes Verhalten fördern (Triple P) – akzeptables Verhalten (Gordon):
5.3.2 Umgang mit Problemverhalten (Triple P) - nicht akzeptables Verhalten (Gordon):
5.3.3 Diskussion von Konfliktlösungen
5.3.4 Konsequenz (Triple P) - Inkonsequenzprinzip (Gordon):
5.4 Ausrichtung und Ziele der Elterntrainings
6. Resümee
Zielsetzung & Themen
Diese Magisterarbeit analysiert und vergleicht die zwei Elterntrainings "Triple P" (Positive Parenting Program) und "Gordon-Familientraining" hinsichtlich ihrer zugrunde liegenden Erziehungskonzepte, Methoden und Menschenbilder. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, welche Wertvorstellungen und theoretischen Hintergründe diese Angebote prägen und inwiefern sie sich in ihrer praktischen Anwendung zur Stärkung der Erziehungskompetenz unterscheiden.
- Vergleichende Analyse der theoretischen Grundlagen (Verhaltenstherapie vs. Humanistische Psychologie)
- Gegenüberstellung von Erziehungsmethoden (Kontrollmechanismen vs. kommunikative Beeinflussung)
- Untersuchung des Menschenbildes: Kind als Objekt der Erziehung versus eigenständiges Subjekt
- Evaluation der Wirksamkeit beider Programme auf Eltern- und Kindebene
- Diskussion der Eignung für verschiedene Zielgruppen (Problemfälle vs. Prävention)
Auszug aus dem Buch
3.6.1 Verhaltenstherapie
Der Begriff Verhaltenstherapie kennzeichnet eine große und heterogene Gruppe von Ansätzen, die auf bestimmten gemeinsamen Grundkonzepten beruhen. Ein wesentliches Kennzeichen der Verhaltenstherapien ist nach Kriz (2001, S. 107) „ein lerntheoretisches Verständnis für die Genese und Therapie von „Störungen““. Dies bedeutet, dass Verhaltensstörungen erworben, d.h. von Lernprozessen abhängig sind, und so die Ziele im Abbau gestörter Verhaltensstrukturen bzw. im Aufbau erwünschten Verhaltens liegen. Grundannahme ist, dass Verhalten nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten entsteht, aufrechterhalten wird und folglich auch veränderbar ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Darstellung der allgemeinen Hilflosigkeit von Eltern in Erziehungsfragen und Zielsetzung der Arbeit, zwei unterschiedliche Elterntrainings zu analysieren.
2. Theoretische Einordnung: Theoretische Grundlagen zu Erziehungsstilen, der Bedeutung der Eltern-Kind-Beziehung und einer Definition des Begriffs Elterntraining.
3. Triple P: Positive Parenting Programm oder Positives Erziehungsprogramm: Detaillierte Beschreibung der Ziele, Methoden, Evaluation und des verhaltenstherapeutischen Hintergrunds von Triple P.
4. Das Gordon-Familientraining: Analyse der Ziele, des Konzepts der Kommunikation, der Methode III sowie des humanistischen Menschenbildes nach Carl Rogers.
5. Vergleichende Gegenüberstellung der Elterntrainings anhand ausgewählter Schwerpunkte: Vergleich beider Ansätze in Bezug auf Menschenbild, Kontrolle und Konfliktlösungen.
6. Resümee: Zusammenfassende Bewertung, die aufzeigt, dass beide Trainings unterschiedliche Ansätze verfolgen, aber das gleiche Ziel der Stärkung der Erziehungskompetenz anstreben.
Schlüsselwörter
Elterntraining, Triple P, Gordon-Familientraining, Erziehungskompetenz, Verhaltenstherapie, Humanistische Psychologie, Eltern-Kind-Beziehung, Positive Erziehung, Kommunikation, Konfliktlösung, Verhaltensmodifikation, Aktives Zuhören, Ich-Botschaften, Prävention, Erziehungsstile.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit bietet eine fundierte Analyse und einen inhaltlichen Vergleich der zwei bekannten Elterntrainings "Triple P" und "Gordon-Familientraining".
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Es werden sowohl die theoretischen Grundlagen der Ansätze (Verhaltenstherapie vs. Humanismus) als auch praktische Methoden, Materialien, Evaluationsergebnisse und das jeweilige Menschenbild behandelt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Trainings aufzuzeigen, um ein tieferes Verständnis für die ihnen zugrunde liegenden Erziehungsvorstellungen zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse wissenschaftlicher Publikationen, Handbücher und Evaluationsstudien zu beiden Trainingsprogrammen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Neben der getrennten Darstellung beider Programme bildet die vergleichende Gegenüberstellung anhand von Schwerpunkten wie "Menschenbild", "Kontrolle" und "Konfliktlösungen" den Kern des Hauptteils.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind u.a. Elterntraining, Triple P, Gordon-Familientraining, Erziehungskompetenz, Verhaltenstherapie und Humanistische Psychologie.
Wie unterscheidet sich die Sicht auf das Kind?
Triple P betrachtet das Kind eher als Objekt der Erziehung, das durch Lernprozesse geformt wird, während das Gordon-Training das Kind als eigenständiges Subjekt sieht, das ein Mitbestimmungsrecht hat.
Kann man beide Ansätze kombinieren?
Die Autorin stellt fest, dass eine Integration aufgrund der grundlegend verschiedenen theoretischen Fundamente (Behaviorismus vs. humanistische Philosophie) schwierig ist.
- Citar trabajo
- M.A. Ines Leue (Autor), 2005, Analyse und vergleichende inhaltliche Gegenüberstellung der Elterntrainings Triple P und Gordon, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53099