Somatismen im interkulturellen Vergleich


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

20 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitungsgedanke

II. Hauptteil
1. Phraseologie
1.1 Begriffserklärung
1.2 Somatismen
1.2.1 Definition
1.2.2 Einteilung
1.2.3 Kulturelle Unterschiede
2. Der Fragebogen
2.1 These und Ziel
2.2 Aufbau und Ablauf
3. Die Auswertung
3.1 Somatismen im Deutschen
3.1.1 Häufigkeit
3.1.2 Bedeutung
3.1.3 Ergebnis
3.2 Somatismen im Hebräischen
3.2.1 Zur Geschichte der Hebräischen Sprache
3.2.2 Eliezer Ben Yehuda
3.2.3 Heilige Sprache
3.2.4 Der Fragebogen
a) Zur Durchführung der Befragung
b) Die Körperteile
c) Problematik der Befragung und
Bearbeitung des Ergebnisses
d) Fazit

III. Schlussergebnis

IV. Literaturverzeichnis

I. Einleitungsgedanke

„Seit Tagen liegt mir Klaus mit diesem Thema in den Ohren. Mir hängt es schon dermaßen zum Hals heraus, dass ich ihm manchmal am liebsten die Augen auskratzen möchte. Aber da ich mein Herz am rechten Fleck habe, drücke ich noch mal ein Auge zu und leihe ihm mein Ohr.“ Unsere Alltagkommunikation ist, wenn auch nicht in diesem Maße, voll von so genannten somatischen Phraseologismen. Für Fremdsprachler ist es oft schwer, ihre Bedeutung zu ergründen, da sie nicht wörtlich sondern im übertragenen Sinne zu verstehen sind. Muttersprachler hingegen lernen im Prozess ihres Spracherwerbs und ihrer Sozialisation somatische Phraseologismen richtig zu verwenden. Sie sind folglich Bestandteil jeder Sprache. Wie ähnlich sie sich sind und in welcher Häufigkeit sie auftreten, haben wir anhand eines Fragebogens versucht herauszufinden. In unserer Auswertung werden wir nun auf unsere Ergebnisse im Deutschen und in der Sprache Hebräisch im Vergleich zu Deutsch eingehen.

II. Hauptteil

1. Phraseologie

1.1 Begriffserklärung

Bevor wir uns unserem Fragebogen zuwenden, wollen wir zunächst einige Begriffe klären und das sprachwissenschaftlich relevante Gebiet näher vorstellen.

Somatische Phraseologien bzw. Somatismen sind in das Arbeitsfeld der Phraseologie einzuordnen. Phraseologie ist „die Wissenschaft oder Lehre von den festen Wortverbindungen einer Sprache, die in System und Satz Funktion und Bedeutung einzelner Wörter (Lexeme) übernehmen können.“[1] Phraseologismen sind demnach ein Mittel zur Erweiterung des Wortschatzes, zur Benennung und Verarbeitung von Emotionen, Einstellungen und Verhaltensweisen in der menschlichen Sprachtätigkeit.[2] Sie stellen die Einheit einer festen Wortverbindung dar und grenzen sich demzufolge von der freien Wortverbindung ab. Die phraseologische Einheit, bzw. das Phrasem, jdm den Zahn ziehen würde beispielsweise nach seiner freien Wortverbindung der wörtlichen Bedeutung und nach seiner phraseologischen Wortverbindung der übertragenen Bedeutung, nämlich jdn einer Illusion berauben, entsprechen.[3]

Die Definition des Phraseologiebegriffs ist an verschiedene Kriterien, so genannte phraseologische Merkmale[4] gebunden. Zum einen an das Kriterium der Idiomatizität, das die Umdeutung, die semantische Transformation eines Phrasem oder einzelner Komponenten dessen beinhaltet. Die Bedeutung der ganzen phraseologischen Einheit ist dabei eine andere als die der einzelnen Bestandteile und hat nichts mehr mit deren wörtlicher Bedeutung gemein.[5] Jedoch müssen im Zuge der Idiomatizität nicht zwangsläufig alle Komponenten des Phrasems betroffen sein, es kann auch Teile geben, die ihre freie Bedeutung behalten. Somit muss man zwischen vollidiomatischen, d.h. alle Komponenten werden semantisch transformiert, und teilidiomatischen Phrasemen unterscheiden.[6]

Zum anderen ist das Definitionskriterium der Stabilität zu nennen. Diese ist einmal im Sinne einer semantischen und nicht morphosyntaktischen Festigkeit zu verstehen, d.h. die Bedeutung des Phrasem bleibt auch dann bestehen, wenn ihre syntaktische Struktur verändert wird.[7] Andermal zeigen neuere textlinguistische Untersuchungen, dass die Stabilität lexikalischer Einheiten weniger starr gehandhabt wird. Das Phänomen der „pragmatischen Valenz“[8] hält immer mehr Einzug, wonach es dem Sprecher obliegt, ob er z.B. in der Wendung jdm mit etwas auf den Leib rücken die mit -Phrase realisiert oder nicht.[9] Darüber hinaus existieren häufig verschiedene Varianten von Phraseologismen, wie z.B. große Töne reden oder dicke Töne schwingen. Auch territoriale oder dialektale Verschiedenheiten sind möglich.[10]

Als weiteres Merkmal ist die Lexikalisierung einer phraseologischen Einheit anzuführen. Darunter wird die Aufnahme und Speicherung im Lexikon des Deutschen verstanden, so dass im Grunde jeder im Stande ist, das Wortgruppen-lexem wieder zu erkennen.[11]

Zuletzt folgt noch das Kriterium der Reproduzierbarkeit. Es besagt, dass Phraseologismen wie Wörter aus unserem Sprachschatz abgerufen werden können und sich nicht erst im Satz zu ihrer Einheit zusammensetzen.[12]

Um eine Wendung als Phraseologismus zu klassifizieren, müssen nicht alle Merk-male erfüllt sein. Die Idiomatizität kann fehlen oder schwach entwickelt sein.[13]

1.2 Somatismen

1.2.1 Definition

Somatismen erfüllen zunächst die oben genannten Kriterien der Phraseologismen. Im speziellen stellen sie die übertragene Bedeutung von a) menschlichen Körper-teilen an sich und b) Redewendungen dar, die ein Nomen enthalten, das ein oder mehrere menschliche Körperteile oder Organe bezeichnet und das Grundlexem einer Wendung bildet.[14] Historisch gesehen stellen Redewendungen mit Körperteilen des Menschen die größte Gruppe im Bereich der Phraseologie dar.[15]

1.2.2 Einteilung

Somatismen lassen sich, wie alle Phraseologismen, in zwei Gruppen unterteilen. Erstens in Autosemantika und zweitens in Synsemantika. Autosemantika werden auch Basiselemente genannt und umfassen alle Wörter der Hauptwortgruppen wie Substantive, Verben, Adjektive und Adverbien. Synsemantika hingegen bezeichnen Wörter mit grammatischen Funktionen wie Pronomen, Präpositionen, Artikel und Konjunktionen. Der Umfang somatischer Redewendungen ist unterschiedlich und erstreckt sich von Minimalstrukturen, z.B. alle Naselang, bis zu Kombinationen mit etwa fünf Autosemantika.[16]

1.2.3 Kulturelle Unterschiede

Zudem ist die Bedeutung somatischer Redewendungen in verschiedenen Sprachen unterschiedlich. Vergleicht man beispielsweise das Deutsche mit dem Türkischen, so stellt man fest, dass das Organ Leber im Deutschen mit Reden, Durst und Verärgerung verbunden wird, im Türkischen hingegen Leid und Mitleid zum Ausdruck bringt.[17] In jeder Sprache stoßen wir auf unterschiedliche Auslegungsweisen unserer Organe und Körperteile. Wie sich die Verwendung und übertragene Bedeutung von Somatismen im Deutschen, Russischen und Hebräischen verhält, haben wir versucht, anhand eines Fragebogens zu erörtern.

2. Der Fragebogen

2.1 These und Ziel

Zu Beginn unserer Überlegungen befassten wir uns mit der Formulierung einer These. Wir wollten den Gebrauch von Somatismen in verschiedenen Kulturen vergleichen und ihre Häufigkeit und Bedeutung näher betrachten. Um letzthin aus den beantworteten Fragebögen Ergebnisse zu erhalten, legten wir unsere These wie folgt fest: Somatismen weisen kulturelle Unterschiede in Bezug auf ihre Verwendung und ihre Bedeutung auf.

2.2 Aufbau und Ablauf

Bei der Zusammenstellung unseres Fragebogens haben wir uns entschlossen, uns auf folgende menschlichen Körperteile und Organe zu konzentrieren: Arm, Fuß, Haar, Hand, Herz, Kopf, Auge, Mund, Nase, Ohren, Gesicht, Zunge, Arsch, Blut. Zunächst diskutierten wir die möglichen zu untersuchenden Sprachen und einigten uns schließlich auf Russisch, Polnisch, Englisch, Hebräisch und Deutsch. Entscheidungshilfe gab uns u.a. unsere Gruppenkonstellation, da der Fragebogen zum einen in die entsprechende Sprache übersetzt werden musste und zum anderen die Antworten von unseren Gruppenmitgliedern verstanden werden sollten. In jeder Sprache haben wir zehn volljährige Personen befragt, wobei wir auf Ausgewogenheit zwischen den Geschlechtern und Abwechslung in der Altersgruppe achteten. Uns war bewusst, aus den Antworten von insgesamt 50 Personen keine repräsentativen Aussagen ziehen zu können, doch schien uns die Anzahl ausreichend, um erste Erkenntnisse herauszufiltern. Die von uns befragten Personen füllten den Fragebogen teilweise ohne und teils in unserem Beisein aus. Letztes war vor allem in den Fremdsprachen der Fall, um Verständnisprobleme zu umgehen. Grundsätzlich wollten wir aber eine Drucksituation aufgrund unserer Anwesenheit vermeiden. Die Probanden wurden zum einen gebeten, zu den oben angeführten Körperteilen und Organen übertragene Bedeutungen zu finden. Zum anderen sollten sie Redewendungen, die diese Körperteile beinhalten, mit deren Aussage aufführen. Die Aufgabenstellung wurde durch entsprechende Beispiele verdeutlicht und die Befragten hatten die Möglichkeit, ein Wörterbuch heranzuziehen. Alle 50 Personen unterstützten unsere Untersuchung und konnten die Fragen ohne größere Probleme beantworten. Im Folgenden stellen wir unsere Auswertung vor, wobei wir in dieser Arbeit nur näher auf die Ergebnisse in den Sprachen Deutsch und Hebräisch eingehen werden.

3. Die Auswertungen

3.1 Somatismen im Deutschen

3.1.1 Häufigkeit

In den beantworteten deutschen Fragebögen zeigte sich, dass die meisten Somatismen, 33 Stück, zum Körperteil Augen gefunden wurden und mit jeweils 9 Redewendungen die wenigsten zu den Körperteilen Zunge und Gesicht.

[...]


[1] Palm: Phraseologie. Eine Einführung, S. 1.

[2] Ebenda: Phraseologie. Eine Einführung, S. 1.

[3] Ebenda: Phraseologie. Eine Einführung, S. 2.

[4] Burger/Buhofer/Sialm: Handbuch der Phraseologie, S. 61.

[5] Palm: Phraseologie. Eine Einführung, S. 9.

[6] Ebensa: Phraseologie. Eine Einführung, S. 12.

[7] Pilz: Phraseologie, S. 24.

[8] Wotjak: Inhalts- und Ausdrucksstruktur, S. 216.

[9] Ebenda: Inhalts- und Ausdrucksstruktur, S. 216.

[10] Palm: Phraseologie. Eine Einführung, S. 29.

[11] Ebenda: Phraseologie. Eine Einführung, S. 36.

[12] Pilz: Phraseologie, S. 24.

[13] Palm: Phraseologie. Eine Einführung, S. 42.

[14] Wotjak: Inhalts- und Ausdrucksstruktur, S. 217.

[15] Palm: Phraseologie. Eine Einführung, S. 40.

[16] Ebenda: Phraseologie. Eine Einführung, S. 42.

[17] Heringer: Interkulturelle Kommunikation, S. 176.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Somatismen im interkulturellen Vergleich
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Sprachwissenschaftliches Institut)
Veranstaltung
Interkulturelle Kommunikation
Note
1,0
Autoren
Jahr
2005
Seiten
20
Katalognummer
V53100
ISBN (eBook)
9783638486378
Dateigröße
551 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese empirische Arbeit wurde im Rahmen eines Hauptseminares am Sprachwissenschaftlichen Institut der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn geschrieben. Der Schwerpunkt liegt auf deutschen und neuhebräischen Somatismen.
Schlagworte
Somatismen, Vergleich, Interkulturelle, Kommunikation
Arbeit zitieren
Nora Banaim (Autor)Verena Vilsthaler (Autor), 2005, Somatismen im interkulturellen Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53100

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