Augustus - Die Bedeutung seines Bauprogramms für Rom


Seminararbeit, 2005

15 Seiten, Note: 1,9


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Darstellung der Baupolitik im Tatenbericht des Augustus

3. Das Bauprogramm des Augustus als Abweichung von der republikanischen Tradition?

4. Bauphasen - Vom Triumvirat bis zum Tod des Augustus
4.1. Baupolitik während des Triumvirats
4.2. Baupolitik nach dem Sieg bei Actium
4.3. Baupolitik nach dem Tode Agrippas

5. Augustusforum und Mars Ultor Tempel - Platz für den Prinzeps

6. Zusammenfassung

7. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mit seinem Tatenbericht, den res gestae divi augusti, hinterließ Augustus gewissermaßen eine Zusammenfassung aller ihm wichtigen politischen Aktionen. In den Kapiteln 19-21 gibt Augustus unter den impensae eine Reihe von Bauwerken an, die er entweder erbauen, vollenden oder wiederherstellen ließ.1 Und tatsächlich war Augustus, wie Zanker2 es treffend formuliert, wohl der erste römische Staatsmann, der solche Unsummen von Geld nur für öffentliche Bauten verwandte.

Als Julius Caesar ermordet wurde, trat sein Adoptivsohn Oktavian sein politische Erbe an und folgte auch dem Plan des Diktators, die Stadt Rom vollkommen neu zu gestalten auf explizite Weise. So baute er beispielsweise auf dem Palatin einen neuen Apollontempel und restaurierte den Iuppiter-Feretrius-Tempel auf dem Capitol, um nur einige seiner Bauten zu nennen. Nach dem Tod des Antonius ließ er seiner Bauwut schließlich freien Lauf und verwirklichte ein riesiges Mausoleum, die Ara Pacis und eine ausgeklügelte Sonnenuhr. Außerdem renovierte er unzählige Tempel und baute schliesslich das Forum Augustum.3

Sueton meinte angesichts solch immenser Baupolitik, Augustus habe sich zurecht gerühmt, das damalige Rom von einer Backsteinstadt in eine Marmorstadt verändert zu haben.4 So der exakte Wortlaut:

"Urbem neque pro maiestate imperii ornatam et inundationibus incendiisque obnoxiam excoluit adeo, ut iure sit gloriatus marmoream se relinquere, quam latericiam accepisset."

Ganzert5 hingegen meint, diese Aussage könne nach archäologischen Erkenntnissen nicht voll unterstützt werden, denn es habe schon vor Augustus' Zeit Marmorbauten in Rom gegeben. Allerdings wurde der Baustoff niemals in denselben Dimensionen verwendet, wie dies Augustus tat.

So stellt sich die Frage, welche Programmatik hinter den Bauten des Augustus steckte und welche Bedeutung diese für die Stadt Rom hatte. Außerdem gibt die Baupolitik des Augustus den Anreiz darüber nachzudenken, ob der princeps nur zur Demonstration seiner persönlichen Macht monumentale Bauten hinterließ, oder ob er auch marmorne Grenzsteine an das Ende der Republik stellen wollte.

Es soll im folgenden dargestellt werden, wie Augustus sein Bauprogramm propagierte.

Danach folgt eine knappe Übersicht über das Ausmaß der Bautätigkeit des Prinzeps in Rom während verschiedener Phasen seiner Regierungszeit.

Zuletzt soll anhand des Forum Augustum exemplarisch dargestellt werden, wie sich das Bauprogramm des Augustus auf Rom und die römischen Bürger auswirkte. Selbstverständlich wird in dieser Arbeit der Fokus kaum auf die architektonische Umsetzung des Bauprgramms im kunsthistorischen Sinn gerichtet.

Viel mehr soll betrachtet werden, welche Bedeutung man der Entstehungszeit und Platzierung der Bauwerke beimessen kann.

2. Darstellung der Baupolitik im Tatenbericht des Augustus

Eine besonders authentische Darstellung des Bauprogramms von Augustus liegt in dem von ihm selbst verfassten Tatenbericht vor. In seinem index rerum gestarum6 berichtet Augustus in aller Kürze von seiner Bautätigkeit in den Kapiteln 19 bis 21. Diese Kapitel fallen in den zweiten Abschnitt des Werkes, der eine Aufstellung der impensae, also der Gelder, die er aus eigenen Mitteln für öffentliche Bauten, Spiele und Spenden an die Bevölkerung ausgab.

Hierin zählt Augustus alle Bauwerke auf, die er bauen, wiederherstellen oder vollenden ließ. Die Nennung der Bauten erfolgt hier chronologisch nach dem Jahr der Fertigstellung.7

Hier kann das augusteische Bauprogramm also unter dem Aspekt gesehen werden, dass Augustus mit seinen kostspieligen Aufwendungen vor allem seiner liberalitas Ausdruck verleihen wollte wie Kienast8 prägnant feststellte.

Augustus verzichtete darauf in seinem Tatenbericht persönliche Ziele, die er mit seinen Ausgaben für den Staat verfolgte, zu erörtern.

Aber die ungewöhnliche Kontinuität, ein sich über vierzig Jahre erstreckendes Bauprogramm so zu verwirklichen lässt nach Gros/Sauron9 den Schluß zu, dass es für Augustus von größerer Bedeutung gewesen sein musste, als er es in seinen res gestae formulierte.

Deswegen scheint es angebracht, die Wirksamkeit der Baupolitik vor dem Hintergrund der Republik zu erschließen, wie v. Hesberg10 es vorschlägt.

3. Das Bauprogramm des Augustus als Abweichung von der republikanischen Tradition?

Erst nach dem 3. Viertel des 2. Jh. v. Chr. wurden häufiger bedeutende öffentliche Bauten mit privaten Geldern errichtet, zuvor waren meist nur Triumphatoren finanziell in der Lage, solche zu bezahlen. Sie besaßen die manubiae, Gelder aus ihrer Kriegsbeute, welche gemäß einem ungeschrieben Gesetz, nicht zum privaten Gebrauch verwendet werden durften. In der Regel hatten sie dann ein Magistratsamt inne und konnten mit dem Einverständnis des Senates über die öffentlichen Gelder verfügen.

Ein so errichtetes Bauwerk wurde dann von den nachfolgenden Generationen des Errichters gepflegt und restauriert, um stets an die Leistungen ihres Vorfahren zu erinnern.11 So war das Erscheinungsbild unwillkürlich mit den ruhmreichen Familien der nobilitas verwoben, die auch die Eliten der Republik stellten. Jedoch stand die Zweckmäßigkeit der Bautätigkeit noch klar im Vordergrund, da es Bauten für die Öffentlichkeit waren.

In der Spätzeit der Republik zeichnete sich jedoch ein Wandel ab, der Bauwerke stärker in das Interesse persönlicher Geltungs- und Machtansprüche einzelner Familien, bzw. Individuen treten ließ. Baupolitik war mit dynastischen Hoffnungen verknüpft worden und brachte auch Rivalitäten innerhalb der Nobilität mit sich.12

Unter Augustus gab es diesbezüglich keine Neuerungen, vielmehr setzte er konsequent die neuen Gepflogenheiten der späten Republik fort. Die Vermischung von öffentlichem und privatem Bereich erreichte gar ihren Höhepunkt. In diesem Zusammenhang sollte man auch den Eid beachten, den sich Octavian vor der Schlacht bei Actium von ganz Italien schwören ließ, womit faktisch alle Bürger zu seinen Klienten wurden .13 Nur so konnte er erst das gesamte öffentliche Bauwesen und das damit verbundene öffentliche Ansehen unter seine Kontrolle, bzw. die Kontrolle seiner Familie bringen, wie es die Familien der nobilitas in der Republik für sich beansprucht hatten.14 Allerdings bedeutet die Baupolitik auch einen starken Bruch mit der Republik, wenn man das Erscheinungsbild Roms vor Augustus betrachtet. Die Stadt war nämlich vorher nicht sonderlich prunkvoll, es gab keine klare stadtplanerische Linie und gerade in den Wohngebieten herrschten bezüglich der Wohnqualität, der Versorgungslage und der hygienischen Verhältnisse katastrophale Zustände.

Der Prinzeps setze aber gerade in diesem Punkt markante Spuren mit seiner Baupolitik.

Marmor brachte Glanz in die Stadt15, die monumentalen Bauten strukturierten Rom einer imperialen Hauptstadt entsprechend und der umfangreiche Bau von Straßen, Wasserleitungen und Kloaken brachte den Elendsvierteln ein wenig vom Luxus des Kaisers.

Diese Vorgehensweise kann wohl so verstanden werden, dass Augustus den Schutz des Reiches ganz für sich beanspruchte und deshalb auch dessen Zentrum ganz und gar diesen, d.h., seinen Bedürfnissen entsprechend umgestaltete. Hier zeigt sich eine Abgrenzung zur Republik, da die Gebäude nicht mehr den öffentlichen Ansprüchen angepasst errichtet wurden und Augustus so ganz neue Standards im Bauwesen einführen konnte.16

[...]


1 Mon. Ancyr., 19-21.

2 P. Zanker, Forum Augustum. Das Bildprogramm, Tübingen 1968, S.5.

3 D. Kienast, Augustus. Prinzeps und Monarch, Darmstadt 3 1999, S. 13.

4 Suet. Aug. 28,3

5 J. Ganzert: Der Mars-Ultor-Tempel auf dem Augustusforum in Rom. Mainz am Rhein: 1996. 283f.

6 Suet. Aug. 101.

7 Obwohl die Res gestae nicht vollständig chronologisch angelegt sind, sondern im Aufbau den Notwendigkeiten der subjektiven Darstellung folgen. Zum grundsätzlichen Aufbau der Res gestae vgl. W.WEBER, Princeps - Studien zur Geschichte des Augustus, Stuttgart 1936.

8 Kienast, 1999 (wie Anm.3), S.406.

9 P. Gros / G. Sauron, Das politische Programm der öffentlichen Bauten, in: M. Hofter (Hg.),Augustus und die verlorene Republik, Staatl. Museen Preußischer Kulturbesitz, Berlin 1988, S. 56.

10 H. v. Hesberg, Die Veränderung des Erscheinungsbildes der Stadt Rom unter Augustus, in: M. Hofter (Hg.), Augustus und die verlorene Republik, Staatl. Museen Preußischer Kulturbesitz, Berlin 1988, S. 94.

11 P. Gros / G. Sauron, 1988 (wie Anm. 9), S. 49.

12 Ebd., S.50.

13 Um die immense Bedeutung dieses Eids, im Bezug auf die Eingriffsmöglichkeiten für Augustus in das öffentliche Wesen, zu verdeutlichen, möchte ich Strothmann zitieren. Dieser sieht darin sogar eine Rechtsgrundlage für den Prinzeps: „Die Verletzung der Loyalität war als crimen maiestatis ausgewiesen [...], wodurch zum erstenmal juristisch fassbar wurde, daß der pater patriae (in Anlehnung an den pater familias) und der Repräsentant des Staatswesens eine Person waren. Träger der maiestas war in der Republik der populus Romanus. [...] Das crimen maiestatis einer Person gegenüber war in der römischen Republik [...] nicht bekannt, [...].“ (M.Strothmann, Augustus - Vater der res publica, Stuttgart 2000, S.100.)

14 P. Gros / G.Sauron, 1988 (wie Anm. 9), S.57.

15 In republikanischer Zeit war der Gebrauch von Marmor eher verpönt, da er mit Luxus verbunden wurde, was mit dem Wertesystem der Zeit nicht zu vereinbaren war. Augustus konnte also mit der Verwendung nicht nur die Bauweise sondern auch die damit verbunden Werte nach seinen persönlichen Vorstellungen revolutionieren. Vgl. dazu H.v.Hesberg, 1988 (wie Anm.10), S.94.

16 Ebd. S.96.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Augustus - Die Bedeutung seines Bauprogramms für Rom
Hochschule
Universität Bayreuth
Note
1,9
Autor
Jahr
2005
Seiten
15
Katalognummer
V53107
ISBN (eBook)
9783638486439
ISBN (Buch)
9783638843751
Dateigröße
905 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Augustus, Bedeutung, Bauprogramms
Arbeit zitieren
Gregor Forster (Autor), 2005, Augustus - Die Bedeutung seines Bauprogramms für Rom, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53107

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