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Erkenntnis und Täuschung - Untersuchungen zur frühen Mikroskopie im 17. Jahrhundert

Title: Erkenntnis und Täuschung - Untersuchungen zur frühen Mikroskopie im 17. Jahrhundert

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 39 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Robert Hanulak (Author)

Cultural Studies - Miscellaneous
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Das Mikroskop vermag als Werkzeug wissenschaftlicher Erkenntnis und medialer Täuschung, gleichzeitig Realitäten und Illusionen zu erzeugen und verkörpert damit die frühneuzeitlichen Umbrüche und Widersprüche im besonderen Maße. Untersuchungsobjekt stellt hier im Schwerpunkt der instrumentelle Blick auf die `kleine Welt´, also die Vergrößerung des Unscheinbaren, Nahen und oftmals Lebendigen durch die frühe Mikroskopie im 17. Jahrhundert dar und weniger die Entwicklung der physikalischen Optik, die Anwendungen von Camera obscura, Laterna magica oder die `großen´ Entdeckungen der Astronomie durch die Teleskopie. Es soll dabei im Folgenden wesentlich um eine Untersuchung der Brüche und Überschneidungen, der Fehleinschätzungen, Verzögerungen und Rückschritte, des Unzeitgemäßen und Transitorischen in der Entwicklung dieser Epoche und ihrem Verhältnis zur optischen Technik gehen. Also um die äußerst ambivalenten und verzweigten Einflüsse optischer Linsen und ihres Vergrößerungseffekts auf das Selbstverständnis der Epoche. So scheinen gerade die Irrtümer und Täuschungen, die sich nicht problemlos in eine Fortschrittsgeschichte einschreiben lassen, den neuen Wissenschaften und dem neuen Denken entscheidende Impulse geliefert, sie zumindest stark geprägt zu haben. Optische Linsen als technische Objekte stehen hier in den Funktionen der (Wahrnehmungs-) Prothese, des (Erkenntnis- oder auch Täuschungs-) Instruments und gleichzeitig als Symbol, Metapher und Modell innerhalb unterschiedlicher kultureller Praktiken und Vorstellungen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Vorbemerkungen

2.

3. Die Bewaffnung des Auges

4.

5. Die Entdeckung der Kleinen Welt

6.

7. Erkenntnis und Täuschung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die kulturwissenschaftliche Bedeutung der frühen Mikroskopie im 17. Jahrhundert und beleuchtet das ambivalente Verhältnis zwischen technischer Sichtbarmachung, Erkenntnisgewinn und der philosophischen Problematik medialer Täuschung.

  • Historische Entwicklung der Optik und Sehtheorie
  • Die Linse als Instrument der wissenschaftlichen Erkenntnis und medialen Täuschung
  • Wissenschaftsinszenierung und die Entdeckung der "Kleinen Welt"
  • Die Rolle optischer Apparate in der frühneuzeitlichen Wahrnehmungsphilosophie
  • Ambivalenz von Rationalität und visueller Skepsis

Auszug aus dem Buch

Die Bewaffnung des Auges

Die schöne Formulierung von den „Waffen der Sinnen“, die auf Baumgarten zurückgeht und in der deutschsprachigen Literatur vor allem als `Bewaffnung des Auges´ so ungemein populär wurde, verweist einerseits auf den militärischen Nutzen dieser Technik bzw. auf einen Zusammenhang zwischen optischen Instrumenten und Gewalttätigkeit, worauf noch einzugehen sein wird. An dieser Stelle sei nur kurz auf die enge, immer wiederkehrende und offengestanden wenig verwunderliche Verbindung von neuer optischer Technik und neuer ästhetisch-wissenschaftlicher Vorstellung bei Baumgarten hingewiesen, der dabei vor allem, aber nicht nur, „Vergrößerungs- und Fern-Gläser“ im Auge hatte.

Die neue Ästhetik bedient sich also der aktuellen Medien, die der Ausdifferenzierung der Wissenschaften erheblichen Vorschub leisteten. Der fokussierte Blick auf einen Ausschnitt der Dinge lässt neue spezialisierte Disziplinen und Teilbereichen des Wissens entstehen.

Bei Baumgarten rangiert die Ästhetik als die `Logik der unteren Erkenntnisvermögen´ bzw. als neu zu begründende Wissenschaft über die Gesetze der sinnlichen, lebhaften Erkenntnis´ und wird damit gegenüber der traditionellen Logik, wenn auch nicht gleichberechtigt, so doch zumindest aufgewertet. Die Frage nach dem Verhältnis von `Schönheit´, Wahrnehmung und Erkenntnis stellt sich beim Gebrauch neuer optischer Werkzeuge somit stets auf Neue. Insbesondere die Ergebnisse des Mikroskops wurden je nach Blickrichtung und Neigung, entweder als Sichtbarmachung oder als Zerstörung natürlicher Schönheit, sowie entweder als Erzeugung oder Verwirrung wissenschaftlicher Erkenntnis, gedeutet.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Vorbemerkungen: Die Einleitung thematisiert den gesellschaftlichen Umbruch durch optische Instrumente im 17. Jahrhundert und führt in die zentrale Problematik der Täuschung durch das "neue Sehen" ein.

3. Die Bewaffnung des Auges: Dieses Kapitel erörtert die historische Verbindung von optischer Technik, militärischem Nutzen und den ästhetischen Diskursen der Epoche.

5. Die Entdeckung der Kleinen Welt: Hier wird der Fokus auf die mikroskopische Erschließung neuer Lebensbereiche und die damit verbundene wissenschaftliche Euphorie sowie methodische Herausforderungen gelegt.

7. Erkenntnis und Täuschung: Den Abschluss bildet die philosophische Reflexion über das trügerische Potenzial der Sinne und die Rolle der Mikroskopie in der frühneuzeitlichen Erkenntnistheorie.

Schlüsselwörter

Mikroskopie, Optik, Wahrnehmung, Erkenntnistheorie, 17. Jahrhundert, Bewaffnung des Auges, Täuschung, Wissensgeschichte, Sichtbarkeit, Naturerkenntnis, Apparative Bedingtheit, Cartesianismus, Wissenschaftsgeschichte

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die historische und kulturwissenschaftliche Rolle der frühen Mikroskopie im 17. Jahrhundert als Instrument, das zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und medialer Täuschung vermittelt.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Zentrale Themen sind die Entwicklung optischer Linsen, die Verschiebung von Wahrnehmungsmodellen, der Einfluss auf den wissenschaftlichen Forschergeist sowie die philosophische Skepsis gegenüber instrumentell erzeugten Bildern.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, den ambivalenten Einfluss optischer Techniken auf das Selbstverständnis des Menschen und die frühneuzeitliche Erkenntnissuche aufzuzeigen, statt eine rein lineare Fortschrittsgeschichte zu schreiben.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine kulturwissenschaftliche Analyse, die historische Primärquellen, zeitgenössische philosophische Schriften und wissenschaftsgeschichtliche Diskurse in eine Beziehung zueinander setzt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Entwicklung der Mikroskopie, der Rolle bedeutender Forscher wie Leeuwenhoek oder Hooke, sowie der theoretischen Auseinandersetzung von Philosophen wie Descartes, Locke und Berkeley mit der optischen Sinneserweiterung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie Mikroskopie, Erkenntnistheorie, Täuschung, Wahrnehmung, Sichtbarkeit und das Verhältnis von Technik zu Natur geprägt.

Wie unterscheidet sich die Rolle des Mikroskops von der des Teleskops?

Während das Teleskop den Blick in die Unendlichkeit des Kosmos eröffnete, etablierte das Mikroskop einen völlig neuen Wissensbereich des "Kleinen", der oft mit dem sozialen Tabu des Profanen und Unscheinbaren kämpfen musste.

Welchen Stellenwert nimmt die Täuschung im Kontext der Mikroskopie ein?

Täuschung ist für den Autor kein bloßes Defizit, sondern ein konstitutives Element frühneuzeitlicher Wissensproduktion, da die instrumentelle Vermittlung von Sichtbarkeit das Vertrauen in die unbewaffneten Sinne grundsätzlich erschütterte.

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Details

Title
Erkenntnis und Täuschung - Untersuchungen zur frühen Mikroskopie im 17. Jahrhundert
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Kulturwissenschaften)
Course
Das Unsichtbare
Grade
1,0
Author
Robert Hanulak (Author)
Publication Year
2005
Pages
39
Catalog Number
V53140
ISBN (eBook)
9783638486682
ISBN (Book)
9783638662550
Language
German
Tags
Erkenntnis Täuschung Untersuchungen Mikroskopie Jahrhundert Unsichtbare
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Robert Hanulak (Author), 2005, Erkenntnis und Täuschung - Untersuchungen zur frühen Mikroskopie im 17. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53140
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