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Die Todesrituale der Iban in Relation zur Hertz'schen Theorie eines zweistufigen Begräbnisprozesses

Title: Die Todesrituale der Iban in Relation zur Hertz'schen Theorie eines zweistufigen Begräbnisprozesses

Presentation (Elaboration) , 2005 , 16 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Rebecca Müller (Author)

Ethnology / Cultural Anthropology
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Summary Excerpt Details

Der Glaube an eine Wiedergeburt, an ein Weiterleben im Paradies oder eine spätere Existenz in der Gemeinschaft der Ahnen: Jede Kultur besitzt spezifische Vorstellungen über den Tod und das, was danach kommt. Insoweit stellt die Entwicklung von Vorstellungen bezüglich des Todes eine allen Menschen gemeinsame Eigenschaft dar. Eine Auseinandersetzung mit den Todesritualen und Vorstellungen bezüglich der Ereignisse nach dem Tod ermöglichen einen tiefen Einblick in die innere Struktur und das Selbstverständnis einer Kultur. Aus diesem Grund beschäftigt sich diese Hausarbeit mit den Todesritualen der Iban auf Borneo. Eine Analyse dieser Rituale unter Berücksichtigung der gesellschaftlichen Vorstellungen über die Bestandteile einer Person sowie der Kosmologie soll ein Grundverständnis dieser Ethnie ermöglichen. Anschließend wird untersucht, inwiefern sich die aus der Betrachtung der Todesrituale gewonnenen Erkenntnisse in Relation zur Hertzschen Theorie über einen zweistufigen Begräbnisprozess bringen lassen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Quellenkritik

3. Die Ethnie der Iban

3.1 Gesellschaftliche Grundlagen

3.1.1 Kosmologie

3.1.2 Bestandteile einer Person

3.2 Gesellschaftliche Strukturen

3.2.1 Soziale Einheiten

3.2.2 Religiöse Spezialisten

3.3 Todesrituale

3.3.1 Das Totengeleit (nyenggai`antu)

3.3.2 Das Abtrennen der bunga- Pflanze (pelian beserara bunga)

3.3.3 Das Fest der Ahnengeister (gawai antu)

4. Analyse

5. Fazit

6. Bibliographie

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Todesrituale der Iban auf Borneo und analysiert diese im Hinblick auf Robert Hertz' Theorie des zweistufigen Begräbnisprozesses. Ziel ist es, ein Grundverständnis für die Ethnie zu entwickeln und aufzuzeigen, inwieweit die rituellen Transformationen des Verstorbenen und der Gesellschaft die soziologische Theorie stützen oder differenzieren.

  • Kosmologische Weltanschauung und Seelenvorstellungen der Iban
  • Strukturelle Bedeutung sozialer Einheiten und religiöser Spezialisten
  • Detaillierte Analyse der drei zentralen Todesrituale (Totengeleit, Abtrennen der bunga-Pflanze, Fest der Ahnengeister)
  • Vergleichende Analyse zwischen den Iban-Ritualen und der Theorie von Robert Hertz
  • Die Rolle des Todes als kontinuierlicher, sozial eingebetteter Prozess

Auszug aus dem Buch

3.3.2 Das Abtrennen der bunga- Pflanze (pelian beserara bunga)

Dieses Ritual findet in der Nacht nach Beendigung der zweiten Trauerphase statt. Der zuständige manang befestigt hierzu in seinem Schrein eine Bambuspflanze an einem Speer, welcher in einem Tonkrug steckt. Dieser Bambusstock symbolisiert die bunga- Pflanze der betroffenen Familie. Ein Armband wird zur Identifikation eines Astes mit dem Verstorbenen über einen der Zweige gestreift. (Vgl. Sather 2001: 327 f.)

In der ersten Phase dieses Rituals spielt der Schamane die Rolle des Schöpfergottes Selampandai. In seinem Gesang teilt er den Reichtum der Familie in zwei Hälften. Die eine Hälfte wird den Toten zugesprochen, welche aus Dankbarkeit magische Sprüche übergeben, während die Familie die andere Hälfte zur Sicherung ihres Fortbestandes und ihrer Fruchtbarkeit erhält. In der zweiten Phase singt der manang vom Abschiedsschmerz des Toten, dabei umkreist er den Bambus und schneidet zu einem bestimmten Zeitpunkt den Ast des Toten ab.

„Then speaks Lansu’, Shaman Usam, ‘How can I not seperate you? For you have died, because the gods no longer watch over you. Therefore I break you off like a twig from the end of the main branch.’“ (Vgl. Sather 2001: 361 f.)

An dieser Stelle wird aus der Seele des Toten (semengat) ein Geist (antu), welcher keinerlei Ähnlichkeit mehr mit einem Menschen besitzt. Der Geist des Toten akzeptiert nun sein Schicksal und ist bereit, endgültig ins Totenreich zu reisen. An diesem Punkt wird der Gesang des manang unterbrochen, um den den Toten zugesprochenen Anteil der Lebensmittel mitsamt dem abgetrennten Ast in den Fluss zu werfen, von wo sie ins Totenreich treiben. Zurück im Haus singt der manang erneut von der Reise des Geistes des Toten in die Unterwelt, doch beschreibt er diese Welt als angsteinflößend, um die Seelen der Verwandten daran zu hindern, ihm zu folgen. Anschließend stellt er die Integrität der Welten wieder her, indem er zur Trennung der Dimensionen unsichtbare Barrieren aufstellt. (Vgl. Sather 2003: 205 ff.)

Zusammenfassung der Kapitel

1.Einleitung: Einführung in die Thematik der Todesrituale und Vorstellung der Forschungsabsicht, die Todesrituale der Iban in Relation zur Hertz’schen Theorie zu setzen.

2. Quellenkritik: Bewertung der herangezogenen ethnographischen Daten von Clifford Sather hinsichtlich ihrer Zuverlässigkeit und Authentizität.

3. Die Ethnie der Iban: Überblick über die kulturelle Identität, Kosmologie, Bestandteile der Person sowie die gesellschaftlichen Strukturen und religiösen Rollenbilder.

3.1 Gesellschaftliche Grundlagen: Erläuterung der kosmologischen Weltanschauung und der spirituellen Komponenten, aus denen sich nach Auffassung der Iban ein Mensch zusammensetzt.

3.1.1 Kosmologie: Beschreibung der dreigeteilten Weltanschauung und der Verbindungen zwischen der Welt der Lebenden und dem Totenreich.

3.1.2 Bestandteile einer Person: Analyse der Dichotomie aus Körper, Seele und dem außerkörperlichen Element, der bunga-Pflanze.

3.2 Gesellschaftliche Strukturen: Untersuchung der sozialen Organisation und der Flexibilität innerhalb der Gemeinschaft.

3.2.1 Soziale Einheiten: Beschreibung der bilik-Familie als grundlegende ökonomische und soziale Einheit innerhalb des Langhaus-Systems.

3.2.2 Religiöse Spezialisten: Vorstellung der verschiedenen rituellen Rollen, insbesondere der Seelenführerinnen, Barden und Schamanen (manang).

3.3 Todesrituale: Einführung in die drei wesentlichen Etappen der Todesrituale bei den Iban, die jeweils den Übergang eines Bestandteils des Verstorbenen markieren.

3.3.1 Das Totengeleit (nyenggai`antu): Detaillierte Schilderung der ersten Phase, in der die Seele des Verstorbenen ins Totenreich geleitet wird.

3.3.2 Das Abtrennen der bunga- Pflanze (pelian beserara bunga): Beschreibung des rituellen Aktes, der die familiäre Bindung des Verstorbenen symbolisch löst.

3.3.3 Das Fest der Ahnengeister (gawai antu): Erläuterung des abschließenden, kollektiven Festes, das die Reintegration des Toten als Ahne in die Gemeinschaft markiert.

4. Analyse: Kritische Untersuchung der Parallelen und Diskrepanzen zwischen der Praxis der Iban-Rituale und den Thesen von Robert Hertz zum zweistufigen Begräbnisprozess.

5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse, die eine Modifikation der Hertz’schen Theorie zugunsten eines differenzierteren Prozesses nahelegt.

6. Bibliographie: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.

Schlüsselwörter

Iban, Todesrituale, Robert Hertz, zweistufiger Begräbnisprozess, manang, bunga-Pflanze, Ahnengeister, gawai antu, Borneo, Transformation, Kosmologie, Seelenvorstellung, Ethnologie, Totengeleit, Rituale

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser ethnologischen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit den traditionellen Todesritualen der Iban auf Borneo und setzt diese in den Kontext der theoretischen Konzepte von Robert Hertz über Begräbnisprozesse.

Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentral sind die Kosmologie der Iban, ihre Konzepte der Person, die soziologische Struktur der bilik-Familie sowie die detaillierte Analyse der drei rituellen Phasen bei einem Todesfall.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, durch die Untersuchung der Iban-Rituale zu prüfen, ob sich die Hertz’sche Theorie einer zweistufigen Begräbnisform auf diese Kultur anwenden lässt und wie die Gesellschaft auf den Verlust ihrer Mitglieder reagiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine Literatur- und Datenanalyse basierend auf ethnographischen Feldstudien, vornehmlich durch den Ethnologen Clifford Sather.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Ethnie der Iban, ihrer sozialen und religiösen Strukturen sowie eine detaillierte deskriptive Analyse der rituellen Handlungen beim Tod eines Individuums.

Durch welche Begriffe lässt sich diese Arbeit charakterisieren?

Die Arbeit ist durch Begriffe wie Iban, Todesrituale, manang (Schamane), Reintegration, soziale Transformation und Ahnenkult geprägt.

Warum spielt die bunga-Pflanze eine so wichtige Rolle?

Sie gilt als eine Art "Ersatzseele" oder Lebensbild in der Paralleldimension. Ihr rituelles Abtrennen symbolisiert das Ende der Bindung des Verstorbenen an seine Familie.

Wie unterscheiden sich die Erkenntnisse der Autorin von Hertz’ Theorie?

Während Hertz den Tod als punktuellen Prozess sieht, zeigen die Iban, dass der Tod ein fließender, mehrdimensionaler Prozess ist, bei dem der Verstorbene weiterhin Einfluss auf die Welt der Lebenden nehmen kann.

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Details

Title
Die Todesrituale der Iban in Relation zur Hertz'schen Theorie eines zweistufigen Begräbnisprozesses
College
University of Münster  (Institut für Ethnologie)
Course
Proseminar Todesrituale in Südostasien und dem Pazifik
Grade
1,3
Author
Rebecca Müller (Author)
Publication Year
2005
Pages
16
Catalog Number
V53150
ISBN (eBook)
9783638486774
ISBN (Book)
9783638956550
Language
German
Tags
Todesrituale Iban Relation Hertz Theorie Begräbnisprozesses Proseminar Todesrituale Südostasien Pazifik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Rebecca Müller (Author), 2005, Die Todesrituale der Iban in Relation zur Hertz'schen Theorie eines zweistufigen Begräbnisprozesses, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53150
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