Die vorliegende Untersuchung ist die Abschlussarbeit zum Hauptseminar „Heidelberger Dialekt“, das im Sommersemester 2004 am Germanistischen Seminar der Universität Heidelberg unter der Leitung von Professor Klaus J. Mattheier stattfand und dessen Untersuchungsgegenstand die Sprache und Verwendung des Heidelberger Regiolekts und Stadtdialekts ist. Allgemeines Ergebnis des Seminars war die Erarbeitung eines Fragebogens zum Forschungsobjekt und dessen Anwendung an einer zufällig gewachsenen Stichprobe. Weiterhin sollte in individueller Arbeit jeder Seminarteilnehmer eine eigens von ihm aufgestellte Hypothese anhand aller angewandter Fragebögen bestätigen oder widerlegen. In meinem Fall untersuchte ich speziell das Verhältnis zwischen Geschlecht und der Dialektkompetenz nach eventuellen Unterschieden zwischen Frauen und Männern. Die Ergebnisse gaben schließlich Anlass zur Spekulation meinerseits, welche Gründe hierfür vorliegen dürften. Da die Dialektologie zu einem großen Teil durch die Dialektsoziologie gestaltet wird, war es für mich ein großer Anreiz, aufgrund meines ersten Nebenfachs, der Soziologie, auch einen Sozialfaktor, den des Geschlechts in Beziehung zum Dialekt zu setzen. Die vorliegende Arbeit ist zwar keine empirisch fundierte und haltbare Analyse, jedoch denke ich, dass man dennoch anhand der Ergebnisse reelle Tendenzen des Alltags feststellen kann. Um diese Ergebnisse wissenschaftlich zu belegen, wären weitere Untersuchungen nötig, die zu führen sicherlich spannend wäre.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Der Forschungskreislauf
1. Voraussetzungen
1.1 Unsere Definition von Dialekt
1.2 Das Forschungsobjekt
2. Forschungsthesen
2.1 Formulierung einer generellen und der speziellen Forschungsthese zum Forschungsobjekt
2.2 Die operationalisierte Forschungsthese
3. Die Methode
3.1 Methodendiskussion und –auswahl
3.2 Vorüberlegungen und Erarbeitung des Methodeninstruments
3.3 Vortest und Revision
4. Die Untersuchung und ihre Ergebnisse
4.1 Durchführung der Untersuchung: Datensammlung und –auswertung
4.2 Das Heidelberger Sprachrepertoire im Laien-Sprachbewusstsein: Eigene Kompetenz
4.3 Ergebnisformulierung und Konfrontation mit der speziellen Forschungsthese
4.4 Spekulationen zur Erklärung der Sachlage
II. Resümee
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Dialektkompetenz und dem Geschlecht in der Region Heidelberg. Ziel ist es, die Hypothese zu überprüfen, ob Frauen eine geringere Dialektkompetenz aufweisen als Männer, und die soziologischen Hintergründe für eventuelle Unterschiede zu analysieren.
- Methodische Erarbeitung eines Forschungskreislaufs zur Sprachdatenerhebung
- Definition von Dialektkompetenz im Kontext des Heidelberger Regiolekts
- Durchführung einer empirischen Befragung zur Selbsteinschätzung der Dialektkompetenz
- Analyse soziologischer Faktoren, die die Sprachlagenwahl beeinflussen
- Konfrontation der erhobenen Daten mit soziolinguistischen Theorien
Auszug aus dem Buch
3.2 Vorüberlegungen und Erarbeitung des Methodeninstruments
Da sich eine Situation nicht als stabiler Kontext präsentiert, sondern durch die individuelle Definition und Redefinition der Aktanten konstruiert wird, müssen die potentiellen Interpretations- und Deutungsmuster der SprecherInnen bei der methodischen Konstruktion der Interview-Situation mitbedacht werden.3 Als relevante Situationsparameter für die Antwortwahl könnte sich in unserem Falle der Aspekt „Sprachhandlungspartner“ erweisen. Neben diesen objektiven Konstanten treten subjektive Parameter wie Normerwartungen und Intentionen der Befragten, die in die Bewertung der objektiven Parameter seitens der Informanten eingehen.
Als Sprachhandlungspartner standen wir als Germanistik-Studenten unseren Befragten möglicherweise als „Vertreter und Wissenschaftler“ der deutschen Sprache gegenüber, denen gegenüber sie im Extremfall Hemmungen hatten zuzugeben, wie gut sie den ursprünglichen Heidelberger Dialekt noch sprechen können. Schließlich sind die weit verbreiteten negativen Einstellungen gegenüber dem Dialekt auch im Laienbewusstsein wohlbekannt und weit verbreitet. Ob wir es nun mit Stolz auf eine Dialektkompetenz zu tun haben oder mit Scham und sich aus beiden Fällen eventuell verfälschte Antworten ergeben, das lässt sich nicht beweisen und auch nicht verhindern.
Nach solchen diversen Vorüberlegungen machten wir uns an die Erarbeitung des Messinstruments, sprich des Fragebogens: Zunächst sollten einleitende Worte dem Befragten die Inhalte und den Zweck des Interviews erläutern und ihm unser Verständnis von Hochdeutsch und Dialekt darlegen, sodass er sich bei seinen Antworten daran orientieren kann und somit Interviewer und Befragter eine gemeinsame Grundlage haben, auf der sich das folgende Interview bewegen kann.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung erläutert den Entstehungskontext der Arbeit im Rahmen eines Hauptseminars und stellt die zentrale Forschungsfrage nach dem Zusammenhang von Geschlecht und Dialektkompetenz vor.
I. Der Forschungskreislauf: Dieses Kapitel definiert die methodischen Grundlagen, das Forschungsobjekt im Raum Heidelberg und die aufgestellten Forschungsthesen sowie deren Operationalisierung.
1. Voraussetzungen: Hier wird der Dialektbegriff für die Untersuchung operational definiert und das räumliche Forschungsobjekt, die Kurpfalz mit Heidelberg, näher eingegrenzt.
2. Forschungsthesen: Dieser Abschnitt formuliert die Hypothese, dass Frauen in Heidelberg eine geringere Dialektkompetenz als Männer aufweisen, und operationalisiert die Messparameter.
3. Die Methode: Hier wird die Wahl des geschlossenen Fragebogens begründet sowie die Erarbeitung und der Vortest des Erhebungsinstruments beschrieben.
4. Die Untersuchung und ihre Ergebnisse: Dieses Kapitel präsentiert die Datensammlung von 117 Informanten und die statistische Auswertung der Dialektkompetenz, ergänzt um Erklärungsversuche für die Ergebnisse.
II. Resümee: Das Resümee fasst die Ergebnisse zusammen, bestätigt die Tendenz der Hypothese und betont die Bedeutung der Dialektsoziologie für zukünftige Forschungen.
Schlüsselwörter
Heidelberger Dialekt, Dialektkompetenz, Geschlecht, Soziolinguistik, Dialektsoziologie, Fragebogen, Sprachlagenwahl, Regiolekt, Sprachbewusstsein, Empirie, Sprachverhalten, Forschungskreislauf, Heidelberg, Kurpfalz, Dialektologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Dialektkompetenz von Frauen und Männern im Raum Heidelberg und geht der Frage nach, ob geschlechtsspezifische Unterschiede in der aktiven Dialektverwendung existieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Dialektologie, der Soziolinguistik und der empirischen Methodik der Sprachforschung.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Frage lautet: Können in Heidelberg Frauen weniger Dialekt sprechen als Männer?
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor verwendet eine quantitative Methode basierend auf einem geschlossenen Fragebogen, der im Rahmen eines Hauptseminars mit 117 Informanten durchgeführt wurde.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition der Grundlagen, die Beschreibung des methodischen Vorgehens (Fragebogen-Konstruktion) sowie die statistische Auswertung und soziologische Interpretation der gewonnenen Daten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Dialektkompetenz, Sprachsoziologie, Heidelberger Regiolekt und geschlechtsspezifisches Sprachverhalten.
Welches Ergebnis konnte der Autor für seine Hypothese feststellen?
Die Untersuchung ergab eine Tendenz, dass mehr Frauen als Männer im Bereich der Dialektkompetenz „nicht kompetent“ eingestuft wurden, was die Hypothese in dieser Stichprobe stützt.
Warum spielt das soziale Geschlecht laut Autor eine wichtige Rolle?
Der Autor argumentiert, dass nicht biologische Faktoren, sondern gesellschaftliche Rollenzuweisungen, etwa in der Erziehung oder im Kontakt mit dem Schulapparat, die Sprachlagenwahl und damit die Dialektkompetenz der Frauen beeinflussen.
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- Catherine Kimmle (Author), 2004, Können in Heidelberg Frauen weniger Dialekt sprechen als Männer? Zusammenhang zwischen Dialektkompetenz und Geschlecht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53187