Das Lesen ist eine der wichtigsten Kulturtechniken unserer Gesellschaft, doch im Zeitalter von Rundfunk, Fernsehen und Computer scheint es immer mehr an Bedeutung zu verlieren. Damit sich unsere Lesekultur aber als interessante Freizeitbeschäftigung behaupten kann, bedarf es einer Stärkung und Weiterentwicklung. [Vgl. Staatsinstitut (1989), S. 5.] Der Schule, insbesondere der Grundschule, kommt deswegen eine große Bedeutung zu: Neben der Vermittlung der Lesetechnik hat sie auch dafür Sorge zu tragen, die Lesebereitschaft und das Leseinteresse ihrer Schüler zu fördern, um damit auch die Schüler zu einer langfristigen Beschäftigung mit Literatur anzuregen. Je früher die Vermittlung von Lesefreude und die Hinführung zum Buch geschehen, desto effektiver ist sie. Auf ein Kind, das am Ende der Grundschulzeit noch nicht zum Buch gefunden hat, wird es wahrscheinlich später auch nicht mehr anziehend wirken. [Vgl. Staatsinstitut (1989), S. 5.]
Aber gerade das Lesen ist für unsere Gesellschaft unverzichtbar: "Wann immer wir etwas erfahren, etwas lernen wollen, sind wir auf das Lesen, auf das Buch als Kulturträger angewiesen." [Staatsinstitut (1989), S. 6.]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung: Leseerziehung
2 Lesemotivation und Leseverhalten
2.1 Außerschulisches Leseverhalten und Lesemotive
2.2 Soziokulturelle und psychologische Gesichtspunkte der Leseentwicklung
2.3 Faktoren der (Lese-)motivation
3 Schulische Möglichkeiten der Leseerziehung
3.1 Der erste Leseunterricht
3.2 Der Anspruch der Leseförderung
3.3 Erschwernisse beim Aufbau und bei der Förderung der Lesemotivation
3.4 Lesemotivierende Anregungen für den Unterricht
3.4.1 Erzählen oder Vorlesen von Geschichten
3.4.2 Lesefreude durch das Lesebuch
3.4.3 Kreativer Umgang mit altersgemäßen Texten
4 Lesen und Verstehen – Ein Diagnose- und Trainingsprogramm
4.1 Kurzbeschreibung des Programms
4.2 Intention der Diagnose
4.3 Anlage des Diagnoseteils
4.4 Gezielte Beobachtung des Leseverhaltens und pädagogische Konsequenzen
4.5 Durchführung der Diagnose
4.6 Auswertung
5 Der Rechtschreibunterricht
5.1 Das rechtschriftliche Lernen
5.2 Notwendige Arbeitstechniken
5.3 Rechtschriftliche Übungsformen zur Festigung des Schriftbildes
5.3.1 Übungsformen der Analogiebildung
5.3.2 Übungsformen der Kombination
5.3.3 Übungsformen der Provokation
5.3.4 Übungsformen der Klassifizierung
5.3.5 Übungsformen der Komplettierung
5.3.6 Rätselformen als Übungskategorie
6 Das Marburger Rechtschreibtraining – Ein regelgeleitetes Förderprogramm für rechtschreibschwache Kinder
6.1 Kurzbeschreibung des Marburger Rechtschreibtrainings
6.2 Konzept des Trainingsprogramms
6.3 Theoretische Einordnung des Regeltrainings
6.4 Untersuchungen zur Wirksamkeit des Marburger Rechtschreibtrainings
7 Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, pädagogische und didaktische Ansätze zur Förderung der Lese- und Rechtschreibkompetenz im Grundschulalter aufzuzeigen. Dabei liegt der Fokus auf der Identifikation von Lesemotivation, der prozessorientierten Diagnostik durch spezielle Programme sowie der Vermittlung effektiver Arbeitstechniken und Übungsformen, um insbesondere rechtschreibschwache Kinder gezielt zu unterstützen.
- Stärkung der Lesemotivation und Entwicklung einer Lesekultur in der Familie und Schule
- Prozessbegleitende Diagnostik des Leseverständnisses mit dem Programm "Lesen und Verstehen"
- Methoden für einen effektiven, modernen Rechtschreibunterricht ohne rein diktatbasiertes Lernen
- Einsatz von Arbeitstechniken zur Festigung des Rechtschreibwissens (z. B. Wortkartei, Strategiekarten)
- Evaluation und Einsatzmöglichkeiten des Marburger Rechtschreibtrainings bei spezifischen Schwierigkeiten
Auszug aus dem Buch
3.4.1 Erzählen oder Vorlesen von Geschichten
In der Schule wird das Erzählen und das Vorlesen häufig als Zeitverschwendung eingeschätzt, aber gerade das ist es nicht. Im Erzählen eröffnet sich ein Weg, das Kind frühzeitig Freude und Interesse an Geschichten erfahren zu lassen. Bevor der Schulanfänger selbst lesen kann, erlebt er die Faszination, die von Büchern ausgehen kann und erwirbt so bereits eine wichtige literarische Grunderfahrung.22
Zu der positiven Einstellung den Geschichten gegenüber kommt noch das Erlebnis der Zuwendung durch den Erzähler hinzu, woraus eine emotional positive Bindung zum Buch resultiert.23
Möglicherweise können durch die Erfahrungen, die die Kinder in der Schule mit Literatur machen, dann auch wieder die Eltern angeregt werden, zuhause Geschichten zu erzählen oder vorzulesen.24 Zum Erzählen eignen sich je nach Alter der Kinder beispielsweise Bilderbücher, Märchen, Sagen oder Geschichten. Besonders zu empfehlen sind regelmäßige Gelegenheiten zum Vorlesen und Erzählen, wie z.B. der Morgenkreis, auf die sich Kinder einstellen können.25
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Leseerziehung: Das Kapitel betont die gesellschaftliche Bedeutung des Lesens und fordert die Schule auf, neben der Technik vor allem Lesefreude und Leseinteresse langfristig zu fördern.
2 Lesemotivation und Leseverhalten: Es werden Grundmotive des Lesens beleuchtet sowie der Einfluss von soziokulturellen Faktoren und extrinsischer wie intrinsischer Motivation auf die Leseentwicklung dargestellt.
3 Schulische Möglichkeiten der Leseerziehung: Hier werden didaktische Wege für den Erstleseunterricht und die Leseförderung diskutiert, wobei insbesondere der kreative Umgang mit altersgemäßen Texten hervorgehoben wird.
4 Lesen und Verstehen – Ein Diagnose- und Trainingsprogramm: Dieses Kapitel stellt ein spezifisches, prozessorientiertes Programm zur Ermittlung von Leseschwierigkeiten vor und erläutert die verschiedenen Diagnoseserien und deren pädagogische Konsequenzen.
5 Der Rechtschreibunterricht: Kritisch wird der traditionelle Diktatunterricht hinterfragt und stattdessen die Notwendigkeit von Arbeitstechniken und vielfältigen Übungsformen zur Festigung des Schriftbildes betont.
6 Das Marburger Rechtschreibtraining – Ein regelgeleitetes Förderprogramm für rechtschreibschwache Kinder: Das Kapitel beschreibt das Konzept, die theoretische Einordnung und die wissenschaftliche Wirksamkeit dieses spezifischen Trainingsprogramms.
7 Schlussbemerkung: Die Schlussbetrachtung unterstreicht den hohen Stellenwert innovativer Methoden für den Lehralltag, trotz des damit verbundenen Mehraufwands für die Lehrkräfte.
Schlüsselwörter
Leseerziehung, Lesemotivation, Grundschule, Leseverständnis, Diagnose, Rechtschreibunterricht, Marburger Rechtschreibtraining, Arbeitstechniken, Rechtschreibschwäche, Leseförderung, Schriftspracherwerb, Methodik, Übungsformen, Didaktik, Bildungsförderung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die pädagogischen und didaktischen Ansätze zur Förderung der Lese- und Rechtschreibfähigkeiten in der Grundschule, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der Motivation und der gezielten Unterstützung bei Schwierigkeiten liegt.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die zentralen Themen sind die Leseerziehung, die psychologischen Grundlagen der Lesemotivation, die Anwendung von Diagnoseverfahren bei Leseschwierigkeiten sowie moderne Methoden des Rechtschreibunterrichts.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, den Lesebegriff zu erweitern und Lehrkräfte dazu zu ermutigen, durch vielfältige Methoden und Arbeitstechniken eine überdauernde Lesemotivation zu schaffen und Kindern zu einer kompetenten Rechtschreibung zu verhelfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung fachwissenschaftlicher Literatur sowie der Vorstellung und didaktischen Einordnung bewährter Diagnose- und Trainingsinstrumente (wie das Marburger Rechtschreibtraining).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Auseinandersetzung mit Lesemotivation, praktische Anregungen für den Unterricht, die Vorstellung des Diagnoseprogramms "Lesen und Verstehen" und die Darlegung von Übungsformen für den Rechtschreibunterricht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind unter anderem Leseerziehung, Lesemotivation, Rechtschreibunterricht, Prozessdiagnostik, Arbeitstechniken und das Marburger Rechtschreibtraining.
Welchen Stellenwert nimmt das "Marburger Rechtschreibtraining" in der Arbeit ein?
Das Programm wird als ein wirksames, regelgeleitetes Förderinstrument für Kinder mit Rechtschreibschwäche detailliert vorgestellt, wobei sowohl das Konzept als auch dessen theoretische Einordnung in das Phasenmodell von Frith erläutert werden.
Warum kritisiert die Autorin den traditionellen Diktatunterricht?
Der klassische Diktatunterricht wird als pädagogisch wenig sinnvoll erachtet, da er viel Unterrichtszeit beansprucht, ohne weder den starken noch den schwachen Schülern nachhaltig bei der Entwicklung echter Rechtschreibkompetenz zu helfen.
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- S. Lauterbach (Author), 2005, Lesen und Verstehen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53340