Die Brunnenaventiure im 'Iwein' Hartmanns von Aue - Eine nähere Betrachtung des Kampfes zwischen dem Brunnenhüter Ascalon und Iwein


Seminararbeit, 2006

19 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Kampf
2.1 Der Kampf als Situation
2.2 Die Regeln des Kampfes
2.3 Das Ende eines Kampfes
2.4 Die Formen des Kampfes im 'Iwein'

3 Die Vorgeschichte zur Brunnenaventiure
3.1 Kalogrenants Geschichte
3.2 Die Motive Iweins
3.3 Beschreibung der Quelle

4 Der Kampf zwischen dem Brunnenhüter und Iwein
4.1 Der Kampf
4.2 Die Tötung des Brunnenhüters
4.3 Handelt Iwein unrecht?

5 Zusammenfassung

6 Literaturverzeichnis
6.1 Primärliteratur
6.2 Sekundärliteratur

1 Einleitung

Der 'Iwein' Hartmanns von Aue beruht auf der französischen Vorlage von Chrétien de Troyes 'Yvain'. Bei seiner Übersetzung bleibt Hartmann sehr nahe am Original von Chrétien. Es sind 17 Fragmente und 15 vollständige Handschriften des 'Iwein' erhalten, von denen zwei noch in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts entstanden sind. Nach Bumke handelt es sich hierbei um die am reichsten überlieferte Dichtung vor dem 'Parzival'. Bereits im 13. Jahrhundert scheint der 'Iwein' einen grossen Einfluss gehabt zu haben: Zu der Zeit sind nämlich zwei umfangreiche Fresken-Zyklen über den 'Iwein' entstanden. Doch die literarische Wirkungsgeschichte des 'Iwein' ist im Einzelnen noch relativ unerforscht.[1]

Die vorliegende Arbeit behandelt den Inhalt des 'Iwein'. Das Interesse liegt auf der ersten Aventiure Iweins, der so genannten Brunnenaventiure, in deren Zentrum der Kampf zwischen dem Brunnenhüter Askalon und Iwein steht. Die Aventiure wird bereits in der Vorgeschichte durch Kalogrenant thematisiert und stellt dann den Ausgangspunkt des Weges von Iwein dar.

Die Arbeit beginnt mit einer Beschreibung der allgemeinen Konzeption eines Kampfes in der mittelalterlichen Literatur. Wie wird der Kampf definiert? Was für Regeln gelten in einem ritterlichen Kampf und was für Formen des Kampfes kommen im 'Iwein' vor?

Kapitel 3 führt dann die Brunnenaventiure ein. Kalogrenant erzählt von seiner missglückten Aventiure. Welche Beweggründe führen nun dazu, dass Iwein zur selben Quelle ausreitet? Wie sieht die Quelle aus und was geschieht, als Iwein diese aufgefunden hat?

Der Schwerpunkt dieser Arbeit thematisiert den Kampf zwischen dem Brunnenhüter und Iwein. Die in Kapitel 2 und 3 herausgearbeiteten Antworten sollen nun Aufschluss darüber geben, ob Iwein in diesem Kampf unrecht gehandelt hat und wenn ja, aus welchen Gründen.

2 Der Kampf

2.1 Der Kampf als Situation

In dieser Arbeit wird der Kampf nach Harms definiert als „Situation der feindlichen, von beiden Seiten mit der Waffe ausgetragenen Auseinandersetzung zweier Menschen.“[2]

Der Ausdruck „Situation“ gibt zu verstehen, dass es sich hier um einen geregelten Ablauf handelt, in dem alle anderen feindseligen Handlungen wie Krieg, Totschlag oder regellose Rauferei nicht berücksichtigt werden, da diese die Vorstellung vom Kampf als Situation übersteigen.[3]

Im Iwein sind vorwiegend Zweikämpfe geschildert. Zum Charakter des Zweikampfes gehört,

daß jeder der beiden Gegner den anderen in dessen Existenz bedroht oder zu bedrohen scheint. Als Existenzbedrohung ist ebenfalls die Gefährdung der gesellschaftlichen Position des Ritters anzusehen.[4]

2.2 Die Regeln des Kampfes

Der Zweikampf in der mittelalterlichen Literatur vollzieht sich nach festen Regeln des Aufeinanderfolgens von Lanzenkampf, Schwertkampf und Ringkampf. Die Gegner sind bewaffnet mit Lanze und Schwert, alle anderen Waffen gehören nicht mehr zur Ausrüstung eines Ritters.

Die Kunst der Führung von Lanze und Schwert sind der Inbegriff echten Rittertums.

Die Lanze darf in einem ritterlich geführten Kampf nur zum Stechen und Stossen, das Schwert allein zum Schlagen benutzt werden.[5]

Das Schwert ist als Stosswaffe nicht üblich. Wenn in der Dichtung Hartmanns, die neben dem Werk Veldekes als einzige den Schwertstoss in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts bezeugt, eine solche unübliche Kampfweise geschildert wird, verbindet sich damit eine bestimmte Absicht des Dichters.[6]

Den Zweikampf beginnen die beiden Ritter auf ihrem Pferd mit ihrer Hauptwaffe, der Lanze. Erst wenn alle Lanzen verstossen sind oder einer der Gegner vom Pferd gefallen ist, wird zu Fuss mit dem Schwert weitergekämpft. Der Schwertkampf zu Pferd, wie er im 'Iwein' vorkommt, ist bei Hartmann „Ausdruck für unritterliches Verhalten“.[7]

Die Schilderung des Schwertkampfes zu Pferd dient häufig als Mittel, die Flucht eines Besiegten zu verdeutlichen. Iweins Verfolgung von Ascalon […] sind dafür Beispiele.[8]

Auch Grundmann vertritt diese Meinung:

Er [der Ritter] kämpft, sobald seine Lanzen verstochen sind oder er aus dem Sattel gestossen ist, mit dem Schwert weiter. Der ritterliche Gegner wird sich ebenso verhalten, denn es gehört zur selbstverständlichen ritterlich-höfischen Pflicht, den Gegner mit den Waffen, über die dieser verfügt, weiter zu bekämpfen und auf einen unhöfischen Vorteil zu verzichten.[9]

Das Schwert gilt als besondere Waffe der Ritter, da es als Zeichen der Ritterwürde gilt. Wie bereits oben erwähnt, gehört das Schwert zum Fusskampf.

Wenn nach dem Schwertkampf noch kein Sieger feststeht oder den Kämpfern die Schwerter zerbrochen sind, dann folgt der Ringkampf. In Abenteuerkämpfen wird jedoch selten vom Ringkampf berichtet, deswegen wird dieses Thema in dieser Arbeit auch nicht weiter ausgeführt.[10]

2.3 Das Ende eines Kampfes

Ein Kampf muss durchaus nicht tödlich enden und er endet auch in den meisten Fällen nicht tödlich. Die Artusromane stellen hier keine Ausnahme dar. Der Verlierer des Kampfes muss vor den Zuschauern dem anderen den Sieg zusprechen. Falls jedoch keine Zeugen anwesend sind, ist er verpflichtet zum Artushof zu reiten und seine Niederlage zu verkünden.

Es gehört zur Regel des ritterlichen Kampfes, daß nur der unterlegene Gegner den Erfolg des Siegers verkünden darf. Der Sieger selbst muss schweigen, er darf mit seinem Erfolg nicht prahlen.[11]

Der Ausgang des Kampfes im 'Iwein' scheint in Anbetracht dieser Tatsache etwas ungewöhnlich.

2.4 Die Formen des Kampfes im 'Iwein'

Die zwei Grundformen der ritterlichen Auseinandersetzung sind das Turnier und der Abenteuerkampf. Das Turnier besitzt eher einen Übungscharakter, währenddem es im Abenteuerkampf um Leben oder Tod geht. Im 'Iwein' kommt nur der Abenteuerkampf vor.

Die Abenteuerkämpfe unterscheiden sich weiter in Fahrtkämpfe, Rachekämpfe, Duelle, Schlachten- oder Massenkämpfe und Gerichtskämpfe. Die Brunnenaventiure stellt einen so genannten Rachekampf dar,

[...]


[1] Vgl. Joachim Bumke, Geschichte der deutschen Literatur im Mittelalter, München 1990, S. 161.

[2] Wolfgang Harms, Der Kampf mit dem Freund oder Verwandten in der deutschen Literatur bis um 1300 (Medium aevum 1), München 1963, S. 8.

[3] Hans-Christoph Graf v. Nayhauss-Cormons-Holub, Die Bedeutung und Funktion der Kampfszenen für den Abenteuerweg der Helden im "Erec" und "Iwein" Hartmanns von Aue, Freiburg i. Br. 1968, S. 5.

[4] Ebd., S. 6.

[5] Vgl. ebd., S. 13.

[6] Ebd.

[7] Vgl. ebd., S. 14.

[8] Vgl. Friedrich Hausen, Die Kampfschilderungen bei Hartmann von Aue und Wirnt von Gravenberg, Halle 1885, S. 36.

[9] Vgl. Karl Grundmann, Studien zur Speerkampfschilderung im Mittelhochdeutschen. Ein Beitrag zur Entwicklung des höfischen Stil- und Lebensgefühls (Acta Facultatis Litterarum 3), Warschau 1939, S. 149.

[10] Vgl. Hans-Christoph Graf v. Nayhauss-Cormons-Holub, Die Bedeutung und Funktion der Kampfeszenen, S. 31.

[11] Vgl. ebd., S. 158 f.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Brunnenaventiure im 'Iwein' Hartmanns von Aue - Eine nähere Betrachtung des Kampfes zwischen dem Brunnenhüter Ascalon und Iwein
Hochschule
University of Sheffield
Note
2
Autor
Jahr
2006
Seiten
19
Katalognummer
V53356
ISBN (eBook)
9783638488280
Dateigröße
562 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Brunnenaventiure, Iwein, Hartmanns, Eine, Betrachtung, Kampfes, Brunnenhüter, Ascalon, Iwein
Arbeit zitieren
Petra Biffiger (Autor:in), 2006, Die Brunnenaventiure im 'Iwein' Hartmanns von Aue - Eine nähere Betrachtung des Kampfes zwischen dem Brunnenhüter Ascalon und Iwein, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53356

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