China und Indien. Einkaufsmärkte der Zukunft


Studienarbeit, 2006

137 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsangabe

I. Vorwort

II. Abstract

1. Einleitung
1.1. Aufgabe
1.2. Ziel
1.3. Vorgehensweise

2. Indien
2.1. Politik und Gesellschaft
2.1.1. Politisches System
2.1.2. Verwaltungsgliederung
2.1.3. Städte
2.1.4. Sprachen
2.1.5. Derzeitige politische und gesellschaftliche Entwicklung
2.1.5.1. Innen- und Außenpolitische Entwicklungen
2.1.5.2. Sozialpolitische Herausforderungen
2.1.5.3. Umweltpolitik
2.1.5.4. Derzeitige politische Aktivitäten
2.2. Bildung
2.3. Wirtschaftliche Entwicklung
2.3.1. Wirtschaftliche Basisinformationen und gesamtwirtschaftliche Lage
2.3.2. Arbeitsmarkt
2.3.3. Währung
2.3.4. Sonderwirtschaftszonen
2.3.5. Wichtige wirtschaftliche Regionen
2.3.6. Wichtige Branchen
2.3.6.1. Automobilindustrie und Automobilzulieferindustrie
2.3.6.2. Elektroindustrie
2.3.6.3. Chemieindustrie
2.3.6.4. Konsumgüter
2.3.6.5. IT- und Engineering-Dienstleistungen
2.3.8. Derzeitige wirtschaftliche Aktivitäten
2.4. Infrastruktur
2.4.1 Straßennetz
2.4.2 Schienennetz
2.4.3 Schifffahrt
2.4.4 Luftfahrt
2.4.5 Kommunikation
2.4.5. Versorgung
2.5. Beschaffungsaktivitäten
2.5.1. Qualität
2.5.2. Beschaffungsstrategien
2.5.2.1. Einkauf über das Mutterhaus in Deutschland
2.5.2.2. Einkauf über ein Representative Office in Indien
2.5.2.3. Einkauf über Dienstleister
2.5.2.4. Einkauf über eine Tochtergesellschaft in Indien
2.5.2.5. Fazit

3. China
3.1. Politik und Gesellschaft
3.1.1. Politisches System
3.1.2. Verwaltungsgliederung
3.1.3. Städte
3.1.4. Sprache und Schrift
3.1.4.1 Sprache
3.1.4.2 Schrift
3.1.5. Derzeitige politische und gesellschaftliche Entwicklung
3.1.5.1. Innen- und Außenpolitische Entwicklungen
3.1.5.2. Sozialpolitische Herausforderungen
3.1.5.3. Umweltpolitik
3.1.5.3. Derzeitige politische Aktivitäten
3.2. Bildung
3.3. Wirtschaftliche Entwicklung
3.3.1. Wirtschaftliche Basisinformationen und gesamtwirtschaftliche Lage
3.3.2. Arbeitsmarkt
3.3.3. Währung
3.3.4. Sonderwirtschaftszonen
3.3.5. Wichtige wirtschaftliche Regionen
3.3.6. Wichtige Branchen
3.3.6.1. Automobilindustrie und Automobilzulieferindustrie
3.3.6.2. Elektroindustrie
3.3.6.3. Chemieindustrie
3.3.6.4. IT- und Engineering-Dienstleistungen
3.3.7. Derzeitige wirtschaftliche Aktivitäten
3.4. Infrastruktur und Logistik
3.4.1 Straßennetz
3.4.2 Schienennetz
3.4.3 Schifffahrt
3.4.4 Luftfahrt
3.4.5 Kommunikation
3.4.5.1 Telefon
3.4.5.2 Internet
3.4.6 Versorgung
3.5. Beschaffungsaktivitäten
3.5.1. Qualität
3.5.2. Beschaffungsstrategien

4. Länderrankings, Studien und Erfahrungen aus der Praxis
4.1. Länderrankings
4.1.1. Sovereign Risks
4.1.2. Global Competitiveness Report
4.1.3. Corruption Perceptions Index
4.1.4. Index of Economic Freedom
4.1.5 Foreign Direct Investment Confidence Index
4.2. Studien
4.3. Erfahrungen aus der Praxis

5. Vergleich und Fazit
5.1. Länderprofile und Nutzwertanalyse
5.1.1. Ergebnis und Interpretation der Kriterienbewertung
5.1.2. Nutzwertanalyse
5.2. Fazit

6. Zusammenfassung

8. Quellenverzeichnis

9. Anhang

I. Vorwort

Seit einigen Jahren orientieren sich immer mehr Industrieunternehmen mit Produktionsstandorten, Absatzplanungen und Einkaufsaktivitäten in Richtung Asien. Besonders das bevölkerungsreichste Land unserer Erde China liegt hoch im Trend.

Chinas Nachbar­land Indien hingegen wird vor allem in Deutschland häufig noch als Entwicklungsland betrachtet. Doch hier geschieht ein Wandel, indem langsam auch das Potenzial Indiens erkannt und anerkannt wird.

Aber welches Land eignet sich denn besser für Einkaufsaktivitäten? Gibt es über­haupt eine pauschale Antwort, oder haben beide Länder je nach Branche ihre Vorzüge?

Aus unserem Interesse in Bezug auf Einkauf und der Aktualität dieses Themas heraus, wurde dies zu unserer Studienarbeit des 6. Semesters.

Dieses Thema gab uns die Möglichkeit durch Recherche und Analyse einen Einblick in die Entwicklung von Indien und China zu bekommen. Außerdem lernten wir dabei zwei sehr interessante Länder auch in ihrer Struktur näher kennen.

Der Inhalt dieser Arbeit soll einen Überblick über die wichtigsten Informationen und Daten beider Länder geben. Abgeleitet aus diesen Angaben soll gezeigt werden, welche Vor- und Nachteile die beiden Länder im Vergleich haben.

An dieser Stelle bedanken wir uns bei unserem Betreuer Herrn Thorwald Zenglein, der uns mit Rat und Informationen zur Seite stand und uns die Möglichkeit einer selbständigen und konstruktiven Gestaltung dieser Arbeit gab.

II. Abstract

This report deals with the comparison of India and China as procurement-markets. That equation is supposed to give a first decision guidance for the concentration of procurement-activities.

The goals of this task were to create a concise and good structured report, to give the reader an fast overview about the structures of India and China. One more goal was to give a recommendation about the attractiveness of the Indian and the Chinese procurement-market.

These goals were achieved with a systematic proceeding, a efficient division of work and a expedient structure. Books and internet-inquiry as well as experienced people officiated as source. So it was warranted, that both data and practical experience are introduced to this report.

The first part was to show separate important information about India and China. Then the results of some studies of renowned companies as well as country-rankings and practical experience were introduced integrated.

The information of those parts were the basis for the comparison, which was accomplished through two radar-diagrams and a “Nutzwertanalyse”.

The structured information of the complete report and the result of the comparison show, that the goals were absolutely fulfilled.

1. Einleitung

China und Indien sind nicht nur die beiden bevölkerungsreichsten Länder der Erde, sondern sie sind auch im Begriff zu den größten Wirtschaftsnationen zu gehören. Die Wirtschaft beider Staaten wuchs in den letzten Jahren in einem Tempo, von dem große Industrienationen wie die USA und Deutschland nur träumen können.

Vor allem China hat sich inzwischen zum wirtschaftlich am stärksten wachsende Land entwickelt und ist für die Mehrheit der Experten nicht mehr für Einkaufs- und Produktions­aktivitäten wegzudenken.

Doch auch Indien zeichnete sich in der Vergangenheit wie heute durch ein großes Wirt­schaftswachstum aus und erlangt weltweit immer mehr Anerkennung aufgrund seines großen Potenzials als Einkaufs- und Produktionsstandort.

Der Hintergrund dieser Studienarbeit ist nun folgender: Betrachtet man die Trends der vergangenen Jahre, so stellt sich die Frage, welches der beiden Länder das größere Potenzial insbesondere für Einkaufsaktivitäten in Zukunft bietet. Zwar hat China momentan noch das größere Ansehen, aber auch in China „ist nicht alles Gold was glänzt“ und so gibt es auch hier einige Hürden und Probleme. Außerdem bietet auch Indien viele Möglich-keiten und ein großes Wirtschaftswachstum.

Diese Studienarbeit soll dem Zweck dienen, beide Länder zu durchleuchten um einen Ver­gleich zu erhalten, welches Land sich besser als Einkaufsmarkt der Zukunft eignet.

1.1. Aufgabe

China und Indien sind in ihrer Struktur zu betrachten. Dazu sollen Informationen über Politik, Bildung, Wirtschaft, Infrastruktur und Einkaufsmöglichkeiten eingebracht werden. Außerdem können verschiedene Erfahrungen aus der Praxis weitere Anhaltspunkte darüber liefern, welche Möglichkeiten und Probleme sich in dem jeweiligen Land ergeben. Abschließend werden die Vor- und Nachteile beider Länder verglichen und eine Empfehlung abgegeben, wohin ein deutsches Industrieunternehmen seinen Einkaufs­fokus legen sollte.

1.2. Ziel

Aus der Menge an Informationen sollen alle relevanten Daten eruiert und dargestellt werden. Diese Arbeit ist so zu strukturieren, dass dem Leser ein schneller und über­sichtlicher Einstieg in die Strukturen beider Länder verschafft wird. Der Vergleich beider Länder als Einkaufsmärkte der Zukunft und die daraus gefolgerte Empfehlung sollen in einfacher und anschaulicher Form zeigen, warum sich welches Land besonders für Einkaufsaktivitäten eignet. Die Erkenntnisse dieser Studienarbeit sind so darzustellen, dass sie erste Anhaltspunkte für Entscheidungen über Einkaufskonzentration liefern.

1.3. Vorgehensweise

In den folgenden Kapiteln dieser Arbeit wurden zunächst beide Länder separat betrach­tet. Dabei wurde China von Roman Herzog und Indien von Timo Keller bearbeitet. Die Struktur von Kapitel 2 (Indien) und Kapitel 3 (China) sind identisch und enthalten ähnliche Daten und Informationen speziell über das jeweilige Land. Die restlichen Teile dieser Arbeit wurden von beiden Autoren gemeinsam verfasst.

In der nachstehenden Struktur sind für jedes Land die wichtigsten Informationen dargestellt worden:

- Politik und Gesellschaft
- Bildung
- Wirtschaft
- Infrastruktur
- Beschaffungsaktivitäten

Studien, Länderrankings und Praxisbeispiele sind in einem für beide Länder geltenden Kapitel 4 dargestellt.

Die Quellen dieser Arbeit wurden in eckigen Klammern je Absatz oder Teilkapitel und einer darin stehenden Zahl (z.B.: [1]) angegeben. Wurden Bücher als Quelle verwendet, so befinden sich in der eckigen Klammer die entsprechende Zahl der Quelle gemäß Quellen­verzeichnis und zusätzlich noch die Seitenzahl der jeweiligen Inhalte. Längere Zitate wur­den in Anführungsstrichen kenntlich gemacht.

2. Indien

Bezogen auf die Bevölkerungsanzahl ist Indien das zweitgrößte Land der Erde. Die Heimat von Ayurveda sowie zahlreichen alten Kulturen und Traditionen befindet sich in einer Modernisierung und einer stark wachsenden Wirtschaft.

Die folgenden Kapitel sollen dieses Land mit relevanten Informationen von Politik und Gesellschaft bis hin zu Wirtschaft, Bildung und Infrastruktur näher darstellen. Anhand dieser Informationen wird Indien im zweiten Teil dieser Arbeit (Kapitel 5 „Vergleich und Fazit“) mit China verglichen, um eine Empfehlung für mögliche Einkaufsaktivitäten und Potenziale beider Länder zu geben.

2.1. Politik und Gesellschaft

In einem Land, in dem viele Kulturen und „alte“ Traditionen auf Modernisierung und eine stark wachsende Wirtschaft treffen, wo viele Sprachen auf unterschiedliche Kulturen treffen, entstehen einige Herausforderungen. Im folgenden Kapitel werden politische und ge­sellschaftliche Strukturen Indiens beschrieben. Vorab einige politische und gesellschaft­lichen Basisinformationen Indiens in einer Übersicht:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Basisinformationen Indien [1[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]S.13f ;2;14]

2.1.1. Politisches System

Indien ist eine parlamentarische Demokratie. Seit der Unabhängigkeit 1949 hat sich die indische Verfassung gefestigt und Indien wird daher zu Recht als größte Demokratie der Erde bezeichnet. Der Staatspräsident als Staatsoberhaupt wird von einem Gremium aus Bundes- und Landesabgeordneten auf 5 Jahre gewählt. Ähnlich wie in Deutschland liegt jedoch die eigentliche Staatsgewalt beim Premierminister (vgl. Bundeskanzler/in) der dem Parlament verantwortlich ist. Der Premierminister bestimmt die Minister, die der Präsident dann benennt. Außerdem kann er das Parlament auflösen oder durch ein einfaches Miss­trauensvotum des Parlamentes gestürzt werden. Somit übernimmt der Staatspräsident im Wesentlichen repräsentative Aufgaben. In Notstandssituationen allerdings, verfügt er über Notstandsbefugnisse, wie Aufhebung der Bürger- und Pressefreiheit oder der öffentlichen Moral. Außerdem können Bundesstaaten, die unregierbar sind unter die so genannte president´s rule gestellt werden, wodurch die Regierung des Bundesstaates unter seiner Verantwortung steht. [1[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]S. 21f]

Das indische Recht unterliegt der Gewaltenteilung, wodurch die Judikative streng von Legislative und Exekutive getrennt ist.

In Folge der britischen Rechtspraxis der Kolonialzeit findet in Indien heute noch vielfach das Common Law Anwendung, das sich nicht auf Gesetze, sondern auf maßgebliche Urteile hoher Gerichte in Präzedenzfällen stützt. Die Gerichtssprache ist Englisch, auf den unteren Ebenen kann aber auch in der jeweiligen regionalen Amtssprache verhandelt werden. Alles in Allem bietet das indische Recht eine stabile Investitions- und Einkaufs-sicher­heit, da ein rechtsstaatliches System nach britischem Vorbild vorliegt. Allerdings zieht dieses umfangreiche Rechtssystem auch einen großen Verwaltungsapparat in Form von Bürokratie hinter sich her.

Des Weiteren existieren in Indien höhere Arbeitnehmerschutz-Standards als in Deutsch­land, die sich durch Mindestlohnregelungen in einzelnen Staaten, umfassendem Kündi­gungsschutz und einer starken Stellung von Gewerkschaften auszeichnen. [2;9]

Indien verfügt inzwischen über ein ausgeprägtes Patentsystem nach westlichem Vorbild, in dem ähnlich wie im übrigen Rechtssystem der Einfluss aus der Kolonialzeit durch Großbritannien bemerkbar ist. Das indische Patentrecht ist relativ umfangreich und durch die Verantwortung und Kontrolle unter der Leitung des Controller General of Patents, Designs, Trademarks and Geographical Indications ist es formal effektiv. Bis sich aber eine gewisse Geschäfts- und Rechtspraxis entwickelt hat, werden noch ein paar Jahre vergehen. Die Behörde des Controller Generals fungiert unter dem Department of Industrial Policy and Promotion, Ministry of Commerce and Industry.

Der Sitz des Controller General’s liegt in Bombay und der Hauptsitz der Patentbehörde liegt in Kalkutta. Weitere Niederlassungen der Patentbehörde sind in Delhi und Madras.

[6; 9]

2.1.2. Verwaltungsgliederung

Indien ist in 28 Bundesstaaten und sieben Unionsterritorien gegliedert. Während die Unionsterritorien von der Zentralregierung in Neu-Delhi verwaltet werden, verfügt jeder Bundesstaat über ein eigenes Parlament und eine eigene Regie­rung. Der Regierung eines Bundesstaats steht der Chief Minister vor, der allerdings formal einem vom indischen Präsidenten ernannten Gouverneur unter­geordnet ist. Letzterem werden bei Anwendung der president's rule die Regierungsgeschäfte übertragen. [2]

Die nebenstehende Abbildung zeigt eine Übersicht aller Bundesstaaten und Unionsterritorien.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Bundesstaaten und Unionsterritorien [2]

Bundesstaaten: 1. Andhra Pradesh 2. Arunachal Pradesh 3. Assam 4. Bihar

5. Chattisgarh 6. Goa 7. Gujarat 8. Haryana 9. Himachal Pradesh 10. Jammu und Kashmir 11. Jharkhand 12. Karnataka 13. Kerala 14. Madhya Pradesh

15. Maharashtra 16. Manipur 17. Meghalaya 18. Mizoram 19. Nagaland 20. Orissa 21. Punjab 22. Rajasthan 23. Sikkim 24. Tamil Nadu 25. Tripura 26. Uttaranchal

27. Uttar Pradesh 28. Westbengalen

Unionsterritorien:

A. Andamanen und Nikobaren; B. Chandigarh; C. Dadra und Nagar Haveli

D. Daman und Diu; E. Lakkadiven; F. Pondicherry; G. Delhi

2.1.3. Städte

Die Hauptstadt von Indien ist Neu-Delhi mit ca. 301.000 Einwohnern. Neu-Delhi ist vor allem Verwaltungszentrum für die Regierung von Indien. Es beherbergt aber auch einige Industriebetriebe aus den Branchen der Leder- und Textilienindustrie hergestellt.

In unmittelbarer Nähe zu Neu-Delhi liegt Delhi, das mit rund 11 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes darstellt. Delhi ist kultureller Mittelpunkt der hindisprachigen Gemeinschaft des Nordens und ein bedeutendes Wirtschafts- und Industriezentrum. Hier werden u. a. elektronische und elektrische Anlagen, Textilien, Schmuck, chemische Pro­dukte, Präzisionswerkzeuge und Kraftfahrzeugteile hergestellt. [3]

Indiens größte Stadt und wirtschaftliches Zentrum ist jedoch Bombay. Die Metropole an der Westküste zählt fast 17 Millionen Einwohner.

Bombay ist das führende Finanzzentrum von Indien. Darüber hinaus besitzt es große Bedeutung für den Handel, Transport und die Produktion. Der Hafen von Bombay liegt zwischen der Stadt und dem Festland und ist einer der größten Naturhäfen der Welt. Über diesen Hafen wird ein großer Teil des indischen Außenhandels abgewickelt.

Zwei bedeutende Eisenbahnlinien, mit denen alle wichtigen Regionen in Indien erreicht werden können, enden in Bombay. Auf der Insel Salsette befindet sich ein großer inter-nationaler Flughafen. Zudem sind in Bombay verschiedenste Branchen ansässig, wie zum Beispiel Chemie, Maschinenherstellung und Metallgewinnung.

Bildungseinrichtungen der Stadt sind die Universität von Bombay, die 1857 gegründet wurde, ein Institut für Technologie, und eine Hochschule für Sozialwissenschaften und Architektur. [2;3]

Drittgrößte Stadt Indiens ist Bangalore. In der 5-Millionen-Stadt im südlichen Dekkan-Hochland sind zahlreiche Hochtechnologiefirmen angesiedelt, was ihr den Beinamen „Silicon Valley Indiens“ eingebracht hat. Insbesondere große internationale Software-Unternehmen und Call-Center wie beispielsweise Intel, IBM, Dell, Oracle, HP, SAP, Motorola, Infosys, Siemens, Novell oder Wipro haben sich hier in großen „Technikparks“ niedergelassen. Dadurch hat sich in Bangalore eine breite Mittelschicht von hoch qualifi­zierten und überdurchschnittlich verdienenden indischen Informatikern gebildet.

Bangalore liegt im südlichen Indien und ist Hauptstadt des Bundesstaates Karnataka.

Das milde Klima dieser Region ist ein wichtiger Standortvorteil im Vergleich zu anderen indischen Metropolen und ein Grund für die verstärkte Ansiedlung moderner Unternehmen in der Stadt. Die Universität von Bangalore ist seit 1964 hier ansässig; andere bedeutende Bildungs- und Forschungseinrichtungen sind das bekannte Indian Institute of Science und die Universität für Agrarwissenschaften. [2;3]

Kalkutta beheimatet 4,6 Millionen Menschen und ist die wichtigste Metropole des Ostens. Außerdem ist in Kalkutta ein bedeutender Hafen und das Haupthandels-, Finanz- und Pro­duktionszentrum von Ostindien. Die Haupterzeugnisse der Stadt sind Juteprodukte, Nah­rungsmittel, Textilien aus Seide und Baumwolle, Eisen, Stahl, Chemikalien, Elektronik- und Transportgeräte sowie Gummiprodukte. [3]

Madras, die mit 4,3 Millionen Einwohnern fünftgrößte Stadt Indiens und Hauptstadt des Bundesstaates Tamil, gilt als „Detroit Indiens“. Große Firmen wie Hyundai, Ford Motor Company, Ashok Leyland, Honda und MRF haben Fabriken in und um Madras. Außerdem ist ein Großteil der indischen Automobil-Zulieferindustrie hier angesie­delt. Andere große Industrien sind Leder-, Textil- und Chemieindustrie, sowie die Erdölverarbeitung. Darüber hinaus gilt die Stadt mit der 1857 gegründeten Universität und zahlreichen weiteren Bildungseinrich­tungen auch als kulturelles Zentrum Südindiens.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Die wichtigsten Städte Indiens

Die Karte zeigt eine Übersicht über Indien, in der die erwähnten Städte zur Orientierung hervorgehoben sind. [2;3]

2.1.4. Sprachen

In Indien werden zahlreiche unterschiedliche Sprachen und Dialekte gesprochen, was durch eine Vielzahl sozialer und ethnischer Gruppen zu erklären ist.

In der Verfassung hervorgehoben werden 15 Sprachen, die regional anerkannt sind.

Die beiden landesweit offiziellen Amtssprachen sind Hindi und Englisch, wobei Englisch zudem die Wirtschafts- und Unterrichtssprache ist. [2;3]

Trotz der vielen unterschiedlichen Sprachen in Indien sprechen Inder unterschiedlicher Sprachgemeinschaften meist Englisch miteinander. Außerdem werden zahlreiche indische Homepages in Englisch verfasst, was ebenfalls den anerkannten Status der englischen Sprache in Indien bestätigt.

2.1.5. Derzeitige politische und gesellschaftliche Entwicklung

Indien befindet sich nicht nur wirtschaftlich sondern daraus resultierend auch in einem politischen Wandel. Indien hat nach wie vor einige politische Probleme zu lösen. Aber es konnten schon einige positive Entwicklungen festgestellt werden. Das folgende Unter-kapitel fasst die aktuellen Probleme und politischen Erfolge Indiens zusammen.

2.1.5.1. Innen- und Außenpolitische Entwicklungen

Indiens Präsident Abdul Kalam und Premierminister Manmohan Singh stehen immer

noch einigen Problemen gegenüber.

Beispielsweise gibt es in Indien eine zersplitterte Parteienlandschaft. Dadurch müssen Koalitionen von über 20 Parteien gebildet werden, wodurch ein gefährlicher Lobbyismus entsteht, der in Kombination mit einem korrupten Verwaltungsapparat notwendige Refor­men lähmt. Nicht ohne Grund findet sich Indien im Korruptionsindex von Transparency International auf Platz 88 wieder. Doch um diese Probleme zu beheben sind bereits Reformen im Gange.

Indiens Öffnungspolitik gegenüber westlichen Ländern richtet sich in erster Linie hin zur EU und zu den USA. 23 % des indischen Exports gehen in die EU und 18 % der indi­schen Importe kommen aus der EU. Dies macht die Europäische Union zum wichtigsten indischen Wirtschaftspartner. Indien importiert aus den USA ca. 6,3% und exportiert 16,7% in die USA.

Auch die Beziehung zur USA wird seit dem 11. September 2001, als sich Indien vorbe­haltlos auf die Seite der Amerikaner stellte, immer besser. So kam es, dass einige Top-Unternehmen wie z.B. General Electric in Indien produzieren. Auch die kürzliche Annähe­rung des US-Präsidenten Bush zeigt die immer enger werdende Beziehung zwischen Indien und den USA.

Doch nicht nur die Beziehungen zu westlichen Staaten haben sich verbessert. Ebenso haben sich die chinesisch-indischen Beziehungen seit den 90er Jahren geändert. Ein Abkommen zur Wahrung des Friedens und die gestiegenen wirtschaftlichen Trans-aktionen verdeutlichen dies.

Indien hat aber nach wie vor einen langwierigen außenpolitischen Konflikt, den Kaschmir­konflikt mit Pakistan. Die letzten Jahre waren dabei durch ständige Spannungen, kriegerische Auseinandersetzungen und Phasen des Dialogs geprägt. Eine Besserung der außenpolitischen Lage Richtung Pakistan ist momentan nicht in Sicht.

Seit dem Beitritt zur Welthandelsorganisation WTO im Jahr 1995 hat sich die indische Wirtschaft zwar deutlich geöffnet, es sind jedoch immer noch Reste der binnenwirtschaft­lich orientierten Entwicklungsstrategie zu erkennen. Der Außenhandel hat in Indien immer noch einen geringen Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP), allerdings ist hierbei eine deutlich steigende Tendenz zu erkennen.“ [1[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]S. 14ff]

2.1.5.2. Sozialpolitische Herausforderungen

Seit der indischen Unabhängigkeit 1947 konnte Indien eine große Entwicklung in der Verbesserung der sozialen Systeme verzeichnen. Die Einschulungsrate wurde inzwi­schen um das fünffache erhöht. Außerdem führten Programme im Gesundheitssystem und in der Kinderentwicklung zu weniger Armut, Hungersnot, Krankheit und Kinderarbeit. Aller­dings ist die Anzahl arbeitender Kinder in Indien nach wie vor erschreckend hoch. Schätzungen zu Folge arbeiten in Indien 43-100 Millionen von rund 360 Millionen Kindern. Wie viele davon illegal arbeiten ist schwer abzuschätzen, da die Grenzen zwischen Mithilfe im Haushalt und Kinderarbeit schwer zu ziehen sind. Teilweise werden Kinder sogar als Knechte von ihren Eltern an Arbeitsvermittler verkauft, was absolut menschenunwürdig ist. Auf diesem Gebiet hat Indien einen großen Nachholbedarf.

Je nach Region, Kastenzugehörigkeit [1] und Geschlecht sind Sozialindikatoren wie Dauer des Schulbesuches und Analphabetisierungsgrad sehr unterschiedlich. Im Süden und Westen haben die Programme der Regierung wesentlich bessere Wirkungen erzielt, als im Osten und in Zentralindien. Frauen sind generell benachteiligt und schneiden in punkto Analphabetisierung schlechter ab als Männer (Frauen: 54,6% und Männer: 31,6% Analphabetisierung).

Im Gesundheitswesen gibt es ebenfalls große Unterschiede. Viele Inder wissen gar nicht über die Existenz medizinischer Einrichtungen, andere sind hingegen vor allem in privaten Kliniken recht gut versorgt. Auch auf diesem Gebiet besteht Nachholbedarf, was eine Kindersterblichkeitsrate von 470 Kindern pro 100.000 Einwohner verdeutlicht.

In Indien gibt es derzeit rund 587.000 Ärzte, 16.000 Krankenhäusern und 22.000 Apotheken.

Rund 4 Millionen Bürger Indiens sind mit HIV infiziert.

Inzwischen wird jedoch viel Geld in das Gesundheitswesen investiert, wodurch sich die schlechte Lage in diesem sozialen Bereich zu bessern scheint.

Armut ist in Indien zwar nach wie vor weit verbreitet, allerdings zeigt die Entwicklung der Armutsindizes, dass sich hier in den letzten Jahren viel verbessert hat. Nachdem in den 50er Jahren noch gut 50% der indischen Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze lebten waren es 1990 noch 25% der Bevölkerung. Heute sind es noch 18-20 % und die Tendenz ist fallend. Bilder von überfüllten Slums und Bettlern an jeder Ecke, wie sie in der westlichen Welt noch stark verbreitet sind, sind zum Teil also nur noch Vorurteile und schwinden mehr und mehr.“ [1[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]S. 19f;11;14;28]

2.1.5.3. Umweltpolitik

Indien und Deutschland arbeiten gemeinsam daran, die globalen Umweltziele zu errei­chen, etwa bei Maßnahmen zum Klimaschutz. Indien tritt entschieden für die Umsetzung des Kyoto-Protokolls ein. Dies hat zu einer intensiven Zusammenarbeit bei der Förderung erneuerbarer Energien, der Steigerung der Energieeffizienz und von Maßnahmen im Rahmen des Clean Development Mechanism geführt. Dabei werden Vorhaben in dem Pro­gramm „Management natürlicher Ressourcen“ umgesetzt. Ziel ist eine stärkere Beteiligung der Bevölkerung im ländlichen Raum an politischen Entscheidungsprozessen und eine Verbesserung von ländlichen Dienstleistungssystemen. Auch der Zugang zu Umwelt-informationen soll erleichtert werden.

Die indische Regierung hat die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) außerdem beauftragt, das Land bei seinem Abschied von ozon-zerstörendem FCKW zu unterstützen. Insgesamt stehen 17 Millionen USD zur Verfügung, um in Indien alternative Techniken einzuführen. [5]

Das Ministerium für Umwelt und Wälder der indischen Regierung hat 2004 zudem eine National Environment Policy festgeschrieben, in der unter anderem folgenden Punkten Aufmerksamkeit verliehen wird [7]:

- Schutz und Einsparung kritischer Ressourcen
- Integration von umwelttechnischen Unternehmen in die wirtschaftliche und soziale Entwicklung
- Effizienz der Ressourcen-Nutzung
- Sicherstellung der Verteilung von Ressourcen an ärmere Gesellschaftsschichten
- Beachtung des Umweltschutzes bei der wirtschaftlichen und industriellen Ent-wicklung
- Bei unzumutbar hohen sozialen oder wirtschaftlichen Kosten kann vom Umwelt­schutz abgewichen werden

Diese Punkte zeigen das gestiegene Umweltbewusstsein Indiens.

Unabhängig von der indischen Umweltpolitik gibt es in Indien eine starke Natur- und Umweltschutzbewegung der Bürger, die sich mit beträchtlichem Erfolg gegen die Zer­störung der Lebensräume von Tieren und Pflanzen durch die wachsende Industrialisierung und das rasche Bevölkerungswachstum einsetzt. Zu den erfolgreichen Umweltschützern gehören die Tree Huggers, die gegen die Abholzung der Baumbestände im Himalaja kämpfen. Zudem haben sie das Silent Valley Project in Kerala gestoppt – ein gewaltiges Wasserkraftwerksprojekt, das den Lebensraum einzigartiger Arten zerstört hätte – und das große Narmada Dam Project in Madhya Pradesh und Gujarat zu Fall gebracht. An einer anderen Front ist es Umweltschutzgruppen gelungen, das Tehri Project zu verzögern, bei dem der Bau von Dämmen in einer äußerst erdbebengefährdeten Zone im Himalaja geplant ist. [3]

In Indien sind 5,2% der Gesamtfläche Naturschutzgebiete, was einer Fläche von 15,6 Mio. ha entspricht. [21]

2.1.5.4. Derzeitige politische Aktivitäten

Im Folgenden werden politische Aktivitäten Indiens von Anfang 2005 bis heute zusammen-gefasst dargestellt. Dabei handelt es sich um eine Auswahl der wichtigsten Ereignisse, da an dieser Stelle nur die Tendenz und nicht die gesamte politische Entwicklung erfasst werden soll [8;9]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

- Für produzierende Unternehmen wurde die zollfreie Versorgung in Sonderwirtschaftszonen genehmigt
- Der Bau des internationalen Flughafens von Devanahali, nahe Bangalore, beginnt im März und soll bis 2007 fertig gestellt sein
- Ab April wird auf 550 Produkte eine Mehrwertsteuer erhoben. Mehrwertsteuersätze: 4% und 12,5%
- Nachdem die Straßenvernetzung von Neu Delhi, Kalkutta, Bombay und Madras fertig gestellt ist, plant die Regierung mehr als 600 weitere Mrd. Rupien in den Straßenausbau zu investieren
- Mehrere Steuer- und Zollsenkungen wurden durchgesetzt
- Es ist derzeit eine westliche Orientierung und Öffnung der indischen Politik zu erkennen
- Ein Fonds zur Entwicklung der Infrastruktur armer ländlicher Gebiete wird mit rund 80 Mrd. Rupien eingerichtet
- Produzierende Unternehmen in Sonderwirtschaftszonen erhalten für fünf Jahre eine 100%-ige Steuerbefreiung und für weitere fünf Jahre eine 50%-ige Steuerbefreiung
- Die Regierung hat sich als Ziel gesetzt, die indische Infrastruktur innerhalb der nächsten fünf bis sieben Jahre auf Weltniveau zu bringen.

2.2. Bildung

Das Humankapital, also die Qualifikation und Bildung der Bevölkerung, ist für jedes Land von großer Bedeutung zur Zukunftssicherung. In diesem Kapitel werden daher das indische Bildungssystem und dessen Entwicklung dargestellt.

Bevor 1986 die indische Bildungspolitik modifiziert wurde, waren Schulen miserabel ausgestattet und Lehrer unterqualifiziert. Dies führte unter anderem zu großen regionalen Unterschieden in der Alphabetisierungsrate und zu vielen Schulabbrechern, welche das Heer der Analphabeten noch verstärkten.

Doch mit der erwähnten Modifizierung der Bildungspolitik 1986 erkannte die indische Zent­ralregierung, dass eine weltmarktorientierte Entwicklung besser qualifizierte Arbeitskräfte bedarf und das Bevölkerungswachstum nur durch eine bessere Qualifikation von Frauen in den Griff zu bekommen war. Im Zuge des neuen Bildungsprogramms wurden Schulen besser ausgerüstet, mehr weibliche Lehrkräfte ausgebildet und Alphabetisierungskampag­nen gestartet. Letztere wurden von der Zentralregierung kontrolliert und den Regionen übertragen. So schafften auch viele arme Regionen eine Alphabetisierungsrate von knapp 100%, was zuvor undenkbar war.“ [1[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]S. 16f]

Trotzdem liegt die aktuelle durchschnittliche Alphabetisierungsrate der indischen Bevölkerung über 14 Jahren bei über 60%, wobei durch die genannten Maßnahmen eine steigende Tendenz zu erkennen ist. 1990 lag die Alphabetisierung in Indien noch bei knapp 50%. Betrachtet man die junge Bevölkerung zwischen 15 und 24 Jahren, so konnten im Jahr 2001 bereits gut 73% lesen und schreiben, wobei dies 1990 noch 64% waren. [10]

Das Schulsystem steht unter direkter Kontrolle der einzelnen Bundesstaaten. Das Bil­dungsministerium des Bundes koordiniert und regelt die Bildung in den Unionsterritorien, stellt finanzielle Unterstützung für die Hochschulen zur Verfügung und übernimmt ver­schiedene andere Aufgaben. Während der allgemeinen Schulpflicht im Alter von 6 bis 14 Jahren ist die Schule kostenfrei. Das indische Bildungssystem umfasst vier Hauptstufen: Im Anschluss an die fünfjährige Grundschule folgt die Mittelschule von der sechsten bis zur achten Klasse. Danach folgen die höheren Schulen und schließlich die Hochschulen bzw. Universitäten. [2]

Eines der obersten Ziele der Regierung ist es außerdem, bis zum Jahr 2020 allen Kin­dern im Alter von 6 bis 14 Jahren eine schulische Ausbildung zu verschaffen. Zu diesem Zweck sollen die öffentlichen Ausgaben für Bildung erhöht werden. Ob die Regierung dieses Ziel erreichen kann, wird vor allem davon abhängen, ob staatliche Gelder verfügbar sind und wie effizient diese eingesetzt werden. Insbesondere in ländlichen Gebieten ist eine zwischen Bundesstaaten und Kommunen abgestimmte Bildungspolitik erforderlich. Insgesamt dürfte sich das Humankapital der Volkswirtschaft – gemessen am Bildungs-niveau – laut einer Studie des Deutsche Bank Research spürbar erhöhen, da die Regierung mehr Geld für das Bildungswesen ausgeben wird und die Anreize für einen längeren Schulbesuch (z.B. bessere Einkommensaussichten) ansteigen dürften.

Im vergangenen Jahr beliefen sich die indischen Bildungsausgaben auf rund 27 Mrd. USD. Durch die Bildungsprogramme der indischen Regierung und der damit ver­bundenen besseren Schulbildung erlebte auch die höhere Bildung eine gewaltige Ex­pansion. Inzwischen gibt es in Indien mehr als 12.000 Hochschulen (darunter knapp 400 Universitäten) und die Anzahl von eingeschriebenen Studenten erhöht sich ständig.

An allen indischen Hochschulen sind etwa neun Millionen Studierende eingeschrieben, was ca. 8,05 Studierende je 1000 Einwohner entspricht. Im Jahr 2000 verließen jährlich rund 209.000 Ingenieure die indischen Hochschulen. Durch die Arbeit

einer Task Force der indischen Regierung sollte sich diese Zahl in den Folgejahren fast verdoppeln, wie es die nachstehende Grafik zeigt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diagramm 1: Anzahl jährlich ausgebildeter Ingenieure [13]

Dass die indischen Ingenieure auch qualitativ sehr gut ausgebildet sind, zeigen unter anderem die folgenden Fakten:

- auf Grund des Mangels an IT-Fachkräften in Deutschland wurden von August 2000 bis Dezember 2004 rund 20.000 Green-Cards an ausländische IT-Fachkräfte vergeben. Unter diesen Fachkräften stellten rund 6.000 indische Experten die größte Gruppe
- indische Ingenieure sind in der Lage schnell zu entwickeln: Zum Beispiel hat ein indischer Automobillieferant ein Lenksystem innerhalb von sechs Monaten ent­wickelt. Besonders daran ist, dass der Automobilhersteller, also der Kunde des Lieferanten, zuvor vier Jahre lang versuchte in anderen Niedriglohnländern ein ähnliches Lenksystem entwickeln zu lassen. [15]
- aus dem IMD Competitiveness Yearbook 2003[2] wird die Verfügbarkeit von qualifi­zierten Ingenieuren in Indien mit 8,9 von 10 Punkten international am höchsten bewertet. Deutschland liegt in dieser Rangliste mit 6,9 Punkten auf
Platz 5. [17]
- in einer Studie der Universität Bremen werden der Ausbildungsstand und die Ver­fügbarkeit von qualifizierten Fachkräften in Indien höher bewertet
als in China. [16]

In einer Studie von The Times Higher Education Supplement aus dem Jahr 2003 rangiert das indische Institut für Technologie weltweit auf Platz 4 hinter den drei namhaften US-Instituten Berkeley, Massachusetts und Stanford University.

Unter den Top Ten asiatischer Technologieinstitute (Studie der Asia Week 2000) befinden sich fünf indische Institute. Auf Platz 3, hinter zwei südkoreanischen Instituten, befindet sich das Institut für Technologie Bombay. Es folgen auf Platz 4 und 5 die Institute aus Delhi und Madras, sowie auf den Plätzen 7 und 8 Kanpur und Kharagpur.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3. Wirtschaftliche Entwicklung

Indien gewinnt international immer mehr Anerkennung als Industriestandort für Produktion und Einkauf. Um diese Entwicklung zu durchleuchten, zeigt das folgende Unterkapitel wirt­schaftliche Indikatoren, Arbeitsmarktinformationen und Hintergründe zur aktuellen indi­schen Wirtschaftslage.

2.3.1. Wirtschaftliche Basisinformationen und gesamtwirtschaftliche Lage

„Mit Indien reift in Asien eine große Wirtschaftsnation heran. Das reale BIP expandierte in den vergangenen fünf Jahren um durchschnittlich 5,8%. Im vergangenen Fiskaljahr (April 2004 bis März 2005) stieg das reale BIP um 6,9%. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies zwar eine Wachstumsverlangsamung, diese geht jedoch auf den Agrarsektor zurück, der unter anderem unter der Tsunami-Katastrophe zu kämpfen hatte. Die Industrie hingegen lieferte neue Impulse und konnte ihren Output um ca. 8% steigern. Vor allem durch die Antriebe im Softwarebereich wuchs der Dienstleistungssektor um 8,9%. Der Aufschwung steht auf einem breiten Fundament, so dass in den folgenden Jahren mit einem Wachstum von jeweils rund 7% gerechnet wird.“ [4[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] S.37ff]

Der Strukturwandel vom Primär- zum Tertiärsektor ist in vollem Gange. Durch den Wandel vom Agrarland zum Dienstleistungs- und Industrieland wird die indische Wirtschaft unabhängiger vom Monsun, der bisher je nach Wetterlage der indischen Agrarwirtschaft gute oder schlechte Ernten bescherte. Nach wie vor leben knapp 60% der indischen Be­völkerung von der Landwirtschaft. Nachdem im Fiskaljahr 1980/81 der Anteil des Primär­sektors noch bei 35% lag, tragen Industrie und Dienstleistungen inzwischen fast 80% zum BIP bei [18].

Deutsche Bank Research prognostiziert Indien in den Jahren von 2006 bis 2020 ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von 6%. Indien steht damit in dieser Prognose auf Platz 1 der bewerteten Länder. Dabei handelt es sich um ein Szenario, das mit 60% Wahr­scheinlichkeit zu erwarten ist und dem ein „moderates“ Reformtempo zugrunde liegt. In dieser Studie werden noch folgende beiden Szenarien berücksichtigt:

Positiv-Szenario: „Indischer Tiger“ (Wahrscheinlichkeit: 30%)

In diesem Szenario verfolgt die Regierung eine sehr viel aggressivere Liberalisierungs-politik als derzeit und Reformen werden trotz gelegentlichem Widerstand anderer politi­scher Parteien tief greifender und rascher umgesetzt. Insbesondere der Privatisierungs­prozess wird mit einem ähnlichen Tempo wie im Fiskaljahr 2003/2004 fortgesetzt. Privatisierungseinnahmen unterstützen die Regierung bei ihren Bemühungen um eine Ver­ringerung des Einnahmendefizits. Eine Öffnung bisher abgeschotteter Bereiche der Wirt­schaft zieht stärkere Zuflüsse an ausländischen Direktinvestitionen an. Die Regierung investiert umfangreiche Gelder in den Agrarsektor, um die Abhängigkeit des Landes vom Monsun zu verringern. Soziale Spannungen infolge der sich ausweitenden Einkommens­differenzen zwischen Arm und Reich werden von der Regierung im Rahmen eines Regie­rungsprogramms („common minimum programme“) unter Kontrolle gehalten, ohne dass sich das Investitionsklima verschlechtert oder der Prozess der Haushaltskonsolidierung gefährdet wird. In diesem Szenario wächst die Wirtschaft in den kommenden 10 – 15 Jahren um durchschnittlich 7,5%. Damit läge die Wachstumsrate

nahe dem langfristigen Zielwert der Regierung von 8,5 – 9%, die im Dokument „India Vision 2020“ genannt wird.

Negativ-Szenario: „Reformstau“ (Wahrscheinlichkeit: 10%)

In diesem Szenario wird die wirtschaftliche Liberalisierung durch häufigen und langwierigen Widerstand gegen wirtschaftliche Reformen gehemmt. Das Haushaltsdefizit vergrößert sich aufgrund höherer Subventionen, eines Scheiterns der Bemühungen um eine effizientere Steuereintreibung und der Unmöglichkeit, marode staatliche Unternehmen zu privatisieren. Die Regierung ist unter Umständen zu Kapitalspritzen für diese Unternehmen gezwungen, so dass das Ziel einer Haushaltskonsolidierung weiter in die Ferne rückt. Das Investorenvertrauen wird in Mitleidenschaft gezogen, und ausländische Direktinvestitionen bleiben gering. Der Agrarsektor bleibt aufgrund unzureichender staatlicher Investitionen in diesem Bereich vom Monsun abhängig.

In diesem Szenario verlangsamt sich das reale Wachstum in den Jahren 2006–2020 auf

durchschnittlich rund 4,0%. Diese Wachstumsrate ist im internationalen Vergleich zwar

recht akzeptabel, liegt jedoch nahe der (nach indischen Standards) schwachen „Hindu-Wachstumsrate“ der 50er und 60er Jahre und reicht nicht aus, um den Lebensstandard der indischen Bevölkerung spürbar zu verbessern.“ [22]

Der Preisauftrieb in Indien hat sich konjunktur- und ölpreisinduziert beschleunigt. Die Inflation lag im vergangenen Fiskaljahr 2004/05 bei 4,7% und wird für das aktuelle Ge­schäftsjahr auf rund 5,0% geschätzt. Die indische Notenbank hat auf diese Entwicklung bereits mit einer leichten Zinserhöhung reagiert.

Unbefriedigend bleibt zusätzlich das staatliche Finanzierungsdefizit. Das Haushalts­saldo bewegte sich in den vergangenen Jahren bei leicht rückläufiger Tendenz zwischen

-9% und -10%. Wie stark der finanzielle Handlungsspielraum der Regierung dadurch ein-ge­schränkt ist, zeigt die Tatsache, dass allein die Zinszahlungen auf die Staatsverschul­dung gut 40% der Staatseinnahmen ausmachen.

Durch die starke Inlandsnachfrage stiegen die Importe in den vergangenen Jahren an. Da die Exporte zwar auch anstiegen, aber weniger als die Importe, entwickelte sich ein immer größer werdendes Defizit in der Handelsbilanz, welches nicht ohne Einfluss auf den Trend der Leistungsbilanz blieb.

Trotz einiger das Wachstum belastender Faktoren, wie schlechte Infrastruktur, administrative Hürden und restriktive Arbeitsmarktregelungen wird der indischen Wirtschaft für die Zukunft großes Potenzial zugeschrieben. Wenn sich die Infrastruktur in Indien bessert, wofür es Anzeichen gibt, dann wird Indien seine Attraktivität für ausländische Direktinvestitionen nachhaltig erhöhen können. [4[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] S. 37ff]

Aus einer FICCI-Umfrage[3] geht unter anderem hervor, dass die indische Bürokratie häufig zu umständlich und umfangreich ist. Das beginnt mit der Behandlung von Anträgen im Rahmen der Genehmigung einer Betriebsstätte und setzt sich im Verlauf des Aufbaus fort. Hier agieren indische Behörden oft sehr langsam und bremsen Beginn sowie Fortgang der Aktivitäten stark ab. 74% des oberen Managements verwenden laut der Umfrage 10% bis 15% der Arbeitszeit für den Umgang mit Regelungen und Inspektoren der indischen Regierung auf. Für weitere 17% der Manager sind dies sogar 25% bis 50%. [19]

Die wichtigsten Wirtschaftsindikatoren und eine kurze Bewertung verschiedener Entwicklungen sind in der folgenden Tabelle zusammengefasst:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Wirtschaftsdaten [20]

2.3.2. Arbeitsmarkt

Über die Qualifikation und Verfügbarkeit indischer Ingenieure wurde bereits beim Thema Bildung berichtet. Doch auch die Verfügbarkeit indischer Facharbeiter wurde im IMD Competitiveness Yearbook 2004 mit 7,9 von 10 Punkten sehr hoch bewertet. Indien liegt damit in dieser Umfrage an zweiter Stelle hinter Dänemark.

In 2004 betrugen die Bruttoarbeitskosten bei gewerblichen Mitarbeitern in der verarbei­tenden Industrie zwischen 0,80 EUR und 1,00 EUR/h. Selbst bei Fortschreitung der aktuell deutlich ansteigenden Lohnkosten von ca. 8% im verarbeitenden Gewerbe wird dieses Lohnniveau insbesondere für fertigungsintensive Branchen mittelfristig kaum an Attraktivi­tät verlieren.

Die durchschnittliche indische Produktivität liegt im gewerblichen Bereich deutlich geringer als in Deutschland. Allerdings liegen die relativen Faktorarbeitskosten[4] mit durchschnittlich 4,30 EUR signifikant unter den Vergleichswerten der meisten anderen Länder. [4[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] S. 204]

Wenn es der indischen Regierung gelingt, die Bildung zu verbessern und tatsächlich bis 2020 allen Indern eine schulische Ausbildung zu gewährleisten, wird Indien ein gut ausge­bildetes und großes Humankapital haben. Denn Indiens Bevölkerung ist jung.

Im Jahr 2002 waren rund 33% der Bevölkerung jünger als 15 Jahre, und nur rund 5% über dem Pensionsalter von 65 Jahren. Dementsprechend wird ein großer Teil

der Bevölkerung in den kommenden 10-15 Jahren im arbeitsfähigen Alter (d.h. 15-64 Jahre alt) sein, so dass das Arbeitskräfteangebot deutlich ansteigen wird. [22]

2.3.3. Währung

Die Währung Indiens ist die Indische Rupie (Abkürzung: INR). Die folgenden beiden Diagramme zeigen den Verlauf der Indischen Rupie im Verhältnis zum Euro (Diagramm 2) und zum USD (Diagramm3). Der jeweilige Erfassungszeitraum ist von Januar 2003 bis Februar 2006.

In Diagramm 2 ist zu erkennen, dass die INR mit geringfügigen Schwankungen im Verhältnis zum Euro verläuft.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diagramm 2: Währungsverhältnis EUR/INR [23]

Im Verhältnis USD zur INR sind nur sehr geringe Schwan­kungen vorhan­den.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diagramm 3: Währungsverhältnis USD/INR [23]

2.3.4. Sonderwirtschaftszonen

Eine besondere Art von Wirtschaftszentren sind die so genannten Sonderwirtschafts­zonen (englisch: Special Economic Zones = SEZ). Diese sind weltweit vorzufinden, aber speziell in Asien gehört diese Form von Wirtschaftszentren zu den am schnellsten wach­senden Märkten, nicht nur für Dienstleistungen. Sonderwirtschaftszonen zeichnen sich durch eine Vielzahl von Vorzügen gegenüber „normaler“ Standorte aus. Solche Zonen sind wiederum in Units unterteilt. Der besondere Vorteil indischer SEZ’s liegt in der guten Ver­teilung der Standorte über das ganze Land. Mittlerweile gibt es 27 SEZ’s für die verschiedensten Bereiche, die in den nächsten Jahren deutlich ausgeweitet werden sollen. Alle genehmigten SEZ’s müssen gewisse Bestimmungen erfüllen, um in den Genuss staatlicher Vergünstigungen zu kommen. So sind z.B. die Größe und Aufteilung vorge­schrieben, sowie die vorgesehenen Units. Der Staat versucht eine optimale Verteilung der einzelnen Wirtschaftszentren zu erreichen.

Vorteile indischer SEZ’s sind:

- Keine Importlizenz nötig
- Keine Einfuhrzölle für Rohstoffe, Produktionsgüter und Verbrauchsmaterialien
- Keine Verbrauchersteuer auf Produkte aus dem Binnenland
- 100% Einkommensteuerbefreiung in den ersten fünf Jahren, 50% Befreiung für die weiteren zwei Jahre und bis zu 50% Steuerbefreiung auf Profite für die Dauer von drei Jahren
- Genehmigung 100%iger ausländischer Investitionen, außer gewissen, strategischen Sektoren
- Keine Zulassungsbestimmungen für die Industrie
- Profite dürfen frei ausgeführt werden
- Keine Kontrollen durch Import- und Exportbehörden“

Je nach sektorspezifischen Richtlinien kann es weitere Ermäßigungen und Regelungen geben, die im Einzelfall zu prüfen sind.

Allerdings gibt es nicht nur Vorzüge indischer SEZ’s. Wer sich in einer SEZ nieder-lassen oder aus einer beziehen will, muss genau prüfen, welche Rahmenbedingungen für einzelne SEZ’s gelten. Nicht selten sind die Bedingungen, Anforderungen und Erleichte­rungen von SEZ zu SEZ unterschiedlich.

Beispielsweise kann Polyester in verschiedenen Sonderwirtschaftszonen bezogen und gefertigt werden. Jedoch können hier einzelne Vergünstigungen schwanken. Es ist daher zu empfehlen, im Falle einer Geschäftsbeziehung die Sonderwirtschaftszonen genauer zu betrachten.

Generell liegen SEZ’s an Verkehrsknotenpunkten, jedoch können auch hier unterschiedliche Transportkosten zu Häfen, Umschlagplätzen und Flughäfen anfallen. Auch der aktuelle Zustand der Einrichtungen ist zu beachten. Möglicherweise sind je nach SEZ Modernisierungen oder Erweiterungen notwendig.“ [1[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] S. 84ff]

2.3.5. Wichtige wirtschaftliche Regionen

Ein so großes, bevölkerungsreiches und abwechslungsreiches Land wie Indien birgt regio­nal unterschiedliche Gegebenheiten, die bei der Beschaffung und Investition in Indien zu berücksichtigen sind. Daher sind im Folgenden die Stärken, Schwächen und besonderen Sektoren der wichtigsten wirtschaftlichen Regionen Indiens in einer Tabelle zusammenge­fasst.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3: Zusammenfassung der wichtigsten wirtschaftlichen Regionen Indiens [24]

Eine FICCI-Umfrage ergab, dass Maharashtra, Gujarat, Karnataka, Tamil Nadu und Andhra Pradesh als die wirtschaftlich und politisch attraktivsten Bundesstaaten Indiens unter nicht indischen aber in Indien ansässigen Unternehmen angesehen werden. [19]

2.3.6. Wichtige Branchen

Dieses Unterkapitel gibt eine kurze Darstellung Indiens der wichtigsten und für diese Arbeit relevanten Branchen sowie deren Entwicklung.

2.3.6.1. Automobilindustrie und Automobilzulieferindustrie

Indiens Automobilindustrie konnte im Geschäftsjahr 2004-05 in allen Bereichen ermuti­gende Ergebnisse vermelden. Im Vergleich zum Geschäftsjahr 2003-04 wuchs der Sektor, in absoluten Zahlen gerechnet, um 16%. Damit trotzte der indische Markt allen Spekulationen aus den verschiedensten Richtungen über eine Verlangsamung des Wachstums, deren Ursprung in einem bisher noch nie da gewesenen Anstieg der Kosten für Betriebsmittel und Rohstoffe zu suchen ist.

PKWs konnten im Geschäftsjahr 2004-05 ein Wachstum von 18% verzeichnen, im Ver­gleich zum vorangegangenen Geschäftsjahr. Der Nutzfahrzeugbereich wuchs um 22% und der Bereich der motorisierten Zweiräder konnte ein Wachstum von 15% verzeichnen.

Somit wurde Indien zum am schnellsten wachsenden Markt im Automobilsektor auf der ganzen Welt, gefolgt von Brasilien, China und den USA.

Auch im Bereich der Exporte ist die Leistung der indischen Automobilindustrie ermutigend. Im Vergleich zum Geschäftsjahr 2003-04 konnte sich im Geschäftsjahr

2004-05 der Export von Nutzfahrzeugen um 72% erhöhen, PKW-Exporte wuchsen um

29% und die Exporte von motorisierten Zweirädern verzeichneten ein Wachstum von

38%. Nach Wert gerechnet, konnten die indischen Automobilexporte im Jahr 2004 zum ersten Mal die Marke von 1 Milliarde USD überschreiten. Das Ziel der Milliardengrenze hatte sich Indien erst für 2007 ins Auge gefasst.

Einem kürzlich veröffentlichten Bericht zufolge könnte der Autozuliefersektor bis 2015 ein Volumen von 33–40 Mrd. USD erreichen (2003: 6,7 Mrd. USD), und die Exporte könnten von 1 Mrd. USD im Jahr 2003 auf 20–25 Mrd. USD im Jahr 2015 in die Höhe schnellen.

Dies sind angesichts eines weltweiten Volumens von 700 Mrd. USD für die Autozuliefer­branche noch relativ geringe Beträge. Sie deuten jedoch darauf hin, dass sich Indien mit der Zeit ein größeres Stück vom Kuchen sichern kann.

Die wichtigsten Herausforderungen zu diesem Erfolg sind die Verbesserung der Qualität und ein Abbau nachteiliger staatlicher Reglementierungen. Ein Anstieg von Joint Ventures zwischen indischen Unternehmen und internationalen Konzernen dürfte dazu beitragen, Effizienz, Betriebsprozesse und Technologien zu verbessern. [22]

Viele Autokonzerne produzieren bereits in Indien und die Zulieferindustrie folgt. Bosch, ZF, Siemens VDO und andere Zulieferer produzieren bereits erfolgreich in Indien.

Toyota war 2001 der erste Automobilhersteller, der Indien als Einkaufsplattform erkannte. Bereits damals wurden von Toyota fast 200 Millionen USD in sechs Joint Ventures inves­tiert, unter anderem um lokale Lieferanten in ihrer Entwicklung zu globalen Standards zu unterstützen um anschließend daran zu partizipieren. Toyota exportiert inzwischen

Getriebeteile aus Indien. [15;25]

Neben Toyota beschaffen inzwischen auch weitere Automobilhersteller in Indien, darunter Ford, Fiat, GM, Hyundai und Volvo. Alle planen ihr Beschaffungsvolumen in Indien zu erhöhen und das mit gutem Grund:

„Indien verfügt über eine Basis von rund 400 Automobil- und Maschinenkomponenten-lieferanten mit einem kumulierten Umsatz von über 7 Milliarden Euro im vergangenen Geschäftsjahr und über 300.000 Mitarbeitern. Das investierte Kapital liegt bei rund 3 Mrd. Euro. Das jährliche Wachstum von Umsatz und Investitionen rangierte in den letzten Jahren klar im zweistelligen Prozentbereich und wird in den nächsten fünf Jahren in einer ähn­lichen Größenordnung liegen.

Basis für diese erfolgreiche Entwicklung ist bei vielen Komponentenherstellern eine Koope­ration in Produktentwicklung und/oder Produktion mit westlichen oder japanischen Firmen, mit Hilfe derer eine weltweite technologische und prozesstechnische Wettbewerbsfähigkeit sichergestellt wird. Diese äußert sich dann zum einen in der Exportstatistik, die in den letzten Jahren Wachstumsraten von über 20% aufweist und als Lieferantendestinationen für die ins Ausland verkauften Komponenten und Baugruppen in fast zwei Drittel der Fälle Westeuropa, Nordamerika oder Japan - also hoch entwickelte Märkte mit anspruchsvollen Kunden - führt. Zum anderen können die indischen Unternehmen infolge der Kooperatio­nen eine hohe Engineering-Kompetenz und hohe Qualitätsstandards aufbauen, wie der hohe Anteil mit ISO 9000-Zertifikat von 80% zeigt (Auch andere Qualitätszertifikate wie QS 9000 oder TS 16949 sind in diesem Sektor mehrheitlich eingeführt).“ [4[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] S. 57]

Die hohe Qualität und Verfügbarkeit von qualifizierten Arbeitskräften erlaubt es Indien, auch Fahrzeuge zu niedrigeren Kosten zu entwickeln. McKinsey schätzt, dass Arbeitskosten in der Automobilindustrie in Indien 8-9 % des Verkaufspreises betragen, im Vergleich zu 30-35 % in entwickelten Ländern. Auch Entwicklungskosten betragen bei gleichwertiger Qualität nur 60 USD pro Stunde im Vergleich zu 800 USD in Europa und noch mehr in den USA. [8]

[...]


[1] In Indien wird jeder Mensch aufgrund seines Karmas in eine bestimmte Kaste hineingeboren. Diese Kastenzugehörigkeit ist vererbbar und bestimmt das spätere Leben eines Menschen. Inzwischen ist das Kastensystem per Gesetz abgeschafft, in der Realität aber teilweise noch vorhanden, besonders in ländlichen Gegenden.

[2] Das Competitiveness Yearbook von IMD ist eine jährliche Umfrage unter Führungskräften.

[3] Abkürzung für F ederation of I ndian C hambers of C ommerce and I ndustry

[4] Die relativen Faktorarbeitskosten ergeben sich aus der Multiplikation der Personalkosten pro Std. und der relativen Arbeitszeit (in Std.). Die Personalkosten sind die tatsächlich bezahlten Löhne. Die relative Arbeitszeit ist äquivalent mit der Produktivität normiert auf deutsche Vergleichswerte.

Ende der Leseprobe aus 137 Seiten

Details

Titel
China und Indien. Einkaufsmärkte der Zukunft
Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg Mannheim, früher: Berufsakademie Mannheim
Note
1,3
Autoren
Jahr
2006
Seiten
137
Katalognummer
V53389
ISBN (eBook)
9783638488532
ISBN (Buch)
9783638935746
Dateigröße
1327 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit stellt einen Vergleich von China und Indien als Einkaufsmärkte der Zukunft dar. Dabei werden Inhalte aus Politik, Bildung, Wirtschaft, Infrastruktur, Beschaffungsstrategien sowie Erfahrungen aus bereits existierenden Studien und aus der Praxis als grundlegende Entscheidungshilfe für Einkäufer und weitere Interessenten dargestellt.
Schlagworte
China, Indien, Einkaufsmärkte, Zukunft
Arbeit zitieren
Timo Keller (Autor)Roman Herzog (Autor), 2006, China und Indien. Einkaufsmärkte der Zukunft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53389

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