Um die progressive Genese der italienischen Literatursprache näher zu beleuchten, wird sich die vorliegende Arbeit ausgehend von der Lyrik der scuola siciliana bis hin zu den Hauptwerken der tre corone Dante, Petrarca und Boccaccio besonders mit den Veränderungen sprachlicher sowie inhaltlicher Natur und deren Ursachen beschäftigen, um anhand dessen die Entwicklung von einer der provenzalischen Troubadourlyrik relativ nahe stehenden Dichtkunst bis zu der, sowohl vom thematischen als auch vom linguistischen Standpunkt betrachtet, eigenständigen Lyrik Petrarcas und Prosa Boccaccios zu verdeutlichen. Im Zuge dessen werden jedoch auch die wesentlichsten Aspekte benannt, die den soeben angeschnittenen Veränderungen nicht unterworfen waren und folglich von Entwicklungsstufe zu Entwicklungsstufe beibehalten worden sind, wobei hierbei ebenfalls die Ursachen der jeweiligen Tradierung beleuchtet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. La scuola siciliana
2.1. La scuola siciliana - Der Dichterkreis
2.2. La scuola siciliana und die provenzalische Troubadourlyrik
2.2. La scuola siciliana und die provenzalische Troubadourlyrik - Gemeinsamkeiten in Form und Inhalt
2.3. La scuola siciliana und die provenzalische Troubadourlyrik - Neuerungen und Unterschiede auf sprachlicher, inhaltlicher und formaler Ebene
3. Die Sikulo-Toskaner
3.1. Die Poeten der scuola di transizione
3.2. Die Sikulo-Toskaner - Neuerungen auf sprachlicher und inhaltlicher Ebene
4. Der dolce stil novo
4.1. Der Dichterkreis des dolce stil novo
4.2 Der dolce stil novo - Neuerungen auf sprachlicher, inhaltlicher und formaler Ebene
5. Dante Alighieri
5.1. Eckdaten zu Biographie und Werk
5.2. Dante als Stilnovist - La Vita nuova
5.3. Il Convivio
5.4. Dantes theoretische Auseinandersetzung mit dem volgare als gehobener Sprache der Literatur - De vulgari eloquentia
5.5. La Divina commedia - Neuerungen auf sprachlicher Ebene
6. Die Bedeutung Petrarcas und Boccaccios für die Herausbildung der italienischen Literatursprache
6.1. Petrarcas Canzoniere und dessen Bedeutung für die Herausbildung der italienischen Literatursprache
6.2. Boccaccios Decameron und dessen Bedeutung für die Herausbildung der italienischen Literatursprache
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die progressive Entwicklung der italienischen Literatursprache von ihren Anfängen in der sizilianischen Dichterschule über die Sprachverfeinerung des dolce stil novo bis hin zur Etablierung durch die Hauptwerke von Dante, Petrarca und Boccaccio.
- Evolution der italienischen Schriftsprache im 13. und 14. Jahrhundert
- Einfluss der provenzalischen Troubadourlyrik auf die scuola siciliana
- Sprachliche und inhaltliche Transformationen in der Dichtung des dolce stil novo
- Theoretische Fundierung des Volgare durch Dante Alighieri
- Bedeutung von Petrarca und Boccaccio für die Normierung der Literatursprache
Auszug aus dem Buch
2.1. La scuola siciliana - Der Dichterkreis
Der Dichterkreis um Friedrich II (*1194-†1250), der sich nach seiner Krönung zum Kaiser 1220 auf Sizilien niederließ, und dessen Söhne Manfred (*1232-†1266) und Enzio (*1224-†1272), der laut H. Friedrich im streng genommenen Sinne nicht als Dichterschule bezeichnet werden kann, bestand aus ca. 25 Beamten des Kaisers, über deren Werdegang im Einzelnen nur wenig in Erfahrung zu bringen ist, deren Vorbildung jedoch zumeist juristischer Natur zu sein scheint. Dies ist insofern von beträchtlicher Bedeutung, als daß das Studium der Jurisprudenz seinerzeit das Studium der artes liberales beinhaltete, in dessen Rahmen das Trivium, bestehend aus grammatica, rhetorica und dialectica zu absolvieren war; die Rechtsgelehrten waren also bestens vertraut mit den Regeln der Lehre der Sprachkunst in Wort und Schrift sowohl das Latein als auch ihre Muttersprache betreffend.
Pier della Vigna (*nach 1190-†1249) beispielsweise, Dichter der scuola siciliana und Kanzler am Hofe Friedrichs II., hatte an der 1089 in Bologna gegründeten Universität studiert, die von jedem Juristen obligatorisch den Nachweis der Beherrschung der italienischen Sprachkunst forderte und auch Kanzler Stefano Protonotaro, Notar Giacomo da Lentini († vor 1250) und die Richter Odo und Guido delle Colonne, um nur die geläufigsten Namen zu nennen, hatten offensichtlich die juristische Laufbahn eingeschlagen; der Bildungsweg der Falkner Jacopo Mostacci (†nach 1277) und Rinaldo d´Aquino erschließt sich beispielsweise nicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Zielsetzung, die Entwicklung der italienischen Literatursprache und den methodischen Ansatz der Untersuchung.
2. La scuola siciliana: Analyse des Einflusses der provenzalischen Lyrik auf die sizilianische Schule und ihre Rolle als Ausgangspunkt der italienischen Dichtung.
3. Die Sikulo-Toskaner: Beschreibung der Übergangsphase zum dolce stil novo und die geografische sowie thematische Erweiterung durch toskanische Dichter.
4. Der dolce stil novo: Untersuchung der neuen, eleganten Sprachform und der veränderten Liebesauffassung als Innovation der Bologneser und Florentiner Dichter.
5. Dante Alighieri: Darstellung von Dantes theoretischen Schriften und seinem Meisterwerk zur Etablierung des Volgare als gehobene Literatursprache.
6. Die Bedeutung Petrarcas und Boccaccios für die Herausbildung der italienischen Literatursprache: Bewertung des Einflusses von Petrarca und Boccaccio auf die Perfektionierung der Sprache im Humanismus.
7. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Entwicklung des Toskanischen zur dominierenden nationalen Literatur- und Schriftsprache.
Schlüsselwörter
Italienische Literatursprache, scuola siciliana, Sikulo-Toskaner, dolce stil novo, Dante Alighieri, De vulgari eloquentia, Volgare, Petrarca, Boccaccio, Provenzalische Lyrik, Sprachgeschichte, Sprachverfeinerung, Dichtkunst, Humanismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit beleuchtet die progressive Genese der italienischen Literatursprache von den Anfängen bei der sizilianischen Schule bis zur Ausformung durch Dante, Petrarca und Boccaccio.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Entwicklung der Lyrik, der Einfluss des Provenzalischen, die sprachwissenschaftlichen Innovationen des dolce stil novo und die Etablierung des Florentinischen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die sprachlichen und inhaltlichen Veränderungen aufzuzeigen, die von einer provenzalisch geprägten Dichtkunst zur eigenständigen italienischen Literatursprache führten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung basiert auf einer textphilologischen und sprachgeschichtlichen Analyse der Primär- und Sekundärliteratur zur Entwicklung des italienischen Volgare.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert chronologisch die verschiedenen Etappen der Literatursprache, von der scuola siciliana über die Sikulo-Toskaner und den dolce stil novo bis hin zu Dante, Petrarca und Boccaccio.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Volgare, Literatursprache, Sprachgeschichte, Stilwandel, Lyriktradition und Humanismus charakterisiert.
Welche Bedeutung kommt der scuola siciliana für die Sprachentwicklung zu?
Sie gilt als Beginn der ersten poesia d'arte in italienischer Sprache und als erste systematische Organisation einer literarischen Tradition auf dem italienischen Festland.
Warum war Dante Alighieri für die Sprachentwicklung so entscheidend?
Dante praktizierte die Dichtung im Volgare meisterhaft und lieferte in Schriften wie De vulgari eloquentia die theoretische Rechtfertigung für die Verwendung der Muttersprache als Literatursprache.
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- Nadin Meyer (Author), 2005, Die progressive Genese einer Literatursprache am Beispiel Italiens - Von der scuola siciliana bis zu den tre corone, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53447