Das kontrovers diskutierte Thema der Inklusion stellt derzeit ein hochaktuelles Feld dar und betrifft seit der UN-Konvention von 2009 jegliche gesellschaftliche Bereiche. Dabei werden vor allem Menschen mit Behinderung in den Fokus gerückt, deren uneingeschränkte Teilhabe aufgrund diverser Barrieren bisher unterbunden und ihr Zugang zum gesamtgesellschaftlichen Zusammenleben versperrt blieb. Der daraus resultierende Mangel an alltäglichen Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Behinderung zieht auf Seiten Nichtbehinderter nicht nur Vermeidungsstrategien nach sich, sondern verfestigt gleichzeitig negative Assoziationen und Einstellungen gegenüber ihnen. Um diesen Zustand Schritt für Schritt aufzuheben, sollen im Rahmen der Inklusionsbestrebungen vermehrt Settings geschaffen werden, welche Begegnungen auf Augenhöhe schaffen und ein gegenseitiges Kennenlernen ermöglichen. Im Zuge des DSA- Inklusionsprojekts 2015 sollen dabei die Effekte solcher inklusiven Arrangements im Kontext Sport herausgearbeitet werden, indem die jeweiligen Einstellungen und Verhaltensmuster der Teilnehmer erfasst werden. Die vorliegende Untersuchung dient zum einen der Erstellung eines entsprechenden Messinstruments, zum anderen sollen weitere Einflussparameter wie Erfahrung, Geschlecht und Alter in Hinblick auf Einstellungen im Rahmen von Hypothesentests untersucht werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischer Bezugsrahmen
2.1 Behinderung
2.1.1 Begriffsklärung
2.1.2 Klassifizierung von Behinderungsarten
2.1.3 Einstellungen und Verhaltensmuster gegenüber Menschen mit einer Behinderung
2.1.4 Ansätze zur Erklärung sozialer Reaktionen gegenüber Menschen mit einer Behinderung
2.1.5 Optionale Modifikationen des Verhaltens von Nichtbehinderten gegenüber Menschen mit einer Behinderung
2.1.6 Behinderung und Sport
2.2 Inklusion
2.2.1 Begriffsklärung
2.2.2 Gründe für Inklusion
2.2.3 Inklusion in der Schule
2.2.4 Inklusion im organisierten Sport
2.2.5 Kritik
2.3 Inklusionsprojekt: DSA-Tour
2.4 Untersuchungsziele
3 Empirischer Teil
3.1 Methode
3.1.1 Untersuchungsplan
3.1.2 Fragebogenkonstruktion
3.1.3 Stichprobe
3.1.4 Untersuchungsdurchführung
3.2 Ergebnisse
3.2.1 Datenauswertung
3.2.2 Item- und Reliabilitätsanalyse
3.2.3 Faktorenanalyse
3.2.4 Hypothesenüberprüfung
4 Diskussion
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das primäre Ziel dieser Masterarbeit ist die Konstruktion und wissenschaftliche Überprüfung eines Fragebogens, der zur Erfassung von Einstellungen und Verhaltensindikatoren von Schülern gegenüber Menschen mit Behinderung im sportlichen Kontext dienen soll. Die Arbeit adressiert dabei die Forschungsfrage, wie die Einstellungen und Verhaltensabsichten bei Schülern ohne Behinderung beschaffen sind und inwieweit diese durch Faktoren wie Vorerfahrungen, Alter und Geschlecht beeinflusst werden, um letztlich eine Grundlage für die Evaluation inklusiver Sportprojekte wie der "DSA-Tour" zu schaffen.
- Grundlagen der Einstellungsforschung und Erklärungsansätze für soziale Reaktionen auf Behinderung
- Differenzierung der Konzepte Integration und Inklusion in Schule und Sport
- Herausforderungen und Best-Practice-Konzepte für inklusive Settings
- Konstruktion und statistische Validierung eines Erhebungsinstruments
- Analyse von Einflussfaktoren auf die Einstellung zur Inklusion
Auszug aus dem Buch
2.1.3.1 Einstellungen gegenüber Menschen mit einer Behinderung
Einstellungen stellen ein „stabiles System von positiven oder negativen Bewertungen, gefühlsmäßigen Haltungen und Handlungstendenzen in Bezug auf ein soziales Objekt [...]“ dar (Krech, Crutchfield & Ballachey, 1962; zitiert nach Cloerkes, 2007, S. 104). Unter der Einstellung gegenüber Menschen mit einer Behinderung versteht Tröster (1990, S. 56):
„[...] eine dauerhafte, über unterschiedliche Situationen und Zeitpunkte hinweg stabile Disposition [...], auf behinderte Personen mit positiven oder negativen Gefühlen zu reagieren, vorteilhafte oder unvorteilhafte Meinungen über sie zu vertreten und sich gegenüber behinderten Menschen in zugewandter oder ablehnender Weise zu verhalten. Die Einstellung gegenüber Behinderten wird also als eine relativ überdauernde, transsituationale Reaktions- und Verhaltensbereitschaft gegenüber behinderten Personen betrachtet.“
Diesbezüglich lassen sich drei Einstellungskomponenten unterscheiden: die kognitive Komponente, die konative Komponente sowie die affektive Komponente. Die kognitive Komponente bezeichnet Cloerkes (2007, S. 104) ebenfalls als die „Wissenskomponente“, welche sich auf die spezielle Wahrnehmung des „Einstellungsobjektes“ bezieht und „sich in den Vorstellungen, Überzeugungen und bewertenden Urteilen des Individuums gegenüber einem Einstellungsobjekt“ zeigt. Die konative, oder laut Cloerkes die „Handlungskomponente“, äußert sich in den jeweiligen „Verhaltensintentionen oder Handlungstendenzen gegenüber dem Einstellungsobjekt“. Die dritte Komponente, die affektive bzw. die „Gefühlskomponente, nimmt Bezug auf die emotionale Ebene, das heißt auf „die (positiven oder negativen) Gefühle und subjektiven Bewertungen des Individuums gegenüber einem Einstellungsobjekt“. Sie wird vor allem im Behindertendiskurs als besonders relevant angesehen und stellt den sogenannten „Kern einer sozialen Einstellung“ dar (Cloerkes, 2007, S. 104).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in den aktuellen Inklusionsdiskurs ein und skizziert die Problematik, dass trotz gesetzlicher Verpflichtungen Barrieren im schulischen und sportlichen Bereich die soziale Teilhabe von Menschen mit Behinderung erschweren.
2 Theoretischer Bezugsrahmen: Dieses Kapitel erläutert grundlegende Begriffe zu Behinderung und Inklusion, beleuchtet psychologische sowie soziologische Erklärungsmodelle für soziale Reaktionen und diskutiert aktuelle Konzepte zur Umsetzung inklusiver Praxis im Bildungs- und Sportsektor.
3 Empirischer Teil: Dieser Teil beschreibt die methodische Entwicklung eines Fragebogens zur Erfassung von Einstellungen, dessen Pilotierung mittels Itemanalyse und Reliabilitätsprüfung sowie die anschließende statistische Überprüfung der aufgestellten Hypothesen.
4 Diskussion: In der Diskussion werden die methodischen Ergebnisse kritisch reflektiert, die Ergebnisse der Hypothesentests im Kontext der Fachliteratur bewertet und Grenzen sowie Verbesserungspotenziale für zukünftige Forschungsarbeiten aufgezeigt.
Schlüsselwörter
Inklusion, Sportwissenschaft, Behinderung, Einstellungsforschung, Fragebogenkonstruktion, Reliabilitätsanalyse, soziale Interaktion, Verhaltensindikatoren, Schulsport, Inklusionsprojekt, DSA-Tour, Kontaktbedingung, Diskriminierung, Einstellungskomponenten, Heterogenität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und Überprüfung eines psychologischen Messinstruments, um Einstellungen von Schülern gegenüber Menschen mit Behinderung im Kontext von sportlichen Aktivitäten zu erfassen.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?
Neben den theoretischen Grundlagen zu Behinderung und Inklusion bildet die empirische Untersuchung von Einstellungen und das Verständnis für Inklusionsprozesse in Schule und Verein den Kern der Arbeit.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Hauptziel liegt in der Bereitstellung eines validen Fragebogens, der für die wissenschaftliche Evaluation des Inklusionsprojekts "DSA-Tour" eingesetzt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine quantitative Studie, bei der mittels eines standardisierten Fragebogens Daten erhoben wurden, die einer Itemanalyse, Reliabilitätsprüfung sowie einer Faktorenanalyse unterzogen wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen umfassenden theoretischen Rahmen, der soziale Reaktionsmuster auf Behinderungen und Inklusionskonzepte analysiert, sowie einen empirischen Teil, der die Konstruktion und statistische Auswertung des Messinstruments darlegt.
Welche Schlüsselbegriffe sind charakteristisch?
Zentrale Begriffe sind Inklusion, Einstellungsforschung, Kontaktbedingungen im Sport und die Validierung psychometrischer Skalen.
Warum ist die Faktorenanalyse für die Arbeit so bedeutsam?
Die Faktorenanalyse war entscheidend, um die interne Struktur der Einstellungs-, Norm- und Verhaltensskalen zu klären und Items zu identifizieren, die nicht zur Messung der beabsichtigten Dimensionen beitrugen.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich des Kontaktes?
Basierend auf den Daten und der Theorie stellt die Arbeit fest, dass Erfahrung im Umgang mit Menschen mit Behinderung zwar tendenziell zu positiveren Einstellungen führt, dies jedoch kein Automatismus ist, da auch soziale Erwünschtheit das Ergebnis beeinflussen kann.
- Arbeit zitieren
- Carolina Kaiser (Autor:in), 2015, Inklusion im Sport, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/534891