Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Mythen der Schutzstaffel (SS) um Heinrich Himmler und bietet weiterführend eine Unterrichtsplanung für die AHS-Oberstufe samt Arbeitsauftrag. Zu Anfang werden die wichtigsten Strukturen der SS als Organisation wissenschaftlich erläutert, um danach die Mythen um sie und auch die von ihr selbst geschaffene Esoterik näher zu beleuchten. Darauffolgend wird eine Unterrichtsplanung zu den Mythen zusammen mit den Gedanken zu ihrer Erstellung vorgestellt.
Kaum eine Organisation im Regime des Nationalsozialismus baute derart stark auf der Wirkung von Mythen auf wie die SS unter ihrem Leiter Reichsführer-SS Heinrich Himmler. Der Chef der SS war besessen von Esoterik, "Rasse" und den Germanen der Antike. Mit seiner Organisation wollte er DIE Elite des Dritten Reichs schaffen, was in seinen Augen nur durch körperlich starke und "rassenreine" Männer möglich war. Weiter sollte ein "nordischer Orden" mit eigener Ordensburg gegründet werden, dem nur ein auserwählter Kreis beitreten durfte. Trotz aller Bemühungen Himmlers ließen sich seine weitreichenden Pläne jedoch kaum umsetzen. Und genau diesen Unterschied von Wunschdenken beziehungsweise Mythenbildungen und Realität möchte diese Arbeit behandeln und für den Einsatz in der Schule didaktisieren. Dabei soll diese Differenz nicht einfach plump vermittelt werden, sondern die Schülerinnen und Schüler werden viel mehr dazu angeregt, diese selbst zu erschließen und die daraus erworbenen Kompetenzen auch auf andere Bereiche des Geschichtsunterrichts anzuwenden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Allgemeines zur SS
2.1 Allgemeine SS
2.2 Sicherheitsdienst und Polizei
2.3 Waffen-SS
2.4 SS-Totenkopfverbände
3 Mythen innerhalb der SS
3.1 Aufnahmekriterien einer Elite?
3.2 Eine eigene Religion für den „nordischen Orden“
3.3 Selektive Forschung
4 Unterrichtskonkretisierung
4.1 Didaktische Analyse
4.1.1 Lehrplanbezug
4.1.2 Geförderte Kompetenzen
4.1.3 Lernziele
4.2 Stundenplanung
4.3 Erforderliches Vorwissen
4.4 Tabellarischer Unterrichtsentwurf
4.5 Arbeitsauftrag
4.6 Gedanken bei der Erstellung des Arbeitsauftrags
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die Diskrepanz zwischen den Mythenbildungen der SS unter Heinrich Himmler und der historischen Realität aufzuzeigen und dieses Wissen für den Geschichtsunterricht didaktisch aufzubereiten. Es wird untersucht, wie die SS ihre eigene Ideologie durch Esoterik, Pseudowissenschaft und künstlich geschaffene Rituale zu legitimieren versuchte, und wie Schülerinnen und Schüler dazu angeregt werden können, diesen Konstruktionen durch kritische Quellenarbeit selbstständig auf den Grund zu gehen.
- Strukturelle Analyse der Organisation SS
- Entlarvung des Mythos der SS als "militärische Elite"
- Untersuchung der religiös-esoterischen Selbstdarstellung der SS
- Kritische Beleuchtung der pseudowissenschaftlichen Tätigkeit des "Ahnenerbes"
- Didaktische Planung einer Unterrichtseinheit unter Einbezug politischer Urteilskompetenz
Auszug aus dem Buch
3.1 Aufnahmekriterien einer Elite?
Einer der wichtigsten Mythen in Bezug auf die SS ist wohl der des Elitecharakters der Waffen-SS. Nach Himmlers Vorstellungen durften ihr nur die besten und „rassisch reinsten“ Männer beitreten, die das Dritte Reich zu bieten hatte, um eine Truppe zu schaffen, die seiner Organisation auf dem Schlachtfeld Ehre machen konnte. Da die SS die Leibwache Hitlers stellte und zudem auch als seine Privatarmee angesehen werden konnte, gehörte die Waffen-SS zumindest zu Beginn des Krieges zu den am besten ausgestatteten Militärverbänden im Heer und war zu einem Großteil motorisiert. Auch heute noch wird der Begriff „Waffen-SS“ oftmals mit „militärische Elite“ assoziiert, neben „Brutalität“ und „Fanatismus“. Tatsächlich konnten diesem Mythos jedoch nur wenige der insgesamt 38 SS-Divisionen wirklich gerecht werden, darunter etwa die drei ersten Truppenverbände 1. SS-Division „Leibstandarte Adolf Hitler“, 2. SS-Division „Das Reich“ und 3. SS-Division „Totenkopf“, die bestens ausgerüstet waren und auch wirklich nur aus körperlich äußerst fitten Männern bestanden. Im späteren Kriegsverlauf konnten an diesen Eliteethos nur mehr etwa die 12. SS-Panzer-Division „Hitlerjugend“ und die 5. SS-Panzer-Division „Wiking“ anknüpfen.
Die Aufnahmekriterien waren vor dem Krieg äußerst streng. Die Männer mussten mindestens 1,74m groß sein und durften höchstens 23 Jahre alt sein, um in die Truppe aufgenommen zu werden, wobei Brillenträger direkt abgewiesen wurden. Natürlich waren auch ein Nachweis ärztlicher und „rassischer“ Tauglichkeit sowie ein polizeiliches Führungszeugnis zu erbringen. Schulische Bildung war, wie Himmler wiederholt betonte, unwichtig. Viel mehr Wert wurde auf die „richtige“ politische Einstellung gelegt. Der Chef der SS wollte eine „reinrassige“ Elite aufbauen, die aus den körperlich tüchtigsten Männern bestehen sollte. Diese Anforderungen wurden im Verlauf des Krieges jedoch immer weiter gesenkt und gegen Ende des Dritten Reichs waren über die Hälfte aller Soldaten keine gebürtigen Deutschen, sondern Volksdeutsche aus den eroberten Gebieten, die oft unfreiwillig rekrutiert wurden und dementsprechend auch weniger Kampfgeist zeigten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Bedeutung von Mythen im Nationalsozialismus und begründet die Notwendigkeit, das Spannungsfeld zwischen SS-Wunschdenken und Realität didaktisch für den Schulunterricht aufzubereiten.
2 Allgemeines zur SS: Dieses Kapitel liefert einen grundlegenden Überblick über die verästelte Struktur des SS-Apparats, von der Allgemeinen SS über Sicherheitsdienst und Polizei bis hin zu Waffen-SS und Totenkopfverbänden.
3 Mythen innerhalb der SS: Der Hauptteil analysiert die gezielte Mythenbildung der SS, insbesondere den Eliteanspruch der Waffen-SS, die Etablierung eines pseudoreligiösen Ordenscharakters und die pseudowissenschaftliche Forschung des Ahnenerbes.
4 Unterrichtskonkretisierung: Hier wird ein konkretes didaktisches Konzept für den Unterricht entworfen, das Lehrplanbezüge, Stundenplanung, Vorwissen und einen detaillierten Arbeitsauftrag für die Schülerinnen und Schüler umfasst.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht das hohe Potenzial der Thematik für die politische Bildung, insbesondere um Schülerinnen und Schüler zur kritischen Reflexion und eigenen Urteilsbildung anzuregen.
Schlüsselwörter
SS, Nationalsozialismus, Heinrich Himmler, politische Mythen, Ideologie, Waffen-SS, Ahnenerbe, Nordischer Orden, Geschichtsunterricht, Politische Bildung, Didaktik, Eliteanspruch, Rassenwahn, Zeitgeschichte, Quellenanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle der SS im Nationalsozialismus, insbesondere mit den Mythen, die innerhalb der Organisation propagiert wurden, um ihre Ideologie und ihren elitären Status zu legitimieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Struktur der SS, der gezielten Mythenbildung, der pseudoreligiösen Ausrichtung im „nordischen Orden“ sowie der didaktischen Aufbereitung dieser komplexen Materie für den Schulunterricht.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die wissenschaftliche Fundierung des Wissens über die SS-Mythen und deren Transfer in eine praxisnahe Unterrichtsplanung, die Schülerinnen und Schüler zur kritischen Auseinandersetzung befähigt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Analyse historischer Quellen und wissenschaftlicher Literatur, um die Diskrepanz zwischen ideologischem Selbstbild und der historischen Realität der SS aufzudecken.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die SS-Strukturen beleuchtet, die Mythen um den "Elitecharakter", die religiösen Umdeutungen von Brauchtum sowie die selektive Forschungspraxis durch das "Ahnenerbe" kritisch hinterfragt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind SS, Nationalsozialismus, politische Mythen, Ideologie, Didaktik, Eliteanspruch und Quellenanalyse.
Warum lehnte die SS die katholische Kirche als Konkurrentin ab?
Die SS forderte die unbedingte Loyalität ihrer Mitglieder gegenüber Himmler und Hitler. Da die Kirche ebenfalls einen absoluten Loyalitätsanspruch erhob, wurde sie als ideologische Konkurrentin wahrgenommen und schikaniert.
Wie versuchte die SS, christliche Bräuche zu ersetzen?
Die SS führte eigene Rituale wie das Julfest, die Namensweihe oder die Eheweihe ein, um sich vom Christentum abzugrenzen und einen germanisch-esoterischen "nordischen Orden" zu inszenieren.
- Citation du texte
- Gregor Gruber (Auteur), 2018, Die Mythen der SS im Nationalsozialismus für den Geschichtsunterricht der AHS-Oberstufe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/535045