Beurteilung der Vertrauenswürdigkeit von Online-Informationen. Können Schüler Informationen aus dem Internet richtig bewerten?

"Civic Online Reasoning" in Österreich


Bachelorarbeit, 2019

102 Seiten, Note: Sehr Gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemhintergrund
1.2 Relevanz
1.3 Aufbau der Arbeit

2 Theoretischer Rahmen
2.1 Digitalisierung
2.2 „Digital Literacy"
2.3 „Digital Natives"
2.4 „Digital Citizenship"
2.5 „Civic Online Reasoning"

3 Der Untersuchungsgegenstand

4 Methodik
4.1 Herangehensweise bei der Literaturrecherche
4.2 Empirisches Untersuchungsdesign
4.3 Analysen

5 Ergebnisse
5.1 Homepage Analysis
5.2 Evaluating Evidence
5.3 Facebook Argument
5.4 Argument Analysis
5.5 News Search
5.6 Comments Section
5.7 News on Twitter
5.8 News on Facebook
5.9 Article Analysis
5.10 Uberblick uber das Gesamtergebnis
5.11 Interessante Informationen zu den Versuchspersonen

6 Diskussion der Ergebnisse
6.1 Erkenntnisse der einzelnen Aufgaben
6.2 Gegenuberstellung der Ergebnisse von USA und Osterreich
6.3 Vergleich Theorie und Praxis inklusive Handlungsempfehlungen

7 Implikationen und weiterer Forschungsbedarf

Literaturverzeichnis

Anhang
A Gegenuberstellung der originalen und der nachgebauten Assessments
A.a Evaluating Evidence
A.b Facebook Argument
A.c News on Facebook
A.d Argument Analysis
A.e Homepage Analysis
A.f News Search
A.g Comments Section
A.h News on Twitter
A.i Article Analysis

B Fragebogen

C Musterlosung Fragebogen

Abstract

Die Berichterstattung sowie die verwendeten Informationskanale haben sich durch die Digitalisierung maBgeblich verandert. Somit hat sich sowohl der Nachrichtenaustausch als auch der Zugang zu Informationen aufgrund der neuen Plattformen enorm erleichtert. In diesem Zusammenhang wird oft daruber gesprochen, dass vor allem die Jugendlichen „Digital Natives“ sind und diese Generation besser mit der angesprochenen Entwicklung zurechtkommt (Wang et al., 2013). Assessments der Stanford History Education Group haben aber Gegenteiliges gezeigt, denn Schulerinnen und Schuler sind demzufolge nur bedingt in der Lage Online- Informationen zu beurteilen (McGrew et al., 2018; Wineburg et al., 2016).

Die durchgefuhrten Assessments und Studien haben sich in Amerika unter dem Namen „Civic Online Reasoning“ durchgesetzt. „Civic Online Reasoning“ meint, die Fahigkeit soziale und politische Informationen effektiv online zu suchen, zu bewerten und zu uberprufen (McGrew et al., 2018). Da in Osterreich noch keine Studien zu diesem hochaktuellen Thema existieren, werden die Assessments der Stanford History Education Group von dem Verfasser fur Osterreich angepasst und eine schriftliche Befragung unter 193 Schulerinnen und Schulern durchgefuhrt.

Die Ergebnisse weisen ein ahnliches Bild wie in Amerika auf. Lediglich 26 % der Versuchspersonen konnen mehr als die Halfte der gesamten Punktzahl erreichen. Die Probandinnen und Probanden liefern bei ihren Begrundungen nicht nur irrelevante Argumente, sondern gehen inhaltlich auf die jeweiligen Themen ein und lassen sich von subjektiven Meinungen und Befindlichkeiten leiten. Diese Fehlinterpretationen sind bedenklich, da die Quellen(-angaben), der veroffentlichte Ort oder die publizierenden Personen Hinweise in den Assessments liefern, die die Testpersonen nicht in Betracht ziehen. Folglich zeigen diese Resultate die Relevanz dieses Themas auf und sollen neben der Eigenverantwortung der Jugendlichen, der Verantwortung der Lehrpersonen sowie die der Eltern, vor allem die Bildungseinrichtungen auf den Plan rufen, in Zukunft an dieser Stelle zu intervenieren und uber geeignete (Aufklarungs-)maBnahmen, wie z. B. eine Integration in den Lehrplan, nachzudenken.

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Ergebnis Aufgabe 1.1 (I1.1)

Abbildung 2: Ergebnis Aufgabe 1.2 (I1.2)

Abbildung 3: Ergebnis Aufgabe 1.3 (I1.3)

Abbildung 4: Ergebnis Aufgabe 2 (I2)

Abbildung 5: Ergebnis Aufgabe 3 (I3)

Abbildung 6: Ergebnis Aufgabe 4 (I4)

Abbildung 7: Ergebnis Aufgabe 5 (I5)

Abbildung 8: Ergebnis Aufgabe 6 (I6)

Abbildung 9: Ergebnis Aufgabe 7 (I7)

Abbildung 10: Ergebnis Aufgabe 8 (I8)

Abbildung 11: Ergebnis Aufgabe 9 (I9)

Abbildung 12: Gesamtergebnis bei den inhaltlichen Aufgaben

Abbildung 13: Einfachheit bei der Recherche

Abbildung 14: Stellenwert des Nachrichtenkonsums

Abbildung 15: Nachrichtenkonsum und die Bedeutung der reservierten Zeit dafur

Abbildung 16: Anzahl der taglich aktiven Nutzer von Snapchat (Statista, 2019b)

Abbildung 17: prozentueller Anteil der Nutzungszahlen

Abbildung 18: Informationsquellen fur das aktuelle Zeitgeschehen

Abbildung 19: Erste Informationsquelle bei einem Ereignis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Ubersicht uber die Assessments

Tabelle 2: Methodischer Steckbrief

Tabelle 3: Auswertungsschema fur die Assessments

Tabelle 4: Ubersicht Punktesystem

Tabelle 5: Auswertungskriterien Aufgabe 1.1

Tabelle 6: Auswertungskriterien Aufgabe 1.2 und 1.3

Tabelle 7: Auswertungskriterien Aufgabe 2

Tabelle 8: Auswertungskriterien Aufgabe 3

Tabelle 9: Auswertungskriterien Aufgabe 4

Tabelle 10: Auswertungskriterien Aufgabe 5

Tabelle 11: Auswertungskriterien Aufgabe 6

Tabelle 12: Auswertungskriterien Aufgabe 7

Tabelle 13: Auswertungskriterien Aufgabe 8

Tabelle 14: Auswertungskriterien Aufgabe 9

Tabelle 15: Regressions-Statistik 1

Tabelle 16: Regressions-Statistik 2

Tabelle 17: Regressions-Statistik 3

Tabelle 18: Regressions-Statistik 4

Tabelle 19: Regressions-Statistik 5

Tabelle 20: Regressions-Statistik 6

Tabelle 21: Regressions-Statistik 7

Tabelle 22: Regressions-Statistik 8

Tabelle 23: Regressions-Statistik 9

Tabelle 24: Vergleich USA und Osterreich

1 Einleitung

Digitalisierung. Ein Begriff, der aufgrund der hohen Aktualitat in jedem Lebensbereich, sei es auf beruflicher oder privater Ebene, ein Thema ist. Studien und Meinungen zufolge wird Digitalisierung oftmals als sehr positiv wahrgenommen (Abolhassan, 2016; Matthes & Weber, 2017; Mitterbauer et al., 2016; Rurup & Jung, 2017). Standig spricht man uber neue Technologien und das unendliche Potenzial, die die Digitalisierung mit sich bringt. Digitalisierung hat auch die Berichterstattung und die verwendeten Informationskanale revolutioniert. Social-Media Seiten, wie Instagram, Facebook oder Twitter, sind im Zuge der Digitalisierung entstanden. Diese Seiten oder auch Plattformen haben den Nachrichtenaustausch und den Zugang zu Informationen enorm erleichtert. Jedoch sollte auch gesagt sein, dass die Digitalisierung und ihre Innovationen Gefahren bergen, denn es hat sich herausgestellt, dass die Burgerinnen und Burger mit der Menge an Nachrichten „uberflutet“ und zu einem Teil uberfordert werden.

1.1 Problemhintergrund

Das Problem ist, dass die Bevolkerung mit der Menge an Informationen nicht umgehen kann und diese von den Personen teilweise falsch beurteilt bzw. interpretiert werden. Diese Erkenntnisse lieferten die Studien der Stanford History Education Group (SHEG) zu „Civic Online Reasoning“ (McGrew et al., 2018). Der Terminus „Civic Online Reasoning“ kann in deutscher Sprache als burgerliches Online-Denken bzw. burgerliches Begrunden gebraucht werden. Konkret geht es darum, wie Schulerinnen und Schuler sowie Studentinnen und Studenten an die richtigen Informationen kommen und wie gut sie diese bewerten konnen. Es wird beurteilt, wie gut die untersuchten Personen argumentieren konnen, wenn es um die Einschatzung der Informationen geht und wie kritisch sie im Umgang mit den zur Verfugung gestellten Informationen sind (McGrew et al., 2018). Die Untersuchungen, welche in den USA durchgefuhrt wurden, haben den Verfasser dieser Arbeit dazu veranlasst dieses Thema dem osterreichischen Publikum naherzubringen. In Osterreich wurden keine vergleichbaren Studien durchgefuhrt und publiziert, in denen die Beurteilung oder auch der Umgang mit Informationen, vor allem auf ihre Beweislage und auf die Echtheit, uberpruft wurde.

Das Ziel dieser Arbeit ist es zu erheben, wie osterreichische Schulerinnen und Schuler an berufsbildenden hoheren Schulen die Qualitat von Informationen aus dem Internet beurteilen. Zudem sollen Aussagen uber gender- oder altersspezifische Unterschiede getroffen werden. Die Vorbildung der untersuchten Person sowie die der Eltern, die konsumierte Menge an Nachrichten und die Informationen uber das Verhalten der jeweiligen Person sollen unter dem Gesichtspunkt, wie die Testperson beim inhaltlichen Teil des Fragebogens abschneidet, untersucht werden. Durch die Arbeit sollte ein Einblick gewonnen werden, wie Schulerinnen und Schuler an berufsbildenden hoheren Schulen in Osterreich bei diesen Assessments abschneiden und in welchen Bereichen es weiterer Forderung bedarf. An dieser Stelle sollte gesagt werden, dass es hier nicht darum geht, gewisse Schulerinnen und Schuler anderen Jugendlichen vorzuziehen oder zwischen „gut" und „besser" zu unterscheiden, sondern es soll die Fahigkeit der Personen, wie sie Online-Informationen auswerten bzw. sie damit umgehen, untersucht werden.

1.2 Relevanz

Generell kann gesagt werden, dass die Digitalisierung viele Chancen bietet und die Leute uber einen freien Zugang zu Informationen verfugen (Bundesministerium fur Digitalisierung und Wirtschaftsstandort, 2016). In diesem Zusammenhang sollte man vor allem die Generation Y, auch Generation D oder „Millenials" genannt, berucksichtigen. In diese Generation fallen Personen, die in dem Zeitraum zwischen 1981 und 2001 geboren wurden (Shih & Allen, 2007). Der Name Generation Y stammt aus dem Englischen „Generation Why" und zielt auf das „Warum" ab, d. h. diese Generation stellt Dinge in Frage, die vorher als selbstverstandlich galten und blickt uber den Tellerrand hinaus (Parment, 2009). Daher wird immer wieder berichtet, dass Personen dieser Generation sogenannte „Digital Natives" sein wurden und am besten mit der digitalen Entwicklung zurechtkommen (Wang et al., 2013). Dies ist laut den erwahnten Studien der SHEG (leider) nicht der Fall, denn entsprechend dem Autorenteam mussen speziell die „Millenials" auf einen besseren Umgang mit digitalen Inhalt geschult werden. Aufgrund der schlechten Ergebnisse, die die Jugendlichen in den USA erzielt haben, zeigt es die Relevanz auf, die dieses Thema hat (McGrew et al., 2018). Das Internet wird auch in Zukunft noch eine groBe Menge an unzuverlassigen Informationen zur Verfugung stellen und die Menschen mussen lernen damit umzugehen.

Bezuglich Umgang sei gesagt, dass die Jugendlichen mit den Anwendungen (englisch: „Apps") am Handy, Tablet oder Laptop aufwachsen und Tag fur Tag sehr viel Zeit damit verbringen. Dies macht auch eine Statistik deutlich, die zeigt, dass es in Osterreich 3 Millionen Personen gibt, die Facebook taglich nutzen und dass sich die Zahl auf 3,8 Millionen Personen belauft, wenn man den Zeitraum auf einen Monat ausweitet (Statista, 2019a). Das lasst die Aussage zu, dass in etwa jede zweite Person in Osterreich Facebook nutzt. Andere Social-Media Anwendungen sind in dieser Studie nicht inkludiert, aber bereits diese Nutzerzahlen zeigen eindeutig die Wichtigkeit dieses Themas auf.

1.3 Aufbau der Arbeit

Bevor diese Bachelorarbeit nun inhaltlich vertieft wird, sei auf die Vorgehensweise und den Aufbau der Arbeit verwiesen:

Zur Beantwortung, wie osterreichische Schulerinnen und Schuler an berufsbildenden hoheren Schulen die Qualitat von Informationen aus dem Internet beurteilen, setzte sich der Verfasser dieser Arbeit im Februar 2019 mit den 19 Assessments der SHEG auseinander. Hierbei musste vor allem die Entscheidung getroffen werden, welche Assessments fur den osterreichischen Raum ubernommen werden konnten und welche nicht. Die genauere Herangehensweise findet man im Kapitel 4 Methodik. Nachdem sich der Verfasser auf neun Assessments festgelegt hat, wurden diese fur den osterreichischen Sprachraum angepasst. Daraufhin wurde Mitte Marz 2019 der Fragebogen, inklusive einer Abfrage der personenbezogenen und soziodemografischen Daten, fertiggestellt. Nach der Kontaktherstellung zur Handelsakademie Vocklabruck und der Hoheren Bundeslehranstalt fur wirtschaftliche Berufe Neumarkt am Wallersee wurde die Erhebung von 1. April bis 13. Mai 2019 durchgefuhrt. Am 13. Mai 2019 erhielt der Verfasser 193 Fragebogen, die mithilfe von Excel ausgewertet wurden. Nach Darstellung der Ergebnisse spielte vor allem die Verknupfung von der Theorie und den Ergebnissen im Kapitel 6 eine groBe Rolle.

Nach der kurzen Einfuhrung bzw. dem Uberblick uber das Thema und dem Ablauf bzw. den Intentionen dieser Arbeit werden im Kapitel 2 die theoretischen Grundlagen erarbeitet und naher ausgefuhrt. Diese Begriffe sind vor allem im weiteren Verlauf dieser Arbeit von groBer Bedeutung. Im Kapitel 3 wird naher auf den Untersuchungsgegenstand eingegangen, d. h. was genau in dieser Arbeit untersucht wird. Der Methodikteil im Kapitel 4 beinhaltet Informationen zur Literaturrecherche. Vor allem geht es in diesem Kapitel um die Herangehensweise bei der empirischen Untersuchung bzw. bei der Erstellung des Fragebogens und dessen Analyse. Im Kapitel 5 werden die empirischen Ergebnisse prasentiert, bevor sie anschlieBend im Kapitel 6 diskutiert und interpretiert werden. Zum Abschluss werden die essenziellen Fakten sowie die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst. Auf Basis der Literatur wird versucht, den Jugendlichen eine Hilfestellung fur die Zukunft zu bieten. In diesem abschlieBenden Kapitel 7 werden zudem Angaben gemacht, welche Fragestellungen unberucksichtigt bleiben und welche Limitationen diese Arbeit aufweist.

2 Theoretischer Rahmen

In diesem Kapitel kann man einen Uberblick uber die theoretischen Begriffe, die im Zuge dieser Arbeit vorkommen bzw. dieser Arbeit zugrunde liegen, gewinnen. Die Begriffe werden erlautert und wenn notwendig werden auch Unterscheidungen getroffen, um eine bestmogliche Abgrenzung zu garantieren. Zu Beginn dieses Kapitels wird der Begriff der Digitalisierung definiert, da diese den Ausgangspunkt fur den freien und jederzeit moglichen Zugang zu Informationen darstellt sowie die Nutzung von Social-Media Seiten ermoglicht. In einem weiteren Schritt werden die Begriffe „Digital Literacy", „Digital Natives" und „Digital Citizenship" erklart, da diese im Zusammenhang mit der Digitalisierung haufig gebraucht werden. Zum Abschluss dieses Kapitels hat der Begriff des „Civic Online Reasonings" hochste Prioritat, denn dieses Thema macht den zentralen Bestandteil dieser Arbeit aus.

2.1 Digitalisierung

Wolf & Strohschen (2018) definieren Digitalisierung als einen Begriff, bei dem die analoge Leistungserbringung, auf Grund der Ausfuhrung der Leistung in einem digitalen Modell, ganz oder teilweise abgelost wird. Digitalisierung kann auf alle „Objekte" ubertragen werden, die Leistungen erbringen. Solche „Objekte" konnen Geschaftsprozesse, Wertschopfungsprozesse, Humanressourcen, Aufgaben, Produkte, Unternehmen bzw. weitere Organisationen sein.

Neben Texten und Zahlen konnen auch Grafiken, Video- und Audiomaterial digitalisierbare Ausgangsmaterialien darstellen (Loebbecke, 2006). Bei der Digitalisierung geht es um eine immer groBer werdende Mitwirkung von Computern an privaten oder beruflichen Aktivitaten und um die vermehrte Durchsetzung der Infrastruktur in unserer Gesellschaft durch elektronische Gerate (Baecker, 2017). Picot et al. (2017) weisen auf die Geschwindigkeit und inhaltliche Vielschichtigkeit der Digitalisierung hin, die die Wirtschaft und die Gesellschaft vor groBe Herausforderungen stellt.

Fur den Verfasser dieser Arbeit ist die Digitalisierung der Ausloser fur das hier zugrundeliegende Thema „Civic Online Reasoning". Erst durch die Digitalisierung entstanden Social-Media Anwendungen und die groBen Zeitungs- und Zeitschriftenhersteller forcierten Online-Ausgaben, die es ermoglichen, Nachrichten in Sekundenschnelle abzurufen. Durch den Ubergang auf Nachrichten mit digitalem Inhalt ist eine veranderte Sichtweise der zu nutzenden Personen notwendig. Von jeder Person konnen Informationen, vor allem in Foren, veroffentlicht werden. Dies stellt einen groBen Risikofaktor dar, da viele dieser Informationen auf Unwahrheiten beruhen. Die Nutzerinnen und Nutzer mussen deshalb nicht nur kritischer denn je sein, sondern auch wissen, wie sie die Informationen auf den Wahrheitsgehalt prufen konnen. Aus diesem Grund stehen in dieser Arbeit der gesellschaftliche Aspekt und die damit einhergehenden veranderten, medialen Verhaltensweisen der Nutzerinnen und Nutzer im Vordergrund.

2.2 „Digital Literacy"

Durch die oben erwahnte Digitalisierung bemerkt man eine Anderung im Nutzungsverhalten und eine immer groBer werdende Tendenz zum Konsum digitaler Informationen. Bereits Ende des letzten Jahrhunderts wurde erkannt, dass Web- Technologien das Fernsehen, das Telefon und die Zeitung als das wichtigste Informations- und Unterhaltungsmedium ablosen (Gilster, 1997).

„Digital Literacy" kann laut Pool (1997) mit digitalen Kenntnissen ubersetzt werden. Daher wird „Digital Literacy" als eine digitale Kompetenz definiert, die die Fahigkeit beinhaltet Informationen zu verstehen. Die Definition umfasst auch die Auswertung der Informationen in verschiedenen Formaten und die ganzheitliche Integration. Es geht also um die Bewertung und die Interpretation der Informationen, die eine entscheidende Fahigkeit darstellt.

Diese Meinung teilt auch Eshet (2002), der vor allem sagt, dass digitale Kompetenz mehr ist als nur die physische Kompetenz mit Computern umzugehen. Laut ihm ist es eine besondere Art und Weise des Denkens - ein sogenanntes „Mindset". Es geht also nicht nur um den Umgang mit Suchmaschinen, sondern uberwiegend um die Auswertung der abgerufenen Daten sowie um die Unterscheidung, ob diese Daten relevant oder nicht relevant sind. GemaB dem Autor erfordert es einen intelligenten Einsatz der Hypermedia-Technologie, welche sich stark von einer traditionellen, linearen Lesart eines Buches unterscheidet.

Hypermedia kann laut Bieber et al. (1997) als ein Konzept verstanden werden, welches Informationen, in Form eines Netzwerks von verknupften Links und Knoten, strukturiert. Durch die Darstellung als assoziatives Netzwerk konnen die Leserinnen und Leser in der bestmoglichen Reihenfolge diese Informationen aufrufen. Dank der Hypermedia-Technologie sind die Leserinnen und Leser nicht mehr an die lineare Ordnung, die gedruckte Dokumente implizieren, gebunden. Hypermedia erhoht so die Anzahl an Wahlmoglichkeiten und schafft den Anreiz zusatzlich zur Information mehrere Beziehungen herzustellen, die der Leserschaft einen direkten Zugriff ermoglicht. Die Bereitstellung und der Abruf von Informationen werden dadurch grundlegend verandert. Die erhohte Anzahl an Wahlmoglichkeiten sorgt fur eine groBer werdende Komplexitat.

GemaB Eshet (2002) bedarf es daher in der Zeit der Digitalisierung einer aufwendigen, flexiblen und neuen Denkweise der Leserinnen und Leser.

2.3 „Digital Natives"

Bereits in der Einleitung wurde erwahnt, dass „Millenials" bzw. die Generation D (= digitale Generation) sogenannte „Digital Natives" sein wurden. Nach der Auffassung von Prensky (2001) sind die Schulerinnen und Schuler heute alle „Muttersprachlerinnen" und „Muttersprachler" der digitalen Sprache von Computern, Internet und Videospielen. „Digital Natives" sind daher im digitalen Zeitalter geboren, welche mit der Einfuhrung des PCs in den spaten 1970er Jahren begann und vom Internet bzw. dessen Informationsexplosion in den 90er Jahren gefolgt war (Ng, 2012). Aufgewachsen sind „Digital Natives" in einer digitalen Umgebung, in der der Umgang mit digital verwandten Aktivitaten zu ihrem Alltag gehort (Ng, 2012).

Vodanovich et al. (2010) nennen weitere Details zu den „Digital Natives", die sie von anderen Altersgruppen unterscheiden. Sie bevorzugen mit dem Handy das sogenannte „speed texting", also das schnelle Schreiben. „Digital Natives" nutzen zunehmend das „Blogging", um personliche Informationen zu teilen. Geschickt sind „Digital Natives" auch im Hochladen von YouTube-Videos, bei der Erstellung von Websites oder bei der Kommunikation via Twitter. Die Schlussfolgerung von Vodanovich et al. (2010) liegt in der Aussage, dass „Digital Natives" die digitale Welt und ihre zahlreichen Technologien als Teil ihres Lebens miteinander verknupft haben.

Zudem kann auch ein Zusammenhang zwischen „Digital Natives" und „Digital Literacy" hergestellt werden. Darauf weist vor allem Ng (2012) hin, denn die Fahigkeit der „Digital Natives" Informations- und Kommunikationstechnologie zu nutzen, bedeutet, dass sie ein MaB an digitaler Kompetenz besitzen. „Digital Natives" konnen Laptops und mobile Technologien (Smartphones, Tablets, etc.) zum Erfassen von Informationen, zum Recherchieren, zum Lokalisieren mit dem GPS oder zum Download von Video- und Musikdateien einsetzen. „Digital Natives" sind Teil einer Gesellschaft, die uber Social-Media-Netzwerke mit Freunden und Familie kommuniziert sowie Zugangsdienste, z. B. fur das Banking, nutzt. Laut Ito et al. (2009) muss jedoch gesagt werden, dass diese digitalen Fahigkeiten auBerhalb der formalen Bildung entwickelt werden.

Wie man anhand des vorher dargestellten Uberblicks uber die Literatur erkennen kann, haben sich die Schulerinnen und Schuler die digitalen Fahigkeiten vorwiegend selbst und auBerhalb der Schule beigebracht. Ihre Fahigkeiten beschranken sich daher auf Dinge, die sie auch konnen wollen und die sie interessieren. Das heiBt, sie sind Expertinnen und Experten darin, wenn es darum geht Videos hochzuladen oder Fotos mit diversen Filtern zu bearbeiten. Sie konnen die Technologien einsetzen, um Informationen zu erfassen und zu recherchieren. Jedoch konnte gezeigt werden, dass sie nicht darauf trainiert sind, wie sie Informationen richtig einschatzen und bewerten konnen. Wenn man die Studien der SHEG von McGrew et al. (2018) berucksichtigt und es um die Fahigkeit geht, Online-Informationen effektiv auszuwerten, dann werden „Digital Natives" ihrem Ruf (noch) nicht gerecht.

2.4 „Digital Citizenship"

Da „Digital Citizenship" und „Digital Literacy" nicht synonym zu gebrauchen sind und deshalb Begriffsverwirrungen auftreten, ist die Unterscheidung dieser Begriffe entscheidend. Wie in 2.2 bereits erwahnt, erfordert „Digital Literacy" spezifische computer- und internetbasierte Fahigkeiten der zu benutzenden Personen, wahrend bei „Digital Citizenship" (deutsch: „digitale Staatsburgerschaft") andere Ziele im Vordergrund stehen (Jones & Mitchell, 2016).

Hermes (2006) zufolge dienen Web-Communities verschiedenen Arten von politischen, nationalen und kulturellen Staatsburgerschaftszielen. Zwischen der Staatsburgerschaft und der Bildung einer offentlichen Meinung besteht, laut der Autorin Hermes, eine enge Verbindung, die der folgende Satz zeigt:

„Der Journalismus fungiert als Wachhund der Demokratie und als Vermittler der Staatsburgerschaft'" (Hermes, 2006, S. 295).

Als Abgrenzung zur digitalen Kompetenz impliziert „Digital Citizenship" die Nutzung der Internetressourcen, um den Jugendlichen ein respektvolles, tolerantes Verhalten beizubringen und um das burgerliche Engagement zu fordern (Jones & Mitchell, 2016).

Bei „Digital Citizenship" steht im Vordergrund, wie Burgerinnen und Burger informiert werden und uber welche Kanale sie erreicht werden. Durch die Verlagerung auf die neuen Medien passiert die Informationsbereitstellung uberwiegend uber das Internet. Bei „Digital Citizenship" stellt somit die legale Komponente ein Hauptaugenmerk dar. Es dreht sich um die Frage, wie Burgerinnen und Burger uber ihre Rechte und Pflichten aufmerksam gemacht werden und wie sie zu informierten, aufmerksamen, aufgeklarten Burgerinnen und Burgern werden konnen.

2.5 „Civic Online Reasoning"

Wie von McGrew et al. (2018) dargestellt, ist die Gesellschaft mittlerweile in einer Welt angekommen, in der von Bildschirmen gelernt wird. Heutzutage ist nicht nur der Zugang zu Informationen ausreichend, sondern auch eine Bewertung dieser erforderlich. Somit wird von jeder einzelnen Person eine enorme Verantwortung bei der Beurteilung von Informationen aus dem Internet benotigt. Legen die Jugendlichen eine lasche Haltung an den Tag, dann wird ihr Urteilsvermogen geschwacht und ihre Fahigkeit eine fundierte Meinung zu bilden, beeintrachtigt. Wenn also die Burgerinnen und Burger nicht in der Lage sind, die Informationen kritisch zu bewerten, dann sind sie anfallig dafur, von falschen Angaben und falschen Argumenten getauscht zu werden. „Civic Online Reasoning" meint, die Fahigkeit soziale und politische Informationen effektiv online zu suchen, zu bewerten und zu uberprufen (McGrew et al., 2018).

Wenn sich die Gesellschaft, wie von McGrew et al. (2018) geschildert, auf das Internet als Quelle politischer und sozialer Informationen verlasst, dann werden effektive Beurteilungsfahigkeiten immer wichtiger. Der Verlass auf das Internet kann enorme Moglichkeiten fur die demokratische Partizipation bedeuten, birgt jedoch auch einige Gefahren, da Informationen frei und in enormer Geschwindigkeit veroffentlicht werden konnen. Zudem zeigen Studien, die in dem Artikel angesprochen werden, dass fur 46 % der teilnehmenden Personen die Attraktivitat der Website, also das Design, eine bedeutende Rolle spielt. Wenn sich also nahezu die Halfte der Benutzerinnen und Benutzer bei der Glaubwurdigkeit bzw. Vertrauenswurdigkeit auf die Attraktivitat und die Tippfehler-Freiheit beruft, dann sind sie schnell getauscht. Dies trifft auch zu, wenn Jugendliche glauben, dass sie die Reihenfolge der Suchergebnisse als Signal fur die Vertrauenswurdigkeit einer Quelle heranziehen konnen. Diese Erkenntnisse zeigen ein pessimistisches Szenario und stellen dar, dass „Digital Natives“ bei der Suche und bei der Bewertung von Informationen ahnlich vorgehen bzw. ahnliche Fehler machen, wie das andere Altersgruppen tun.

Wie McGrew et al. (2018) in ihrer Arbeit schreiben, besteht das zivile Online-Denken aus drei Hauptfragen bzw. Prufschritten, die den Forschungsschwerpunkt darstellen:

1. Wer steckt hinter den Informationen?
2. Was sind die Beweise?
3. Was sagen andere Quellen?

In Anlehnung an das veroffentlichte Paper der SHEG von McGrew et al. (2018) sollen die Jugendlichen bei der Frage, wer hinter den Informationen steckt, die Autorinnen und Autoren oder die Organisation untersuchen, die die Informationen prasentieren und deren Motive bzw. Beweggrunde hinterfragen. In einem weiteren Schritt sollen sie entscheiden, ob man der Quelle vertrauen kann. Um die Beweise zu untersuchen, sollten die Jugendlichen prufen, welche Beweise vorgelegt werden, welche Quellen zur Verfugung gestellt werden und ob die Behauptungen durch die Beweise direkt gestutzt werden. Schulerinnen und Schuler sollten auch mehrere Quellen aufrufen, um ihre Argumente zu uberprufen. Diese drei Kompetenzen umfassen die Denkweisen, die Jugendliche besitzen sollten um Online-Informationen effektiv auszuwerten.

Von dem Autorenteam Breakstone, McGrew, Ortega, Smith und Wineburg, die die Studien und die Assessments in Stanford entwickelt haben, sind weitere Artikel publiziert worden. Einer handelt davon, dass „Civic Online Reasoning“ eine groBere Herausforderung als die der „Fake News" darstellt (McGrew et al., 2017). Laut dem Artikel sind „Fake News" zwar ein Problem, aber sie sind nicht der groBte Problempunkt. Viel wichtiger ist die Frage nach dem Ursprung und der Verantwortlichkeit der jeweiligen Informationen. Fur jedes soziale Thema gibt es Websites, die Schlagzeilen machen, welche nicht unbedingt auf der ganzen Wahrheit beruhen, die zudem Daten manipulieren und lediglich parteipolitische Ziele im Sinn haben. Manche dieser Websites sind hinsichtlich der Betreiberin bzw. dem Betreiber und den reprasentierten Personen transparent. Andere wiederum verbergen ihre Unterstutzerinnen und Unterstutzer, obwohl sie in Wirklichkeit fur kommerzielle oder politische Interessen eintreten. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Informationen, die von solchen Organisationen, Personen, Interessensgruppen veroffentlicht werden, falsch sind. Wenn Leute zum Beispiel uber gentechnisch veranderte Lebensmittel entscheiden wollen, dann sollten sie aber unbedingt wissen, ob die Informationen von einem Biotechnologieunternehmen stammen oder nicht. Das Verstandnis, woher die Informationen kommen und wer dafur verantwortlich ist, ist entscheidend fur die Einschatzung der Glaubwurdigkeit.

Durch die getatigten Studien in den USA (McGrew et al., 2018; Wineburg et al., 2016) hat sich herausgestellt, dass die Jugendlichen dieses Verstandnis und diese Fahigkeit nicht besitzen. Die „Digital Natives" konnen vielleicht durch Facebook und Twitter „surfen", wahrend sie gleichzeitig noch ein Selfie auf Instagram hochladen oder Nachrichten versenden, aber wenn es darum geht die Online-Informationen effektiv auszuwerten, werden sie schnell uberlistet. Die Assessments der Autorengruppe zeigen eindeutig, wie sich die untersuchten Personen von professionell aussehenden Websites mit neutralen Beschreibungen blenden lassen und durch einfache Techniken, wie ein gutes Design, in die Irre fuhren lassen. Der Meinung des Verfassers dieser Arbeit nach ist diese Tatsache bedenklich, weil heutzutage jede Person eine Website erstellen kann. Zudem ist es sehr einfach sich ein vorgefertigtes „Template" um ganz wenig Geld zu kaufen, welches mit einfachen Informatikkenntnissen verfeinert werden kann und dann einen sehr professionellen Eindruck vermittelt. Wenn die Burgerinnen und Burger Opfer von Fehlinformationen werden, kann es zu gravierenden Folgen kommen. In diesem Zusammenhang taucht ein treffendes Zitat auf:

„Credible information is to civic engagement what clean air and water are to public health“ (McGrew et al., 2017, S. 7).

Glaubwurdige Informationen sind also fur das burgerliche Engagement so, wie saubere Luft und Wasser fur die offentliche Gesundheit sind. Wenn Studentinnen und Studenten also nicht feststellen konnen, woher die Informationen kommen und sie einfach so hinnehmen, dann ist die demokratische Entscheidungsfindung gefahrdet (McGrew et al., 2017).

Laut dem Autorenteam wird die Qualitat der Entscheidungen direkt von der Qualitat der Informationen, auf denen sie basieren, beeinflusst. Aus diesem Grund existieren im Netz viele Checklisten, die den Schulerinnen und Schulern bei der Evaluation von Informationen helfen sollen. Diese Checklisten sind teilweise sehr ausfuhrlich und unterschiedlich. Was sie aber gemeinsam haben, ist der Fokus auf Oberflachlichkeiten. Dies schreiben die Autorinnen und Autoren Breakstone et al. (2018) in ihrem Artikel „Why we need a new approach to teaching digital literacy". Sie zeigen auf, aus welchen Inhalten Checklisten bestehen und was an diesen schlecht ist. Checklisten bestehen teilweise aus zehn bis 30 Fragen, die in etwa so aussehen: „Wird eine Ansprechperson zur Verfugung gestellt? oder „Ist die Website eine .com-Domane (vermeintlich schlecht oder eine .org-Domane (vermeintlich gut)?".

Naturlich sind solche Checklisten attraktiv, weil sie einfach bedienbar und auf eine breite Masse anwendbar sind, doch genau hier liegt das Problem. Folgt man der Meinung dieses Artikels, fuhren also Checklisten die Schulerinnen und Schuler in die Irre, denn keine der Checklisten basieren darauf, was ausgebildete, professionelle Leute tun, wenn sie einem Computerbildschirm gegenuberstehen.

In diesem Kontext kristallisierten sich sogenannte „Fact-Checker" heraus, die fur Nachrichtenagenturen arbeiten und bei einer Befragung angaben, dass sie fur ihre Bewertungen und Recherchen keine Checklisten verwenden (Breakstone et al., 2018). Was machen also die „Fact-Checker" anders? Sie lesen seitlich. Breakstone et al. (2018) beschreiben die Vorgehensweise genauer: Wenn „Fact-Checker" auf einer neuen Website auf unbekannte Informationen stoBen, dann verlassen sie diese Website sofort wieder, offnen neue Browser-Tabs und suchen das gesamte Netz ab, um alles uber die Vertrauenswurdigkeit der Quelle zu erfahren. Erst wenn diese Prufung erfolgreich ist, kehren sie zur eigentlichen Seite zuruck und lesen die Informationen bzw. das zur Verfugung gestellte Material genauer. Die Strategie, die „Fact-Checker" einsetzen, zeigt die Mangel des Checklisten-Ansatzes. Um die Vertrauenswurdigkeit der Website zu testen, wurde man folgende Fragen abarbeiten: „Gibt es Rechtschreibfehler?" „Wann wurde die Information veroffentlicht?" „Werden Seiten schnell geladen?" Diese Tests lassen aber genau die erste Frage aus, die sich „Fact-Checker" stellen: „Was gibt es im Netz zu finden, was andere Quellen uber die Website sagen?“

Beide Herangehensweisen wurden in dem erwahnten Artikel von Breakstone et al. (2018) anhand einer Website vom Employment Policies Institute (EPI), wo es um Mindestgehalter geht, untersucht:

Einerseits wurde fur die Checkliste der CRAAP Test herangezogen, welcher an der California State University entwickelt wurde und an vielen Bibliotheken von Florida bis Alaska angepriesen wird. Bei diesem Test wird jeder einzelne Buchstabe des Wortes CRAAP auf ein bestimmtes Merkmal gepruft. C steht fur „Currency", also der Wahrung der Information. Konkret geht es hier um die Aktualitat der Information. Die angesprochene Homepage von EPI bietet neue Updates, hat das Copyright 2018 und enthalt viele Links zu anderen Websites. R steht fur „Relevance", also der Relevanz einer Information. Die Wichtigkeit der Information fur die personlichen Bedurfnisse steht im Vordergrund. Wenn eine Person uber die Mindestlohnpolitik recherchiert, dann stellt die Website relevante Informationen zur Verfugung. Zusatzlich gibt es sogar in einem Bundesstaat Details uber den Mindestlohn und Links zu Forschungsergebnissen. A steht fur „Authority", also der Autoritat. Hier geht es um die Quelle bzw. den Ursprung der Information. Die Seite zeigt an, dass es sich um ein Projekt von EPI handelt. Zudem stellt EPI eine Handynummer, eine E-Mail-Adresse und eine Anschrift in Washington zur Verfugung. Die „Uber"-Seite beschreibt zudem die Arbeit des Unternehmens im Detail. A steht fur „Accuracy", also der Genauigkeit. Es geht um die Vertrauenswurdigkeit, die Wahrhaftigkeit und die Korrektheit des Inhalts. Die Website ist frei von Rechtschreib-, Tipp- oder Grammatikfehlern. Es existiert eine Vielzahl von Datenquellen, die die Behauptungen stutzen. Die Website vermittelt durch Links und Berichten einen professionellen Eindruck. P steht fur „Purpose", also dem Zweck und dem Grund, warum die Informationen existieren. Laut der Website geht es um die offentliche Ordnung und um den Zusammenhang mit dem Beschaftigungswachstum. Wenn man sich rein am CRAAP Test orientiert, dann besteht die Website diesen Test zu 100 %. Zudem wird berichtet, dass die Website auch andere Checklisten-Tests mit Bravour besteht.

Wenn man andererseits seitlich liest, dann findet man Artikel, die Licht auf die Art und den Zweck der Organisation werfen. Dazu gibt es auch einige Newsberichte, wie z. B. von der New York Times. In dem Fall wurde man definitiv erfahren, dass EPI eine PR- Firma ist, die im Auftrag der Lebensmittel- und Getrankeindustrie handelt und sich somit erwartungsgemaB gegen eine Erhohung des Mindestlohns ausspricht. Somit wurde man zur Schlussfolgerung kommen, dass die Website nicht vertrauenswurdig ist, da Leute mit gewissen Absichten dahinterstehen.

Bereits an der Lange der Erklarung kann man den Unterschied erkennen. Checklisten- Tests nehmen viel Zeit in Anspruch und sind im Einzelfall schwierig zu beurteilen. Die Methode der „Fact-Checker“ kann jedes Mal angewendet werden, da es dafur lediglich eine gewisse Ubung braucht. Diese Tatsache zeigt, dass man den Jugendlichen bei den Beurteilungen von Informationen Unterstutzung bieten sollte. Sie sollten unterrichtet werden, wie man richtig sucht bzw. wie man das Internet nutzt, um dieses seitliche Lesen zu vertiefen und zu trainieren. Dafur sind vor allem die osterreichischen Bildungseinrichtungen gefordert. Es sollte nicht auBer Acht gelassen werden, welchen enormen Stellenwert das gemeinsame Erarbeiten hat, vor allem, wenn man an den Lerneffekt der Jugendlichen denkt.

3 Der Untersuchungsgegenstand

Wie eingangs erlautert, ist es Ziel dieser Untersuchung festzustellen, wie osterreichische Schulerinnen und Schuler an berufsbildenden hoheren Schulen die Qualitat von Informationen aus dem Internet bewerten. Zur Zielgruppe der Untersuchung zahlen daher Schulerinnen und Schuler der berufsbildenden Schulen der Sekundarstufe II. Darunter fallen vor allem die Handelsakademie (HAK), die Hohere Technische Lehranstalt (HTL), die Hohere Bundeslehranstalt (HBLA) und die Hohere Lehranstalt fur wirtschaftliche Berufe (HLW). Fur die Befragung wurden zwei Schulen aufgrund ihrer Bereitschaft zur Kooperation ausgewahlt: die HLW Neumarkt und die HAK Vocklabruck.

In der HLW Neumarkt werden fur angewandtes Informationsmanagement von der ersten bis zur vierten Klasse zwei Wochenstunden angeboten (HLW, 2018). In der Handelsakademie Vocklabruck gibt es zum Beispiel zwei Facher, die dafur infrage kommen. Einerseits gibt es das Fach „Officemanagement und angewandte Informatik“ von der ersten bis zur vierten Klasse, wobei dieses Fach in den ersten drei Jahren jeweils zwei Wochenstunden und in der vierten Klasse eine Wochenstunde unterrichtet wird. Andererseits gibt es das Fach „Wirtschaftsinformatik“, welches in der zweiten und in der dritten Klasse jeweils zwei Wochenstunden und in der funften Klasse eine Wochenstunde gelehrt wird (HAK, 2018).

Fur die empirische Erhebung an beiden Schulen liegt der Fokus auf zweiten und dritten Klassen. Um eine Vergleichbarkeit zwischen den zwei Schulen zu ermoglichen, wird auf die funfte Klasse verzichtet. In ersten Klassen wird nicht erhoben, da es fur die Schulerinnen und Schuler zu komplex ware, sinnvolle und nachvollziehbare Begrundungen zu liefern. Der Meinung des Verfassers dieser Arbeit nach ist der Schwierigkeitsgrad fur die ersten Klassen zu hoch. Die vierte Klasse wird nicht berucksichtigt, weil der Umfang des Unterrichts in dem Bereich „Informatik“ in der HAK abnimmt und Wirtschaftsinformatik gar nicht mehr unterrichtet wird. Zudem befinden sich einige vierte Schulklassen zwischen April und Mai auf Sprachreise. Dies ist daher von Bedeutung, da sich der Erhebungs- bzw. Untersuchungszeitraum vom 1. April bis 13. Mai 2019 erstreckt.

Die hier untersuchte Studie ist eine Querschnittsstudie. Wie die Wirtschaftspsychologische Gesellschaft (WPGS) schreibt, bedeutet dies, dass es eine Untersuchung mit nur einem Messzeitpunkt gibt (WPGS, 2019b). Fur die empirische Durchfuhrung wird eine quantitative Herangehensweise gewahlt, die mittels Fragebogen die gewunschten Daten erhebt. Die Daten, die im Zuge dieser Arbeit entstehen, sind Primardaten, die vom Verfasser dieser Arbeit selbst erhoben werden. Der Vorteil liegt in der Aktualitat der Daten. Die primare Datenerhebung ist unumganglich, da in Osterreich keine Sekundardaten zu diesem Thema vorliegen. Fur die Stichproben-Auswahl wird kein Quoten-Verfahren angewendet, d. h. die Stichprobe wird hinsichtlich der soziodemografischen Merkmale weder gesteuert noch konstruiert (WPGS, 2019a). Wesentliche Kriterien fur die Auswahl sind Kooperationsbereitschaft und Verfugbarkeit. Die Beschrankungen sind demzufolge die oben genannten Kriterien. Der Fokus liegt bekanntermaBen auf den zweiten und dritten Klassen dieser beiden Bildungseinrichtungen. Hinsichtlich des Geschlechts, des Alters und der Einkommensverhaltnisse gibt es keine im Vorhinein festgelegten Quoten. Jede Person, die wahrend des Untersuchungszeitraums in der Schule und somit in den zwei Schulstufen anwesend ist, hat die Moglichkeit den Fragebogen auszufullen.

Bevor dies passiert, wird ein Pretest durchgefuhrt, bei welchem der Fragebogen an Personen, die Ahnlichkeiten zur erforschten Zielgruppe aufweisen, getestet wird. Durch den Pretest versucht man eventuelle Fehler zu vermeiden, Rechtschreibfehler auszubessern oder Unvollstandigkeiten bzw. Formulierungen abzuandern, damit der Fragebogen in der Praxis bestmoglich einsetzbar ist. Auf einen Online-Fragebogen wird in diesem Fall verzichtet, da der Verfasser dieser Arbeit durch die ausgedruckte Form auf eine groBe Rucklaufquote hofft. Zudem sollte den Schulerinnen und Schulern an den zwei befragten Schulstandorten keine Moglichkeiten geboten werden, den Fragebogen mithilfe verbotener Hilfsmittel auszufullen, denn auf dem Fragebogen sind alle notwendigen Informationen enthalten. Der Fragebogen wird in den Schulklassen wahrend des Unterrichts ausgefullt. Die Dauer der Durchfuhrung belauft sich in etwa auf 25 bis 30 Minuten. Die zustandigen Lehrpersonen sind wahrend der Befragung durchgangig im Raum und uberwachen den korrekten Ablauf. Da alle Schulerinnen und Schuler den gleichen Fragebogen und dementsprechend die gleichen Fragen bekommen, ist eine gute Vergleichbarkeit gegeben.

4 Methodik

Das folgende Kapitel liefert einen Uberblick uber den Vorgang bei der Literaturrecherche. Des Weiteren wird im Detail uber das empirische Untersuchungsdesign sowie uber die eingesetzten Methoden fur die Analyse der erhobenen Daten informiert.

4.1 Herangehensweise bei der Literaturrecherche

Fur die theoretischen Grundlagen, aber auch fur die empirische Erhebung stand eine strukturierte Literaturrecherche im Vordergrund. Da die Studien aus dem amerikanischen Raum stammen, ist ein GroBteil der Literatur in englischer Sprache abgefasst. Fur Grundlagen und diverse Begriffe wurden auch einige Quellen verwendet, die der deutschen Sprache entstammen. Fur die Literaturrecherche wurde sowohl die Datenbank „Google Scholar“ als auch der „WU Bibliothekskatalog“ eingesetzt. Da die Suchmaschine „Google Scholar“ auf die WU-Datenbank zugreifen kann bzw. der Button „Full Text via WU library“ existiert, war dies die primare Informations- und Recherchequelle. Fur tiefergehende Recherchen, die eine erklarende Wirkung hatten, wurden auch die Datenbanken „EBSCO Business Source Premier“ und „T&I ProQuest“ verwendet.

Der Fokus richtete sich vor allem auf Beitrage in Journalen und Fachzeitschriften, sowie auf diverse Sammelwerke und auch Monographien. Bei der Suche wurden Trunkierungen eingesetzt, um eine groBe Anzahl an Treffern und passenden Quellen zu generieren. Zu Beginn wurde eine ruckwarts gerichtete Suche eingesetzt. Dies bedeutet, dass uber die zentrale Quelle „Can Students Evaluate Online Sources? Learning From Assessments of Civic Online Reasoning“ weitere Quellen erschlossen, begutachtet und in einem weiteren Schritt verwendet wurden. Danach kam eine systematische Suche fur die theoretischen Grundlagen und deren Begriffe zur Anwendung. Die systematische Suche zeichnet sich dadurch aus, dass gewisse Datenbanken nach den gleichen Begriffen vollstandig abgesucht werden. Fur eine tiefergehende Betrachtung der Literatur und der SchlieBung diverser Lucken war eine vorwarts gerichtete Suche unumganglich. Durch das Erforschen, wo eine Quelle zitiert wurde, stoBt man auf neue Quellen zu diesem Thema. Um der Aktualitat dieses Themas Rechnung zu tragen, fokussierte sich der Verfasser dieser Arbeit vorwiegend auf Publikationen des 21. Jahrhunderts, wobei die altesten drei Quellen aus dem Jahre 1997 stammen. Fur die Relevanz einer Quelle war, neben der Aktualitat, die Tatsache entscheidend, dass die Autorinnen und Autoren wissenschaftlich gebildete Personen sind. Zudem spielte die Anzahl, wie oft eine Quelle bereits zitiert und verwendet wurde, eine groBe Rolle.

4.2 Empirisches Untersuchungsdesign

Nach einer intensiven Wurdigung der Literatur wurden die Assessments der SHEG genauer in Betracht gezogen. Insgesamt hat diese Gruppe der Universitat 19 Assessments entwickelt (SHEG, 2016). In der folgenden Tabelle 1 auf den Seiten 15 bis 17 kann man sehen, welche Assessments „paper-based" und welche digital sind. Wie man der Tabelle entnehmen kann, sind zehn von 19 Assessments „paper-based". Dies bedeutet, dass diese papiergestutzt und physisch vorhanden sind. Die ubrigen neun Assessments sind ausschlieBlich digital verfugbar. In dieser Bachelorarbeit werden ausschlieBlich die papiergestutzten Assessments als Ausgangspunkt verwendet. Dies hat den Grund, dass nur die papiergestutzten Assessments eine Vorlage darstellen, die man auch verandern und fur den osterreichischen Raum anpassen kann. Digitale Assessments, wie das „YouTube-Video" oder auch das Social­Media Video, konnen in der empirischen Erhebungsphase bei einem papiergestutzten Fragebogen nicht abgepruft werden, weil sie nicht gezeigt und abgespielt werden konnen. Die neun digitalen Assessments mit den Nummern 1-8 und 18 werden somit in dieser Arbeit nicht berucksichtigt, da sie keine papierbasierten Assessments darstellen. Zudem sei gesagt, dass fur die ersten vier digitalen Assessments in der Tabelle 1 keine Level-Zuweisung moglich ware, weil diese Assessments in der publizierten Studie nicht enthalten sind (Wineburg et al., 2016). Es bleiben infolgedessen zehn Assessments ubrig, die fur diese Arbeit als Ausgangspunkt verwendet werden konnen. Das Assessment „9 Comparing Articles" stellt eine Mischung aus „paper-based" und digital dar. Diese Aufgabe wurde fur Osterreich angepasst. Fur die Bewaltigung dieser Aufgabe benotigt man eine Reihe von Zusatzinformationen und Zusatzblattern, die zur Verfugung gestellt werden mussen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Ubersicht uber die Assessments

Der Fragebogen wurde zu Beginn mit zehn Assessments erstellt und ein Pretest an sechs Personen durchgefuhrt. Nach diesem Pretest wurde noch am Layout, an den Seitenumbruchen, an den personenbezogenen Fragen und an der Verstandlichkeit der Fragen gearbeitet. Zudem hat sich herausgestellt, dass das Assessment „Comparing Articles“ zu viel Zeit in Anspruch nimmt, die teilnehmenden Personen mit den Zusatzinformationen uberfordert sind und sich der Umfang des Fragebogens durch dieses Assessment uberdimensional erhoht. Aus diesem Grund wurde nach der Pretest-Phase dieses Assessment aus dem Fragebogen genommen. Die neun verbleibenden Assessments werden daher abgefragt. Jedes der neun Assessments wurde, wie in der Tabelle 1: Ubersicht uber die Assessments eingesehen werden kann, im Vergleich zum Original abgeandert. Teilweise gab es nur leichte Veranderungen, wie die der Sprache. Teilweise wurde aber auch der Inhalt verandert und an osterreichische Verhaltnisse angepasst. Das Ziel, dass die SHEG bei jedem Assessment hatte, wurde versucht beizubehalten. Um sich einen genauen Uberblick zu verschaffen, wie genau sich diese Assessments vom Original unterscheiden, hat der Verfasser dieser Arbeit die zwei unterschiedlichen Versionen im Anhang unter dem Punkt A Gegenuberstellung der originalen und der nachgebauten Assessments nebeneinandergestellt.

Im Vordergrund stehen bei den Assessments die drei Kernkompetenzen: Wer steckt hinter den Informationen? Was ist der Beweis? Was sagen andere Quellen? Grundsatzlich sei erwahnt, dass die Aufgaben in ihrer Lange und in ihrer Komplexitat variieren. Zudem prufen die Assessments unterschiedliche Kernkompetenzen ab. Es sollte erwahnt werden, dass die dritte Kernkompetenz, kurzum was andere Quellen sagen, in diesem Fall nicht abgepruft werden kann, da es sich um keine computergestutzte Befragung handelt. Somit sind die zu untersuchenden Personen nicht in der Lage nach anderen Quellen zu recherchieren und diese zu beurteilen.

Am Ende des gesamten Prozesses steht ein zwolfseitiger Fragebogen, welcher ebenfalls im Anhang unter dem Punkt B Fragebogen dargestellt ist. Der Fragebogen ist in drei Teile gegliedert. Der erste inhaltliche Teil erstreckt sich uber neun Seiten. Sowohl der zweite als auch der dritte Teil dienen auf den letzten drei Seiten dazu, personliche Informationen und Gewohnheiten der Testpersonen herauszufinden.

Der erste und der umfangreichste Teil, welcher neun Aufgaben umfasst, befasst sich mit der inhaltlichen Befragung. Die vorhin angesprochene Nachvollziehbarkeit kann man auch damit begrunden, dass bei acht von neun Aufgaben die Probandinnen und Probanden die richtige Antwort ankreuzen, bevor sie eine hoffentlich dazu passende Begrundung liefern. Diese Ankreuzmoglichkeit ist die Grundvoraussetzung fur die Einteilung in die jeweilige Kategorie. Bei der neunten Aufgabe gibt es keine richtige oder falsche Antwort, denn hier werden die Versuchspersonen gebeten, mogliche Grunde fur das Misstrauen in die Vertrauenswurdigkeit eines Artikels zu liefern. Die untersuchten Personen sind, wie bereits vorhin kurz erwahnt, dazu angehalten, ihre angekreuzten Antworten mit nachvollziehbaren Begrundungen zu untermauern.

Der zweite Teil des Fragebogens setzt sich mit der personenbezogenen Befragung auseinander, wo die Schulerinnen und Schuler gebeten werden, eine ungefahre Schatzung ihres taglichen Medienkonsums in Stunden anzugeben. Des Weiteren sind einige vorformulierte Aussagen gegeben, die die Probandinnen und Probanden mithilfe einer funfstufigen „Likert-Skala" mit den Auspragungen von „trifft gar nicht zu" bis „trifft vollig zu" beantworten. Am Ende der personenbezogenen Befragung werden den Schulerinnen und Schulern vier Fragen gestellt, wobei bei den ersten drei Fragen Mehrfachnennungen moglich sind und lediglich bei der vierten Frage nur eine Antwortalternative zulassig ist. Der personenbezogenen Befragung wird enorme Bedeutung beigemessen, da durch die gelieferten Antworten Ruckschlusse daruber gewonnen werden konnen, wie viel das Internet sowohl als Informations- als auch Kommunikationsmedium von den Schulerinnen und Schulern genutzt wird. Kann im zweiten Teil der Eindruck gewonnen werden, dass die untersuchten Personen eine geringe Internetnutzung aufweisen bzw. sich uber andere Kanale informieren, dann ist das ein moglicher Grund dafur, dass diese Personen bei der inhaltlichen Befragung schlechter abschneiden. Wenn z. B. Facebook oder Twitter nicht verwendet werden, dann ist es unmoglich zu wissen, wie die „Checkmark" bei Aufgabe 8 interpretiert werden kann.

Der dritte Teil des Fragebogens besteht aus den soziodemografischen Daten, um mehr personliche Informationen von den Testpersonen zu bekommen. Hier stehen vor allem die Vorbildung und die hochste abgeschlossene Ausbildung der Eltern im Vordergrund. Wichtig ist auch die Frage nach dem Ausbildungsschwerpunkt, da Schulerinnen und Schuler mit der Spezialisierung „Informationstechnik (IKT)" oder „Mediendesign & Kommunikation" moglicherweise eine tiefergreifendere Ausbildung aufweisen, um digitalen Inhalt besser als andere Probandinnen und Probanden einschatzen zu konnen.

Nach den Anderungen, die sich aus dem Pretest ergaben, wurde der Fragebogen in ausgedruckter Form der verantwortlichen Lehrperson Frau Buchinger an der Handelsakademie Vocklabruck und Herrn Bichl an der HLW Neumarkt zugestellt. Beide erklarten sich bereit, die Erhebung im Rahmen des Informatik-Unterrichts in den zweiten und dritten Klassen zu koordinieren und durchzufuhren. Der Untersuchungszeitraum erstreckte sich uber sechs Wochen und zwar vom 1. April bis 13. Mai 2019. An Herrn Bichl wurden 100 Fragebogen uberreicht und es kamen 81 ausgefullte Fragebogen zuruck. An Frau Buchinger wurden 120 Fragebogen ausgehandigt. Hier erhielt der Verfasser 112 ausgefullte Exemplare retour. Von in Summe ausgesendeten 220 Stuck wurden insgesamt 193 Stuck retourniert. Alle Probandinnen und Probanden bekamen den gleichen Fragebogen und die gleichen Assessments. Die jeweilige Lehrperson gab den Schulerinnen und Schulern ungefahr 30 Minuten Zeit fur die Ausarbeitung.

In der Tabelle 2 sieht man kurz zusammengefasst die wichtigsten Informationen zur empirischen Erhebung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Methodischer Steckbrief

4.3 Analysen

Fur die Analysen orientiert sich der Verfasser dieser Arbeit sehr stark an der publizierten Studie zu den Assessments von „Civic Online Reasoning“ (McGrew et al., 2018). In dem erwahnten Paper finden sich die Antworten der Probandinnen und Probanden in drei Kategorien wieder: „Beginning“, „Emerging“ und „Mastery“. Dies wurde zum Anlass genommen, um fur diese Arbeit die Kategorien „beginnend“, „aufstrebend“ und „gemeistert“ zu verwenden.

Der Kategorie „gemeistert" gehoren alle Antworten an, in denen die Schulerinnen und Schuler die Online-Informationen effektiv auswerten. Dies geschieht dadurch, dass sie sich sorgfaltig um die Quelle kummern, die vorgelegten Beweise bewerten oder Informationen uber die Quelle, Beweise oder Argumente uberprufen. Antworten, die sich in der Kategorie „aufstrebend" wiederfinden, sind bei der Bewertung der Quelle oder der Beweise auf dem richtigen Weg. Diese Antworten werden aber nicht vollstandig zu Ende ausgefuhrt bzw. beinhalten sie irrelevante Strategien. Antworten, die sich auf eine problematische, irrelevante Bewertungsstrategie stutzen, gehoren der Kategorie „beginnend" an.

Da eine Zuteilung von Fall zu Fall sehr schwierig werden kann, hat sich der Verfasser dieser Arbeit dazu entschieden, bei den Aufgaben eine Antwortmoglichkeit im „Single- Choice-Format" zu integrieren. Das heiBt, die Versuchspersonen sind dazu angehalten, die ihrer Meinung nach richtige Antwort anzukreuzen. Dieses zusatzliche Merkmal, das in den Assessments von der SHEG nicht enthalten ist, stellt das Hauptkriterium und die Voraussetzung fur die Einteilung dar. Zudem ist es wichtig zu erwahnen, dass fur die „aufstrebende" Kategorie das richtige Kreuz UND eine teilweise richtige Begrundung geliefert werden mussen. Fur die Einteilung in die „gemeisterte" Kategorie sind daher das richtige Kreuz UND die richtige Begrundung erforderlich. Somit ergibt sich folgendes Auswertungsschema, welches in der Tabelle 3 ersichtlich ist:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3: Auswertungsschema fur die Assessments

Wie in der Tabelle 3 dargestellt ist, ergeben sich zwei Ausnahmefalle und zwar einerseits, wenn die richtige Antwortmoglichkeit gewahlt wird, aber gar keine Begrundung geliefert wird. Andererseits, wenn die richtige Antwortmoglichkeit angekreuzt wird, aber eine sehr irrelevante Argumentation vorliegt, die nicht ausschlaggebend fur die Losung ist und auf falschen Tatsachen beruht. Da die Begrundung fur dieses Thema essenziell ist und die Testpersonen nachvollziehbar eine Entscheidung treffen sollen, werden diese zwei Moglichkeiten der Kategorie „beginnend“ zugewiesen, weil die Probandinnen und Probanden ihre Fahigkeiten bei der Begrundung von Informationen unter Beweis stellen sollen.

Um am Ende der Arbeit mogliche Korrelationen und Regressionen aufzeigen zu konnen, die nur mit Zahlenwerten moglich sind, wird der Arbeit ein Punktesystem zugrunde gelegt. Pro richtigem Kreuz erhalt die jeweilige Schulerin bzw. der jeweilige Schuler einen Punkt. Da die Begrundung, wie vorhin erwahnt, am wichtigsten ist, gibt es pro Aufgabe fur die Begrundung maximal zwei Punkte. Da die Punkte mit den jeweiligen Kategorien ubereinstimmen mussen, ergibt sich folgendes Schema:

Wenn man das Kreuz falsch setzt, erhalt man null Punkte. Fur die Auswahl der richtigen Antwortmoglichkeit bekommt man einen Punkt. Liefert man bei der richtigen Auswahl jedoch eine falsche oder gar keine Interpretation, bleibt es bei diesem einen Punkt, d. h. von null bis einem Punkt befindet man sich in der Kategorie „beginnend“. Wenn die Probandinnen und Probanden auf dem richtigen Weg bei der Begrundung sind, jedoch nicht ganz vollstandig ihre Argumente darlegen, erhalten sie einen Punkt. Dieser Punkt plus das Ankreuzen der richtigen Moglichkeit ergeben zwei Punkte. Mit zwei Punkten wird man in die Kategorie „aufstrebend“ eingeteilt. Kreuzt man die richtige Antwortmoglichkeit an und wird eine vollstandige Bewertung mit aussagekraftigen und nachvollziehbaren Argumenten geliefert, dann bekommt man in Summe drei Punkte. Damit ist man Teil der Kategorie „gemeistert“. Die genaue Aufstellung zu den Punkten und den Kategorien kann man der Tabelle 4 entnehmen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 4: Ubersicht Punktesystem

Die erste inhaltliche Aufgabe setzt sich aus drei Teilen zusammen. Hier konnen daher neun Punkte erreicht werden. Von der zweiten bis zur achten inhaltlichen Aufgabe konnen je drei Punkte gesammelt werden und da es fur die neunte Aufgabe keine Ankreuzmoglichkeit gibt, stellen hier zwei Punkte das Maximum dar. Insgesamt konnen also 32 Punkte erreicht werden.

Der Verfasser dieser Arbeit bewertet mit einem befreundeten Kollegen alle Antworten der untersuchten Personen. Gemeinsam sorgen sie fur die Einteilung in die drei endgultigen Kategorien. Es ist wichtig hier anzumerken, dass der Verfasser den gesamten Prozess und die Kategorienentwicklung von Beginn an gesteuert und entwickelt hat. Bei der Einteilung ist der Freund ohne relevante Vorkenntnisse involviert. Diese Zusammenstellung dient der Nachvollziehbarkeit sowie der Gewahrung der Objektivitat. Vor allem fur die Grenzfalle zwischen „aufstrebend" und „gemeistert“ ist diese Zusammenstellung sehr wichtig.

In dem nun folgenden Teil werden die Assessments inhaltlich analysiert und fur jedes dieser neun Assessments werden Kriterien aufgestellt, die zeigen, wie sich die Einteilung bzw. die Beurteilung der einzelnen Leistungen der Versuchspersonen zusammensetzt. Als Vergleich bzw. als Orientierung kann im Anhang in Abschnitt C eine mogliche Musterlosung der Antworten eingesehen werden.

Die erste inhaltliche Aufgabe ist das Assessment, welches auch „Homepage Analysis" genannt wird und in drei Teile gegliedert ist. Bei diesem Assessment steht die korrekte Identifikation zwischen Werbung und keiner Werbung auf der oe24-Webseite im Vordergrund. Die Auswertungskriterien fur die Einteilung der Aufgabe 1.1 in die drei Kategorien sind in der folgenden Tabelle 5 ersichtlich:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 5: Auswertungskriterien Aufgabe 1.1

[...]

Ende der Leseprobe aus 102 Seiten

Details

Titel
Beurteilung der Vertrauenswürdigkeit von Online-Informationen. Können Schüler Informationen aus dem Internet richtig bewerten?
Untertitel
"Civic Online Reasoning" in Österreich
Hochschule
Wirtschaftsuniversität Wien  (Wirtschaftspädagogik)
Note
Sehr Gut
Autor
Jahr
2019
Seiten
102
Katalognummer
V535241
ISBN (eBook)
9783346168078
ISBN (Buch)
9783346168085
Sprache
Deutsch
Schlagworte
österreich, schüler, reasoning, online-informationen, online, können, internet, informationen, civic, beurteilung, vertrauenswürdigkeit
Arbeit zitieren
Tim Loibl (Autor), 2019, Beurteilung der Vertrauenswürdigkeit von Online-Informationen. Können Schüler Informationen aus dem Internet richtig bewerten?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/535241

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