Die vorliegende Arbeit geht u.a. der Frage nach, welche Rolle die Lehrer im Kontext Rassismus und Schule, spielen. Das
Konzept ist in zwei große Abschnitte, den theoretischen Rahmen und den empirischen Teil, gegliedert.
Nach der Einleitung werden im zweiten Kapitel der Forschungsstand aufgezeigt und die Forschungsfrage ausformuliert. Danach erfolgt im dritten Kapitel die Vorstellung von Michel Foucault, der den theoretischen Kontext bildet. Mit seiner Sichtweise auf die Thematik des Diskurses und die damit zusammenhängenden Machtstrukturen, sowie dessen Wirkung
auf Konstrukte, beschäftigt sich dieser Teil der Arbeit.
Hierbei wird auf den Rassismus-Diskurs (und Schule) im vierten Kapitel hingewiesen. Folgende Erklärung zeigt die Bedeutsamkeit des Ansatzes von Foucault für die Untersuchung des vorliegenden Konzepts auf. In seinem Text "Subjekt und Macht" von 1982 deskribiert Foucault, dass wenn menschliche Subjekte in Produktionsverhältnisse und Sinn-Beziehungen eingebunden sind, auch komplexe Machtverhältnisse vorhanden sind. Er sieht die Machtbeziehungen tief in unserer Gesellschaft verwurzelt.
Ausschlaggebend bei der vorliegenden Arbeit ist die Analyse von Machtrelationen um dann veranschaulichen zu können, welche Machtfaktoren in schulischen (rassistischen) Diskursen vorhanden sind, um das stereotype Denken bei Lehrern zu suggerieren. Um den Begriff Rassismus zu erklären, wird u.a. Albert Memmi aufgeführt. In diesem Kontext fokussiert sich der Blick auf die Machtstrukturen des Rassismus und diesbezüglich auf die Institution Schule, ihr Lehrplan und die Rolle
der Schulbücher.
Anschließend wird der Terminus "Institutionelle Diskriminierung" definiert. Zu bemerken wäre hier, dass sich mit dieser Thematik nur wenige Wissenschaftler auseinandersetzen. Aufbauend auf diese Definition wird der Ansatz der Stigmatisierungsprozesse von Erving Goffman vorgestellt. Es folgt der Forschungsstand über die Bewertungspraxis der LehrerInnen, um nachfolgend die Kompetenzen bei der Notengebung und des daraus resultierenden Machtverhältnisses zwischen LehrerInnen und SchülerInnen erläutern zu können.
In diesem Kontext werden die Studien von Rosenthal & Jacobsen, "man wird wie man gesehen wird" und die Erwartungseffekte der Lehrer-Schüler-Interaktion von Brophy & Good erklärt und abschließend die Auswirkung auf die SchülerInnen dargestellt. Die Beschreibung des Migration-Begriffs findet im sechsten Kapitel statt.
Inhaltsverzeichnis
A. Theoretischer Bezugsrahmen
1. Einleitung
2. Forschungsstand und Forschungsfrage
3. FOUCAULT
3.1 Diskurs und Macht
3.2 Diskurse und ihre Wirkung auf Konstrukte
4. RASSISMUS
4.1 Rassismus als Diskurs
4.2 Alltagsrassismus
4.3 Rassismus und Schule
4.4 Rassismus nach Lehrplan
4.5 Rassismus in Schulbücher
5. INSTITUTIONELLE DISKRIMINIERUNG
5.1 Institutionelle Diskriminierung im Kontext Schule: Gomolla und Radtke
5.2 Stigmatisierungsprozesse: Goffman
5.3 Forschungsstand: Bewertungspraxis der LehrerInnen
5.4 Kompetenzen der LehrerInnen im Sektor Notengebung
5.5 Machtverhältnisse zwischen LehrerInnen und SchülerInnen
5.6 Pygmalion Effect: Rosenthal & Jacobson
5.7 Erwartungseffekte
6. MIGRATION
6.1 SchülerInnen mit Migrationshintergrund an deutschen Schulen
6.2 Migrationspädagogik: Mecheril
B. Empirischer Teil
7. FORSCHUNGSDESIGN
7.1 Methodik
7.2 Situationsanalyse nach Adele Clarke
7.3 Problemzentriertes Interview
7.4 Leitfaden Interview
7.5 Ausführung Interview
7.6 Analyse und Darstellung der Befunde
8. FAZIT und AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der latenten institutionellen Diskriminierung und des latenten Rassismus durch Lehrkräfte an deutschen Schulen. Ziel ist es, die Rolle von LehrerInnen bei Bildungsmisserfolgen von SchülerInnen mit Migrationshintergrund zu analysieren und zu prüfen, ob stereotypes Denken zu deren Benachteiligung führt.
- Analyse von Machtverhältnissen und Diskursen im schulischen Kontext nach Foucault.
- Untersuchung von Alltagsrassismus und Stigmatisierungsprozessen innerhalb der Institution Schule.
- Evaluation der Bewertungspraxis von LehrerInnen und deren Auswirkung auf SchülerInnen.
- Methodische Anwendung der Situationsanalyse nach Adele Clarke auf qualitative Experteninterviews.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
In der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ist der erste Artikel [Menschenwürde] aufgeführt: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“, der zweite Artikel [Diskriminierungsverbot] lautet: „Jeder Mensch hat Anspruch auf die in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten ohne irgendeine Unterscheidung“.1963 verabschiedeten die Vereinigten Nationen eine Deklaration zur Beseitigung der Rassendiskriminierung. Zur Kontrolle hierfür wurde das CERD - Committee on the Elimination of Racial Discrimination gegründet. Nach vergleichbaren Intentionen schuf die Europäische Union 1993 die Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz, ECRI - European Commission against Racism and Intolerance.
Ab 1998 bis 2007 generierte die Europäische Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, EUMC - European Monitoring Centre on Racism and Xenophobia, Daten zu Rassismus in Europa, sie wurde ersetzt durch die Agentur der Europäischen Union für Grundrechte FRA - European Union Agency for Fundamental Rights und wirkt seither mit thematisch expandierender Weisung. Gleichermaßen setzen sich weltweit Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) gegen Rassismus und Diskriminierung ein. Wie die große Auswahl an Literatur aufzeigt, setzt sich die Wissenschaft ebenfalls mit diesem Thema auseinander und fordert die Gesellschaften auf, das Optimale an Freiheit und Gleichheit aller Menschen zu stärken. Diese ganzen Anstrengungen demonstrieren, dass Rassismus verpönt und verschrien zu sein scheint. Trifft dies zu, oder zeugen gerade diese Implementierungen gegen Rassismus und Diskriminierung, dass in diesem Kontext ein weltweites Problem besteht?
„Rassismus ist weltweit verrufen und dauert überall an“ (Hund 2007: 5). Folgende Studie bestätigt die Vermutung der vorigen Frage. Die Europäische Grundrechteagentur FRA führte eine europaweite Umfrage durch, an der 23 500 Personen aus 27 EU-Ländern teilgenommen hatten. Jede/r Dritte gab an, dass sie/er aufgrund ihrer/seiner Herkunft in den letzten zwölf Monaten diskriminiert wurde. Des Weiteren erklärten 12% schon einmal Opfer von tätlicher und verbaler diskriminierender Gewalt gewesen zu sein. Allerdings wurde in der Studie auch deutlich, dass 82% der direkt von Rassismus Betroffenen, die Vorfälle nicht öffentlich machen, sie also nicht melden (vgl. EU-MIDIS 2009).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die menschenrechtliche Problematik ein, beleuchtet das weltweite Phänomen Rassismus und skizziert die Relevanz der Untersuchung von Diskriminierungsmechanismen innerhalb der Institution Schule.
2. Forschungsstand und Forschungsfrage: Das Kapitel identifiziert Forschungslücken im Bereich der institutionellen Diskriminierung in Deutschland und leitet daraus die zentrale Forschungsfrage nach der Rolle der LehrerInnen bei Bildungsmisserfolgen ab.
3. FOUCAULT: Dieser Abschnitt erläutert die diskurstheoretischen Grundlagen nach Michel Foucault, die als theoretisches Fundament für die Analyse von Machtstrukturen im schulischen Kontext dienen.
4. RASSISMUS: Hier wird Rassismus als Diskurs und Ideologie definiert sowie die Bedeutung des Alltagsrassismus und der Rolle von Schulbüchern und Lehrplänen kritisch reflektiert.
5. INSTITUTIONELLE DISKRIMINIERUNG: Dieses Kapitel vertieft die Mechanismen institutioneller Diskriminierung, bewertet die Notengebung als Selektionspraxis und untersucht Machtasymmetrien sowie Erwartungseffekte zwischen Lehrkräften und Lernenden.
6. MIGRATION: Der Fokus liegt hier auf der Migrationspädagogik und der spezifischen Situation von SchülerInnen mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem.
7. FORSCHUNGSDESIGN: Die methodische Vorgehensweise wird beschrieben, wobei das qualitative Forschungsdesign, die Situationsanalyse nach Clarke und die Durchführung problemzentrierter Interviews im Zentrum stehen.
8. FAZIT und AUSBLICK: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen, zeigt die Reproduktion von Diskriminierung durch unreflektiertes Handeln auf und plädiert für eine Reform der Lehrerbildung.
Schlüsselwörter
Institutionelle Diskriminierung, Rassismus, Schule, LehrerInnen, Migrationshintergrund, Machtverhältnisse, Bildungsbenachteiligung, Diskursanalyse, Stigmatisierung, Alltagsrassismus, Notengebung, Bildungserfolg, Grounded Theory, Machtasymmetrie, Erwartungseffekte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelor-Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, inwiefern institutionelle Diskriminierung und latenter Rassismus durch Lehrkräfte im deutschen Schulsystem existieren und wie diese Prozesse den Bildungserfolg von SchülerInnen mit Migrationshintergrund negativ beeinflussen können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit behandelt Themen wie Diskursmacht nach Foucault, Rassismus als Ideologie, Institutionelle Diskriminierung, Bewertungspraxis und Notengebung, Stigmatisierungsprozesse sowie Migrationspädagogik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Forschungsfrage lautet: Welche Rolle spielen die LehrerInnen bei Bildungsmisserfolgen von SchülerInnen mit Migrationshintergrund?
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde ein empirisch-qualitatives Forschungsdesign gewählt. Die Analyse basiert auf problemzentrierten Experteninterviews, die nach der Situationsanalyse (einer Weiterentwicklung der Grounded Theory) von Adele Clarke ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Bezugsrahmen (Foucault, Rassismus-Begriffe, Institutionelle Diskriminierung und Migration) sowie einen empirischen Teil, in dem zwei Lehrerinterviews komparativ analysiert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Institutionelle Diskriminierung, Machtverhältnisse, Alltagsrassismus, Notengebung, Bildungserfolg und Migrationspädagogik.
Welchen Zusammenhang sieht die Autorin zwischen dem "heimlichen Lehrplan" und Diskriminierung?
Der heimliche Lehrplan beinhaltet unbewusste Organisationsstrukturen und Interaktionsparadigmen, die Machtstrukturen aufrechterhalten und so selektierte Gruppen – wie SchülerInnen mit Migrationshintergrund – subtil benachteiligen.
Warum spielt der „Pygmalion-Effekt“ für diese Analyse eine wichtige Rolle?
Der Pygmalion-Effekt zeigt, dass Erwartungshaltungen von Lehrkräften die tatsächliche Leistungsentwicklung von SchülerInnen beeinflussen können; negative Erwartungen können somit eine "selbsterfüllende Prophezeiung" im negativen Sinne provozieren.
- Citar trabajo
- Rita Favata (Autor), 2019, Schlechtere Bewertung bei gleicher Leistung. Latenter institutioneller Rassismus und Diskriminierung durch LehrerInnen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/535519