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Das Unbehagen in den sozialen Medien. Auswirkungen der sozialen Medien auf Kultur und Freiheit unter Bezugnahme auf Freud und Kymlicka

Titel: Das Unbehagen in den sozialen Medien. Auswirkungen der sozialen Medien auf Kultur und Freiheit unter Bezugnahme auf Freud und Kymlicka

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2019 , 28 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Daniel Balle (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Dass eine Kultur neurotisch sein kann, ist ein interessanter Gedanke, denn es ist eigentlich die Kultur mit ihren Regeln und Vorgaben, welche dem Individuum die individuelle Freiheit nimmt, seine Triebe zu befriedigen und es so zur Neurose führt. Freud zufolge ist die individuelle Freiheit daher kein Kulturgut. Wenn es nun aber technische Möglichkeiten gibt, die dem Individuum Freiheiten zurückgeben seine Triebe zu befriedigen, stellt sich die Frage, wie sich dies auf die Kultur auswirkt. In der nachfolgenden Arbeit soll genau dieser Frage nachgegangen werden, wie sich mittels des Internets respektive der sozialen Medien neue Freiheiten für Individuen äußern und ob diese positive oder negative Auswirkungen auf die Kultur haben. Zeigt sich in dieser Entwicklung, dass der Mensch nur durch das Aufrechterhalten einer Kultur friedlich leben kann, weil in ihr Regeln herrschen, die ihm Halt geben und ihn von einem animalischen, instinktgetriebenen Wesen abgrenzen?

In seinem Werk "Das Unbehagen in der Kultur" spricht Freud am Ende davon, ob es möglich sei, dass Kulturen aufgrund der Kulturstrebungen ‚neurotisch‘ werden können. Bei einer Beobachtung der heutigen gesellschaftlichen Diskussionen, wie sie zurzeit in den sozialen Medien stattfinden, könnte sich dieser Eindruck bestätigen. Diese Diskussionen sind geprägt durch einen rauen Ton, wo schnell beleidigende Worte fallen und ‚Fake-News‘ verbreitet werden. Es wäre dabei ein Trugschluss anzunehmen, dass sich diese virtuellen Diskussionen nicht auch auf die reale Gesellschaft auswirken. So wurde digitale Fehlinformation vom Weltwirtschaftsforum als eine der Hauptbedrohungen für die menschliche Gesellschaft eingestuft. Es scheint, als würde sich die etablierte demokratische Kultur mit ihren Regeln und Werten im Umbruch, wenn nicht sogar in der Auflösung befinden. Dies wird bedingt durch die neuen Möglichkeiten der Kommunikation, welche durch die Online-Medien, hervorgegangen sind. Es kann sich hier jeder frei äußern und eine neue, größere Öffentlichkeit erreichen, um sich und seiner Meinung Gehör zu verschaffen. Dies scheint im ersten Moment gut für eine demokratische Kultur zu sein, da es für das Individuum leichter ist an der öffentlichen Diskussion teilzunehmen und so mehr Freiheit herrscht. Doch hat diese Freiheit wirklich nur positive Auswirkungen auf die Kultur?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Freud: „Freiheit ist kein Kulturgut“

1.2. Kymlicka: „Freiheit als Folge von Kultur“

3. Soziale Medien: Entwicklung, Effekte und Auswirkung auf die Kultur

3.1. Entwicklung und Kommunikation von und in sozialen Medien

3.1.1. Entwicklung

3.1.2. Kommunikation in den sozialen Medien

3.2. Effekte der sozialen Medien

3.2.1. Die Filterblase

3.2.2. Framing und Confirmation Bias

3.2.3. Echokammern

3.3. Auswirkung auf Kultur, Gesellschaft und Freiheit

3.3.1. Der demokratische Prozess

3.3.2. Meinungsfreiheit und Lautstärke im Internet

4. Auswirkungen von ‚Freiheit‘ und ‚konstruktivem Dialog‘ in der Online-Diskussion

4.1. Hasnan Kazim: Post von Karl-Heinz

4.2. Hannes Ley: #ichbinhier

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, inwiefern die Nutzung sozialer Medien und das Internet als neue Kommunikationsräume die kulturellen Rahmenbedingungen und die individuelle Freiheit beeinflussen. Dabei wird analysiert, wie sich technische Algorithmen auf den demokratischen Prozess, die Meinungsbildung und die Qualität des gesellschaftlichen Diskurses auswirken, wobei Freudsche Triebtheorien und Kymlickas Freiheitsbegriff als theoretischer Rahmen dienen.

  • Analyse des Spannungsfeldes zwischen individueller Freiheit und kulturellen Zwängen nach Freud und Kymlicka.
  • Untersuchung der technischen Einflüsse durch Filterblasen, Framing und Echokammern.
  • Reflektion über die Veränderungen der demokratischen Debattenkultur im Internet.
  • Kritische Auseinandersetzung mit Hassrede und dem Potential von konstruktivem Dialog (Counterspeech) in Online-Communities.

Auszug aus dem Buch

3.2.1. Die Filterblase

Am 04.12.2009 begann eine neue Ära im Internet bzw. in den sozialen Medien. An diesem Tag begann Google anhand von ausgewählten Kriterien Suchergebnisse zu personalisieren, dass stets das angezeigt wurde, was den Suchenden vermutlich am meisten interessieren würde. Google benutzt dafür 57 Signale, um herauszufinden, wer der Nutzer ist und was ihn interessieren könnte. Durch Page Rank und Google Instant, werden so schnell und präziser Suchergebnisse für den Nutzer angezeigt. Was im ersten Moment nach einer komfortablen Verbesserung der Suchmaschinenleistung klingt und dem Nutzer Vorteile bei einer schnellen Suche verschaffen soll, hat auf der anderen Seite weitreichende Konsequenzen, was die Verfügbarkeit und Wahrnehmung von Informationen im Internet betrifft. Algorithmen entscheiden, was für den Nutzer relevant ist und das auf Basis dessen, was anhand des vorhergehenden Nutzerverhaltens für den Nutzer vermeintlich interessant zu sein scheint.

Facebook setzt mit seinem Edge-Rank-Algorithmus ebenfalls auf eine personalisierte Informationsanzeige im News Feed. Es werden personalisierte Inhalte angezeigt, mit denen der Nutzer dann wiederum agiert und somit den Algorithmen zu verstehen gibt, dass er diese Inhalte interessant findet. Der Haken bei der Sache ist, dass irgendwann nichts mehr angezeigt bekommt, was für ihn neu, anders oder unbekannt ist, weil die Algorithmen nicht davon ausgehen, dass es für ihn relevant sein könnte. Pariser spricht hier von der ‚Filterblase‘ in der sich der Nutzer bewegt. Hierbei schaffen unsichtbare Filter, von denen der Nutzer nichts wahrnimmt, ein persönliches ‚Informationsuniversum‘, das sich von dem eines anderen Nutzers maßgeblich unterscheiden kann.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik ein, ob die heutige Online-Kultur als neurotisch bezeichnet werden kann und skizziert den theoretischen Rahmen sowie das Ziel der Untersuchung.

1.1. Freud: „Freiheit ist kein Kulturgut“: Dieses Kapitel erläutert Freuds psychoanalytische Sichtweise, wonach Kultur den Menschen in seinem Triebverzicht einschränkt, um ein geordnetes Zusammenleben zu ermöglichen.

1.2. Kymlicka: „Freiheit als Folge von Kultur“: Hier wird Kymlickas politikphilosophischer Ansatz dargestellt, der Kultur als notwendige Voraussetzung und Kontext für die Ausübung individueller Freiheit begreift.

3. Soziale Medien: Entwicklung, Effekte und Auswirkung auf die Kultur: Das Kapitel verknüpft die theoretischen Ansätze mit den technologischen Veränderungen des Internets vom passiven Konsum zum partizipativen Web 2.0.

3.1. Entwicklung und Kommunikation von und in sozialen Medien: Es wird die technologische Evolution und die spezifische, oft enthemmte Art der Kommunikation in digitalen Räumen untersucht.

3.1.1. Entwicklung: Dieses Kapitel beleuchtet den Wandel des Internets hin zu einem Raum, in dem Algorithmen zunehmend die Informationsflüsse steuern.

3.1.2. Kommunikation in den sozialen Medien: Es werden die Auswirkungen der Anonymität und des fehlenden direkten Kontakts auf die Diskurskultur analysiert.

3.2. Effekte der sozialen Medien: Der Fokus liegt auf der algorithmischen Filterung, die zur Fragmentierung der Wahrnehmung führt.

3.2.1. Die Filterblase: Erläutert wird die algorithmische Personalisierung, die Nutzer in einer isolierten Informationsblase gefangen hält.

3.2.2. Framing und Confirmation Bias: Es wird erklärt, wie sprachliche Rahmung und kognitive Verzerrungen die Meinungsbildung beeinflussen.

3.2.3. Echokammern: Dieses Kapitel beschreibt die Tendenz zur Polarisierung und Radikalisierung durch homogene Interessengruppen im Netz.

3.3. Auswirkung auf Kultur, Gesellschaft und Freiheit: Der Einfluss digitaler Kommunikation auf die gesellschaftliche Resonanz und den demokratischen Diskurs wird kritisch hinterfragt.

3.3.1. Der demokratische Prozess: Untersucht wird, wie digitale Medientechnik die Struktur der Öffentlichkeit und des demokratischen Miteinanders verändert.

3.3.2. Meinungsfreiheit und Lautstärke im Internet: Es wird diskutiert, ob Aggression als Mittel zur Erzeugung von Aufmerksamkeit die freie, sachliche Auseinandersetzung gefährdet.

4. Auswirkungen von ‚Freiheit‘ und ‚konstruktivem Dialog‘ in der Online-Diskussion: Dieses Kapitel veranschaulicht anhand von Fallbeispielen, wie Hassrede auf der einen Seite und konstruktive Gegenrede auf der anderen Seite wirken.

4.1. Hasnan Kazim: Post von Karl-Heinz: Anhand des Beispiels von Hasnan Kazim wird gezeigt, wie Hass und Diffamierung im Internet als Ausdruck gesellschaftlicher Spannungen auftreten.

4.2. Hannes Ley: #ichbinhier: Das Projekt #ichbinhier wird als Beispiel für erfolgreiche Counterspeech und das Bemühen um eine sachliche Diskussionskultur vorgestellt.

5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit, trotz technischer Filtermechanismen den sachlichen und respektvollen Dialog aktiv zu fördern.

Schlüsselwörter

Soziale Medien, Freiheit, Kultur, Freud, Kymlicka, Filterblase, Algorithmen, Internet, Demokratie, Meinungsfreiheit, Online-Diskussion, Hassrede, Counterspeech, #ichbinhier, Digitale Öffentlichkeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie die modernen sozialen Medien die kulturelle und gesellschaftliche Freiheit beeinflussen und welche Rolle dabei die ursprüngliche, menschliche Psyche sowie demokratische Grundprinzipien spielen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit verknüpft psychoanalytische und politikphilosophische Theorien mit aktuellen Entwicklungen der digitalen Kommunikation, insbesondere den Themen Filterblasen, Hassrede und der Veränderung der demokratischen Debattenkultur.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es zu ergründen, ob und wie soziale Medien unsere Freiheit einschränken oder verändern und wie in diesem Kontext ein konstruktiver gesellschaftlicher Dialog trotz algorithmischer Steuerung möglich bleibt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische und diskursive Analyse, die philosophische und psychologische Theorien (Freud, Kymlicka) auf aktuelle Phänomene der digitalen Medien und Fallbeispiele aus der Online-Kommunikation anwendet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert technische Mechanismen wie Filterblasen und Echokammern, reflektiert deren Auswirkungen auf den demokratischen Prozess und diskutiert anhand von Praxisbeispielen Möglichkeiten für eine konstruktive Online-Kommunikation.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Soziale Medien, Filterblase, Freiheit, Demokratie, Algorithmen, Online-Diskussion, Hassrede, Counterspeech und die theoretischen Bezugspunkte Freud und Kymlicka.

Wie unterscheidet sich der Ansatz von Freud von dem von Kymlicka?

Während Freud Kultur als notwendige Einschränkung der Triebbefriedigung sieht, die zwangsläufig zu Unbehagen führt, betrachtet Kymlicka Kultur als notwendigen Rahmen, der dem Individuum erst die Möglichkeiten bietet, seine Freiheit sinnvoll zu entfalten.

Warum spielt das Projekt „#ichbinhier“ eine besondere Rolle im Fazit?

Das Projekt dient als Gegenbeispiel zu Hassrede im Internet. Es zeigt auf, dass durch aktives, sachliches Eingreifen in Online-Diskussionen (Counterspeech) ein konstruktiverer Umgangston erreicht werden kann.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Das Unbehagen in den sozialen Medien. Auswirkungen der sozialen Medien auf Kultur und Freiheit unter Bezugnahme auf Freud und Kymlicka
Hochschule
Universität Konstanz
Note
1,7
Autor
Daniel Balle (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2019
Seiten
28
Katalognummer
V535534
ISBN (eBook)
9783346119391
ISBN (Buch)
9783346119407
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Freud Sigmund Freud Unbehagen Kulturen Kymlicka soziale Medien Freiheit Ich Es Unbewusste Einwanderungsgesellschaft Miteinander Medien Filterblase Onlinediskussion ichbinhier Framing Confirmation Bias
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Daniel Balle (Autor:in), 2019, Das Unbehagen in den sozialen Medien. Auswirkungen der sozialen Medien auf Kultur und Freiheit unter Bezugnahme auf Freud und Kymlicka, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/535534
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Leseprobe aus  28  Seiten
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