Als die UN-Behindertenrechtskonvention 2008 in Kraft getreten ist, wuchs der öffentliche Diskurs um Inklusion und deren Bedeutung. Oftmals wird Inklusion synonym zur Integration verwendet. Dabei unterliegen beide Termini von Grund auf verschiedenen gesellschaftlichen Standpunkten.
Heute bedeutet Inklusion "die konsequente Weiterführung von Integration. Während der Begriff Begriff Integration nahelegt, darunter das Hereinnehmen eines Kindes in ein bestehendes System zu verstehen, ohne das System substantiell zu verändern, geht Inklusion davon aus, dass das Recht aller Kinder auf gemeinsame Bildung und Erziehung [...] ist."
Zur Lebzeiten Montessoris war die Begriff der Inklusion noch nicht gegenwärtig, sodass man ihre Auffassung von Integration und ihre "integrative Pädagogik" aus einer anderen Sichtweise als heute betrachten muss.
Montessoris Pädagogik wurde als integrativ bezeichnet, weil sie sich damals der ursprünglichen Wortbedeutung (lat. integratio) im Sinne der "Wiederherstellung eines Ganzen" beziehungsweise der Einbeziehung, Eingliederung in ein größeres Ganzes durch die Verbindung einer Vielfalt von einzelnen Personen oder Gruppen zu einer gesellschaftlichen und kulturellen Einheit", bediente.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begrifflichkeiten
2.1. Der Begriff der Behinderung
2.2. Der Begriff der Integration und Inklusion
3. Theoretischer Ansatz inkludierter Kinder in der Montessori - Pädagogik
3.1. Die vorbereitete Umgebung
3.2. Die Freiarbeit
3.3. Das Montessori - Material
4. Die Praxis
5. Das Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die Montessori-Pädagogik als integratives Schulkonzept und reflektiert deren Möglichkeiten und Grenzen im gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung, basierend auf praktischen Erfahrungen in einer integrativen Grundschule.
- Grundlagen und Begrifflichkeiten zu Behinderung, Integration und Inklusion.
- Theoretische Säulen der Montessori-Pädagogik (vorbereitete Umgebung, Freiarbeit, Montessori-Material).
- Praktische Beobachtungen des gemeinsamen Unterrichts im schulischen Alltag.
- Reflektion der pädagogischen Haltung und kooperativer Lehrmethoden.
- Diskussion über die Potenziale inklusiver Bildung.
Auszug aus dem Buch
3.1. Die vorbereitete Umgebung
Eine vorbereitete Umgebung ist Grundlage dafür, dass die Kinder sich frei nach ihren Interessen und Bedürfnissen entfalten können, welche verborgen und unterdrückt werden, wenn keine geeignete Umgebung vorhanden ist. Dieser „Raum“ vermittelt als „geordnetes Ganzes“ Struktur, Geborgenheit und gibt den Kindern die Freiheit ihren individuellen Bewegungsdrang auszuschöpfen. Gegliederte Lernfelder (Mathe, Deutsch und kosmische Erziehung) dienen als Orientierungshilfe. Jedes Kind sucht sich zum Bearbeiten des selbstgewählten Materials seine Position in der Umgebung aus. Sei es ein Platz auf dem Boden, auf dem Flur, auf einem kleinen Teppich oder der, unter dem Tisch. Es ist aber darauf zu achten, dass ein großer Teil des Bodens frei bleibt und die Einrichtungsgegenstände an die körperlichen Konstitutionen der Kinder angepasst sind. So werden die Materialien für ein Kind im Rollstuhl so positioniert, dass diese für ihn greifbar sind oder ggf. der beobachtende Pädagoge Unterstützung leistet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Autorin begründet ihre Wahl für die Beobachtung einer integrativen Montessori-Schule und legt das Ziel fest, die Theorie dieser Pädagogik mit persönlichen Erfahrungen zu verknüpfen.
2. Begrifflichkeiten: Es werden zentrale Begriffe wie Behinderung sowie die Unterscheidung von Integration und Inklusion theoretisch geklärt, um eine wissenschaftliche Basis für die Arbeit zu schaffen.
3. Theoretischer Ansatz inkludierter Kinder in der Montessori - Pädagogik: Dieses Kapitel erläutert die wesentlichen Prinzipien wie die vorbereitete Umgebung, die Freiarbeit und das Material als Fundament für den integrativen Unterricht.
4. Die Praxis: Hier werden die während des Praktikums gewonnenen Beobachtungen im Klassenalltag der „Schmetterlinge“ detailliert beschrieben und analysiert.
5. Das Fazit: Die Autorin fasst die Erkenntnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Montessori-Pädagogik einen beispielhaften Rahmen für gelungenen inklusiven Unterricht bietet.
Schlüsselwörter
Montessori-Pädagogik, Inklusion, Integration, Freiarbeit, vorbereitete Umgebung, Montessori-Material, gemeinsamer Unterricht, behinderte Kinder, Grundschule, Reformpädagogik, Schulpraktikum, pädagogische Haltung, kooperatives Lernen, Unterrichtsanpassung, Lernvoraussetzungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung der Montessori-Pädagogik in einem integrativen schulischen Kontext und wie diese zur gemeinsamen Förderung von Kindern mit und ohne Behinderung beitragen kann.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit behandelt die theoretischen Grundlagen der Montessori-Pädagogik, wie die vorbereitete Umgebung und das Lernmaterial, sowie die praktische Umsetzung der Inklusion im Schulalltag.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die theoretischen Leitideen von Maria Montessori unter dem Aspekt des gemeinsamen Unterrichts zu beleuchten und diese durch persönliche Beobachtungen aus einem Schulpraktikum zu ergänzen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturrecherche zu den theoretischen Grundlagen sowie auf einer reflektierenden Analyse von Beobachtungen in einer integrativen Grundschulklasse.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung der Montessori-Prinzipien und einen umfangreichen Praxisteil, in dem der Alltag in einer integrativen Stammgruppe beschrieben wird.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Montessori-Pädagogik, Inklusion, Freiarbeit, vorbereitete Umgebung und die pädagogische Reflexion des gemeinsamen Unterrichts.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen Integration und Inklusion?
Die Autorin verdeutlicht, dass Integration das Hereinnehmen in ein bestehendes System bedeutet, während Inklusion als weiterführendes Recht auf gemeinsame Bildung und Erziehung verstanden wird.
Welche besondere Bedeutung hat das Montessori-Material für Kinder mit Behinderung?
Die Materialien ermöglichen ein „Greifen und Begreifen“ abstrakter Konzepte und können individuell an die körperlichen oder kognitiven Bedürfnisse der Kinder angepasst werden.
Wie werden Kinder mit Behinderung in den Schulalltag integriert?
Durch die Freiarbeit und die Rolle der Pädagogen als beobachtende Begleiter können alle Kinder individuell lernen, ohne dass Vergleiche oder Bloßstellungen dominieren.
Zu welchem Schluss kommt die Autorin im Fazit?
Die Autorin ist überzeugt, dass Inklusion in der Schule gelingen kann, sofern die pädagogische Haltung stimmt und der Unterricht individuell an die Lernvoraussetzungen der Kinder angepasst ist.
- Quote paper
- Julia Wolf (Author), 2017, Montessori Pädagogik. Gemeinsamer Unterricht für Kinder mit und ohne Behinderung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/535545