In Deutschland überwiegt der Anteil der kleinen und mittleren Unternehmen. Häufig werden mittelständische Unternehmen von Gesellschafter-Geschäftsführern geleitet. Bei Ausscheiden von Gesellschaftern stellt sich ihnen die Frage, wie die Nachfolge geregelt werden kann. Wenn keine familieninterne Nachfolge möglich ist, können Gesellschafter auch Investoren suchen, die sich an dem Unternehmen beteiligen möchten. In beiden Fällen stellt sich die Frage nach dem Wert des Unternehmens und dem entsprechenden Kaufpreis der Anteile, die vom alten auf den neuen Gesellschafter übertragen werden sollen.
Julian Schöler zeigt in seiner Publikation, was bei der Bewertung von kleinen und mittleren Unternehmen beachtet werden muss. Bei einer Unternehmensbewertung können verschiedene Methoden und Verfahren zum Einsatz kommen. Bisher stellt die einschlägige Literatur jedoch in erster Linie solche Methoden vor, die auf große Unternehmen zugeschnitten sind. Schöler schafft hier mit seinem Buch Abhilfe.
Oft ist beispielsweise die Qualität der Vergangenheitsdaten in KMU nicht ausreichend, um eine genaue Analyse durchführen zu können, da geprüfte Jahresabschlüsse oder weitere benötigte Informationen nicht vorliegen. Außerdem beschränkt sich bei vielen Unternehmen die vorhandene Zukunftsplanung auf die Umsatz- oder Ertragsplanung sowie auf einen nicht ausreichenden Zeitraum. Julian Schöler erklärt, welche Anpassungen bei der Bewertung von kleinen und mittleren Unternehmen notwendig sind.
Aus dem Inhalt:
- Unternehmensnachfolge;
- Unternehmenswert;
- Werttheorie;
- Gesamtbewertungsverfahren;
- Einzelbewertungsverfahren
- Kapitalisierungszinssatz
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Ziel der Arbeit
1.3 Gang der Arbeit
2 Abgrenzung kleiner und mittlerer Unternehmen
2.1 Einführung in kleine und mittlere Unternehmen
2.2 Quantitative Kriterien
2.3 Qualitative Kriterien
2.4 Definition für den weiteren Verlauf der Arbeit
2.5 Wirtschaftliche Bedeutung von KMU in Deutschland
3 Grundlagen der Unternehmensbewertung
3.1 Wert und Werttheorien in der Unternehmensbewertung
3.2 Entwicklung der Werttheorien in der Unternehmensbewertung
3.3 Bewertungsanlässe
3.4 Dokumentation und Berichterstattung
4 Theoretische Grundlagen ausgewählter Bewertungsverfahren
4.1 Gesamtbewertungsverfahren
4.2 Marktorientierte Verfahren
4.3 Einzelbewertungsverfahren
4.4 Mischverfahren
5 Besonderheiten bei der Bewertung von KMU
5.1 Informationsbeschaffung und Vergangenheitsanalyse
5.2 Prognose zukünftiger Entwicklungen und Wahl des Betafaktors
5.3 Due Diligence
5.4 Auswirkungen der Niedrigzinsphase
6 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Herausforderungen bei der Unternehmensbewertung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) vor dem Hintergrund einer anhaltenden Niedrigzinsphase. Das Ziel ist es, die Anwendbarkeit gängiger Bewertungsverfahren kritisch zu würdigen und praxisnahe Lösungsansätze zu entwickeln, um eine fundierte Wertermittlung trotz mangelnder Datenverfügbarkeit und spezifischer KMU-Besonderheiten zu ermöglichen.
- Abgrenzung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU)
- Theoretische Grundlagen und Verfahren der Unternehmensbewertung
- Besonderheiten und Herausforderungen bei der Bewertung von KMU
- Einfluss der Niedrigzinsphase auf Kapitalisierungszinssätze und Risikoprämien
- Empirische Untersuchung historischer Renditen zur Ableitung von Bewertungsparametern
Auszug aus dem Buch
4.1.1.1 Risikoloser Zinssatz
Der risikolose Zinssatz (rf) stellt den ersten Teil der Gleichung zur Ermittlung der erwarteten Rendite (µi) des zu untersuchenden Wertpapiers (i) dar. Sollte der Betafaktor oder die Marktrisikoprämie (Term innerhalb der Klammer), also die Subtraktion von erwarteter Rendite des Wertpapiers und dem risikolosen Zinssatz, 0 ergeben, wird der komplette 2. Summand, der sogenannte Risikozuschlag oder die sogenannte Marktrisikoprämie, 0 und somit verbleibt der risikolose Zins als erwartete Rendite für das Wertpapierportfolio. Der risikolose Zinssatz wird auch als Basiszinssatz oder Spot Rate bezeichnet. Dieser dient innerhalb des CAPM dazu, die Rendite einer risikolosen Kapitalanlage, die als Alternative zur risikobehafteten Kapitalanlage im Bewertungszeitpunkt verfügbar ist, darzustellen. Der risikolose Zinssatz muss frei sein von jeglichen Währungs-, Termin- oder Ausfallrisiken. Die früher in der Wissenschaft vertretene Auffassung, dass historische risikolose Zinssätze für Zwecke der Unternehmensbewertung zu verwenden sind, führt nach heutiger Auffassung zu Bewertungsfehlern, da ausschließlich im Bewertungszeitpunkt existierende Alternativrenditen betrachtet werden dürfen.
Es können verschiedene Daten für die Ermittlung des Basiszins in Frage kommen, wie die Bildung von Durchschnittswerten historischer Renditen von Staatsanleihen, die am Bewertungsstichtag gültige Rendite für Staatsanleihen oder Zinssätze von sogenannten Nullkuponanleihen (Spot Rates). Bei einer Nullkuponanleihe handelt es sich um Anleihe, bei der während der Laufzeit keine jährlichen Zinszahlungen fällig werden, sondern diese zusammen mit Zinseszins und Tilgungsbetrag am Ende der Laufzeit ausgezahlt werden. Unterscheiden lassen sich zwei Varianten der Nullkuponanleihe, zum Einen die Abzinsungsvariante, bei der der Ausgabekurs unter pari liegt und der Rückzahlungskurs 100% beträgt und zum Anderen die Aufzinsungsvariante, bei der die Nullkuponanleihe zu einem Kurs von 100% ausgegeben wird und die zuzüglich Zins und Zinseszins am Ende der Laufzeit zurückgezahlt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert das Problem der Unternehmensbewertung bei KMU, skizziert das Ziel der Arbeit und erläutert den Gang der Untersuchung.
2 Abgrenzung kleiner und mittlerer Unternehmen: Dieses Kapitel erörtert quantitative und qualitative Kriterien zur Definition von KMU und analysiert deren wirtschaftliche Bedeutung.
3 Grundlagen der Unternehmensbewertung: Hier werden die Werttheorien, verschiedene Bewertungsanlässe sowie die Anforderungen an Dokumentation und Berichterstattung bei Unternehmensbewertungen dargestellt.
4 Theoretische Grundlagen ausgewählter Bewertungsverfahren: Das Kapitel bietet einen Überblick über gängige Verfahren, insbesondere Ertragswert- und DCF-Methoden, sowie deren theoretische Herleitung.
5 Besonderheiten bei der Bewertung von KMU: Der Hauptteil setzt sich mit den spezifischen Problemen bei der KMU-Bewertung auseinander, wie Datenverfügbarkeit und der Einfluss der Niedrigzinsphase.
6 Fazit und Ausblick: Abschließend werden die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst und Potenziale für weiterführende Forschungsarbeiten aufgezeigt.
Schlüsselwörter
Unternehmensbewertung, KMU, Ertragswertverfahren, DCF-Verfahren, Marktrisikoprämie, risikoloser Zinssatz, Niedrigzinsphase, Due Diligence, Kapitalisierung, Mittelstand, Unternehmensnachfolge, Betafaktor, Kapitalkosten, Finanzanalyse, Bewertungspraxis
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der methodischen Unternehmensbewertung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) und untersucht, wie die Besonderheiten dieser Unternehmensgruppe und die aktuelle Niedrigzinsphase die Bewertung beeinflussen.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Zentrale Themen sind die Definition von KMU, die theoretischen Bewertungskonzepte, gängige Bewertungsverfahren (wie Ertragswert- und DCF-Methoden) sowie die spezifischen Herausforderungen bei KMU-Transaktionen und die Analyse von Marktrisikoprämien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Anwendbarkeit etablierter Bewertungsverfahren bei KMU kritisch zu hinterfragen und Handlungsempfehlungen zu geben, insbesondere unter Berücksichtigung der anhaltenden Niedrigzinsphase.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine Literaturanalyse zu bestehenden Bewertungstheorien mit einer empirischen Untersuchung zur Entwicklung von Marktrisikoprämien und risikofreien Zinssätzen unter Verwendung von Kapitalmarktdaten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der theoretischen Grundlagen der Verfahren und die detaillierte Auseinandersetzung mit der Bewertungspraxis bei KMU, inklusive Informationsbeschaffung, Prognose, Due Diligence und Zinssatzproblematik.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Unternehmensbewertung, KMU, Ertragswertverfahren, DCF-Verfahren, Kapitalkosten, Marktrisikoprämie und Niedrigzinsphase.
Warum spielt die Niedrigzinsphase eine so große Rolle für die Bewertung?
Da der Kapitalisierungszinssatz zur Diskontierung zukünftiger Erträge genutzt wird, beeinflusst ein sehr niedriges Zinsniveau den Unternehmenswert massiv; die Arbeit prüft daher, ob historische Prämien unter den heutigen Bedingungen noch zeitgemäß sind.
Welche Rolle spielt die "Due Diligence" bei der KMU-Bewertung?
Die Due Diligence ist essenziell, um Informationsasymmetrien zwischen Käufer und Verkäufer bei KMU abzubauen, Risiken einzuschätzen und die Grundlage für faire Kaufpreisverhandlungen zu schaffen.
Was ist das Besondere an der Datenlage bei KMU im Vergleich zu Großunternehmen?
Bei KMU fehlen oft detaillierte Planungsrechnungen, geprüfte Jahresabschlüsse oder öffentlich verfügbare Marktdaten, was die Anwendung standardisierter Bewertungsmodelle erheblich erschwert.
Wie bewertet die Arbeit die Empfehlungen des IDW zur Marktrisikoprämie?
Der Autor hinterfragt, ob die auf alten empirischen Studien basierenden Bandbreiten in einem Niedrigzinsumfeld noch angemessen sind und ob eine Anpassung der Annahmen nach oben geboten ist.
- Citar trabajo
- Julian Schöler (Autor), 2020, Unternehmensbewertung bei kleinen und mittleren Unternehmen. Herausforderungen und Lösungsansätze bei der Bewertung von KMU, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/535547