Welche Faktoren beeinflussen das unterschiedliche Geburtenverhalten in Ost- und Westdeutschland?
Vor der deutschen Wiedervereinigung war das Geburtenverhalten in Ost- und Westdeutschland sehr unterschiedlich. Frauen in der DDR bekamen ihr Kind beispielsweise viel früher und blieben nach der Geburt vollzeiterwerbstätig. In der ehemaligen BRD wurde die Geburt des ersten Kindes aufgeschoben und die Frauen blieben häufiger kinderlos. Mit der Wiedervereinigung wurde das westdeutsche Institutionensystem auf Ostdeutschland übertragen. Gleichzeitig kam es unmittelbar nach der Wiedervereinigung zu einem Einbruch der Geburtenzahlen in Ostdeutschland.
Zur Beantwortung der Forschungsfrage werden im zweiten Kapitel zunächst drei Theorien vorgestellt, welche mögliche Einflussfaktoren auf das Geburtenverhalten beschreiben. Zunächst wird die ökonomische Theorie der Familie nach Becker erläutert. Daraufhin wird der lebenslauftheoretische Ansatz nach Huinink dargelegt. Zuletzt soll ein theoretisches Konzept von Familienleitbildern Aufschluss über den Einfluss dieser auf das Geburtenverhalten geben. Im dritten Kapitel wird der aktuelle Forschungsstand aufgezeigt, welcher anhand der vorgestellten Theorien konkrete Einflussfaktoren auf das Geburtenverhalten in Ost- und Westdeutschland aufdeckt. Es werden zunächst die familienpolitischen Rahmenbedingungen vor der Wende in der DDR sowie der früheren BRD dargelegt. Weiterhin soll die unterschiedliche Kinderbetreuungsinfrastruktur in beiden Regionen eine Erklärung bieten. Anschließend werden unterschiedliche Familienleitbilder als Einflussfaktoren aufgeführt. Zuletzt werden religiöse Aspekte als Einflussfaktoren berücksichtigt. Ein Fazit fasst in Kapitel vier alle wichtigen Ergebnisse zusammen und soll neben einer kritischen Reflexion aufzeigen, ob die Politik heute durch familienpolitische Maßnahmen höhere Geburtenziffern in Deutschland erreichen kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theorie
2.1 Die ökonomische Theorie der Familie
2.2 Der lebenslauftheoretische Ansatz
2.3 Ein theoretisches Konzept von Familienleitbildern
3 Einflussfaktoren auf das Geburtenverhalten in Ost- und Westdeutschland
3.1 Familienpolitische Rahmenbedingungen vor der Wende
3.2 Kinderbetreuungsinfrastruktur
3.3 Familienleitbilder
3.4 Religion
4 Fazit
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die Faktoren, die das unterschiedliche Geburtenverhalten zwischen Ost- und Westdeutschland beeinflussen, und analysiert, inwieweit soziologische Theorien und historische Rahmenbedingungen zur Erklärung dieses Phänomens beitragen.
- Analyse des demografischen Wandels und Geburtenverhaltens in Deutschland.
- Theoretische Fundierung durch die ökonomische Theorie der Familie, den lebenslauftheoretischen Ansatz und Familienleitbilder.
- Untersuchung familienpolitischer Rahmenbedingungen und der Kinderbetreuungsinfrastruktur.
- Einfluss kultureller Prägungen und familialer Leitbilder auf die Lebensgestaltung.
- Bedeutung von Religiosität und Säkularisierung für die Familienbildung.
Auszug aus dem Buch
2.1 Die ökonomische Theorie der Familie
Im Allgemeinen beschäftigen sich neoklassische Theorien mit der Abwägung von Kosten und Nutzen des Individuums (Hill & Kopp 2013: 94). Becker (1981) geht in der ökonomischen Theorie der Familie davon aus, dass familiäre Entscheidungen nach dem ökonomischen Kosten-Nutzenkalkül getroffen werden (Blossfeld 2011: 57). Innerhalb der Familienökonomie stehen die Individuen zunächst vor der Frage, mit welchem potenziellen Partner sie ausgehen und wen sie heiraten sollen. Nach der Heirat stehen die Personen vor der Entscheidung, ob sie weiterhin mit dem Ehepartner zusammenleben oder sich scheiden lassen sollen (Hill & Kopp 2013: 94). Nach der Familiengründung stehen Familien vor dem Problem, wie sie knappe Güter, wie die Zeit, einsetzen sollen, um den bestmöglichsten Nutzen zu erhalten. Hier haben die Personen mehrere Handlungsmöglichkeiten. Sie können beispielsweise die Hausarbeit erledigen, die Freizeit genießen oder arbeiten gehen (Hill & Kopp 2013: 94). In der klassischen ökonomischen Theorie wird das Individuum als Konsument betrachtet, währenddessen das Individuum in der Familienökonomie als Produzent von sogenannten commodities angesehen wird, welche den Nutzen maximieren sollen. Unter commodities werden in Beckers Theorie Güter sowie Zustände verstanden, welche direkten Nutzen und Befriedigung erzeugen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den demografischen Wandel in Deutschland und definiert die Forschungsfrage, welche Faktoren das abweichende Geburtenverhalten in Ost- und Westdeutschland erklären können.
2 Theorie: Dieses Kapitel stellt theoretische Konzepte vor, darunter die ökonomische Theorie der Familie, den lebenslauftheoretischen Ansatz und Familienleitbilder, um die Grundlagen für die Analyse des Fertilitätsverhaltens zu legen.
3 Einflussfaktoren auf das Geburtenverhalten in Ost- und Westdeutschland: Hier werden empirische Daten und Forschungsbefunde zu familienpolitischen Maßnahmen, Infrastruktur, Leitbildern und Religion analysiert, um die regionalen Unterschiede im Geburtenverhalten zu begründen.
4 Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Ergebnisse zusammen und reflektiert die komplexe Interaktion von sozio-kulturellen Normen und strukturellen Rahmenbedingungen auf die Geburtenraten.
Schlüsselwörter
Geburtenverhalten, Demografischer Wandel, Ost-West-Unterschiede, Familienpolitik, Kinderbetreuung, Familienleitbilder, Kinderlosigkeit, Humankapital, Opportunitätskosten, Religiosität, Säkularisierung, Fertilität, Erwerbstätigkeit, Lebenslauf, Familiengründung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Ursachen für das unterschiedliche Geburtenverhalten in Ost- und Westdeutschland und analysiert, wie historische und soziologische Faktoren dieses beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder umfassen familienpolitische Rahmenbedingungen, die Verfügbarkeit von Kinderbetreuung, regionale Familienleitbilder sowie den Einfluss von Religion und Säkularisierung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Faktoren zu identifizieren, die das unterschiedliche Geburtenniveau und die Kinderlosigkeit in den beiden deutschen Regionen trotz der Wiedervereinigung bis heute erklären.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird ein theoretischer Rahmen aus der Familienökonomie und der Lebenslaufforschung genutzt, um aktuelle Forschungsergebnisse und empirische Daten zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung und eine detaillierte Analyse der Einflussfaktoren wie politische Rahmenbedingungen, Infrastruktur, Leitbilder und Konfession.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Fertilität, Familienleitbilder, demografischer Wandel, Kinderbetreuung und regionale Unterschiede beschreiben.
Warum spielt die DDR-Vergangenheit eine so große Rolle für heutige Geburtenzahlen?
Die DDR-Vergangenheit prägte durch ein flächendeckendes Betreuungssystem und das Leitbild der berufstätigen Mutter kulturelle Einstellungen, die bis heute fortbestehen und sich von den westdeutschen Werten unterscheiden.
Welche Rolle spielt die Kinderbetreuungsinfrastruktur konkret?
Eine ausgebaute Infrastruktur senkt das finanzielle Risiko und die Opportunitätskosten der Elternschaft, was insbesondere in Ostdeutschland den Übergang zur ersten Geburt erleichtert.
- Citation du texte
- Sophia Linten (Auteur), 2019, Das Geburtenverhalten in Ost- und Westdeutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/535697