Von der "res publica libera" zum "novus status" - Octavians Weg zur Alleinherrschaft


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

30 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Das Zweite Triumvirat als schweres innenpolitisches Erbe

3. Von „pietas“ zu „clementia“
3.1. Sieg über Sextus Pompeius
3.2. Octavian als vaterländischer Patron

4. Endkampf der Potentaten – von Actium zum „novus status“

5. Fazit

6. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einführung

Die vorliegende Hausarbeit hat sich zum Ziel gesetzt, Caius Octaviaus’ [im Folgenden: Octavian] Politikwandel zu erläutern, welcher für die Errichtung des Prinzipats unumgänglich war. Somit ist gleichsam eine Analyse des Zweiten Triumvirats nötig, welche im 2. Kapitel erfolgt, um Probleme aufzuzeigen, denen es zu begegnen galt. Hier werden besonders Spannungen sowohl resultierend aus den Veteranendeduktionen als auch den Proskriptionen eigens behandelt, die Octavian noch lange verfolgen sollen.

3.1. Sieg über Sextus Pompeius referiert über den „bellum Siculum“, wobei speziell die Entmachtung des Lepidus aufgezeigt wird, sodass das Reich fortan aus zwei Machtblöcken bestand, deren Herrscher um die Nachfolge Caesars rangen. Nach dem Sieg über den „Korsaren“ erklärte der junge Caesar die Bürgerkriege für beendet, was ihn gewissermaßen in die Pflicht nahm. Er hatte „republikkonformes“ Verhalten an den tag zu legen, sollte Senat und Volk sich hinter ihn stellen. Dies war anbetracht des Machtkampfes mit Antonius erforderlich, wie sich im Laufe der Hausarbeit zeigen wird. Erste Schritte, den „consensus universorum“ zu erreichen werden angesprochen, ehe 3.2. von Octavians Fürsorge/-Restaurationspolitik erzählt, was den Zuspruch im Westen weiterhin beförderte. Außerdem befasst sich genannter Unterpunkt mit dem illyrischen Krieg, mittels dessen der Großneffe Caesars zu Antonius endlich auch militärisch aufzuschließen vermochte. Darüber hinaus kommt die Ostpolitik des letztgenannten zur Sprache, welche sein Kontrahent genau so wie die Verbindung zu Kleopatra propagandistisch zu nutzen verstand. Weiterhin ist der Senat als Austragungsort der Differenzen von Interesse genau so wie die 36 Octavian zugesprochene „sacrosanctitas“.

4. Der Endkampf der Generäle – von Actium zum „novus status“ hat das Triumviratsende u.a. zum Gegenstand. Es wird erklärt. Warum Caesars „Sohn“ den Amt und Titel ablegte, Antonius dies aber nicht tat. Besonderes Augenmerk gilt dem Treueid als Geschäftsgrundlage, auf dessen Basis Octavian endlich die Entscheidung mit dem „Neos Dionysos“ suchen konnte. Jener hatte ihm durch seine Ostpolitik, das Verhältnis zur Ptolemäerin, die Scheidung von Octavia sowie nicht zuletzt sein Testament unbewusst Vorarbeiten geleistet, dass sein Gegenspieler sich mehr und mehr als Sachwalter des Römertums darstellen konnte. Somit ergibt sich eine kurze Analyse des 31 ausgebrochenen Krieges gegen Ägypten, welcher den Neubeginn des Freien Staates markieren sollte.

Dieser hatte seinen Grundstein – die Beachtung republikanischer Tugenden- explizit in den Jahren 29/28, welche im 5. Fazit näher betrachtet werden. Es wird noch einmal deutlich, dass nur ein Politikwandel, das klare Bekenntnis zu tradierten Strukturen, das spätere Prinzipat dauerhaft konstituieren konnte.

Sämtliche Quellenpassagen sind entnommen aus der Monographie von Klaus BRINGMANN/Thomas Schäfer[1], sofern nicht eigens daraufhin gewiesen wurde.

2. Das Zweite Triumvirat als schweres innenpolitisches Erbe

„Die Zeitgenossen erlebten das [Zweite] Triumvirat zunächst als eine Gewaltherrschaft, als Militärherrschaft und blutige Tyrannei, welche die Menschen, insbesondere die Angehörigen der einst regierenden Häuser, hinmordete und mit den ehrwürdigen Institutionen wie mit ausgedehnten Apparaturen umsprang, [...].[2] Aber wie konnte es überhaupt zu besagtem Dreimännerbündnis kommen und welche Probleme sollten sich für Octavian aus seiner Teilnahme ergeben, ehe der Schrecken erst im schicksalhaften Staatsakt des Jahres 27 v. Chr. sein (wirklich demonstratives) Ende fand, der „novus status“ mittels republikanischen Traditionen sich in der Prinzipatsverfassung ausformte? Gerade auf dem Hintergrund des Politikwechsels des jungen Caesar nach dem Sieg über Sextus Pompeis [im Folgenden: Sex. Pompeius] und der Entmachtung des Marcus Aemilius Lepidus [im Folgenden: Lepidus] ist eine kurze Analyse dieser despotischen Herrschaft nötig, wobei hinsichtlich des mir zu Verfügung stehenden Seitenumfangs auf eine Darstellung entscheidender Schlachten, explizit hierdurch bedingter kurzfristiger Machtverschiebungen innerhalb der Tripel-Diktatur etc. verzichtet werden muss. Im Fokus der Betrachtung stehen neben Ausführungen den „foedus Brundisium“ (40) sowie Vertrag von Misenum (39) betreffend weiterhin eine Bearbeitung der Proskriptionen, deren Konsequenz Octavian/Augustus wohl bis an sein Lebensende schließlich verfolgten. Außerdem wird der Vertrag von Tarent (37) genauer untersucht, da seine Verfügungen einen definitiven Verfassungsbruch bedeuteten.

Das Triumvirat wurde nach dreitägigen Verhandlungen auf einer Insel im Fluss Lavinius (nördlich von Bononia) von Marcus Antonius [im Folgenden: Antonius], Lepidus sowie Octavian Ende Oktober 43 beschlossen, ehe es am 27. November 43 durch ein Plebiszit des Volkstribun P. Titus Gesetzeskraft erhielt und bis zum 31. Dezember 38 zunächst dauern sollte. „Mit dem Wiederaufbau der pompeianischen Partei in Rom und der sich festigenden Macht des Brutus und Cassius im Osten wurden die [genannten] caesarianschen Führer unwiderstehlich zueinandergeführt.“[3] Zwar zogen die „tresviri rei publicae constituendae“ in erster Linie gegen die Caesarmörder, um Ruhe und Ordnung („otium“) wiederherzustellen sowie gemäß der „pietas“ den Tyrannenmord zu rächen, doch handelte es sich mitnichten um eine einträchtige Verbindung führender Militärs, denn zu groß war der Rivalitätskampf besonders zwischen Antonius und Octavian, welcher alsdann sein Ende nach Actium finden sollte. Hierüber konnten auch Abkommen oder gar Ehen nicht hinwegtäuschen.

Sollte Caesars Erbe noch ursprünglich von Marcus Tillius Cicero [im Folgenden: Cicero], der aber dessen Ehrgeiz wie so viele andere ebenso unterschätzt hatte, „instrumentalisiert“ gegen die Caesarianer werden, ergo für die Republik zu Felde ziehen, hatte Octavian diese letztlich verraten und sich mit dem ehemaligen „hostes publici“ verbündet. „Wenn es damals zu einem Triumvirat und nicht zu einer Zweierherrschaft kam, so lag der Grund darin, daß bei der Verfeindung zwischen Antonius und dem jungen Caesar ein Dritter als Mittler erwünscht, ja notwendig war.“[4] Im Kollegium hatte Octavian die ungünstigste Ausgangslage, wurden ihm doch die Provinzen Afrika, Sizilien, Sardinien und Korsika im Rahmen der verfügten Reichsaufteilung[5] zugesprochen, welche von Sex. Pompeius bedroht respektive von republikanischen Kräften gehalten wurden. Dennoch konnte die „res publica libera“ sich nicht gegen die Diktatur – trotz Antonius’ Ankündigung von 44, jene auf ewig zu verbannen, handelte es sich de facto um eine Willkürherrschaft – behaupten; ihr Untergang war nach der Doppelschlacht von Philippi (27. Oktober/16. November 42) besiegelt, wo auch Marcus Iunius Brutus [im Folgenden: Brutus] sowie Gaius Cassius Longinus [im Folgenden: Cassius] den Tod fanden. Nach dem Sieg, welcher hauptsächlich Antonius zu verdanken war, strebte jener und Octavian danach, die eigene Machtposition hinsichtlich des zu erwartenden Konflikts auszubauen, sodass sich erstgenannter der Neuordnung des Ostens, wo er 41 Kleopatra in Tarsos kennenlernte, zweitgenannter der seit jeher konfliktträchtigen Veteranenansiedlung (in Italien) annahm – hatten die Bürgerkriegsarmeen ihre Verbände primär aus den Reihen italischer Bauern sowie Landarbeiter rekrutiert – und seinen Krieg gegen Sex. Pompeius vorbereitete. Lepidus’ Stern hingegen befand sich hernach im Sinken.

Das öffentliche Bild Octavians sollte erneut durch anschließende Veteranendeduktion arg in Mitleidenschaft gezogen werden, doch wusste dieser um die zu erwartende Einflussmöglichkeit, sofern ihm Erfolg beschieden sein sollte. Probleme machte ihm weiterhin die Politik des Lucius Antonius [im Folgenden: L. Antonius] – jüngerer Bruder des Triumvirn –, der zusammen mit seiner Schwägerin Fulvia Caesars „Sohn“ auch mit Waffengewalt zu demontieren versucht, allerdings beide nach dem „bellum Perusinum“ (40) verbannt wurden.

18 italische Städte, welche die „tyrannoctoni“ mehr oder minder gezielt unterstützt hatten, mussten Grund und Boden abtreten, was weitreichende Folgen hatte. So führten die Enteignungen zu Agrarkrisen und destabilisierten die innenpolitische Lage, weil resultierend aus jenen Konfiskationen marodierende Horden umherzogen, welche von ihrem Hof getrieben worden waren. Weiterhin konnte Rom nur noch unzureichend mit Lebensmitteln versorgt werden, wofür sich dargelegte Produktionsausfälle in Verbindung mit Sex. Pompeius’ Seeblockade verantwortlich zeichneten. Darüber hinaus wuchs die „plebs urbana“ erheblich durch Flüchtlingsströme aus dem italischen Binnenraum an. Von den Expropriationen waren mindestens 100.000 Menschen betroffen. Ziel angesprochener Prozesse war u.a. eine Demobilisierung großer Truppenteile, weil das Militär sich immer mehr als eigenständiger politischer Faktor etabliert hatte. Hatte Octavian die einfachen Veteranen aus 28 Legionen hauptsächlich mittels entsprechender Landvergabe an sich gebunden, zu seiner Klientel gemacht, stellte er Offizieren einen Sitz in deren heimatlichem Stadtrat, verbunden mit zu erwartenden Karrierechancen (z.B. Aufstieg in den Ritterstand) in Aussicht und konnte hierdurch explizit in den italischen Munizipien eine feste Machtbasis begründen.

Kommen wir an dieser Stelle kurz zum verfassungsrechtlichen Charakter der Tripel-Diktatur. Diese trat wie gesagt durch das „lex Titia“ in Kraft und war als außerordentliche Magistratur gleichsam dem Prinzip der Befristung unterworfen, weshalb sie eigentlich mit der Vernichtung der republikanischen Kräfte hätte beendet werden müssen, aber von den Triumvirn mit Verweis auf (angeblich) immer noch existente Bedrohungen letztlich eigenmächtig verlängert wurde. Die Kollegen verstanden sich als autonome Staatsrepräsentanten „und entsprechend vollziehe sie selbstständig alle denkbaren Aufgaben, welche sonst die Magistrate allein bzw. gemeinsam mit dem Senat und gegebenenfalls auch unter Mitwirkung der Komitien wahrnehmen.“[6] Zwar war jene Institution dem Hohen Haus offiziell untergeordnet, doch konnte sie an ihm vorbei regieren aufgrund zugestandener Kompetenzen im sowohl „domi“- als auch „militiae“-Bereich sowie dem erdrückenden militärischen Potenzial. Der Senat wurde nur noch partiell in politische Entscheidungsfindungsprozesse eingebunden, war vielmehr zum einfachen Beschlussorgan degeneriert. Trotz einer faktischen Tyrannenherrschaft, in welcher die Triumvirn zumindest theoretisch gleichberechtigt waren, musste schon zu Beginn eine Distanzierung von der Diktatur erreicht werden, um die (aristokratische) Öffentlichkeit zu gewinnen. „Das [...] Amt stand jedenfalls formal nicht über dem Konsulat; es stand neben ihm, vermied dadurch das monarchische Äußere und distanzierte sich von Caesar, der seine monarchische Stellung zuletzt bewußt betont hatte.“[7]

Wie o.a. blieb dem Senat lediglich eine nachträgliche Sanktionierung von Verträgen, welche zusehends privaten Abkommen zwischen den Potentaten und anderen Parteien gleichkamen. Man versuchte jeweils die eigene Position zu verbessern, oder aber brisante Situationen zu deeskalieren. Hierzu gehörten ebenfalls der Vertrag von Brundisium bzw. Misenum, mit welchen das Volk große Hoffnungen verband, denn trotz des Sieges über die Caesarmörder, war es immer wieder zwischen Octavian und Antonius zu Auseinandersetzungen gekommen, die womöglich zu einer Reichsteilung führen könnten. So versöhnten sich beide Machthaber im „foedus Brundisium“ und fassten „[a]ls künftige Aufgaben [...] für Antonius de[n] Partherkrieg, für Octavian de[n] Ausgleich mit oder, falls das scheitern sollte, die Bekämpfung des Sextus Pompeius [...]“[8] ins Auge. Mittlerweile war der General ein Bündnis mit Sex. Pompeius eingegangen und wollte bei Brundisium gegen Caesars Erben ziehen, was allerdings durch die Weigerung der Soldaten beider Lager verhindert wurde, anschließend in entsprechenden Verhandlungen endete. So kam man über eine Neuaufteilung der Provinzen zwischen den Triumvirn überein und leitete die politische Irrelevanz Lepidus’ ein, welche sich in Gebietszuweisungen konkretisierte. Außerdem verabschiedete man das Recht, dass Octavian und Antonius in Italien Truppen ausheben durften. „Von den weiteren Abmachungen ist die Absprache über die Konsulate der folgenden Jahre hervorzuheben und die Tatsache, daß der neue Pakt [...] auch durch eine politische Ehe besiegelt wurde, Antonius nahm Octavians Schwester Octavia zur Frau.“[9] Octavian erhielt den Westteil des Staates, bis auf Afrika, das weiterhin Lepidus verwalten sollte und Antonius bekam den Osten zugesprochen, wobei er gleichzeitig seinen Anspruch auf Gallien aufgab. Dennoch hatte sich das Tri- nunmehr faktisch zum Duovirat entwickelt.

Hatten beide verbliebenen Machtfaktoren zunächst einen Ausgleich erreicht, sollte der Frieden nicht von langer Dauer sein, denn bereits 39 verfügte Sex. Pompeius erneut Überfälle, was letzten Endes die Getreideversorgung vehement störte. Resultierend hieraus baute sich großer öffentlicher Druck auf, dem die Triumvirn in Form des Vertrags von Misenum zu begegnen hatten. Man machte dem „Korsaren“ Zugeständnisse und zu einem unabhängigen „perfectus classis et orae maritimae“. Das Volk glaubte schließlich an ein Ende der Bürgerkriege. Antonius konnte die jetzt nicht mehr gebundenen Verbände gegen die immer bedrohlicher werdende Partheroffensive unter Pacoras und Q. Labienus einsetzen, wohingegen Octavian sich daran machte, eine eigene Seeherrschaft zu begründen, worauf 3.1. näher eingeht. Jedoch konnten die Feldherrn es sich eingedenk des Machtkampfes nicht leisten, einen gegebenen Frieden anzuerkennen, da dies früher oder später den kompletten Verlust ihrer außerordentlichen Amtsgewalten, in letzter Konsequenz Aufgabe jeweiliger Oberkommandos bedeutet hätte. Deshalb kam es zum Vertrag von Tarent, wo die Diktatur verfassungswidrig eigenwillig von Octavian und Antonius bis zum 31. Dezember 33 verlängert wurde mit Verweis auf vermeintliche außenpolitische Bedrohungen, welche man einerseits in Sex. Pompeius andererseits in den Parthern vorgab, ausmachen zu können. Antonius schien die kommende Entmachtung des Lepidus’, den er seinerzeit als direkten Verbündeten ins Dreimännerbündnis geholt hatte, bereits zu akzeptieren. „Die in dem folgenden Jahre 36 von beiden Triumvirn geführten Kriege waren Abwehrkämpfe und als solche vom Standpunkt der Sicherheit des Reiches notwendig und gerechtfertigt“[10] , auch wenn Antonius’ in seinem Vorgehen gegen die Parther wohl eher einer konstruierten Gefahrenlage begegnete, welche er nicht zuletzt propagandistisch nutzen wollte. Waren die octavianischen Flottenrüstungen des Winters 38/37 schon weit vorangeschritten, benötigte der junge Caesar trotzdem noch antonianische Schiffe, welcher seinerseits Landtruppen hinsichtlich seiner Operationen im Osten bedurfte, weshalb er einem Tausch zustimmte und sich somit ebenfalls elegant des ohnehin hierfür nutzlosen wie äußerst kostspieligen Kontingents entledigte. Im Gegenzug für die überantworteten 120 Schiffe sollte Antonius 20.000 Mann erhalten, welche jedoch nie ihm unterstellt wurden. Des weiteren sprach man Sex. Pompeius neben der Priesterwürde das bereits zugesicherte Konsulat ab und besiegelte erneut das Abkommen anhand einer Verlobung von Octavians Tochter Julia mit Antonius’ Sohn aus erster Ehe mit Fulvia, Antyllus. Caesars Erbe hatte durch den Abschluss freie Hand für den „bellum Siculum“ bekommen, weil sein Kontrahent den „Seeräuber“ fallengelassen hatte, nachdem er noch auf die Wahrung der 39 geschlossenen Regelungen strikt hingewiesen hatte. „Die Fortführung der triumviralen Vollmachten über das in der »lex Titia« [Hervorhebung im Original, D.M.] festgelegte Enddatum hinaus und die Erneuerung des Triumvirats ohne Befragen des Volkes machen noch einmal deutlich, daß das Triumvirat eine reine Gewaltherrschaft war“[11] , welche besonders Octavian hinsichtlich des verfolgten „novus status“ vor große innenpolitische Probleme stellen sollte, die im späteren Verlauf näher beleuchtet werden.

Abschließend sei auf die Proskriptionen eingegangen, welche ebenfalls ein schweres Erbe bedeuteten. Diese fanden im Rahmen des „lex Pedia“ statt, welches 43 erlassen wurde und die Bestrafung aller „tyrannoctoni“ vorsah.[12] Gerade seine Mitverantwortung am staatlichen Terror konnten viele Aristokraten nicht nachvollziehen, mochten sie auch Rache als Gebot der „pietas“ akzeptieren. Octavian hatte sich gegenüber dem Senat kompromittiert, obgleich seine Rolle selbst heute nicht vollends erschlossen ist.[13] Die öffentlich ausgehängten Geächtetenlisten sollten neben ihrem Vorgehen gegen mögliche oppositionelle Kräfte in erster Linie die caesariansche Kriegskasse auffüllen, um nötige Ressourcen für den bevorstehenden Kampf gegen Brutus und Cassius zu haben, welche sich im Osten festgesetzt hatten und dringend benötigte Zahlungen für sich verwendeten. „Proskribiert wurden diesmal insgesamt rund 300 Senatoren und 2.000 Ritter, in erster Linie Mitglieder der alten Senatsaristokratie, die Anhänger des Cn. Pompeius und dessen Sohnes Sextus, daneben aber auch jetzt wieder Männer, denen einzig ihr Reichtum zum Verhängnis wurde.“[14]

Obgleich viele auch unschuldig waren, wurden sie häufig von Caesarianern, Opportunisten, Geltungssüchtigen oder geheimen Feinden angezeigt, sodass die ohnehin größtenteils dezimierte Führungsschicht, welche allerdings für Aufgaben sowohl im militärischen als auch administrativen Bereich benötigt wurde, weiterhin zusammenschmolz. Dies formte sich später für Octavian zu einer großen Aufgabe aus, wurde aber mittelfristig von den Triumvirn kompensiert, indem sie kurzerhand beispielsweise das Hohe Haus mit (unfähigen) Anhängern beschickten, die von der alten Nobilität nicht respektiert wurden, aber die despotische Sache unterstützten. „Die Proskiptionen bedeuteten [beinahe] das physische Ende der alten Aristokratie; was übrig blieb, war zur Übernahme der Regierung schon zahlenmäßig nicht mehr in der Lage.“[15] Darüber hinaus wurde die Wirtschaftsstruktur Italiens sowie seine Immobilienpreise durch die Konfiskationen in Mitleidenschaft gezogen, welche ihrerseits zu schon erläutertem Straßenräuberwesen führten. Erst nach Philippi nahm der Terror ab, vor dem speziell viele Vornehme Richtung Osten oder zu Sex. Pompeius geflohen waren.[16] Als einziges Opfer konsularischen Rangs wurde Cicero am 7. Dezember 43 von Häschern Antonius’ festgesetzt und anschließend liquidiert. Ein Vorbild hatten die Ächtungen in denjenigen Sullas. Im Gegensatz zu ihnen waren sie aber verhältnismäßig „humaner“.

„Der römische Bürger in Italien war keiner Besteuerung direkter oder indirekter Art unterworfen. Aber jetzt mußte Rom und Italien die Kosten des Bürgerkriegs [wie schon erklärt] in Geld und Grundbesitz bezahlen. Es gab für die Caesarianer keine andere Geldquellen mehr, denn die westlichen Provinzen waren völlig verarmt, und die Einnahmen der östlichen waren in der Hand der Republikaner.[17] Somit beschlossen die Triumvirn eine Abgabe auf das Vermögen reicher Damen der Gesellschaft, was aber zu breiten Protesten führte. Hernach wurde die Zahl der zu Besteuernden verringert.

[...]


[1] BRINGMANN, Klaus . /Schäfer, Thomas: Augustus und die Begründung des römischen Kaisertums. Berlin 2002.

[2] BLEICKEN, Jochen: Zwischen Republik und Prinzipat: zum Charakter des Zweiten Triumvirats. Göttingen 1990, S.61.

[3] SYME, Ronald: Die römische Revolution. Machtkämpfe im antiken Rom. Stuttgart 2003, S.195.

[4] KIENAST, Dietmar: Augustus. Prinzeps und Monarch. Darmstadt 1999, S.37.

[5] vgl. für eine Darstellung jeweils zugeordneter Provinzen exemplarisch ebda, S.38.

[6] BLEICKEN: Zwischen, S.19.

[7] ebda, S.50.

[8] ders.: Augustus. Eine Biographie. Berlin 2000, S.199.

[9] CHRIST, Karl: Krise und Untergang der Römischen Republik. Darmstadt 2000, S.443.

[10] BLEICKEN: Biographie, S.221.

[11] KIENAST: Prinzeps, S.53.

[12] BLEICKEN: Biographie, S.133.: „Das Pedische Gesetz ordnete an, für alle an der Mordtat Beteiligten ein besonderes Tribunal zu erreichten, und legte die Todesstrafe für diejenigen fest, die überführt wurden, sowie die Einziehung ihres Vermögens und Belohnungen für diejenigen, die sie aufspürten. Den Vorsitz übernahem Octavian selbst; an einem einzigen Tag ließ er sämtliche Mörder in Abwesenheit aburteilen.“

[13] Bei Sueton Aug. 27. ist beispielsweise nachzulesen, dass Octavian versucht hatte, sich dem Drängen seiner Kollegen zu verschließen, aber dennoch schließlich nachgeben musste.

[14] CHRIST: Krise, S.434.

[15] BLEICKEN, Jochen: Geschichte der Römischen Republik. München 1992, S.91f.

[16] vgl. für eine kurze Darstellung des Schicksals einzelner Proskribierter exemplarisch SYME: Revolution, S.199-203.

[17] ebda, S.203.

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Von der "res publica libera" zum "novus status" - Octavians Weg zur Alleinherrschaft
Hochschule
Technische Universität Darmstadt  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
"Custode rerum Caesare" - Kaiser Augustus und der Beginn der römischen Kaiserzeit
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
30
Katalognummer
V53571
ISBN (eBook)
9783638489867
Dateigröße
575 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die vorliegende Hausarbeit thematisiert Octavians Weg zur Autokratie, wobei besonderes Interesse wegweisenden Ereignissen der Herrschaft unter dem Zweiten Triumvirat, seiner Auseinandersetzung mit Sex. Pompeius, dem sich immer mehr verschärfenden Konflikt mit Antonius und dem Endkampf mit Antonius gilt. Außerdem wird die Innen- /Außenpolitik nach dem Sieg im 'bellum Siculum' von en détail analysiert, was im Treueid gipfelte - Octavian hatte sich als Mandatar des italischen Volkes positionieriert
Schlagworte
Octavians, Alleinherrschaft, Custode, Caesare, Kaiser, Augustus, Beginn, Kaiserzeit
Arbeit zitieren
Daniel Mielke (Autor), 2005, Von der "res publica libera" zum "novus status" - Octavians Weg zur Alleinherrschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53571

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