Warum Deutschland? Arbeitsmigration von Frauen aus Mittel- und Osteuropa im Bereich der personen- und haushaltsnahen Dienstleistungen


Ausarbeitung, 2018

7 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

1. Einleitung

In dieser Ausarbeitung soll es um das Thema Arbeitsmigration im Bereich personen- und haushaltsnahen Dienstleistungen gehen. Es soll im Verlauf die Frage beantwortet werden, warum osteuropäische Frauen nach Deutschland immigrieren um z.B. als live-in Pflege zu arbeiten. Dabei soll besonders auf die Push- and Pull Faktoren eingegangen werden, sowie auf das Profil der Arbeiterinnen. Das Pflegesystem in Deutschland geht eigentlich auf die Prämisse zurück, dass sich die Angehörigen um die pflegebedürftigen Verwandten kümmern (Vgl. Lutz & Palenga- Möllenbeck 2015:184). Da dies nicht möglich ist findet die Pflege außerfamiliär statt (Vgl. Frings 2010: 57).

Durch den demographischen Wandel gibt es bei fast allen Industrieländern eine Veränderung der Geburten- und Sterberate, vor allem müssen immer mehr Personen gepflegt werden (Vgl. Frings 2010: 58). Damit einher geht seit den 1990er Jahren der Umbau des Sozialstaates, wichtiges Element dessen ist die Mobilisierung der qualifizierten Frauen, sowie die Senkung der Arbeitskosten und Entwicklung eines Niedrig- Lohn Sektors (Vgl. Frings 2010: 59). In Deutschland gibt es einen Mangel an Arbeitnehmern die eine zureichende Qualifikation für den Bereich personen- und haushaltsnahen Dienstleistungen vorweisen können, es gibt jedoch einen hohen Bedarf der nicht gedeckt werden kann, hier gewinnen die EU- Migrantinnen an Bedeutung (Vgl. Frings 2010: 59).

2. Rechtliche Eingrenzung

Eine Pflegekraft oder Haushaltshilfe aus den MOE- Staaten kann im Grunde jeder Pflegebedürftige als Arbeitsnehmer beschäftigen, dabei sind ein paar Besonderheiten rechtlich geregelt (Vgl. Husmann 2010: 31).

Um in Deutschland arbeiten zu können brauchen die Arbeiterinnen eine Arbeitsgenehmigung, diese wird alleine von der Bundesagentur für Arbeit erteilt (Vgl. Husmann 2010: 33). Es gibt zum einen die befristete und unbefristete Arbeitserlaubnis- EU, dabei muss man unterscheiden ob die Personen einen Wohnsitz im Aus- oder Inland haben (Vgl. Husmann 2010: 33).

Bei der Arbeitserlaubnis- EU mitgewöhnlichen Aufenthalt im Inland wird nicht zwischen qualifizierten und nicht qualifizierten Arbeitnehmern unterschieden, dafür gibt es andere Voraussetzungen (Vgl. Husmann 2010: 34). Zum einen darf es keine nachteiligen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt geben, dies ist jedoch die einfachste Voraussetzung, da es in Deutschland Engpässe im Bereich Personen-und haushaltsnahen Dienstleistungen gibt (Vgl. Husmann 2010: 34). Eine weitere Voraussetzung ist, dass es keine Verfügbarkeit bevorrechtigter Arbeitnehmer geben darf, das wären zum Beispiel Personen aus Zypern, Malta, Norwegen, Island, Liechtenstein und die Schweiz, dies liegt zum einen an der Lage (europäischer Wirtschaftsraum) und Abkommen zwischen den Ländern (Vgl. Husmann 2010: 34f.). Gleichzeitig gilt aber die Gemeinschaftspräferenz, wodurch die MOE- Staaten einen Vorrang gegenüber Drittstaaten inné haben (Vgl. Husmann 2010: 35). Weitere Voraussetzungen sind, dass die osteuropäischen Arbeitnehmer keine schlechteren Arbeitsbedingungen erfahren dürfen als deutsche Arbeitnehmer, sie eine Beschränkung auf eine bestimmte Beschäftigung erteilt bekommen und die Dauer festgelegt wird (Vgl. Husmann 2010: 35ff.).

3. Push und Pull Faktoren osteurop ä ischer Pflegekr ä fte und Haushaltshilfen

Arbeitskräfte aus den MOE- Staaten bieten eine Alternative zu den deutschen Pflegekräften, auch bei einer regulären Tätigkeit bieten sie ihre Leistungen günstiger an als die inländischen Pflegedienste, wodurch sie trotz bürokratischen Aufwand für viele Pflegebedürftige und Angehörige attraktiv werden (Vgl. Husmann 2010: 30). Gleichzeitig ist das Ansehen bei beispielsweise älteren polnischen Frauen in der Care- Arbeit sehr hoch, deutsche Arbeitgeberinnen sehen diese als gute Wahl für eine live-in- Pflege an (Vgl. Lutz & Palenga- Möllenbeck 2015: 189). Osteuropäische Pflegekräfte, die durch transnationale Agenturen vermittelt wurden, bieten den Arbeitgebern Flexibilität, Bezahlbarkeit und sind legal, sie profitieren dabei von der rechtlichen Sicherheit und dem Entgelt (Vgl. Lutz & Palenga- Möllenbeck 2015: 187). Eine Arbeitskraft aus den MOE- Staaten ist für die Angehörigen oft die einzige Alternative zu den häufig teureren Möglichkeiten wie z.B. ein Pflegeheim (Vgl. Lutz & Palenga-Möllenbeck 2015: 188).

Doch nicht nur von den Einzelpersonen geht ein Trend hin zu osteuropäischen Pflegekräften, Deutschland hat einen Mangel an Arbeitnehmern in diesem Bereich (Vgl. Frings 2010: 59), zusätzlich sieht das Pflegesystem vor, dass sich Angehörige um die Pflegebedürftigen kümmern, was zum Teil nicht mehr geleistet werden kann (Vgl. Lutz & Palenga- Möllenbeck 2015:184). Der Großteil der Löhne von osteuropäischen Pflegekräften stammt außerdem aus den staatlichen Beihilfen für „pflegende Angehörige", damit bietet sich die Möglichkeit die Arbeitsmigration zu verschleiern und das Bild der familiären Pflege aufrechtzuerhalten (Vgl. Lutz & Palenga-Möllenbeck2015: 194).

In der Regel besitzen die Migranten aus den MOE- Staaten die in Deutschland als Haushaltshilfe arbeiten eine hohe Qualifikation, sie haben zum Teil sogar einen akademischen Abschluss (Vgl. Frings 2010: 61). Der Hauptfaktor für die Frauen in Deutschland zu arbeiten ist ihren Kindern eine hochwertige Ausbildung bieten zu können und die Lebensgrundlage zu verbessern, doch gleichzeitig spielt auch das eigene Interesse der Verwertung und Verwirklichung der eigenen Qualifikation eine große Rolle (Vgl. Frings 2010: 62).

Die Frauen aus den MOE- Staaten wollen in der Regel eine Beschäftigung ausüben die sie interessiert und in welcher sie ihre Begabungen verwirklichen können, zu dem sehen die häuslichen Pflichten lockerer als vielleicht eine deutsche Frau, für sie ist es selbstverständlicher Erwerbsarbeit, Kindererziehung und restliche familiäre Arbeit zu vereinbaren (Vgl. Frings 2010: 62). Ein weiterer wichtiger Faktor stellt der Wechsel vom planwirtschaftlichen zum marktwirtschaftlichen Gesellschaftssystems dar, damit einhergehen hohe Arbeitslosenraten, Perspektivlosigkeit, niedrige Löhne etc. (Vgl. Frings 2010: 62).

Die Migrantinnen aus den MOE- Staaten sehen ihren Beruf nur als Übergangssituation und als eine Möglichkeit keinen sozialen Abstieg zu erleben, da sie wenigstens hier Arbeit haben, dies führt zu einer Akzeptanz gegenüber den schlechten deutschen Arbeitsbedingungen und dem Entgelt im Bereich der haushaltsnahen Dienstleistungen (Vgl. Frings 2010: 62f.).

Den Migrantinnen wurden somit viele verschiedene Eigenschaften zugeschrieben, die teils auch gegensätzlich sind, dies lässt darauf rückschließen, dass es mehrere Typen gibt. Diese Typen sollen nun weiter erörtert werden.

4. Typenbildung nach Karakayali

Karakayali unterteilt die osteuropäischen Arbeitsmigrantinnen in vier Typen. Der erste Typ verbindet Haushaltsarbeit mit einer Dequalifizierungserfahrung (Vgl. Karakayali 2010: 282). Die Frauen haben oftmals keine richtige Platzierung in der deutschen Gesellschaft, ihre Pläne und Wünsche wurden nicht erfüllt und sie leiden an der Migration, es gibt im Grunde eine soziale Desintegration (Vgl. Karakayali 2010: 282). Die Arbeit im Haushalt bedeutet einen Statuswechsel der sich durch den prekären Aufenthalt und der Ausübung einer stigmatisierten Tätigkeit ausdrückt (Vgl. Karakayali 2010: 283). Die Frauen diesen Typus sehen sich reduziert auf ein weibliches Arbeitsvermögen und setzen die Arbeit im Haushalt damit gleich, als sei ihnen ihre Professionalität aberkannt worden (Vgl. Karakayali 2010: 283). Der zweite Typ sieht Haushaltsarbeit als Passage zur transnationalen Berufskarriere an, ist damit also das genaue Gegenteil zum ersten Typus. Die Arbeitsmigrantinnen die diesem Typus zugehörig sind haben ein sehr pragmatisches Verhältnis zu ihrer Arbeit (Vgl. Karakayali 2010: 283). Sie sehen ihre Tätigkeit nur als eine Passage an, die sich für den individuellen Lebensentwurf positiv auswirkt (Vgl. Karakayali 2010: 283). Sie sehen die Tätigkeit in Deutschland als Sprungbrett um eine Statuserhöhung zu erleben, gleichzeitig unterhalten sie ein großes Netzwerk, daher widerfahren ihnen auch keine Dequalifizierung wie bei dem ersten Typus (Vgl. Karakayali 2010: 283f.).

Die Frauen die dem zweiten Typus zugehörig sind sehen Haushaltsarbeit als Bedingung eines biographischen Neuanfangs, auch diese Frauen haben eine pragmatische Haltung gegenüber der Arbeit (Vgl. Karakayali 2010: 284). Die Hausarbeit ist bei Ihnen nur ein Mittel eines übergeordneten Zwecks, mit Möglichkeiten das Leben in der Migration zu erfüllen, die Arbeit ist hier nur Gelderwerb (Vgl. Karakayali 2010: 284).

Die Frauen des letzten Typus sehen Hausarbeit nur an um sich ein besseres Überleben zu sichern, auch sie haben eine pragmatische Haltung der Arbeit gegenüber (Vgl. Karakayali 2010: 284). Sie wollen ihre Lebenssituation in Deutschland verbessern und kommen irregulär nach Deutschland (Vgl. Karakayali 2010:285).

[...]

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Warum Deutschland? Arbeitsmigration von Frauen aus Mittel- und Osteuropa im Bereich der personen- und haushaltsnahen Dienstleistungen
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
7
Katalognummer
V535807
ISBN (eBook)
9783346142511
Sprache
Deutsch
Schlagworte
warum, deutschland, arbeitsmigration, frauen, mittel-, osteuropa, bereich, dienstleistungen
Arbeit zitieren
Mandy Haas (Autor), 2018, Warum Deutschland? Arbeitsmigration von Frauen aus Mittel- und Osteuropa im Bereich der personen- und haushaltsnahen Dienstleistungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/535807

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Warum Deutschland?  Arbeitsmigration von Frauen aus Mittel- und Osteuropa im Bereich der personen- und haushaltsnahen Dienstleistungen



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden