Das Thema des Projektes befasst sich mit der Vorbereitung und Durchführung eines Osterbrunches. Hierzu sollen die SchülerInnen im Rahmen ihrer individuellen Möglichkeiten an der Planung und Vorbereitung beteiligt sein und aktiv daran teilnehmen. Im Vordergrund des Projektes stand, dass die SchülerInnen bei der Durchführung der Unterrichtseinheiten zur Selbsttätigkeit befähigt werden sollten. Der Schwerpunkt war aber nicht der religiöse Rahmen, da dieser bereits im Religionsunterricht behandelt wird, sondern das bewusste Erleben des Zeitabschnittes zwischen Fasching und Ostern, welches mit dem Produkt Osterbrunch abschließt.
Laut MÜHL (in PITSCH 1998, S. 310), lässt sich der handlungsorientierte Unterricht in die „Situationsfelder“ Fest und Feier-Öffentlichkeit-Natur sowie Zeitliche Orientierung einordnen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Thematischer Rahmen
2.1 Thema der Unterrichtseinheit
2.2 Thema der Unterrichtsstunde
2.3 Stellung der Stunde
3. Schülerbeschreibung
3.1 Klassensituation
3.2 Vorstellung der einzelnen Schüler und Schülerinnen
3.3 Lernvoraussetzungen für Stunde
4. Sachanalyse
5. Didaktische Analyse
5.1 Stellung der Stunde in der Unterrichtseinheit
5.2 Überlegungen zur Stunde
5.3 Lehrziele
6. Methodische Überlegungen
7. Reflexion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit dokumentiert und reflektiert eine Unterrichtsstunde im Rahmen eines Projektes, bei dem eine Mittelstufenklasse für geistig behinderte Schülerinnen und Schüler einen Osterbrunch vorbereitet und durchführt. Das primäre Ziel besteht darin, durch eine Einzelfördermaßnahme die Selbstständigkeit eines Schülers beim Einkauf im Supermarkt zu fördern und seine Handlungskompetenzen im Alltag zu stärken.
- Handlungsorientierter Unterricht bei Schülern mit geistiger Behinderung
- Förderung der Selbstständigkeit und Alltagskompetenz durch gezielte Einkaufsprojekte
- Bedeutung des Normalisierungsprinzips im pädagogischen Kontext
- Methoden der individuellen Schülerbeschreibung und Lernstandserfassung
- Reflexion der Rolle der Lehrkraft und der Bedeutung von Inklusion im öffentlichen Raum
Auszug aus dem Buch
3.2 VORSTELLUNG DER EINZELNEN SCHÜLER UND SCHÜLERINNEN
Zur Zeit werden in der Mittelstufe zwei Mädchen und sechs Jungen beschult. In den folgenden Abschnitten werde ich die beschriebenen Schüler/innen mir ihren Initialen benennen. Die Klasse ist allgemein als ruhig und ausgeglichen zu beschreiben, innerhalb der Gruppe gibt es kaum Konflikte. Dies ist möglicherweise auch darauf zurückzuführen, dass es insgesamt nur vier sprechende sowie einen Lautsprachebegleitende Gebärden benutzenden Schüler und drei schwer bzw. schwer mehrfach beeinträchtigte Schüler/innen gibt. Es gibt in der Klasse keine SchülerInnen, die durch ihr Verhalten den Unterricht im besonderen beeinträchtigen könnten.
Carolina, 13 Jahre
C. ist an einer frühkindlicher Abscence-Epilepsie mit attaktischer Bewegungsstörung und psychomotorischer Entwicklungsverzögerung in Verbindungen mit Wahrnehmungs- und Konzentrationsstörungen erkrankt, welches im Alltag durch gelegentliches Zittern ersichtlich ist.. Innerhalb der Gruppe hat sie einen festen Platz. Wünsche und Bedürfnisse kann sie sprachlich angemessen zum Ausdruck bringen und mit gesetzten Grenzen umgehen.. Ihren Mitschülern gegenüber ist sie hilfsbereit. Bei schlechter Verfassung reagiert sie auf Überforderung oder Konflikte mit Weinen und benötigt für sich Zeit, um sich zu erholen. In der Gruppe hat sie in M. einen festen Spielpartner. C. zeigt eine große Lern- und Arbeitsbereitschaft. Eine kurze Aufforderung genügt, um sie zur Teilnahme am Unterricht zu bewegen. Benötigte Arbeitsmaterialien legt sich das Mädchen selbstständig zurecht. Arbeitsaufträge erfüllt sie je nach Können und Wissensstand motiviert und nach ihren Möglichkeiten in Eigenarbeit. C. ist in der Lage, angemessen um benötigte Hilfestellungen zu bitten. Im Bereich der Selbstversorgung (Nahrungsaufnahme, Körperpflege, Sauberkeit, Sorge für sich selbst) ist das Mädchen sehr selbständig. Hauswirtschaftliche Aufgaben werden von ihr gerne übernommen, sie verfügt über gewisse Grundfertigkeiten für das Verarbeiten von Nahrungsmitteln (z.B. Schneiden von Nahrungsmitteln) und dem Bedienen unter Anleitung einfacher elektrischer Haushaltsgeräte (z.B. Handrührgeräte).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Einrichtung Lebenshilfe X. vor, skizziert deren Dienste und erläutert die pädagogische Bedeutung der Mittelstufe sowie den Ursprung des Projektes "Osterbrunch".
2. Thematischer Rahmen: Das Kapitel erläutert den handlungsorientierten Projektansatz, bettet ihn in "Situationsfelder" ein und listet die zehn Unterrichtseinheiten des Projektes auf.
3. Schülerbeschreibung: Hier werden die Klassensituation, die individuellen Förderbedarfe der acht Schülerinnen und Schüler sowie die spezifischen Lernvoraussetzungen des für die beobachtete Stunde ausgewählten Schülers dargelegt.
4. Sachanalyse: Dieses Kapitel analysiert das Projekt unter Berücksichtigung des Normalisierungsprinzips und definiert die für einen selbstständigen Einkauf notwendigen fachlichen und sozialen Kompetenzen.
5. Didaktische Analyse: Die didaktische Analyse begründet die Auswahl der Unterrichtsstunde innerhalb der Einheitsstruktur, erläutert die Zielsetzung und definiert konkrete Grob- und Feinziele für den Lernfortschritt des Schülers.
6. Methodische Überlegungen: Es werden die für die Unterrichtsstunde notwendigen Materialien, der geplante Ablauf sowie die methodischen Entscheidungen für die Einzelfördermaßnahme beschrieben.
7. Reflexion: Dieses Kapitel wertet den Verlauf der Unterrichtsstunde aus, reflektiert das Erreichen der gesetzten Ziele und diskutiert eine kritische Situation an der Supermarktkasse hinsichtlich des Themas Integration.
Schlüsselwörter
Handlungsorientierter Unterricht, Geistige Behinderung, Osterbrunch, Selbstständigkeit, Einkaufstraining, Normalisierungsprinzip, Einzelförderung, Alltagskompetenz, Mittelstufe, Inklusion, Förderbedarf, Projektunterricht, Sozialkompetenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit dokumentiert ein schulisches Projekt, bei dem Schüler einer Mittelstufenklasse für geistig behinderte Kinder einen Osterbrunch vorbereiten und dabei insbesondere Alltagskompetenzen trainieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf handlungsorientiertem Unterricht, der Förderung der Selbstständigkeit von Schülern mit geistiger Behinderung, dem Transfer von Wissen in reale Alltagssituationen wie den Einkauf und der pädagogischen Reflexion dieser Prozesse.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist die Befähigung eines Schülers zur eigenständigen Durchführung eines Einkaufs im Supermarkt, um dadurch dessen Selbstvertrauen zu stärken und seine Handlungskompetenzen für den Alltag außerhalb der Schule zu erweitern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einem handlungsorientierten pädagogischen Ansatz, der durch eine Sachanalyse und didaktische Begründung gestützt wird, sowie auf einer reflektierenden Beobachtung der Unterrichtspraxis.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die detaillierte Schülerbeschreibung, die Analyse der Anforderungen des Einkaufens unter Berücksichtigung des Normalisierungsprinzips, die didaktische Planung der konkreten Unterrichtsstunde sowie deren methodische Umsetzung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Handlungsorientierter Unterricht, Geistige Behinderung, Selbstständigkeit, Einkaufstraining, Normalisierungsprinzip und Einzelförderung.
Warum wurde für das Einkaufstraining eine Einzelsituation gewählt?
Die Einzelsituation wurde gewählt, um dem Schüler durch die exklusive Aufmerksamkeit der Lehrkraft die notwendige Sicherheit zu geben, den Einkauf selbstständig zu bewältigen und ihn somit gezielt in seinem Selbstbewusstsein zu stärken.
Wie wird mit der kritischen Situation an der Kasse umgegangen?
Die Autorin reflektiert die unfreundliche Reaktion der Verkäuferin als ein Beispiel für mangelnden Respekt gegenüber "andersartigen" Menschen in der Öffentlichkeit und thematisiert dies im Kontext des integrationspädagogischen Auftrags.
- Quote paper
- Katrin Klemme (Author), 2005, Die Mittelstufe lädt zum Osterbrunch ein, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53628