Blockchain Technologie. Chancen und Potenziale in der Immobilienwirtschaft


Bachelorarbeit, 2019

49 Seiten


Leseprobe

Inhalt

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Einführung
1.2 Hintergrund
1.3 Methodik

2 Digitalisierung in der Immobilienbranche
2.1 Proptech
2.2 Affinität und Abgrenzung zu anderen digitalen Technologien
2.2.1 Big Data
2.2.2 Das Internet der Dinge
2.2.3 Künstliche Intelligenz

3 Grundlagen der Blockchain-Technologie
3.1 Allgemeine Grundlagen der Blockchain-Technologie
3.1.1 Definition und Terminologie
3.1.2 Distributed Ledger Technology
3.2 Blockchain
3.2.1 Blockchain-Klassifikation
3.2.2 Anwendungsfälle der Blockchain-Technologie
3.3 Kryptologische Grundlagen
3.3.1 Private-Keys & Public-Keys
3.3.2 Bitcoin
3.3.3 Token
3.3.4 Ethereum
3.3.5 Hashfunktionen
3.3.6 Merkle Trees
3.3.7 Double Spending
3.3.8 Konsensmechanismen
3.3.9 Proof of Work (PoW) und Proof of Stake (PoS)
3.4 Smart Contracts
3.4.1 Dezentrale Applikationen
3.4.2 Dezentrale autonome Organisationen
3.5. Initial Coin Offering

4. Blockchain-Startups in der Immobilienbranche
4.1 Blockchain-Startups ohne ICO
4.2 Anwendungsbereiche in der Immobilienbranche
4.2.1 Grundbuchverwaltungen
4.2.2 Immobilienvermietung

5. Blockchain in der Grundbuchverwaltung
5.1. Grundbuchverwaltung in Deutschland
5.2 Project Hurricane
5.3 Pilotprojekte: Weltweit
5.3.1 Georgien
5.3.2 Ghana
5.3.3 Indien
5.3.4 Vereinigte Arabische Emirate
5.4 Kritische Untersuchung der Blockchain-Grundstücksregistration

6. Blockchain im Kaufmännischen Gebäudemanagement
6.1 Blockchain in der Vermietung von Immobilien
6.1.1 Flip

7. Zusammenfassung der Ergebnisse

Literatur- und Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: PropTech Unternehmen in Deutschland

Abbildung 2: Netzwerkarten

Abbildung 3: Funktionsweise der Blockchain

Abbildung 4: Typologie des Tokens

Abbildung 5: Aufbau eines Merkle-Trees

Abbildung 6: Bestätigung einer Vormerkung mit der Blockchain-Technologie

1 Einleitung

1.1 Einführung

Die Blockchain ist in aller Munde. Kaum ein IT-Thema geht momentan so stark durch die Presse wie Sie. Es wurden bereits weltweit 620 Millionen US-Dollar in diese potenzielle „disruptive Innovation“ investiert. Seit einigen Jahren bereits kommen aus der Blockchain-Szene die verschiedensten Vorschläge, was denn mithilfe einer Blockchain alles abgebildet werden soll.

Von dem komplexen Ablauf von Prozessen zwischen verschiedenen Unternehmen bis hin zur singulären Beobachtung einer Person und ihren privaten als auch geschäftlichen Vorgängen, ist alles möglich. Durch die Implementierung der Blockchain-Technologie sollen Transaktionen in unterschiedlichsten Branchen einfach, genau und sicher gehalten werden.

Des Weiteren ist zu beachten, dass sie erstmalige Anwendung der Blockchain eng mit den Krisen des Jahren 2008 verknüpft ist. Nach der Krise in dem Finanz- und Versicherungssektor und dem Platzen der Immobilienblase in den Vereinigten Staaten war es an der Zeit das gegenseitige Vertrauen bei Geschäftsprozessen wiederherzustellen, und das sogar ohne Mittelsmann. Dafür aber mit mehr Kontrolle.

1.2 Hintergrund

Bis dato ist die Bürokratie noch auf der ganzen Welt stark von Papier geprägt. Digitalisierung ist auf dem besten Weg sich global mehr und mehr weiterzuentwickeln, jedoch ist der Großteil von Transaktionen in verschiedensten Branchen noch papierlastig.

Insbesondere ist hier die Immobilienbranche genauer zu betrachten. Die Immobilienbranche gilt stets als träge, rückständig und intransparent. Ein großer Teil der Geschäftsprozesse in dieser Branche ist ineffizient und stark fehleranfällig, da die Dokumentation nach wie vor in Papierform erfolgt. Lange Abwicklungszeiten und hohe Kosten stellen Begleiterscheinungen jeder Immobilientransaktion dar.

Blockchain, die Technologie, die aufgrund verschiedener Begriffe wie Kryptowährung oder Bitcoin einen gewissen Bekanntheitsgrad erlang, zeichnet sich mittlerweile als eine der innovativsten Technologien der letzten 30 Jahre aus.

Diese Technologie könnte bald sowohl im Immobiliensektor als auch in weitaus anderen Branchen eine sehr wichtige Rolle spielen. Wäre es denn aber überhaupt möglich Immobilientransaktionen zukünftig durch diese Innovation zu verändern?

1.3 Methodik

Die Methodik beschreibt die Vorgehensweise bei der Bachelorarbeit, um eine möglichst objektive und sachliche Bearbeitung der Thematik zu ermöglichen. Zunächst werden in der Einleitung die „Problemstellung“ und der Hintergrund aufgeführt und beschrieben. In erster Linie jedoch soll diese Arbeit ein grundsätzliches Verständnis der Funktionsweise von Blockchain und anderen Distributed Ledger Technologien verschaffen. Nebstdem wird herausgearbeitet, bei welchen Geschäftsprozessen die Implementierung der Blockchain sinnvoll ist. Da die Blockchain-Technologie noch ein sehr junges Thema darstellt, steht bisher wenig wissenschaftliche Literatur zur Verfügung. Daher besteht der größte Teil meiner Quellen aus Onlineliteratur. Nichtsdestotrotz wurden aber auch physische Literatur wie z.B. Bücher, Magazine und Vorträge als Quellen in Gebrauch genommen.

2 Digitalisierung in der Immobilienbranche

„Die einfachste Definition von Digitalisierung besagt, dass analoge Inhalte oder Prozesse in eine Digitale Form oder Arbeitsweise umgewandelt werden.“ (vgl. https://digitalmagazin.de/digitalisierungdefinition/?cnreloaded=1#Digitalisierung_bedeutet_Umwandlung).

Im folgenden Kapitel wird ein Überblick über die bedeutendsten digitalen Technologien in der Immobilienbranche verschafft und deren Beziehungen zu der Blockchain verdeutlicht.

2.1 Proptech

Die Immobilienbranche liegt im Vergleich zu anderen Branchen zwar noch weit zurück, dennoch hat sich das Tempo der Digitalisierung in letzter Zeit stark beschleunigt (vgl. Rodeck, M. S.60f). Diese Innovation wird unter dem Oberbegriff Property Technology, oder kurz PropTech zusammengefasst. Diese Technologie ist momentan global am Boomen, während es andere Immobilienunternehmen versäumt haben hierbei mitzuziehen. Diese Lücke machen sich nun insbesondere Start-Ups zu Nutze. PropTechs verfolgen das Ziel die Effizienz in der Immobilienwirtschaft zu erhöhen. Diese Start-Ups arbeiten verfügen über viele technische Mittel, mit denen sie arbeiten, dazu gehört beispielsweise Big Data, künstliche Intelligenz bis hin zu Virtual Reality (vgl. https://www.proptech.de/wp-content/uploads/2019/06/StUp_PropTech_Report_final.pdf S.1). Unter Proptech kann man alle Unternehmen in der Immobilienbranche verstehen, die Lösungen mit technischen Ansätzen anbieten.

Insgesamt existieren in Deutschland momentan 347 PropTechs. Zu den vier PropTech Hauptstädten zählen Berlin mit 92, München mit 28, Hamburg mit 20 und Frankfurt am Main mit 16 PropTech-Startups (vgl. ebd., S. 1f.).

Abbildung 1: PropTech Unternehmen in Deutschland

Quelle: https://www.proptech.de/2019/10/30/weiter-auf-wachstumskurs-proptech-sektor-uebertrifft-hoechststand-proptech-uebersicht-oktober-2019/

Abbildung 1 zeigt die PropTech Unternehmen in Deutschland auf und verdeutlicht zudem, in welchem Geschäft sie am stärksten vertreten sind.

2.2 Affinität und Abgrenzung zu anderen digitalen Technologien

Damit plausible Aussagen über die Implementierung der Blockchain-Technologie getroffen werden können, muss man zunächst die bisher vorhandenen Beziehungen zu anderen Technologien genauer betrachten. Die Technologien, die mit der Blockchain am engsten verknüpft sind, heißen „Big Data“, „Internet of Things“ (zu Deutsch: Internet der Dinge) und „Künstliche Intelligenz“. In der Praxis werden diese Technologien meist in Kombination mit der Blockchain eingesetzt, da sich hier das vollständige Potenzial ausschöpfen lässt. Daher sollte man die Blockchain nicht als einzelnes Stück betrachten, sondern regelrecht im gesamten technologischen Fortschritt. In den nächsten Abschnitten werde ich die Technologien namens Big Data, Internet of Things und Künstliche Intelligenz klar definieren und aufzeigen welche potenziellen Anwendungsmöglichkeiten in Bezug auf die Blockchain existieren.

2.2.1 Big Data

Unter „Big Data“ werden Datenmengen beschrieben, die so groß sind, dass diese durch normale Software nicht mehr verarbeitet bzw. ausgewertet werden können. Mit Big Data werden jedoch nicht nur die Daten selbst beschrieben, sondern auch deren Analyse und Nutzung (vgl. https://www.youtube.com/watch?v=uH813u7_b0s). Big Data verfolgt das Ziel, hilfreiche Informationen für unternehmerisches Handeln so zu nutzen, dass dadurch bessere Entscheidungen getroffen werden können. Jedes Unternehmen, welches mit Kunden und Produkten umgeht, braucht die Fähigkeit, Daten effizient zu verwerten, um wirtschaftlich zu überleben. Die Herausforderung bei Big Data liegt darin, das Konsumentenverhalten zu rekonstruieren und es sich wirtschaftlich zu Nutze zu machen (vgl. Dr. Hosp, J. 2018 S. 196). Bei Big Data handelt es sich mehr um einen Begriff für verschiedene Methoden zur Analyse und Auswertung von großen Datenmengen, als um eine autarke Technologie. Bei der Auswertung von Daten werden Werkzeuge wie „Künstliche Intelligenz“ herangezogen.

In Bezug auf die Immobilienbranche können die zahlreichen Daten die Ihr zur Verfügung stehen, in Zukunft intensiver und fokussierter ausgeschöpft werden, um strategische Entscheidungen und die Produktentwicklung nach vorne zu bringen. Alexander Betz, Leiter Digitalisation Programme bei der PATRIZIA Immobilien AG sieht Big Data auch als eine Bereicherung an:

Mit den Daten, die der Immobiliensektor über seine Assets, Mieter und Kunden generiert, steht der Branche eine Weiterentwicklungsmöglichkeit von unschätzbarem Wert zur Verfügung.“ ( vgl. https://www.patrizia.ag/de).

Es sind schon zahlreiche Unternehmen an der Verwirklichung von Real Estate Big Data dran. Beispielsweise hat in Frankfurt am Main die EVANA AG ihren Sitz, sie arbeitet mit Big Data und versucht den Dualismus von Daten durch Big Data zu ersetzen (vgl. http://innovative-immobilienwirtschaft.de/die-verwirklichung-von-real-estate-big-data/).

BigchainDB, ein Berliner Start-Up-Unternehmen hat das Ziel vor Augen die Eigenschaften von Big Data und der Blockchain in einer dezentralen Datenbank zu fusionieren (vgl. https://blog.oceanprotocol.com/blockchains-for-big-data-from-data-audit-trails-to-a-universal-data-exchange-cf9956ec58ea).

2.2.2 Das Internet der Dinge

Das Internet der Dinge bezeichnet eine vernetzte Welt zwischen smarten Geräten. Hierbei sind die IoT-Geräte lokal oder über das Internet miteinander verbunden erledigen somit verschiedene Aufgaben für deren Besitzer. Diese Geräte sollen dazu dienen unseren Alltag einfacher und effizienter zu gestalten.

Dabei werden unterschiedliche Vorgänge automatisiert oder mit nützlichen Informationen versorgt. Das Gerät sendet notwendige Informationen an eine Cloud. Dort werden die Daten zunächst aufbereitet und dienen schließlich als Fundament für weitere Dienstleistungen (vgl. https://www.bsifuerbuerger.de/SharedDocs/Downloads/DE/BSIFB/Broschueren/Brosch_A6_Internet_der_Dinge.pdf?__blob=publicationFile&v=6 S.4).

Der Anwendungsbereich des Internets der Dinge erstreckt sich dabei von einer einfachen Informationsversorgung bis hin zu Warn- und Notfallfunktionen (vgl. https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/internet-der-dinge-53187/version-198564).

„Bereits heute werden über Sensoren z.B. die Energieverbräuche von Gebäuden gemessen, deren Sicherheit überwacht und Wartungs- und Instandhaltungsmaßnahmen optimiert.“ (vgl. https://www.pwc.de/de/real-estate/digital-real-estate/internet-of-things-in-der-immobilienbranche.html).

Laut dem globalen Unternehmen PricewaterhouseCoopers ist das Internet der Dinge nicht mehr wegzudenken. Das IoT hat bis dato bereits in vielen privaten Haushalten seinen Platz gefunden und ist auch im gewerblichen Bereich stark vertreten. In Hinsicht auf die Immobilienbranche findet das Internet der Dinge in erster Linie verschiedenste Anwendungsfälle in den Bereichen Smart Metering und Gebäudeautomation (vgl. ebd.).

Im Bereich der Nutzererfahrung müssen Nutzer dank dem Internet der Dinge nicht mehr darum bitten, dass etwas aufgefüllt bzw. repariert wird. Dazu kommt, dass keinerlei Komplikationen auftreten aufgrund von fehlenden Hilfs- bzw. Arbeitsmitteln. Was die Gebäudeautomation betrifft, werden beispielsweise Klimaparameter erfasst.

Das bedeutet, dass Klimabedingungen überwacht werden (Monitoring) und somit die automatische Anpassung der Gebäudesysteme erfolgt, um die Anforderung einzelner Gebäudenutzer zu erfüllen und ein angenehmes Arbeitsumfeld zu kreieren (vgl. https://planonsoftware.com/de/neuigkeiten/knowledge-center/glossar/internet-der-dinge-iot/).

2.2.3 Künstliche Intelligenz

„Künstliche Intelligenz (KI) ist ein Teilgebiet der Informatik, das sich damit beschäftigt, Maschinen mit Fähigkeiten auszustatten, die intelligentem (menschlichem) Verhalten ähneln. Dies kann mit vorprogrammierten Regeln oder durch maschinelles Lernen erreicht werden. Starke bzw. generelle KI bezeichnet Maschinen, die generalisierende Intelligenz- und Transferleistungen erbringen können und somit nicht nur auf sehr begrenzte, vordefinierte Aufgabenfelder beschränkt sind.“ (vgl. https://www.fraunhofer.de/content/dam/).

In den letzten Jahren wurden künstliche neuronale Netze insbesondere durch Verfahren wie beispielsweise Machine-Learning und Deep-Learning vorangetrieben. Deep-Learning beschreibt eine Basis für maschinelle Lernverfahren, geformt nach dem Ebenbild der Nervenzellenvernetzung des menschlichen Gehirns (ebd., S. 7). Unter maschinellem Lernen versteht man die „Anwendung und Erforschung von Verfahren, durch die Computersysteme befähigt werden, selbstständig Wissen aufzunehmen und zu erweitern, um ein gegebenes Problem besser lösen zu können als vorher.“ (vgl. https://wirtschaftslexikon.gabler.de/). Laut Dr. Hans Meine und Dr. Markus Wenzel vom Fraunhofer-Institut schafft die künstliche Intelligenz trotz allem keine künstlichen Gehirne:

„Wir bauen keine künstlichen Gehirne oder künstliche Menschen. Genauso wenig wie ein Flugzeugbauer versucht, einen künstlichen Vogel zu bauen. Er möchte einfach etwas konstruieren, das fliegt. Wir bauen Maschinen, die elementare kognitive Aufgaben erledigen, für die Intelligenz benötigt wird. Solche Maschinen oder Mechanismen haben unseren Alltag bereits erreicht: Es gibt Geräte, die Autos steuern, unsere Sprache verstehen oder simultan übersetzen. Doch auch wenn wir einer Maschine einzelne Fähigkeiten so gut beibringen, dass sie darin besser als der Mensch ist – beispielsweise Lippenlesen – spricht man am Ende nicht von einem intelligenten Gerät.“ (vgl. https://www.fraunhofer.de/content/).

Die Deloitte KI-Studie 2019 besagt, dass im Jahre 2019 bereits 65% der Unternehmen in Deutschland von der künstlichen Intelligenz Gebrauch machen, während traditionelle Immobilienunternehmen beim Thema Digitalisierung noch hinterherhinken und skeptisch sind. Jedoch gehen Unternehmen wie bspw. Deutsche Wohnen oder Strabag die „digitale Revolution“ aktiv an (vgl. https://kiwi.ki/blog/).

Ein Bereich in dem die künstliche Intelligenz in der Immobilienwirtschaft ihren Platz hat, sind die Smart Buildings. Hierbei verbinden Systeme verschiedene Funktionen miteinander, zum Beispiel wird die Leistung der Belüftungsanlage der im Raum befindlichen Personen angepasst (vgl. ebd.).

PropTechs in der Immobilienbranche sind dem ganzen schon einen Schritt voraus. Laut Martin Bittner, Mitgründer bei acccoi partners, werden PropTechs ihren Fokus in Zukunft verstärkt auf künstliche Intelligenz legen (vgl. https://www.dvelop.de/blog).

Martin Rodeck, Executive Managing Director bei EDGE vertritt eine ähnliche Denkweise :

„Während klassische Unternehmen dieser neuen Technologie skeptisch gegenüberstehen, ist sie für PropTechs von großer Bedeutung. Schon heute kommt sie bei fast jedem zweiten PropTech zum Einsatz (45 Prozent), in fünf Jahren werden es 75 Prozent sein.“

Man sollte aber auch berücksichtigen, dass die Implementierung der künstlichen Intelligenz in der Immobilienwirtschaft nicht nur Chancen, sondern auch Herausforderungen mit sich bringt. Es müssen schließlich Systeme geschaffen werden, die das autonome Lesen und Bewerten von Daten ermöglichen. KI-Tools können Verträge und sonstige Dokumente nur dann auswerten, wenn sie die Fähigkeit zum selbstständigen Lernen besitzen. Neben der vielversprechenden Funktionalität müssen Unternehmen dennoch auch die Datensicherheit und die Einhaltung der rechtlichen Aspekte berücksichtigen. Schlussfolgernd kann die künstliche Intelligenz zwar sehr hilfreich sein, jedoch nicht die Funktion des Menschen als Entscheidungsträger ersetzen.

3 Grundlagen der Blockchain-Technologie

3.1 Allgemeine Grundlagen der Blockchain-Technologie

In diesem Abschnitt wird erläutert, welche verschiedenen Formen der Blockchain existieren und inwiefern sich diese in Bezug auf die Distributed Ledger Technology unterscheiden. Zusätzlich wird erklärt in welchen Anwendungsfällen die Blockchain-Technologie angewandt werden kann und welche Kriterien dafür erfüllt sein müssen.

3.1.1 Definition und Terminologie

Ein Wirtschaftswissenschaftler namens Milton Friedman behauptete einst:

„The one thing that’s missing, but will soon be developed, is a reliable e-cash, a method whereby on the Internet you can transfer funds from A to B, without A knowing B or B knowing A. That kind of thing will develop on the Internet and that will make it even easier for people to use the internet.“ (Milton Friedman, 1999 zitiert nach Sixt, E. 2017 S.1).

Einige Jahre später, im Jahr 2008 beschrieb das Pseudonym Satoshi Nakamoto zum ersten Mal die Blockchain-Technologie, die sich hinter dem Bitcoin versteckt. Es handelt sich um ein Gefüge aus grundlegenden Programmieranweisungen, die es den betroffenen Computern erlaubt miteinander zu kommunizieren. Durch die Verschlüsselung können sich die Nutzer einander digitale Werte zu senden, nachdem sie Ihr Passwort eingegeben haben. Hierbei muss weder eine dritte Person, noch eine Institution hinzugezogen werden (vgl. Sixt, E. 2017 S.1).

Technisch gesehen stellt die Blockchain eine dezentrale Datenbank dar, die gespiegelt auf einer Vielzahl von Rechnern vorliegt. Die Plausibilität der Transaktionen bzw. der Datenbankeinträge wird hierbei durch einen aus dem Netzwerk hergestellten Konsensmechanismus sichergestellt (vgl. Mitschele 2016).

Zusammengefasst ist die Blockchain ein System, welches durch Ihre Kerneigenschaft zur Sicherung der Eigentumsverwaltung und den darauffolgenden Transaktionen dient. Durch ein verteiltes Peer-to-Peer-System, in dem alle Netzwerk-Peere miteinander verbunden sind, steht jedem die aktuelle unveränderliche Datenbank der Blockchain zur Verfügung (vgl. Morabito, V. 2017 S.62).

Da an einigen Stellen ähnliche Charakteristika auftreten, wird der Begriff „Distributed Ledger“ oft als Synonym verwendet, obwohl nicht jeder Distributed Ledger zwangsläufig eine Blockkette verwendet (vgl. Mitschele 2016).

Die Blockchain ist somit eine Sonderform der Distributed Ledger Technology. Es handelt sich bei Ihr um eine Ausprägung von verteilten Transaktionssystemen (Distributed Ledger Technology) (vgl. Egloff, P./Turnes, E. 2019 S.17). Daraus resultierend ist es sinnvoll, diesen Begriff genauer zu erläutern.

3.1.2 Distributed Ledger Technology

Durch die globale Finanzkrise und dem Platzen der Immobilienblase in den USA im Jahre 2007, hat das Vertrauen in die Intermediäre stark gelitten. Es hat sich herausgestellt, dass intermediäre Systeme nicht hundertprozentig vertrauenswürdig sind. Aufgrund dessen erhielten dezentrale und verteilte Transaktionssysteme starken Zuspruch. Da sich auch andere Technologien wie z.B. das Internet dermaßen weiterentwickelt haben, haben sich die historischen Hürden für dezentrale Systeme nach und nach von selbst aufgelöst. Heute legt ein großer Teil in den verschiedensten Branchen ihre Hoffnung in dezentrale Systeme (vgl. Egloff, P. et al 2019 S. 22).

Transaktionssysteme sollen im Grunde genommen in Hinsicht auf Daten, Rechte etc. folgende Anforderungen erfüllen: Sie sollen öffentlich zugänglich, sicher speicherbar, nicht duplizierbar, verifizierbar und skalierbar sein. Durch diese Anforderungen wird das notwendige Vertrauen geschaffen. Abgesehen davon, inwiefern ein intermediäres System diese Anforderungen erfüllt, bringt der zentrale Charakter auch Nachteile mit sich. Bei diesen handelt es sich z.B. um die Abhängigkeit (Macht liegt beim Intermediär) oder auch um die Angreifbarkeit (zentrale Datenhaltung beim Intermediär). Aufgrund dieser Schwachstellen war es an der Zeit neue Transaktionssysteme zu entwickeln (vgl. ebd., S. 26f.).

Ein verteiltes Transaktionssystem zeichnet sich dadurch aus, dass es sich um eine verteilte und dezentrale Datenhaltung handelt. Im Gegensatz zu dem zentralen Transaktionssystem, beinhaltet das verteilte Transaktionssystem (DLT) keine zentrale Instanz. Hierbei wird kein Intermediär benötigt, sondern die Beteiligten sind in der Lage sich direkt miteinander zu verbinden und Transaktionen zu tätigen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Netzwerkarten

Quelle: https://decentralbox.com/was-ist-eine-dapp/

Die Unterscheidung der Begriffe dezentral und verteilt ist in der Hinsicht auf die Blockchain relevant. Ein dezentrales System ist nicht zwangsläufig verteilt, jedoch ist ein verteiltes System immer dezentral (vgl. Egloff, P. et al 2019 S. 29).

Die Abbildung 1 zeigt, welche Systemstrukturen existieren. Links ist das zentrale Transaktionssystem zu sehen, bei dem Transaktionen über einen zentralen Punkt getätigt werden, wobei erhebliche Probleme entstehen könnten, da hierbei alles sehr intransparent abläuft. Die mittlere Abbildung zeigt auf, dass es in dem dezentralen Transaktionssystem anders funktioniert, hier wird die Verantwortung auf mehrere Knotenpunkte verteilt. Bei dem verteilten Transaktionssystem kommunizieren die Beteiligten direkt miteinander. Die Informationen die in der Datenbank geteilt werden, werden von den Beteiligten als alleinige Wahrheit anerkannt. Es kann keine sich wiedersprechenden Datensätze geben. Dieses verteilte Transaktionssystem ist resistenter gegen Einwirkungen wie z.B. Hackerangriffe, weil es auch bei Ausfall eines Knotens weiterhin funktionieren und nicht zusammenbrechen würde (vgl. Morabito, V. 2017 S. 62ff.). Bei einem zentralen Transaktionssystem hingegen führt ein Ausfall zu einem Totalausfall des kompletten Systems (vgl. UB Frankfurt, Crashkurs Blockchain 2019 S. 15).

3.2 Blockchain

Aufgrund des Namens geht man davon aus, dass eine Blockchain nichts weiter als eine Kette von Blöcken ist. Hierbei handelt es sich um Blöcke, die aus mehreren Transaktionen zusammengefasst werden. Wenn das geschehen ist, werden diese Blöcke über den sogenannten „Hash“ des vorherigen Blockes in chronologischer Reihenfolge miteinander verkettet. Jeder dieser Blöcke enthält einen Hash der aktuellsten zulässigen Transaktion, die mit einem Zeitstempel versehrt ist (vgl. Gupta, M. 2018 S. 14). Das bedeutet, dass es nicht möglich ist Daten bzw. Informationen von Transaktionen im Nachhinein zu ändern oder zu löschen. Diese Eigenschaft ist besonders vorteilhaft für Prozesse, die rechtssicher dokumentiert werden müssen. Jedoch resultieren aus der Sicht des Datenschutzes einige Probleme, mit dem ewigen Speichern von Informationen ergeben sich beispielsweise Konflikte mit dem „Recht auf Vergessenwerden“ (vgl. Recht auf Löschung, Art. 17 - EU-DSGVO).

Als gültig wird immer die längste Kette von Blöcken anerkannt. Diese Transaktionshistorie wird regelmäßig aktualisiert und von jedem Teilnehmer der Community akzeptiert, wenn jeder der Meinung ist, dass es der Realität entspricht (vgl. Dr. Hosp, J. 2018 S. 45).

Dies kann man sich wie bei einer Wahl vorstellen, hier hat jeder Netzwerk-Peer eine einzelne Stimme, es wird jedoch die absolute Mehrheit aller Stimmen benötigt, um eine Transaktion als richtig bzw. als gültig einzustufen.

Die Vertrauenswürdigkeit dieses Systems wird durch das Mehrheitsprinzip auch angehoben, da es im Fall von versuchten Fälschungen zu einem Stopp von anderen Netzwerk-Peeren kommen würde, wenn man davon ausgeht, dass die Mehrheit ehrlich ist (vgl. Drescher, D. 2017 S. 194). Eigenschaften wie die Offenheit, Transparenz und die Minimierung des Datenfälschungsrisikos, die die Blockchain mit sich bringt machen diese Technologie für Unternehmen äußerst attraktiv.

Dennoch tun sich viele Unternehmen mit dem Identifizieren von sinnvollen Einsatzmöglichkeiten für die Blockchain noch schwer (vgl. Sopra Steria Consulting 2017 S. 7ff.).

Um die Transaktion auf ihre Richtigkeit zu überprüfen, müssen die kryptographischen Hashwerte von den Netzwerk-Peeren berechnet werden. Diese kann man mit einer komplexen mathematischen Berechnung gleichstellen.

Im Falle einer Unterscheidung der Hashwerte, werden auch die Daten Unterschiede aufweisen. Das Vergleichen des alten Hashwertes mit dem neuen Hashwert, ist der Schlüssel zum Erkennen von Änderungen.

Wenn beide Hashwerte identisch sind, hat sich an den Daten nach dem Erzeugen des alten Hashwerts auch nichts geändert (vgl. Drescher, D. 2017 S. 99f.). Die Idee der Hashwerte soll dem Schutz der Anwender dienen, damit diese keine Daten abrufen, die versehentlich oder absichtlich durch andere Personen geändert wurden, ohne dass die Anwender darüber informiert worden sind (vgl. ebd., S. 102).

Die Berechnung der Hashwerte dient jedoch nicht nur dem Datenabgleich, sondern kann auch als Belohnung für die Peere fungieren. Die Peere, die das Hashpuzzle zuerst lösen, erhalten die Transaktionsgebühren der Transaktionen als Entschädigung für die geleistete Arbeitszeit und den damit zusammenhängenden Rechenaufwand (vgl. ebd., S. 172).

Zusammengefasst kann man sagen, dass die Transaktionen erst als gültig anerkannt werden, wenn die Ermittlung des Hashwertes vollbracht worden ist, und die Blöcke von der Mehrheit der Netzwerk-Peere genehmigt wurden. Anschließend werden diese mit einem Zeitstempel versehen und in das Hauptbuch der Blockchain übertragen (vgl. Bheemaiah, K. 2017 S. 56f.).

Schlussendlich werden alle Transaktionen von den Teilnehmern separat abgespeichert, da es sich hierbei um ein dezentrales Netzwerk handelt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 49 Seiten

Details

Titel
Blockchain Technologie. Chancen und Potenziale in der Immobilienwirtschaft
Hochschule
Hochschule RheinMain
Autor
Jahr
2019
Seiten
49
Katalognummer
V536319
ISBN (eBook)
9783346143938
ISBN (Buch)
9783346143945
Sprache
Deutsch
Schlagworte
blockchain, technologie, chancen, potenziale, immobilienwirtschaft, immobilien, bitcoin, ethereum, startup
Arbeit zitieren
Aman Tecle (Autor), 2019, Blockchain Technologie. Chancen und Potenziale in der Immobilienwirtschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/536319

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