Die Auswirkungen der veganen Ernährung auf die Gesellschaft


Hausarbeit, 2018

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Geschichte und Hintergründe des Vegetarismus/Veganismus
2.2 Identitätsbildung durch Essen
2.3 Vegane/Vegetarische Ernährung und Gruppenbildung
2.4 Die Zukunft der vegetarischen und veganen Ernährung

3. Resümee

Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Laut des Ernährungsreportes des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft ernähren sich lediglich sechs Prozent der Befragten vegetarisch und nur ein Prozent von ihnen komplett vegan (vgl.: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL): Deutschland wie es isst – Der BMEL-Ernährungsreport 2019, Berlin, Januar 2019). Ein Großteil der Vegetarier*innen und Veganer*innen ist weiblich.

Dennoch hat es den Anschein, dass der Vegetarismus sowie der Veganismus in den letzten Jahren einen starken Aufschwung durchlebt hat. Die Supermarktregale bieten, besonders im Vergleich zu den vorherigen Jahren, ein breites Sortiment an extra gekennzeichneten vegetarischen/veganen Produkten oder Fleischersatzprodukten. Und auch Restaurants und Cafés bieten immer mehr vegetarische und vegane Gerichte auf ihren Karten an. Es hat den Anschein, als habe sich aus dieser Ernährungsform eine komplette Industrie gebildet.

In der folgenden Arbeit, welche den Titel ,,Die Auswirkungen der vegetarischen und vegane Ernährung auf die Gesellschaft ‘‘ trägt, werde ich mich zunächst mit der Geschichte des Vegetarismus sowie des Veganismus befassen, sowie diese beiden Ernährungsweisen kurz erklären um ein allgemeines Verständnis für diese Thematik zu schaffen. Hier werde ich in erster Linie darauf eingehen, wo und wie diese Formen der Ernährung entstanden sind und welche Gründe es gibt, sich für eine dieser alternativen Arten der Ernährung zu entscheiden.

Eine soziologische Relevanz bilden der Vegetarismus sowie der Veganismus in erster Linie dadurch, dass sie beide das ,,Naturale‘‘ ( Wie Hunger oder essen) mit dem ,,sozialen‘‘ (Was wir essen, wie wir essen und wieso wir genau dies essen) und dem ,,personalen‘‘ (Glaube, Einstellungen) miteinander in Verbindung bringt (Wicks, Deidre, Humans, Food and other Animals: The vegetarian Option) und so nicht als rein biologisches Phänomen, sondern viel mehr als ein gesellschaftliches Phänomen zu betrachten sind.

Zudem ist der allgemeine Akt des Essens, unabhängig davon, ob wir uns nun vegetarisch, vegan oder omnivor ernähren, als ein Akt zu sehen, der zumeist in einem sozialen Kontext stattfindet und somit klar als eine soziale Interaktion gesehen werden kann. Über das, was wir essen, entscheiden wir nicht nur durch biogische Faktoren, wie Hungergefühl, sondern auch durch soziale Faktoren. Hierzu gehören beispielsweiße Geschmack, Manieren oder Erwartungen von unseren Mitmenschen.

Durch den Vegetarismus und den Veganismus, also das bewusste auslassen und nicht konsumieren eines Nahrungsmittels (Fleisch) oder einer ganzen Nahrungsmittelgruppe (keine Produkte, welche von Tieren stammen), wird der soziale Aspekt von dem, was wir zu uns nehmen, noch etwas komplexer. Es wird sich bewusst und frei gegen etwas entschieden und auf bestimmte Dinge verzichtet.

In meiner Arbeit werde ich auf die Identitätsbildung eingehen, welche wir durch unsere Entscheidung was wir essen und was wir nicht essen, durchlaufen. Dies werde ich im Weiteren expliziert auf den Vegetarismus/Veganismus übertragen. Zudem werde ich auf Gruppenbildung, welche im Rahmen der vegetarischen Ernährung entsteht eingehen und wie es überhaupt zu einer solchen kommen kann.

Zuletzt werde ich versuchen einen Ausblick auf den weiteren Wandel der vegetarischen/veganen Ernährung zu geben und wie sich die Welt, hinsichtlich Vegetarismus/Veganismus, in den nächsten Jahren ändern wird oder ob es alles beim Alten bleibt.

Den Abschluss der Arbeit bildet ein Resümee, in welchem ich die wichtigsten Aspekte der Arbeit erneut aufgreifen werde sowie, wiederholt auf die soziologische Relevanz dieser Thematik eingehen werde.

2. Hauptteil

2.1 Geschichte und Hintergründe des Vegetarismus/Veganismus

Hier möchte ich zunächst darauf eingehen, was es überhaupt bedeutet sich vegetarisch oder vegan zu ernähren oder zu leben, um ein Bewusstsein für die Thematik zu erlangen. Einfach gesagt bedeutet Vegetarismus, auf den Konsum von Fleisch zu verzichten. Da ich in meiner Arbeit lediglich auf diese Art des Vegetarismus eingehe, werde ich die Unterkategorien dieser Ernährungsform (Lacto -Vegetarier und Ovo-Vegetarier) hier nicht extra berücksichtigen, sondern sie zu der klassischen Form des Vegetarismus zählen.

Veganer*innen verzichten (zusätzlich zum Tierfleisch) zudem noch auf all jene Erzeugnisse, welche von Tieren stammen. Sie konsumieren also weder Eier; Milch noch andere Produkte, welche aus Milch bestehen. Neben der Ernährung kommt bei Veganer*innen oft auch noch der Verzicht auf andere tierische Produkte, wie beispielsweise Wolle, Leder oder Seide hinzu. Auf die verschiedenen Gründe, sich gegen Fleisch oder alle tierischen Produkte zu entscheiden, werde ich in diesem Kapitel noch weiter eingehen.

Auf den ersten Blick scheint es, als sei der Vegetarismus oder diese spezielle und alternative Form der Ernährung, ein Phänomen der Neuzeit.

So neu wie es scheint ist der Vegetarismus jedoch nicht. Der griechische Philosoph Pythagoras (ca. 580 v. Chr.) vertrat die philosophische These, dass Seelen in der Lage sind, zwischen zwei Körpern zu wandern. Er war also der Auffassung, dass die Seele des toten Tieres in den Körper des Menschen gelangt, der dieses tote Tier als ein Stück Fleisch konsumiert. Aus diesem Grund verzichtete er auf den Konsum von tierischem Fleisch und wurde einer der ersten (ethisch und moralisch motivierten) Vegetarier. Durch diese Verbindung der vegetarischen Ernährung zu Pythagoras wurden Vegetarier*innen bis ins 19. Jahrhundert auch als ,,Pythagorer‘‘ bezeichnet (vgl. Böhm/Epple-Waigel 2017: 32). Die These dieser ,, Wanderung der Seelen ‘‘ übertrug sich im Laufe der Zeit auf mehrere östliche Religionen und brachte auch diese dazu, aufgrund ihres Glaubens, kein Fleisch zu konsumieren. Als Beispiel sind hier die Befolger*innen des Hinduismus anzugeben. So lebt ein Großteil der religiös motivierten Vegetarier*innen in Indien (vgl. Rinas 2012: 62).

Im Italien des 16. Jahrhunderts entstanden bereits Theorien, welche behaupteten, dass eine vegetarische Ernährungsform mit einem langen und gesunden Leben zusammenhänge. In England kam diese Theorie dann im 17. Jahrhundert erneut auf und im 19. Jahrhundert folgten dann Deutschland und die USA (vgl. Wicks 2008: 3). Zudem behauptete der Amerikaner Sylvester Graham in den 1830er Jahren, dass der Vegetarismus die natürliche Ernährungsform der Menschen sei. Auch an diesem Punkt zeigt sich, dass die vegetarische Ernährung keinesfalls ein neu entstandenes Phänomen ist und sich schon in früheren Jahren ausgiebig mit dieser alternativen Form der Ernährung beschäftigt wurde. Auch der australische Philosoph und Ethiker Peter Singer setzte sich mit dem Thema Vegetarismus auseinander. Er war der Auffassung, dass es, wenn es um die Rechte von Lebewesen ginge, nicht um Reichtum, Schönheit und Intelligenz ginge, sondern darum, wie sehr das Lebewesen in der Lage ist, Schmerz und Freude zu erfahren. Die Tatsache, wie Tiere Leid und Freude erfahren können, zeigt also, dass es in ihrem Interesse läge, ihnen keinen Schmerz zu zuführen. Somit werden auch hier der Vegetarismus und auch der Veganismus begründet.

Im Jahr 1847 gründetet sich in Großbritannien die ,, Vegetarian Society ‘‘ eine offizielle Gruppierung von Vegetarier*innen. Dies stellte den formalen Start des Vegetarismus dar.

Im Gegensatz zum Vegetarismus ist der Veganismus, als wahrzunehmendes Gruppenphänomen, schon eher ein Phänomen der Neuzeit.

Er trat in der BRD merklich erstmals in den 1990er Jahren im Zuge der Tierrechtsbewegung auf (vgl. Kurth/Henschke/Stark/Struppek 2011:282.) Geprägt wurde der Begriff ,,vegan‘‘ durch Donald Watson, welcher im Jahre 1944 die ,,Vegan Society‘‘ gründete. Das Wort ,,vegan‘‘ bildetet sich aus den Anfangs- und Endbuchstaben des Wortes ,,vegetarisch‘‘ Durch die ,,Vegan Society‘‘ wird der Veganismus nicht nur als eine Form der Ernährung, sondern als Lebensstil definiert, welcher sich auf viele Bereiche des Lebens auswirkt. (vgl. Böhm/Epple-Waigel 2017:28)

Ein weiterer geschichtlicher Aspekt dieser beiden Ernährungsformen ist zudem die Tatsache, dass Fleisch früher ein Indikator für sozialen Wohlstand und Reichtum war. Durch das immer stärker aufkommende Phänomen der Billigfleischproduktion ist dies jedoch nicht mehr der Fall. Das Fleisch hat an seinem Status und seinem sozialen Stellenwert verloren. Viel Fleisch zu konsumieren bedeutet in der heutigen Zeit nicht zwingend, sich in einer hohen sozialen Schicht zu befinden und viel Geld zu haben. Dies führt dazu, dass sich in erster Linie Personen aus den höheren Gesellschaftsschichten gegen den Konsum von Fleisch oder sogar gegen den Konsum von jeglichen tierischen Produkten entscheiden, da sie sich nicht mehr durch einen hohen Fleischkonsum von ihren Mitmenschen abgrenzen können (vgl. Klotter 2016: 31)

Wie bereits erwähnt möchte ich nun auf die verschiedenen Gründe eingehen, sich für eine vegetarische oder vegane Lebensweise zu entscheiden. Auf der einen Seite stehen diejenigen, die aufgrund von finanziellen oder anderen sozialen Gegebenheiten nicht in der Lage sind, Fleisch oder eine Vielzahl von tierischen Produkten zu konsumieren oder überhaupt den Zugriff zu diesem zu haben. Hier ist es jedoch keine freie und eigenständige Entscheidung auf diesen Konsum zu verzichten. Da ich mich in meiner Arbeit jedoch lediglich mit denjenigen beschäftigen möchte, die sich aus freien Stücken für eine solche alternative Form der Ernährung entscheiden, werde ich diese Personen im Weiteren außer Acht lassen.

Diese Gruppierung von Vegetarier*innen und Veganer*innen, die freiwillig auf den Konsum bestimmter Lebensmittel verzichten lässt, sich wiederum ebenfalls in verschiedene Kategorien einteilen. Zum einen gibt es, wie bereits erwähnt, die Personen, welche aus religiösen Gründen kein Fleisch zu sich nehmen, weil es sich nicht mit ihrem Glauben oder den Regelungen, die mit diesem verbunden sind, vereinbaren lässt. Im Weiteren gibt es die Menschen, die sich aus moralischen und ethischen Gründen dazu entscheiden, nichts mehr zu konsumieren was dafür sterben musste oder für das ein Lebewesen Leid erfahren musste, nur um letzten Endes als ein Genussmittel auf ihren Tellern zu landen. Als ein weiterer Faktor, welcher Personen dazu bringt, sich für eine vegetarische/vegane Ernährung zu entscheiden und freiwillig auf Fleisch zu verzichten, können ökologische Gründe sein. Vegetarier*innen und Veganer*innen, die sich aus ökologischen Gründen gegen Fleisch entscheiden kritisieren die Verschmutzung unserer Natur welche aufgrund von Tierhaltung oder Tiertransporten entsteht oder die Last, welche die Umwelt durch die Verarbeitung der tierischen Produkte erfährt. Im Gegensatz zu denjenigen, die sich aus religiösen oder ethischen Gründen für den Vegetarismus entscheiden steht hier nicht das Lebewesen, also das Tier, im Vordergrund, sondern unsere Natur und Umwelt. Als letzte Gruppe möchte ich die Personen anführen, welche sich aus gesundheitlichen Gründen vegetarisch oder vegan ernähren. Denn selbst, wenn sich die wenigsten Ernährungsweisen eindeutig wissenschaftlich begründen lassen, glauben sie, dass der Vegetarismus die gesündere alternative zum Fleischkonsum sei und dass sie durch diese Ernährungsweise gesünder leben würden als ihre fleischessenden Mitmenschen. Durch die Masse an Informationen über Ernährung, welche uns in der heutigen Zeit zur Verfügung stehen, wird es in Zukunft immer schwieriger werden zu sagen, ob der Vegetarismus oder der Veganismus tatsächlich als ultimative Ernährung für alle gesehen werden kann.

Laut der ,,Vegetarier-Studie‘‘ der Universität Jena aus dem Jahr 2007 nannten mehr als 60% der Befragten moralische und ca. 20% gesundheitliche Gründe für ihre Entscheidung vegetarisch zu leben. (vgl. Epple/Waigel 2017: 35)

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass eine Ernährungsweise, welche auf Verzicht bestimmter Nahrungsmittel basiert, schon früh ihren Ursprung hat und sich zum Teilen auch durch verschiedene Religionen und Glaubensrichtungen verbreitete. Zudem wurde in diesem Kapitel klar, dass es nicht nur eine klare Form des Vegetarismus oder des Veganismus gibt, und dass sich diese Formen hinsichtlich ihrer Gründe und Ausführungen stark voneinander unterscheiden. Darauf, was diese spezifischen Formen zu unserer Identität beitragen, werde ich im folgenden Kapitel eingehen.

2.2 Identitätsbildung durch Essen

Um das Phänomen der Identitätsbildung durch das, was wir essen zu beschreiben, möchte ich zunächst kurz erläutern was Identität überhaupt bedeutet und wodurch sie sich bildet. ‘‘Die individuell bestimme {…} Auseinandersetzung mit den Angeboten und Einflüssen der Gesellschaft führt zur Ausbildung der jeweiligen Identität ‘‘ (Hillman 2007: 128).

Unsere Identität wird also nicht nur intrinsisch, aus uns selbst herausgebildet, sondern hängt zudem stark mit unserem sozialen Umfeld zusammen, welche Werte und Normen wir von diesem Umfeld mitgegeben bekommen und in welchen Beziehungen wir zu unseren Mitmenschen stehen.

Da wir uns stetig mit bestimmten Angeboten auseinandersetzen, und stetig neuen Einflüssen ausgesetzt sind, wird unsere Identität auch stetig neu gebildet und transformiert. Dies geschieht sowohl im Gruppenkontext als auch bei sich selbst (vgl. Rinas 2012: 286). Es braucht also nicht zwingend ein soziales Umfeld, um sich eine Identität aufzubauen oder eine bereits vorhandene Identität zu transformieren.

Aufgrund dessen, dass Menschen zumeist jedoch in einem sozialen Umfeld leben und beinahe täglich mit anderen Individuen interagieren, ist insbesondere die kulturelle Identität von wichtiger Bedeutung um ein Leben in der Gesellschaft zu ermöglichen. Kulturelle Identität verbindet uns mit den Personen, die der gleichen Kultur angehören wie wir selbst.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Auswirkungen der veganen Ernährung auf die Gesellschaft
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
17
Katalognummer
V536455
ISBN (eBook)
9783346219992
ISBN (Buch)
9783346220004
Sprache
Deutsch
Schlagworte
auswirkungen, ernährung, gesellschaft
Arbeit zitieren
Lisa-Sophie Staß (Autor), 2018, Die Auswirkungen der veganen Ernährung auf die Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/536455

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