Jacob und Wilhelm Grimm sammelten die verschiedenen Erzählungen, die zuvor nur mündlich weitergegeben wurden, und verschriftlichten diese in den bekannten Kinder- und Hausmärchen. Ihr Ziel war keine reine Abschrift der Märchen, sondern sie hatten die Vision, aus den Märchen ein Erziehungsbuch zu formen. So wurden die Märchen umgeschrieben und bekamen erst in diesem Schritt die typische Erzählform, wie wir sie heute kennen. Die schaurigen Gestalten wurden verharmlost, die Handlungen wurden zu einem positiven Abschluss gebracht und es wurden Symbole eingefügt. Diese Symbole stützen die erzieherische Komponente der Märchen. Sie sind es, die das Märchen auch für Erwachsene interessant machen und die den Märchen Tiefe geben. Dieser Ansatz leitet auf die Kernfrage der vorliegenden Hausarbeit hin, die sich mit einem bisher wenig hinterfragten Symbol beschäftigt: Welche Funktion hat Geld in den Märchen der Brüder Grimm?
Um die Funktion von Geld in Märchen festzustellen, muss im ersten Schritt die pädagogische Bedeutung von Märchen erarbeitet werden. Als Einstieg wird zunächst die Zielgruppe der Märchen genau festgelegt. Dies ist erforderlich, damit herausgestellt werden kann, welchen Nutzen die Leser aus den Märchen ziehen können. Fragen die in diesem Zusammenhang auftauchen sind: Haben sich die Adressaten der Märchen im Laufe der Zeit geändert? Welche Änderung trat mit der Überarbeitung durch Wilhelm und Jacob Grimm ein?
Im nächsten Schritt liegt der Fokus auf der pädagogischen Wirkung der Märchen. Hier wird untersucht, welche verschiedenen Elemente dem Märchen seinen erzieherischen Charakter geben, welcher Aufbau bei dem Leser den Lerneffekt hervorruft und was das Märchen als Erziehungsratgeber ausmacht. Bettelheim hat sich in seinem Werk „Kinder brauchen Märchen“ mit den pädagogischen Eigenschaften dieser Gattung beschäftigt. Eins seiner größten Ergebnisse ist, dass Kinder eine moralische Erziehung benötigen, die sie dank der Märchen erhalten. Angelehnt an das Werk von Bettelheim widmet sich dieses Kapitel nicht nur dem pädagogischen Nutzen der Märchen, sondern auch ihrer Moral.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Einleitung
2. Die pädagogische Wirkung der Märchen der Brüder Grimm
2.1. Die Zielgruppe
2.2. Pädagogik in Märchen
3. Praktische Untersuchung bezüglich der Funktion von Geld in ausgewählten Märchen der Brüder Grimm
3.1. Währungsformen
3.2. Die Funktion von Geld in Märchen
4. Schlussworte
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die bisher wenig beachtete Rolle von Geld als Symbol in den Märchen der Brüder Grimm. Dabei wird analysiert, welche Funktionen Geld innerhalb der Erzählungen einnimmt – insbesondere in Bezug auf seine pädagogische Wirkung, seinen symbolischen Gehalt und seine Bedeutung für die moralische Erziehung der Leser.
- Pädagogische Bedeutung und erzieherischer Charakter von Märchen
- Entwicklung und Wandel der Zielgruppen von Märchen
- Analyse verschiedener Währungsformen in den Kinder- und Hausmärchen
- Die Funktion von Geld als Belohnung für moralisches Handeln
- Gold als symbolisches Element für Magie und sozialen Aufstieg
Auszug aus dem Buch
3.1. Währungsformen
Um in das Thema Geld einzuleiten, möchte ich zunächst den Untersuchungsgegenstand genauer definieren. Zum gesamten Themenbereich Geld gibt es selbstverständlich eine große Auswahl an Definitionen, die sich in ihrer Genauigkeit deutlich unterscheiden. Weller beschreibt mit seiner kurzen Definition „Geld ist der Träger der Information über einen Besitz“22, sehr präzise und dennoch knapp die sinngebende Eigenschaft von Geld.
Geld ist also nur ein von Menschen festgelegtes Mittel, das zur Vereinfachung und zur Vereinheitlichung von Tauschgeschäften erfunden wurde. Vor der Einführung von gleichen Geldmünzen basierte der Markt viel offensichtlicher auf den Bedürfnissen und Nöten der Menschen. Es galt Ware gegen Ware, im besten Falle wertgleich. Oftmals gaben die Menschen aber auch viele Wertgegenstände auf, um ihre Grundbedürfnisse zu decken. Auch in den Märchen der Brüder Grimm sind viele Tauschgeschäfte zu finden. Beispiele sind das Märchen 'Der Ranzen, das Hütlein und das Hörnlein'23 und die Geschichte von 'Hans im Glück'24. Die Gegenstände, die getauscht werden, sind dabei extrem vielseitig. Da gibt es zum einen einen Wundertornister, Pferde, Kühe, Steine, 100 Reiter und sogar ganze Königreiche.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung der Märchen der Brüder Grimm als erzieherisches Werk ein und formuliert die Forschungsfrage nach der Funktion von Geld in diesen Texten.
2. Die pädagogische Wirkung der Märchen der Brüder Grimm: In diesem Kapitel wird der pädagogische Nutzen der Märchen sowie deren moralische Komponente und Zielgruppenentwicklung analysiert.
3. Praktische Untersuchung bezüglich der Funktion von Geld in ausgewählten Märchen der Brüder Grimm: Dieser Hauptteil untersucht konkret die verschiedenen Währungsformen in den Märchen und analysiert, welche Rollen Geld als Lohn, Belohnung und Symbol spielt.
4. Schlussworte: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass Geld in den Märchen primär als pädagogisches Instrument zur Vermittlung moralischer Werte dient.
Schlüsselwörter
Märchen, Brüder Grimm, Geld, Pädagogik, Moral, Währung, Symbolik, Erziehung, Literaturwissenschaft, Gold, Tauschhandel, Sozialer Aufstieg, Wertvorstellungen, Kinder- und Hausmärchen, Identifikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Funktion und Bedeutung des Symbols "Geld" in den Märchen der Brüder Grimm.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind der pädagogische Wert von Märchen, die moralische Erziehung, die symbolische Funktion von Geld und der gesellschaftliche Kontext der Märchenfiguren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, herauszuarbeiten, welche Funktion Geld in den Märchen übernimmt und inwieweit es moralisches Handeln und den sozialen Aufstieg der Helden unterstützt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die theoretische Grundlagen der Märchenpädagogik mit einer praktischen Untersuchung von Geld- und Währungsdarstellungen in den Märchen der Brüder Grimm verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Währungsformen, verschiedene Wege zum Reichtum und die symbolische Bedeutung von Geld und Gold als Belohnung für tugendhaftes Verhalten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Märchenpädagogik, Moral, Symbolik, Geld, Brüder Grimm und Erziehung beschreiben.
Wie unterscheidet sich die Darstellung von Arm und Reich in den Märchen?
Arm und Reich werden als extreme Gegensätze dargestellt, wobei Reichtum meist als Lohn für bestandene Herausforderungen und tugendhaftes Verhalten dient, während Armut oft als Mangelzustand gilt.
Welche Rolle spielt die Symbolik von Gold?
Gold symbolisiert in den Märchen nicht nur materiellen Wert, sondern steht für Magie, das Gute und markiert den korrekten Handlungsweg für den Helden.
Warum gibt es in der Märchenwelt keinen Mittelstand?
Die Figurenkonstellation folgt extremen Gegensatzpaaren, was das Erkennen von moralisch richtigem Handeln zwischen den sozialen Schichten der Unter- und Oberschicht erleichtern soll.
- Citation du texte
- Franziska Marie Michels (Auteur), 2018, Die Funktion von Geld in den Märchen der Brüder Grimm, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/536497