Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Roman "Der Verschollene" von Franz Kafka. Die zentrale Fragestellung der Arbeit ist, welche Identität oder auch Identitäten die Romanfigur Karl Roßmann nach seiner Flucht von Deutschland nach Amerika entwickelt. Besonders die Faktoren der Migration und sein sehr junges Alter sind interessante Grundlagen, wenn es um das Thema Identität geht.
Um mich der Beantwortung dieser Frage zu nähern, werde ich mich zunächst mit dem Oberbegriff "Identität" auseinandersetzen. Die Untersuchung erfolgt aus soziologischer, sozialwissenschaftlicher und sozialpsychologischer Sicht. Diese Vorgehensweise bietet sich deshalb an, weil die Sozialwissenschaften eher auf die äußeren Umstände, wie die Mitmenschen des Akteurs eingehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Identität
2.1. Der Begriff Identität
2.2. Die Identitätsbildung
2.3. Die Identitätskrisen
3. Identitätsentwicklung von Karl Roßmann in dem Roman „Der Verschollene“
4. Fazit: Welche Identitätsentwicklung durchlebt Karl Roßmann? Welche Rolle spielen Migration und Identität heutzutage?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Identitätsentwicklung der Romanfigur Karl Roßmann aus Franz Kafkas „Der Verschollene“ unter Berücksichtigung seiner Flucht von Deutschland nach Amerika. Dabei wird analysiert, wie Migrationserfahrungen in jungen Jahren sowie soziologische und psychologische Faktoren die Identitätsbildung des Protagonisten beeinflussen und welche Krisen er dabei durchläuft.
- Soziologische und psychologische Grundlagen der Identitätsbildung
- Einfluss von Migration auf die Identitätsentwicklung
- Lebenszyklusmodell nach Erik H. Erikson im Kontext der Romanfigur
- Identitätssuche und Patchwork-Identität bei Karl Roßmann
- Die Bedeutung von Beruf und sozialem Umfeld als Identitätsanker
Auszug aus dem Buch
3. Identitätsentwicklung von Karl Roßmann in dem Roman „Der Verschollene“
Solch eine reaktive Identitätsstörung durchlebt die Hauptfigur Karl Roßmann aus dem Roman „Der Verschollene“ von Franz Kafka. Aufgrund einer ungewollten Schwangerschaft eines Dienstmädchens seiner Eltern, muss er Deutschland verlassen, um in Amerika bei seinem Onkel einen Neustart zu wagen. Durch den biografischen Bruch verliert er sein soziales Umfeld, sowie seine nationale und berufliche Identität. Kurz gesagt, er verliert seine Heimat. Die Schwere dieses Verlusts wird dadurch deutlich, dass Karl noch lange Zeit auf eine Rückkehr in die alte Heimat hofft, weshalb er seinen Ankunftshafen New York nur ungern verlassen möchte. Und auch viele Situationen oder Gebäude erinnern ihn an sein ursprüngliches Zuhause. Um in dem neuen Land zurecht zu kommen, muss er also eine neue Identität formen. Diese von der Gesellschaft auferlegte Identität ist zunächst die, des Fremden. Diese Rolle ist er sich von Anfang an bewusst und kritisiert die negative Voreingenommenheit der Amerikaner. In alle Gruppen in die Karl im Laufe seiner Reise hinzustößt, ist zu Beginn der Neue. Wie schon zuvor gesagt, umgibt ihn als den Fremden eine geheimnisvolle Aura die anziehend wirkt, genauso bringt diese Position aber auch extreme Skepsis mit sich. Fast ironisch ist hier die Beobachtung, dass sich Karl anfangs während seines Aufenthalts auf dem Schiff noch überlegen fühlt, da es ein deutsches Schiff ist, und seinen ausländischen Mitreisenden misstraut. In diesem Moment sind sie für ihn das Feindbild des Fremden. Besonders im Umgang zwischen Karl und dem Heizer zeigen sich die verschiedenen Charakteristika des Fremden. So wirft der Heizer Karl auf sein Bett und legt sich neben ihn und sucht immer wieder seine Nähe. Diese Annäherungsversuche könnten für die vermeintliche sexuelle Grenzenlosigkeit des Fremden stehen. Ohne Anzeichen oder Einwilligung von Seiten Karls macht der Heizer mit ihm was er möchte. Karl lässt dies mit sich geschehen und wirkt dadurch leblos und fragil, fast schon unterwürfig.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Fragestellung ein, wie Karl Roßmann nach seiner Flucht in Amerika eine Identität entwickelt und welche Rolle dabei soziale sowie psychologische Faktoren spielen.
2. Identität: Dieses Kapitel erläutert den Begriff Identität, beschreibt Prozesse der Identitätsbildung unter Einbeziehung des Lebenszyklusmodells nach Erik H. Erikson und definiert verschiedene Arten von Identitätskrisen.
3. Identitätsentwicklung von Karl Roßmann in dem Roman „Der Verschollene“: Hier wird die theoretische Identitätsforschung auf die Romanfigur Karl Roßmann angewandt, wobei insbesondere sein Status als Fremder und seine Versuche der sozialen Integration analysiert werden.
4. Fazit: Welche Identitätsentwicklung durchlebt Karl Roßmann? Welche Rolle spielen Migration und Identität heutzutage?: Das Fazit fasst die Identitätsentwicklung Karls zusammen und stellt einen Bezug zur Bedeutung von Migration und Identität in der heutigen, globalisierten Welt her.
Schlüsselwörter
Identität, Identitätsbildung, Identitätskrise, Migration, Der Verschollene, Karl Roßmann, Franz Kafka, Erik H. Erikson, Reative Identitätsstörung, Identitätsdiffusion, Patchwork-Identität, Soziologie, Sozialpsychologie, Identitätsanker, Heimatverlust
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der psychologischen und soziologischen Untersuchung der Identitätsentwicklung der Figur Karl Roßmann in Franz Kafkas Roman „Der Verschollene“ nach dessen Migration nach Amerika.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Identitätsbildung, die Auswirkungen von Heimatverlust und Migration auf das Individuum sowie die Suche nach sozialer Identität und Zugehörigkeit.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Karl Roßmann in einer für ihn fremden Welt versucht, eine stabile Identität zu formen, und welche Krisen er dabei durchläuft, wobei die theoretischen Modelle von Erik H. Erikson und George Herbert Mead Anwendung finden.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde in dieser Arbeit angewendet?
Die Autorin wählt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die durch soziologische und sozialpsychologische Theorien zur Identitätsforschung gestützt wird, um das Verhalten des Protagonisten zu deuten.
Welche zentralen Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil wird zunächst der theoretische Rahmen (Identitätsbegriff, -bildung und -krisen) abgesteckt, um anschließend konkret die verschiedenen Stadien der Identitätssuche von Karl Roßmann anhand seiner Interaktionen mit verschiedenen Bezugspersonen im Roman zu analysieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Identitätsentwicklung, Migration, Identitätskrisen, Romananalyse, Kafkas „Der Verschollene“ und psychologischen Identitätsmodellen beschreiben.
Inwiefern beeinflusst das Modell von Erik H. Erikson die Analyse der Figur Karl Roßmann?
Das Modell wird genutzt, um Karls Entwicklungsschritte und seine Krisen – insbesondere im Hinblick auf das Alter des Protagonisten und seine soziale Unsicherheit – theoretisch fundiert einzuordnen und zu erklären, warum er oft nur schwer eine stabile Identität findet.
Welche Bedeutung hat die "Patchwork-Identität" im Kontext dieser Analyse?
Der Begriff dient dazu, Karls Anpassungsprozesse an wechselnde soziale Gruppen (wie den Onkel, den Heizer oder die Bande im Hotel) und seine daraus resultierende fragmentierte Identität im modernen Kontext des Romans zu beschreiben.
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- Franziska Marie Michels (Autor), 2017, Karl Roßmanns Identitätsentwicklung im Roman "Der Verschollene", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/536501