Die Schwerpunktsetzung der vorliegenden Arbeit markiert die Untersuchung, ob und inwieweit sich die Relevanz von bibeldidaktischen Themen und die Einbettung biblisch-exegetischer Inhalte im Unterrichtskanon zwischen katholischen und evangelischen Religionsunterricht unterscheidet. Dabei liegt der Fokus der Untersuchung zunächst auf der historischen Genese des bibeldidaktischen Unterrichts und seine zentralen Themenstellungen vor dem Hintergrund sich wandelnder religionspädagogischer Grundkonzepte. Im Anschluss an die Darstellung der historischen Entwicklungen soll aufgezeigt werden, welchen Stellenwert die Bibeldidaktik unter den Vorzeichen einer zunehmend säkularisierten Gesellschaft, die sich durch geringe religiöse Sozialisation auszeichnet, im katholischen wie auch im evangelischen Religionsunterricht der Gegenwart einnimmt.
Dabei sollen Maßnahmen gegen das fortschreitende Desinteresse von Schüler/innen an der Beschäftigung mit biblischen Stoffen und der Bedeutungsverlust von biblischer Lektüre sowie die Auseinandersetzung mit dieser auf Seiten des Religionsunterrichts beider Konfessionen beleuchtet werden. Hierbei sollen nicht nur die Unterschiede zwischen den bibeldidaktischen Konzepten auf katholischer wie auf evangelischer Seite ausgemacht werden, sondern vor allem Formen der ökumenischen Methodik präsentiert werden, die für eine gemeinsame Form des (bibeldidaktischen) Religionsunterrichts sprechen. Als Fazit werden noch einmal alle Konzepte des bibeldidaktischen Unterrichtens auf den Seiten beider Konfessionen aufgezeigt und abschließend mit den gegenwärtigen religionsunterrichtlichen Methoden verglichen. Dabei wird ein Ausblick in die Zukunft bibeldidaktischen Lernens und Lehrens den Abschluss der Arbeit bilden.
Inhaltsverzeichnis
1) Einleitung
2) Die Genese des bibeldidaktischen RU aus evangelischer und katholischer Perspektive
2.1) Katechismusunterricht und die ,Münchener Methode‘
2.2) Der kritische Umgang mit der Bibel - Die liberale Bibeldidaktik
2.3) Die Evangelische Unterweisung und die materialkerygmatische Bibeldidaktik
2.4) Die hermeneutische Bibeldidaktik
3) Heutige bibeldidaktische Konzepte
3.1) Der Konfessionell-kooperative RU
4) Fazit und Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung und aktuelle Relevanz bibeldidaktischer Konzepte im katholischen und evangelischen Religionsunterricht, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in einer zunehmend säkularisierten Gesellschaft aufzuzeigen und Ansätze für eine zukunftsorientierte, ökumenische Zusammenarbeit zu identifizieren.
- Historische Genese bibeldidaktischer und religionspädagogischer Konzepte seit dem 19. Jahrhundert.
- Vergleich der Lehrmethoden von konfessionell-dogmatischen Ansätzen bis hin zur modernen Bibeldidaktik.
- Analyse des Stellenwerts der Bibel unter den Bedingungen einer säkularisierten und pluralistischen Gesellschaft.
- Darstellung aktueller Ansätze wie des Konfessionell-kooperativen Religionsunterrichts (KoKoRU).
- Diskussion über Maßnahmen gegen das sinkende Interesse an biblischen Inhalten bei Jugendlichen.
Auszug aus dem Buch
2.1) Katechismusunterricht und die ,Münchener Methode‘
Von den Strömungen der Epoche der Aufklärung beeinflusst veränderte sich im 20. Jahrhundert nicht nur der Umgang mit biblischen Texten durch neue Auslegungspraktiken, wie der historisch-kritischen Exegese auf Seiten der evangelischen Theologie, sondern damit einhergehend wurden auch religionspädagogische Konzepte des evangelischen RU angesichts der früheren Behandlung von biblischen Texten als nicht zu hinterfragendes, allein von Gott gesandtes Zeugnis, modifiziert und neu ausgerichtet. Das Fundament für diese Entwicklung wurde jedoch bereits im 19. Jahrhundert durch die kritische Betrachtung eines RU gelegt, der letztlich vom normativen Auswendiglernen und Rezitieren des Katechismus, auf evangelischer wie auch auf katholischer Seite, geprägt war. Insbesondere Friedrich A. W. Diesterweg und Friedrich Schleiermacher, der durch seine Vermittlung des Gedankenguts der Aufklärung mit den Grundsätzen der Religion auch als ,Vater der [modernen] Religionspädagogik‘ bezeichnet wird, waren Wegbereiter einer neuen religionspädagogischen Konzeption, deren Anliegen es war, leitende Positionen der Aufklärung, wie die Bildung des ganzen Menschen mitsamt seiner Erziehung zu sittlichem Handeln, und religiöse Ziele, wie der Weckung des religiösen Gefühls, zu vereinbaren.
Diesterweg ging davon aus, dass die Lehre der Kirche und die Pädagogik seiner Zeit einen nicht zu vereinbarenden Gegensatz bildete, sodass nur eine konsequente Ablehnung des Einflusses der Kirche auf den RU und damit einhergehend die Absage an den konfessionell-dogmatischen RU in Betracht käme. Der konfessionelle RU sollte von der Autorität der Kirche getrennt und in einen „allgemeinen RU“ umgewandelt werden, der schulisch und pädagogische Begründung erfahren sollte und in der Verantwortung des Staates liegen sollte. Konträr dazu wollte Friedrich Schleiermacher die Religionspädagogik gänzlich aus dem schulischen Kontext lösen, um sie in den kirchlichen Hoheitsbereich zurückzuführen. Seine Grundannahme war, dass die Religionspädagogik primär zur Familienerziehung dienen sollte. Alle religionspädagogischen Aufgaben, wie etwa die Weckung und Förderung einer religiösen Geisteshaltung sowie die Befähigung zur Beteiligung und zum Verständnis der religiösen Prozesse innerhalb der Kirche, sah Schleiermacher als Aufgabe der Kirche, nicht des RU.
Zusammenfassung der Kapitel
1) Einleitung: Die Einleitung definiert den Fokus auf die historische und gegenwärtige Bibeldidaktik im Religionsunterricht und stellt das Ziel dar, ökumenische Möglichkeiten in einer säkularisierten Welt zu untersuchen.
2) Die Genese des bibeldidaktischen RU aus evangelischer und katholischer Perspektive: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung von der Katechismus-Ära bis hin zu den verschiedenen modernen Bibeldidaktik-Konzepten nach.
2.1) Katechismusunterricht und die ,Münchener Methode‘: Hier werden die Ursprünge der Kritik am Katechismus-Auswendiglernen und die Entstehung der „Münchener Methode“ als reformorientierter Ansatz erläutert.
2.2) Der kritische Umgang mit der Bibel - Die liberale Bibeldidaktik: Dieses Kapitel beschreibt den Wandel hin zur liberalen Bibeldidaktik, bei der die subjektive Erfahrung des Schülers und die historisch-kritische Exegese in den Vordergrund rückten.
2.3) Die Evangelische Unterweisung und die materialkerygmatische Bibeldidaktik: Hier wird die Rückbesinnung auf die Bibel als „offenbartes Wort Gottes“ ab den 1930er Jahren und die damit einhergehende didaktische Kehre thematisiert.
2.4) Die hermeneutische Bibeldidaktik: Dieses Kapitel behandelt das Konzept der hermeneutischen Bibeldidaktik, das die historisch-kritische Forschung mit dem Prinzip der Elementarisierung für den Schulunterricht verbindet.
3) Heutige bibeldidaktische Konzepte: Das Kapitel diskutiert aktuelle Herausforderungen der Bibeldidaktik angesichts von Säkularisierung und fehlender religiöser Sozialisation bei Jugendlichen.
3.1) Der Konfessionell-kooperative RU: Hier wird der Konfessionell-kooperative Religionsunterricht (KoKoRU) als Antwort auf die demografische und religiöse Pluralisierung in der Schule vorgestellt.
4) Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, dass sich die Konfessionen methodisch annähern und ökumenische Kooperationen für die Zukunft des Religionsunterrichts unumgänglich sind.
Schlüsselwörter
Bibeldidaktik, Religionsunterricht, Katechismus, Säkularisierung, Konfessionell-kooperativer Religionsunterricht, KoKoRU, Hermeneutik, Historisch-kritische Exegese, Religionspädagogik, Reformpädagogik, Schülerorientierung, Ökumene, Elementarisierung, Bibelverständnis, Glaubensvermittlung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historische Entwicklung der Bibeldidaktik im katholischen und evangelischen Religionsunterricht und vergleicht dabei die methodischen Unterschiede und Gemeinsamkeiten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Felder sind die historische Genese der Religionsdidaktik, die Rolle der Bibel im Unterrichtskanon, der Wandel durch die Säkularisierung und moderne Konzepte für einen ökumenischen Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie sich bibeldidaktische Ansätze verändert haben und welche Möglichkeiten einer gemeinsamen, ökumenischen Form des Religionsunterrichts angesichts sinkender religiöser Sozialisation bestehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt einen historischen Abriss der religionspädagogischen Konzeptionen und vergleicht diese vor dem Hintergrund aktueller didaktischer Debatten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Entwicklung (von der Katechismusdidaktik über die liberale und hermeneutische Bibeldidaktik) und die Analyse gegenwärtiger Ansätze wie des Konfessionell-kooperativen Religionsunterrichts.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Besonders prägend sind die Begriffe Bibeldidaktik, Religionsunterricht, Säkularisierung, KoKoRU und hermeneutische Didaktik.
Was unterscheidet die „Münchener Methode“ von der klassischen Katechismusdidaktik?
Die Münchener Methode zeichnet sich durch ein induktives Verfahren aus, das nicht mehr den Katechismus und die Textanalyse in den Mittelpunkt stellt, sondern die Herleitung der katechetischen Aussagen hervorhebt.
Warum wird der „Konfessionell-kooperative Religionsunterricht“ als notwendig erachtet?
Er gilt als Antwort auf die abnehmende Zahl christlich sozialisierter Schüler und als organisatorische sowie didaktische Notwendigkeit, um den Religionsunterricht in einer pluralen Gesellschaft lebensrelevant zu halten.
- Arbeit zitieren
- Bianca Weihrauch (Autor:in), 2019, Ökumenische Bibeldidaktik. Gibt es Unterschiede im katholischen und evangelischen Religionsunterricht?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/536534