Das Neolithikum in Ägypten


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Die Klimaentwicklung

3 Die Phasen der menschlichen Besiedlung
3.1 Die frühholozäne Wiederbesiedlungsphase (8500−7000 v. Chr.)
3.2 Die Mittelholozäne Entstehungsphase (7000 bis 5300 v. Chr.)
3.3 Die Regionalisierungsphase im mittleren Holozän (5300–3500 v. Chr.)
3.4 Die Marginalisierungsphase (3500−1500 v. Chr.)

4 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In dieser Arbeit wird ein Überblick der menschlichen Besiedlung Ägyptens im Neolithikum und deren Abhängigkeit von den klimatischen Entwicklungen geliefert. Die Ostsahara verbindet mit einer Ausdehnung von der Fläche Westeuropas: Ägypten, den Nordsudan, das östliche Libyen und den nordöstlichen Tschad (Abb. 1) (Kröplin/Kuper 2007, 22).

2 Die Klimaentwicklung

Mit Anbruch des Holozäns im 9. Jahrtausend v. Chr. lassen sich die ersten Belege für einen gravierenden Klimawandel im nordafrikanischen Gebiet, der primär auf eine Ausdehnung des Monsunsystems zurückzuführen ist, feststellen (Kröpelin/Kuper 2007, 22). Im Gegensatz zu den Folgerungen aus Aufzeichnungen von Küstennahen Meeressediment und numer-ischen Modellierung, haben wir die geologischen und archäologischen Archive betreffend hingegen nur ein einziges überregionales Klimazeichen der östlichen Sahara – nämlich den Beginn der semiariden Bedingungen im Norden und der semihumiden Bedingungen im Süden um etwa 8500 v. Chr. (Kuper/Kröpelin 2006, 803. 806 f.). Um etwa 8.500 v. Chr. ver-lagerte sich der Wüstenrand der Sahara, innerhalb von ein paar Jahrhunderten bis zu 800 km nördlich zum 24. Breitengrad-Nord, wodurch es zu Monsunregenfällen im größten Teil der ehemalig hyperariden Wüste kam (Kuper/Kröpelin 2006, 807; Kröpelin/Kuper 2007, 29. Vgl. Bubenzer/Riemer 2007, 611). Diese hatten einen grundlegenden klimatischen Wandel von hyperariden Bedingungen zu Savannenvegetation und temporären Seen- und Flussbil-dungen im Jungplästozän zur Folge, wodurch es zu einer temporären raschen Verbreitung von Wildtieren sowie Wiederbesiedlung der gesamten östlichen Sahara durch prähistorische Populationen kam (Abb. 2) (Kuper/Kröpelin 2006, 807). Anderswo in der Sahara kam es zu abrupten Trocknungsvorgängen, die vielleicht durch nachlassende Niederschläge in einer bestimmten Breitenposition zu einem bestimmten Zeitpunkt oder durch Absinken des ört-lichen Grundwasserspiegels erklärt werden können (Kuper/Kröpelin 2006, 807). Das rasche Fortschreiten der Regenfront von Süden nach Norden wird durch „das Einsetzten fossilreicher Seeablagerungen (…)“ um 9000 v. Chr. belegt, was gut mit den frühesten 14C-Daten von archäologischen Stätten aus der westlichen Wüste in Einklang zu bringen ist (Abb. 2−3) (Kröpelin/Kuper 2007, 22; Bubenzer/Riemer 2007, 609; Kuper/Kröpelin 2006, 803). Die Überreste von Schlamm- sowie Playa-Ablagerungen außerhalb der Oasen ist durch die signifikante Abwesenheit von jedweder aquatischer Bioaktivität, wie z. B. die Über-reste von Mollusken oder Pflanzen, charakterisiert, die sich mit einer permanenten oder regulären saisonalen Überschwemmung verbinden lassen würden (Bubenzer/Riemer 2007, 611). Diese Tatsache und die geringe Salinität von Playa-Sedimenten indiziert generell aride Bedingungen mit nur episodischen und höchst variablen Regenfällen (Bubenzer/Riemer 2007, 611). Als Folge setzte die Besiedlung der Wüste hohe Mobilität und Flexibilität voraus (Bubenzer/Riemer 2007, 611).

Die gewöhnliche Fauna, wie sie an den meisten Stätten dokumentiert ist, war die einer Wüstenumgebung mit kleinen Gazellen (Gazella dorcas und Gazella leptoceros), Kaphasen bzw. Wüstenhasen (Lepus capensis) und Wildfüchsen (Fennecus zerda) wohingegen das vordringen von semiariden Faunen weniger häufig war (Bubenzer/Riemer 2007, 611). An-hand der Auswertung von Kohleresten aus Lagerfeuern stellten Acacia und Tamarix die gewöhnliche Waldflora dar −die ökologische Interpretation wird durch Analysen von Knochen und Kohleresten von zahllosen archäologischen Stätten aus der westlichen Wüste gestützt (Bubenzer/Riemer 2007, 611). Auf Basis der archäobotanischen Dokumentation berechnete Neumann (1989a-b) den jährlichen Niederschlag auf ein Maximum von 50 mm/m[2] im frühen Holozän und auf 100 mm/m[2] im mittleren Holozän (Siehe dazu Bubenzer/Riemer 2007, 611).

Die Zusammenstellung der verfügbaren 14C-Daten der Ostsahara (z. B. C-14 Daten von mehr als 150 archäologischen Ausgrabungen) zeigt eine Südwestbewegung menschlicher Besiedlung von ca. 35 km pro Jahr (Abb. 3), die mit der südwärts Verschiebung der Sommer Monsunregenfälle zusammenhängt (Bubenzer/Riemer 2007, 609; Kröpelin/Kuper 2007, 29; Kuper 2006, 803. 807), die ab 5300 v. Chr. ausbleiben und − ungeachtet vorübergehender klimatischer Störungen, welche ein Charakteristikum für Wüstenränder darstellen − zu einer allmählichen Austrocknung sowie Verschlechterung der Umwelt in der Ostsahara führten, wie es in den folgenden Jahrtausenden anhand des Abbruchs der sedimentären Wasserab-lagerungen und der Aufgabe von prähistorischen Siedlungen bei abnehmenden Breiten nachverfolgt werden kann (Kuper/Kröpelin 2006, 807; Kröpelin/Kuper 2007, 29). Dieser recht lineare Prozess gipfelt in den gegenwärtigen extremariden Bedingungen, die noch nicht das Ausmaß des oberen Pleistozäns erreicht haben (Abb. 1F) (Kuper/Kröpelin 2006, 807). Der Schlüssel zum Überleben war vor allem die Mobilität, die prähistorische Gesellschaften von der Nahrungssuche zu einer Multi-Ressourcenwirtschaft und Pastoralismus angetrieben hat (Kuper/Kröpelin 2006, 807; Kröpelin/Kuper 2007, 29). Diese Südwestbewegung mensch-licher Besiedlung sowie der Ablauf der Klimageschichte der Ostsahara während der letzten 12.000 Jahre können aufgrund der „(…) Zusammenstellung der Forschungsergebnisse der letzten 25 Jahre (…)“ in vier Phasen untergliedert und mit bedeutenden kulturhistorischen Entwicklungen korreliert werden (Kröpelin/Kuper 2007, 22. Vgl. Kuper/Kröpelin 2006, 803) (Abb. 4).

3 Die Phasen der menschlichen Besiedlung.

Hier werden die Hauptbesiedlungsphasen im Rahmen ihrer angenommen Umweltgegeben-heiten unter der Berücksichtigung des klimatischen Hintergrundes in synoptischen Zonen, begrenzt durch bestmögliche Schätzung von Isohyeten, auf der Grundlage von geologisch-en, archäozoologischen und archäobotanischen Daten besprochen (Kuper/Kröpelin 2006, 805). Die Korrelation zwischen dem vorgeschlagenen pluviometrischen Muster und dem archäologischen Befunden erzeugt ein kohärentes Szenario für die sich verändernden Um-weltbedingungen sowie dem soziokulturellen und wirtschaftlichen Wandel in der östlichen Sahara seit dem Endpleistozän. Überregionale Untersuchungen der Holozänen Besiedlungs-geschichte der Ostssahara westlich des Nils in Verbindung mit der Untersuchung von Klima-, Umwelt-, und geomorphologischen Daten wurden in gegensätzlichen Wüstenregionen von dem Mittelmeerküstenstreifen bis zum Wadi Howar im Sudan (Ein Transsekt von mehr als 1500 km) – von der Universität Köln im Rahmen des Arid Climate, Adaption and Cultural Innovation in Africa (ACACIA) Projektes (siehe www.uni-koeln.de/sfb389) – durchgeführt (Vgl. Bubenzer/Riemer 2007, 608 f.).

Während der endpleistozänen Trockenphase – „nach dem letzten glazialen Maximum um 21.000 v. Chr. (…)“(Kröpelin/Kuper 2007, 25) – erstreckte sich die Sahara-Wüste etwa 400 km weiter südlich als heute und bedeckte mehr als ein Drittel des afrikanischen Kontinents (Abb. 1A+F) (Kuper/Kröpelin 2006, 803; Kröplin/Kuper 2007, 25). Zudem war während dem Ende des Pleistozäns um etwa 12.000 v. Chr. das „Wilde Nil“ Level so niedrig (Kuper/Kröpelin 2006, 805), dass sich die Lebensbedingungen entlang des Nils enorm verschlechterten wodurch es vermutlich zu Konflikten um Land und Nahrung kam, wie es zum Beispiel der spät paläolithische Friedhof von Jebel Sahaba im nubischen Niltal, in dem viele der mehr als 60 um 12.000 v. Chr. Verstorbenen einen gewaltsamen Tod erlitten, indiziert (Kuper/ Kröpelin 2006, 805; Kröpelin/Kuper 2007, 25). Zu jener Zeit beschränkten sich die Existenzmöglichkeiten noch ausschließlich auf das Niltal (vgl. Abb. 1A) (Kröpelin/Kuper 2007, 26). Prähistorische Stätten entlang des Nils sind am Lake Nubia, wegen der mit dem Assuan-Staudamm verbundenen archäologischen Rettungsgrabungen, überrepräsentiert. Im Kontrast dazu steht der eindeutige und vollständige Mangel von Befunden aus der Wüste (Kuper/Kröpelin 2006, 803. 805).

3.1 Die frühholozäne Wiederbesiedlungsphase (8500−7000 v. Chr.)

Mit dem plötzlichen Einsetzen der Monsunregen um 8500 v. Chr., verwandelte sich die savannenähnliche Landschaft der Ostsahara in eine bewohnbare Region, die Wildkörner für die Jäger und Sammler sowie Weiden für ihr Wild zur Verfügung stellte, in der sich, kurz darauf prähistorische Menschen bis jenseits des Gilf Kebir niederließen (Abb. 1B), wie es epipaläolithische Lagerstätten im Bereich des Regenfeldes, die von 8000 bis 7000 v. Chr. datieren, belegen (Bubenzer/Riemer 2007, 611). Insbesondere in den nördlichen Regionen, wie der Djara Region, suggerieren 14C-Daten und archäologische Daten das die Besiedlung nicht vor 7500 v. Chr. begann und ab 6300 v. Chr. rapide anstieg (Bubenzer/Riemer 2007, 611). Gruppen aus dem Süden, die sich bereits an die Savannenökologie angepasst hatten, erweiterten ihre traditionelle Lebensweise der Nordverschiebung des Regenfalls folgend, während Nil-Bewohner womöglich, wie es der Mangel an archäologischen Stätten bzw. Siedlungen im Niltal − mit Ausnahme von El Kab − und in der Wadi Howar Region wider-spiegelt (Abb. 2−4), das unwirtliche (für eine Ansiedlung zu sumpfige und gefährliche) Tal verlassen haben (Kuper/Kröpelin 2006, 805; Kröpelin/Kuper 2007, 27). Während des frühen Holozänen Feuchtoptimums (Bubenzer/Riemer 2007, 607 f.) bevorzugten Jäger und Sammler offensichtlich die weniger bewaldeten Grünlandflächen nördlich der regelmäßig überfluteten und waldreichen Gebiete der südlichen Sahara (Kuper/Kröpelin 2006, 805).

Hinterlassenschaften prähistorischer Menschen sind insbesondere auf Dünen im Umfeld einstiger Wasserstellen anzutreffen, beispielsweise auf den ‚Siedeldünen‘ entlang des Unteren Wadi Howar (Kröpelin/Küper 2007, 24 f.). Archäologisches Material besteht größten-teils aus: Reibsteinen, -schalen, Steinbeilen und, Mikrolithen sowie Rohmaterial zu Wohn-zwecken und zur Werkzeugherstellung (Kröpelin/Küper 2007, 25). Abgesehen von Knochenresten stößt man vornehmlich auf Scherben verzierter Keramikgefäße, welche auch ohne absolute Datierbarkeit grobe zeitliche Einstufungen zulassen (Kröpelin/Küper 2007, 25). Der epipaläolithische Werkzeugkasten sowie archäozoologische Zeugnisse aus Nabta und Bir Kiseiba sowie u. a. Gefäße mit sog. Wellenlinienverzierung (Abb. 5) − welche im Zuge der Wiederbesiedlung der Wüste bis nach Westägypten gelangte (Kröpelin/Kuper 2007, 27) und zur ältesten Keramik der Welt gehört − die weithin „(…) mit einer ans Wasser-gebundenen, von Fischfang und Jagd lebenden Bevölkerung (…)“ (Kröpelin/Kuper 2007, 27) in Bezug gesetzt wird, weisen sie als Jäger und Sammler aus; die möglicherweise schon etwas Tierhaltung ausübten (Kuper/Kröpelin 2006, 805). Die Entwicklung der Technologie zur Keramikherstellung erscheine dabei als eigenständige Errungenschaft Afrikas (Kröpelin/Kuper 2007, 27; Kuper/Kröpelin 2006, 805). Zur gleichen Zeit vollzieht sich im Vorderen Orient schon der Übergang von einer von der Jagd lebenden zur sesshaften Ackerbau und Viehhaltung betreibenden Gesellschaft (Kröpelin/Kuper 2007, 27).

3.2 Die Mittelholozäne Entstehungsphase (7000 bis 5300 v. Chr.)

Durch wirtschaftliche und technologische Anpassungen an regional unterschiedliche ökolo-gische Gegebenheiten etablierte sich nach 7000 v. Chr. menschliche Besiedlung in der ge-samten Ostsahara (Abb. 1C) (Kuper/Kröpelin 2006, 805). Eindruckverzierte Keramik nach sudanesischer Tradition ist im Norden beispielsweise bis zu den ägyptischen Oasen und der Großen Sandsee vertreten (Abb. 1C) (Kuper/Kröpelin 2006, 805). Auf dem ägyptischen Abu Muhariq Plateau kam es aufgrund einer offensichtlich in der Levante verwurzelten Techno-logie zu einer kompletten Änderung im Steinwerkzeugsatz der bis hin zu den späteren prä-dynastischen Kulturen des Niltals zurückverfolgt werden kann (Kuper/Kröpelin 2006, 805). Der Beginn der Nahrungsproduktion in Form von Pflanzenanbau und Viehhaltung in der menschlichen Vorgeschichte wurde in der Archäologie Ägyptens bis 2010 zumindest noch nicht ausreichend studiert (Shirai 2010, 375). In der Zeit von 7000 bis 5300 v. Chr. stellte die Jagd zwar nach wie vor eine substantielle Lebensgrundlage dar, allerdings kam es in der Ostsahara zu kulturellen und wirtschaftlichen Veränderungen durch welche die Entwicklungsgeschichte des kompletten Kontinents beeinflusst wurde (vgl. Abb. 1C; Abb. 2) (Kröpelin/Kuper 2007, 27; Kuper/Kröpelin 2006, 805). Die wichtigste Innovation stellt der Beginn der Viehhaltung, vor allem die Domestizierung „(…) des Rindes, von der amerikan-ische und polnische (…)“ Wissenschaftler annahmen, dass sie sich schon um 8000 v. Chr. im Westen des Assuan-Stausees ereignete (Kröpelin/Kuper 2007, 27; Kuper/Kröpelin 2006, 805). Die Nachforschungen von Kröpelin und Kuper sowie Riemer und später Shirai erga-ben, dass domestizierte Tiere aus der Levante erst im 6. Jahrtausend v. Chr. Ägypten er-reichten und den Beginn der Nahrungsproduktion darstellen (Shirai 2010, 375; Kuper/Kröpelin 2006, 805; Riemer 2007, 107. 110 f.) (Abb. 6a). So lässt sich anhand des geringer werdenden Alters des lokal frühesten Erscheinen des domestizierten Rindes – um 5000 v. Chr. „(…) im Sudan, im 3. Jahrtausend in Ost- und Westafrika und erst nach der Zeitenwende im südlichen Afrika – (…)“ die Ausbreitung des Rinderhirtentums nachvollziehen (Abb. 6a-b) (Kröpelin/Kuper 2007, 27).

Der frühste neolithische Ackerbau in Kombination mit Viehzucht ist in Ägypten aus der Oase Fayum, mit einem permanenten See in der westlichen Wüste, bekannt (Shirai 2010, 375). Die dort ansässigen neolithischen Bauern und Hirten verließen sich noch in hohem Maße auf Jagd und Fischerei, die seit dem Epipaläolithikum die Hauptnahrungsbeschaffungsmittel gewesen waren (Shirai 2010, 375). Wesentliche Überreste von Behausungen, die anzeigen könnten, dass diese Bauern und Hirten sesshaft waren sind bisher nicht bekannt (Vgl. Shirai 2010, 375). Angesichts der rauen Wüstenumgebung, erscheint es allerdings unrealistisch, dass die Bewohner der Fayum Oase wie früher angenommen Nomaden waren, die sich weit von reichen Trinkwasser- und Wildnahrungsressourcen an einer permanenten Wasserquelle weg bewegt haben − auch nicht vorübergehend (Shirai 2010, 375).

Forschung über Steingeräte der epipaläolithischen Jäger und Fischer und neolithischen Bau-ern und Hirten in der Fayum Oase zeigen, wo der Rohstoff Stein abgebaut und wo und wie Werkzeuge hergestellt wurden (Shirai 2010, 375). Die neolithischen Bauern und Hirten aus der Fayum Oase beschafften bevorzugt größere Mengen Stein Rohmaterial aus weit ent-fernteren Vorkommen als es Jäger und Fischer im Epipaläolithikum taten (Shirai 2010, 375) (Abb. 7). Es ist plausibel, dass die neolithischen Menschen, ihre Herden von domestizierten Tieren zu den Weiden führen mussten, insbesondere dann, wenn Pflanzen auf Landwirt-schaftsflächen wuchsen, die sich vermutlich um Seeufer herum befanden und das Sammeln vom Rohstoffmaterial Stein in diese Weide Ausflüge mit einbezogen wurde (Shirai 2010, 375). Die Einführung neuer viel größerer und elaborierterer Jagdwaffen gegenüber dem Epi-paläolithikum, durch die Verwendung großer Rohstoffmengen, sowie die Erhöhung der Zahl der Nilpferde und Krokodile − auch wenn die Daten spärlich sind − im Neolithikum dürften bedingt durch eine neue Räuber-Beute-Beziehung im ökologischen System der Fayum Oase durch die Ankunft der domestizierten Tiere aus der Levante verursacht worden sein und somit für eine Anpassung der Menschen an eine neue Subsistenzwirtschaft sprechen (Shirai 2010, 375). Eine zunehmende Abhängigkeit von dieser neuen Subsistenzwirtschaft war aller-dings nicht ohne eine konstante Versorgung mit größeren Rohstoffmengen für den Werk-zeugbau möglich, die wahrscheinlich durch eine Erhöhung der logistischen Bewegungen der einzelnen Mitglieder aus einer Wohngruppe ermöglicht wurde (Shirai 2010, 375).

Die Einführung von Landwirtschaft und Viehzucht in der Fayum Oase hätte ohne Seeufer gebundene, wenn nicht sogar vollständiger Sesshaftigkeit sowie dem Schutz von Landwirt-schaftsflächen und Herden vor Nilpferden und Krokodilen nicht statt finden können (Shirai 2010, 375). Jedoch wäre der Erfolg einer Landwirtschaft und Viehhaltung in der Fayum Oase auch ohne die Neuorganisation der Mobilität möglich gewesen, die zu einer verminderten Bewegung von Behausungen und erhöhter logistischer Mobilität einzelner Personen zur Rohstoffbeschaffung führte (Shirai 2010, 375). Eine einfache Dichotomie zwischen entweder sesshaften oder nomadischen Leben beschreibt die Situation der neolithischen Bauern und Hirten in der Fayum Oase allerdings nicht ausreichend (Shirai 2010, 375 f.).

Im Neolithikum ist die Anzahl und Dichte von archäologischen Stätten in der Fayum Oase viel größer und höher als im Epipaläolithikum und ein Bevölkerungsanstieg ist offensichtlich (Shirai 2010, 376). Es ist wahrscheinlich, dass die allgemeine Bevölkerungszunahme in der westlichen Wüste seit dem 8. Jahrtausend v. Chr., wie sie durch die Verbreitung der menschlichen Besiedlungsplätze und die schnelle Verbreitung von ähnlichem materiellen Kulturen sowie das gut dokumentierte Wiederauftreten der Entvölkerung in ariden Regionen und Bevölkerungsakkumulationen in gut bewässerten Regionen der westlichen Wüste be-zeugt ist (Abb. 1C), die Fayum Oase beeinflusste (Shirai 2010, 376). Die Fayum Oase war sehr reich an wilden Nahrungsressourcen und das Gleichgewicht zwischen Bevölkerungs-größe und den verfügbaren Nahrungsressourcen wurde deutlich unter der Kapazität der Fayum Oase im natürlichen Zustand gehalten (Shirai 2010, 376). Allerdings dürfte der Zu-strom von Migranten dieses Gleichgewicht früher oder später zum Kippen gebracht haben und die Bewohner der Fayum Oase mussten wohl die Kapazität ihres Lebensraums durch die Nahrungsmittelproduktion erhöhen (Shirai 2010, 376). Hierin wäre der Grund zu sehen, warum die Menschen der Fayum Oase die Landwirtschaft und Viehzucht trotz der ver-muteten Schwierigkeiten in der Betreuung und Zähmung in dieser spezifischen Umwelt nicht aufgaben (Shirai 2010, 376). Eine andere Annahme besteht darin, dass entweder unge-wöhnliche Wetterbedingungen und Umgebungsstörungen dazu führten, dass einige wesent-liche wilde Nahrungsressourcen vorübergehend oder ständig nicht mehr verfügbar waren und zur Folge hatten, dass domestizierte Tiere zur Ernährung der neolithischen Menschen in der Fayum Oase hinzugefügt wurden (Shirai 2010, 376). Während Rinder in Afrika heimisch sind, wurden Schafe und Ziegen − die in Nordafrika erst kurz vor 6000 v. Chr. belegt sind − aus dem Nahen Osten „(…) eingeführt, wo ihre Urheimat liegt“ (Kröpelin/Kuper 2007, 27) und sie schon im 9. Jahrtausend v. Chr. erscheinen (Abb. 6a und Abb. 6c) (Kröpelin/Kuper 2007, 27; Kuper/Kröpelin 2006, 805; Riemer 2007, 111f.).Tierhaltung wie sie beispielsweise gut dokumentiert vom Nabta Playa vorliegt, wurde ein wesentlicher Bestandteil der Multi-Ressourcen Weidewirtschaft, die den Beginn der afrikanischen Hirtengesellschaften markiert (Kuper/Kröpelin 2006, 805). Je nach örtlichen Gegebenheiten unterschied sich ihre wirtschaftliche Basis erheblich (Kuper/Kröpelin 2006, 805). In der westlichen Abu Ballas Region (Mudpans Stelle 85/56), zum Beispiel, erbrachte das reiche Fauna Material von etwa 6400 v. Chr. keine Hinweise auf domestizierte Tiere, während im östlichen Teil (Eastpans Stelle 96/2) Rinder zusammen mit einer neuen Art unverzierter spätneolithischer Keramik gut dokumentiert sind (Kuper/Kröpelin 2006, 805).

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Details

Titel
Das Neolithikum in Ägypten
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Institut für Vor- und Frühgeschichte)
Veranstaltung
Entstehung und Ausbreitung des Neolithikums
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
19
Katalognummer
V536692
ISBN (eBook)
9783346141613
ISBN (Buch)
9783346141620
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Neolithikum, Ägypten, Jungsteinzeit, Klima, Mensch und Klima
Arbeit zitieren
Daniel Richardt (Autor:in), 2014, Das Neolithikum in Ägypten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/536692

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