Komplexität des Nordirlandkonfliktes und diplomatische Initiativen zu seiner friedlichen Lösung


Magisterarbeit, 2005

99 Seiten, Note: sehr gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Der Nordirlandkonflikt im Kontext der globalen Konfliktlösungsproblematik
1.2 Fragestellung, Erkenntnisinteresse und Zielsetzung
1.3 Aufbau, Vorgehensweise und Grundlagen der vorliegenden Arbeit
1.4 Aktueller Forschungsstand

2. Komplexität und Wesensmerkmale des Nordirlandkonfliktes
2.1 Der Nordirlandkonflikt - ein Konfessionskrieg?
2.2 Der politische Aspekt
2.3 Der ökonomische Ansatz
2.4 Kampf der nationalen Identitäten - sozialpsychologische Dimension des Konfliktes

3. Theoretische Untersuchungen eines tief verwurzelten sozialen Konfliktes, deren Übertragung auf das Nordirlandproblem und Anwendung von unterschiedlichen Diplomatien
3.1 Nordirlandkonflikt als ein "Protracted Social Conflict" und John Burton’s "Human Needs Theory" zur Konfliktlösung
3.2 Lederachs Pyramide der drei sozialen Ebenen der Konfliktregulierung und die Track-1-Diplomatie
3.3 Die Track-2-Diplomatie
3.4 Die Track-3-Diplomatie

4. Wirkungsmöglichkeiten und Konfliktlösungsversuche der offiziellen politischen Diplomatie in Nordirland (Track 1)
4.1 Sunningale Abkommen von 1973
4.2 Weitere Konfliktlösungsversuche der offiziellen Politik und das anglo-irische Agreement von Hillsborough (1985)
4.3 Downing Street Declaration (1993)
4.4 Die Friedensbemühungen der offiziellen Politik (Track-1-Diplomatie) von 1993 bis 1998 - New Frameworks for Agreement
4.5 Friedensabkommen vom Karfreitag 1998 (Good Friday Peace Agreement)

5. Die Rolle der "dritten Partei" (Mediator) bei der Lösung des Nordirlandkonflikts
5.1 Die Rolle der Dritten (Außen)Partei bei der Konfliktlösung - Theorie der Mediation
5.2 Die Vereinigten Staaten von Amerika

6. Strategische Initiativen und praktische Schritte der Track-2-Diplomatie zur friedlichen Lösung des Nordirlandkonflikts
6.1 Theoretische Grundlagen und Vorgehensweise der Track-2-Diplomatie bei der Lösung des Nordirlandkonflikts
6.2 Sozial-politische Bemühungen der nordirischen Kirchen und anderer christlicher Organisationen zur friedlichen Lösung des Konflikts
6.3 Die Rolle der Akademiker und Intellektuellen bei der praktischen Lösung des Nordirlandkonflikts
6.4 Der Beitrag der Gewerkschaften und der "Business Community" zum nordirischen Friedensprozess
6.5 Initiativprogramme für gemeinsame Bildung, interkommunale Erziehung und zwischengemeinschaftliche Schulen
6.6 Kulturelle Arbeit und interkulturelle Organisationen zur Friedensschaffung in Nordirland

7. Wirkungsmöglichkeiten und sozial-politische Relevanz der Track-3-Diplomatie bei der Lösung des Nordirlandkonflikts
7.1 Community Groups im Friedensprozess Nordirlands
7.2 Die Rolle von "Reconciliation Groups" für die friedliche Lösung des Nordirlandkonflikts
7.3 Arbeit und Funktion von diversen informellen Frauenvereinen auf der Track-3-Ebene des Konfliktlösungsprozesses in Nordirland
7.4 "Interface Work" - friedensstiftende Initiativen an den Schnittstellen des ethnisch-religiösen Nordirlandkonflikts
7.5 Betreuungsarbeit mit Gefangenen und ehemaligen Paramilitärs

8. Konzeptualisierung – und Auswege aus der Krise

9. Unterschiede und Gemeinsamkeiten in den Regulierungsstrategien der diversen diplomatischen Akteure hinsichtlich der erfolgreichen Konfliktlösung in Nordirland - Schlussfolgerung

Appendix

Literaturliste

Internetquellen, ausgewählte Medienberichte und Dokumentenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Lebenslauf

Eidesstattliche Erklärung

1. Einleitung

1.1 Der Nordirlandkonflikt im Kontext der globalen Konfliktlösungsproblematik

Von Palästina über Nordirland bis ins Baskenland, von Kolumbien über Kosovo bis Kurdistan reicht die Palette jener Konflikte, die sich durch deren scheinbar irrationale Gründe und extreme Dimensionen brutaler Gewalt unserem menschlichen Verständnis einerseits, politisch-strategischen Lösungsmöglichkeiten andererseits zu entziehen scheinen. Die weltweite Dominanz solcher innerstaatlicher Konflikte, ihre lange chronologische Intensität und tiefe soziale Brisanz - häufig verbunden mit komplexen humanitären Katastrophen und Hungersnöten als Folge von Flucht und Vertreibung, ethnischem Genozid, Völkermord und Terrorismus - stellen eine enorme Herausforderung für die Sicherheit von allen Staaten und Menschen im internationalen System dar. Folgerichtig ist auch zugleich weltweit die Bereitschaft gewachsen, verschiedene diplomatische Lösungsstrategien und friedensstiftende Konzepte auszuarbeiten, um diese schrecklichen Konflikte allmählich zu entschärfen und in der Folge friedlich zu regeln.

Der Bürgerkrieg in Nordirland, der innerhalb der letzten drei Jahrzehnte über 3600 Menschen das Leben gekostet und zugleich enormen sozial-ökonomischen Schaden verursacht hat,[1] ist ein beängstigendes Beispiel für diese endlose Spirale der Gewalt. Die Matrix des nordirischen Schreckens beweist, dass in Westeuropa kein anderes Land nach 1945 stärker und intensiver von blutigen Unruhen zerrüttet worden ist als die nordirische Provinz. Zugleich betrifft dieser Konflikt nicht nur Nordirland, sondern sowohl die Republik Irland, als auch Großbritannien als Protektoren und Vertreter der Interessen der eigenen Bevölkerungsgruppe in Nordirland. Da diese aber seit 1973 Mitglieder der EU sind, ist der Konflikt in Nordirland zugleich auch ein gesamteuropäisches Problem.

Der Bürgerkrieg in Nordirland ist heute vorbei. Nach fast dreißig Jahren blutiger Kampfhandlungen schlossen die Kontrahenten 1998 mit dem so genannten Karfreitagsabkommen[2] einen Vertrag darüber, wie man die bis dato umkämpfte Provinz verwalten und dadurch den Bürgerkrieg, der so viele Leben gefordert und solches menschliches Leid verursacht hatte, beenden könnte. Nachdem das Friedensabkommen unterzeichnet worden war, war der Optimismus sowohl bei den nordirischen Kontrahenten als auch bei den internationalen Beobachtern verständlicherweise groß. Zwar kommt es immer noch zu Ausbrüchen der Gewalt zwischen den radikalen Vertretern der beiden ethnisch-religiösen Gemeinschaften Nordirlands, doch sind diese heute nur noch sporadisch. Dank der intensiven Anstrengungen im Zuge gleich mehrerer Lösungsstrategien auf allen drei sozialen Gleisen der politischen Diplomatie (Track 1, Track 2 und Track 3) scheinen die massiven bürgerkriegsähnlichen Zustände und die schrecklichen Gewaltausbrüche - Brandschläge, Straßenschlachten, gezielte Attentate etc. -, die den Konfliktverlauf seit 1969 drei Jahrzehnte lang permanent begleitet hatten, endgültig beseitigt. Trotz manchen gelegentlichen Rückschlägen bei der Implementierung der Klauseln des Karfreitagsabkommens, kann man heute davon ausgehen, dass die bisher eingesetzten Lösungsstrategien aller drei Diplomatien (Track 1, Track 2 und Track 3) zur allgemeinen Erzielung von Kompromissen zwischen allen Konfliktparteien, zur konstruktiven Deeskalation der ethnisch-religiösen Spannungen der vorhergehenden Jahre und zur friedlichen Regulierung des Nordirlandkonfliktes beigetragen haben. Vieles deutet darauf hin,[3] dass eine dauerhafte sozial-politische Regulierung des ethnisch-religiösen Misstrauens zwischen allen Konfliktparteien allmählich möglich ist, und mehr und mehr verbreitet sich so die berechtigte erscheinende Hoffnung auf die nun endlich anbrechende Friedenslösung des bis dahin blutig verlaufenen nordirischen Konfliktes.

Was aber hat diesen blutigen Bürgerkrieg in Nordirland beendet? Welche waren die Prozesse und Strategien der Konfliktregulierung, die es ermöglicht haben, Nordirland aus der Herrschaft der Gewalt zu befreien und einem friedlichen Ausweg zuzustimmen? Was war es, das die maßgeblichen Akteure des Konfliktes ermutigt hat, vom Gebrauch von Gewalt abzusehen und statt dessen auf die legalen und legitimen Mittel der Politik zu setzen? Was hat gleichzeitig aber auch die Bevölkerung Nordirlands dazu gebracht, ein Umdenken und eine Neubewertung der Lage zu wagen, um sich später an der friedlichen Konfliktregulierung durch nichtsstaatliche Organisationen und informelle Initiativen der alternativen Diplomatie zu beteiligen? Wie und unter welchen Umständen hatten sie sich bereit erklärt, aktiv an der gewaltlosen Entschärfung des nordirischen Konfliktes unter solchen Prämissen zu arbeiten, sodass einerseits die fundamentalen Menschenrechte der anderen Seite anerkannt und respektiert, andererseits ihre eigene sozial-kulturelle und ethisch-religiöse Souveränität bewahrt werden konnten?

In der vorliegenden Arbeit wird die Auffassung vertreten, dass ,trotz der Unterschiede und Gemeinsamkeiten, jede der drei Vorgehensweisen der Diplomatien (Track 1, Track 2 und Track 3) mit ihren auf Langfristigkeit angelegten komplexen Anstrengungen und konsequent verfolgten strategischen Lösungsinitiativen dem nordirischen Friedensprozess den nötigen Antrieb gegeben hat, nicht nur die blutigen Kampfhandlungen einzustellen, sondern ein dauerhaftes und nachhaltig gewaltloses Zusammenleben der beiden Kontrahenten zu ermöglichen.

Die friedensstiftenden Initiativen trugen einerseits wesentlich zur Entwicklung der konstruktiven Infrastruktur des Friedensprozesses bei. Andererseits aber hatten sie auch dabei geholfen, mehrere Rahmenbedingungen, sowohl konzeptionell als auch strukturell, zu entwickeln, die ihrerseits rückwirkend den gesamten Peacebuilding-Prozess positiv beeinflusst haben und zu einer Intensivierung der sozial-politischen Zusammenarbeit zwischen den verfeindeten zwischengemeinschaftlichen ethnisch-religiösen Gruppen geführt haben. Allerdings hatte die lange zeitliche Dauer des nordirischen Bürgerkrieges das konfliktanalytische Feld mit genügend Zeit versorgt, um eine Vielfalt von systematischen Auswegen aus der Krise zu entwickeln und dabei viele der Konfliktsursachen und Parameter konstruktiv zu erforschen und zu untersuchen.

Die vorliegende Arbeit wird sich allgemein mit den bisherigen Strategien der Friedensschaffung auf allen Ebene der nordirischen Gesellschaft und deren Grenzen für die gewaltlose Regulierung des ethnisch-religiösen Konfliktes beschäftigen. Dabei wird analysiert, welche der theoretischen Lösungsversuche in der Lage waren, auf die aktuelle Krisensituation so einzuwirken, dass einerseits die aus dem Konflikt erwachsenden Bedingungen möglichst optimal genutzt und andererseits etwaige zerstörerische Konsequenzen auf ein Minimum reduziert wurden. Eine analytische Darstellung der spezifischen Friedensprozessdynamik in Nordirland und eine kritische Untersuchung der zahlreichen Lösungsstrategien auf allen sozialen Levels, sowohl zur Einstellung der Kampfhandlungen und als auch zur gewaltlosen Konfliktregulierung, sind der Zweck der vorliegenden Arbeit.

1.2 Fragestellung, Erkenntnisinteresse und Zielsetzung

Die offizielle Politik hat zwar eine Menge zur Einstellung der Kampfhandlungen in Nordirland beigetragen, sie hat es aber nicht allein geschafft, die friedliche Lösung in einem so komplexen und vielseitigen Konflikt hervorzubringen. Es gab auch andere sozial-politischen Akteure, die durch ihre konstruktiven Lösungsstrategien und positiv wirkenden Friedensinitiativen auf dem Feld der inoffiziellen Diplomatie zur Entschärfung des nordirischen Konfliktes beigetragen haben.

Daran anknüpfend stellen sich die beiden zwingenden Fragen:

1) Inwieweit ist es der traditionellen Diplomatie und der offiziellen politischen Vorgehensweise (Track 1) gelungen, ihren Teil zu einer dauerhaften gewaltlosen Regulierung des nordirischen Konfliktes beizusteuern und dadurch auf die aktuelle Situation positiv einzuwirken?
2) Welche Wirkungsmöglichkeiten und Lösungsinitiativen brachten die alternativen Strategien der inoffiziellen Diplomatien in den nordirischen Friedensprozess (Track 2 und Track 3) ein und was hatten sie zur sukzessiven friedlichen Konfliktregulierung in Nordirland beigetragen?

In der vorliegenden Arbeit sollen die Möglichkeiten, Grenzen und Effizienz des friedlichen Managements des Nordirlandkonfliktes sowohl durch die offizielle Diplomatie (Track 1) als auch durch andere alternative Methoden und Verfahren der informellen Politik (Track 2 und Track 3) analytisch untersucht werden. Außerdem soll den Fragen nachgegangen werden, inwieweit die offiziellen Friedensabkommen (vor allem das Belfaster Karfreitagsabkommen) der traditionellen Diplomatien einen Einfluss auf die gewaltlose Konfliktregulierung hatte und wie wichtig dabei auch andere alternative Konfliktlösungsinitiativen samt deren inoffiziellen und informellen Schlüsselfiguren zusätzlich waren, um eine nachhaltig positive und dauerhafte Entwicklung des Friedensprozesses in Nordirland zu schaffen. Das sind die zentralen Leitfragen der vorliegenden Magisterarbeit.

Dabei geht die Arbeit von der Prämisse aus, dass die Effizienz von allen drei Gleisen der politischen Diplomatie ein umfassendes Konzept ist, das sämtliche Prozesse, Ansätze und Strategien umfasst und definiert, die nötig waren, um den Nordirlandkonflikt in Richtung eines nachhaltigen, dauerhaften und gewaltlosen Miteinanders zu bewegen.

Weder eine deskriptive Darstellung des geschichtlichen Verlaufs der blutigen Auseinandersetzungen noch die Prognostizierung künftiger Konfliktentwicklung sind die Anliegen der vorliegenden Arbeit. Vielmehr wird zuerst an dieser Stelle konkretisiert und determiniert, um welchen Konflikt es sich in Nordirland handelt und welche Aspekte er beinhaltet. In dieser Arbeit wird außerdem der Versuch gemacht, sich anhand einer theoretischen Auswertung der Komplexität der nordirischen Problematik ganz auf die Grenzen und Wirkungsmöglichkeiten der Lösungsstrategien, sowohl der offiziellen Politik als auch der alternativen Diplomatie, zu konzentrieren. Dabei wird durch die erfolgreiche Umsetzung der angewandten taktischen Modelle bei der friedlichen Konfliktregulierung deren praktische Effizienz analytisch überprüft.

Dabei ist das Ziel der vorliegenden Magisterarbeit, durch die Kombination der Analyse diverser relevanter theoretischer Ansätze und der historisch-empirischen Präsentation der bisherigen Konfliktregulierungsversuche, den Beitrag an der Konfliktlösung sowohl der offiziellen Politik (Track 1) als auch der inoffiziellen Diplomatien (Track 2/Track 3) aufzuzeigen. Es wird auch untersucht, welchen Lösungsstrategien eine entscheidende Rolle für die weitgehend friedliche Beilegung des Nordirlandkonfliktes zukommt und ob sie ausreichend angewandt worden sind.

Mit der Einschätzung eines Konfliktlösungsversuches als "erfolgreiche" Friedensschaffung wird auf einigen Facetten der Problematik hingewiesen. Zuerst handelt sich hier um das Resultat des jeweiligen Konfliktregulierungsmodells bzw. um ein positives Ergebnis in der allgemeinen Konfliktregulierungsstrategie. Dabei geht es darum, inwieweit es sowohl Track 1 als auch Track 2 gelungen ist, durch die eine oder andere sozial-politische Handlung oder durch diplomatische Initiativen die Gewalteskalation in Nordirland zu unterbrechen bzw. den blutigen Bürgerkrieg zum Stillstand zu bringen? Konnten dabei die als friedensrelevant eingestuften Ambitionen – also nicht nur die Beendigung der blutigen Auseinandersetzungen, sondern darüber hinaus das Anstreben von sozial-ökonomischer Gleichheit und ungehinderter freier Partizipation am gesamten politischen Leben der nordirischen Provinz für alle Bürger - entsprechend umgesetzt bzw. bedingt erfüllt werden?

Eine klare und einseitige Beantwortung dieser Fragen ist aufgrund der Komplexität des politischen Ablaufes und der sozial-ökonomischen Prozesse in Nordirland nur sehr bedingt möglich. Darüber hinaus lässt sich ein Lösungsversuch erst dann als "effizient" bezeichnen, wenn es ihm gelingt, die nordirische Prozessentwicklung so zu beeinflussen, dass durch konstruktive Vermittlung und erfolgreiche Konfliktintervention, die ethnisch-religiösen Streitigkeiten in Richtung einer nachhaltigen und dauerhaften innergesellschaftlichen Versöhnung im Sinne von "Friedensschaffung" gelenkt werden.

1.3 Aufbau, Vorgehensweise und Grundlagen der vorliegenden Arbeit

Bei der Suche nach Antworten auf die oben gestellten Fragen versucht die vorliegende Arbeit in mehrfacher Hinsicht, eine gründliche Analyse aller Konfliktaspekte und später, auf der Basis einiger theoretischer Ansätze eine kritische Auswertung der angewandten Konfliktlösungsstrategien und -initiativen diverser Diplomatien zu untersuchen, die zur endgültigen Einstellung der Kampfhandlungen und zu einem (weitgehend) gewaltlosen Zusammenleben in Nordirland geführt haben.

In Kapitel 1 wurde der Leser in die Thematik und Problematik des Nordirlandkonfliktes und dessen friedliche Regulierung eingeführt, mit der sich die vorliegende Hausarbeit befasst. Dabei gehe ich deskriptiv orientiert vor, um die Zusammenhänge zwischen den Lösungsstrategien der unterschiedlichen politischen Protagonisten auf allen Ebenen des sozialen Lebens aufzuzeigen. In diesem Kontext wird darauf hingewiesen, dass der Nordirlandkonflikt zwar immer noch nicht vollkommen gelöst, dank der Herausbildung und intensiven Anwendung von zahlreichen Konzepten und Regulierungsversuchen aber weitgehend abgemildert und hinreichend entschärft worden ist.

Damit die Erfolge bei der konstruktiven Transformation und Regulierung eines Konfliktes kritisch untersucht und konkret begriffen werden können, müssen wir zuerst das ganze Spektrum bzw. die Komplexität an Hintergründen und Aspekten dieses Konfliktes offen legen. Erst auf solch einem soliden Kenntnisfundament ist es uns möglich zu analysieren, inwieweit die anfangs herausgearbeiteten und später angewendeten Regulierungsstrategien und Lösungsansätze aller diplomatischen Vorgehensweisen in der Lage waren, den Eigenschaften und Erfordernissen des Konfliktmanagements in Nordirland gerecht zu werden.

In Kapitel 2 werden zuallererst die unterschiedlichen Komponenten und die zentralen Prämissen der nordirischen Problematik - religiöse Zugehörigkeit, politische Realität, ökonomische Entwicklung, kulturelle Identität - komprimiert skizziert, um einen kurzen Überblick über die komplizierte Dynamik und das facettenreiche Wesen dieses Konfliktes zu vermitteln. Dies macht aus den "Troubles" einen komplexen ethnisch-religiösen Konflikt. Hiermit werden auch die Probleme und die Herausforderungen angedeutet, mit denen der nordirische Friedensprozess zu tun hat und an denen der Erfolg seiner Konfliktlösungsstrategien gemessen wird.

In Kapitel 3 setzt sich die vorliegende Arbeit mit den theoretischen Grundlagen und sozialwissenschaftlichen Ansätzen in Bezug auf einen langwierigen sozialen Konflikt ("Protracted Social Conflict")[4] auseinander. Dieser Teil der Arbeit beschäftigt sich verstärkt mit den theoretischen Hintergründen eines Konfliktes auf allen Ebenen des sozialen Lebens, um sich später mit der Sonderrolle des Nordirlandkonfliktes auseinanderzusetzen, vor allem aufgrund von dessen spezifischer Komplexität. Dabei werden die theoretischen Rahmenbedingungen des Konfliktes analytisch präsentiert, um eine adäquate theoretische Definition der ethnisch-religiösen Gegensätze zu geben. In diesem Zusammenhang wird auch versucht, John Burtons "Human-Needs-Theory"[5] auf einen "Protracted Social Conflict" anzuwenden und zu erläutern, um das Verständnis der Natur, der Komplexität und der spezifischen Eigendynamik der nordirischen Problematik zu ermöglichen. Eine Rezension dieser Konflikttheorie wird mehrere Beobachtungen und Schlussfolgerungen offenbaren.

Die vorliegende Magisterarbeit übernimmt die Drei-Ebenen-Systempyramide von John Paul Lederachs[6] als nützlichen theoretischen Rahmen zur friedlichen Lösung eines langwierigen sozialen Konfliktes. Dies insbesondere, weil der theoretische Ansatz dieses sozialen Lösungsmodells das gesamte Konfliktbearbeitungsverfahren in drei zusammen und untereinander agierende diplomatische Akteure unterteilt, die allesamt ihre spezifische Charakteristik und Vorgehensweise (Track 1, Track 2, Track 3) offenbaren. Nachdem die Theorie für das Verständnis der vorliegenden Arbeit grundlegend ist, wird sie kurz dargestellt und analysiert, um die eigenartige Natur des Nordirlandkonfliktes selbst und die Lösungsversuche und Initiativen aller diversen Diplomatie besser verstehen zu können. Darüber hinaus können anhand der Theorie Lederachs auch die Spielräume und die Vielfalt des Konflikts definiert werden, sodass der Konflikt in Nordirland relativiert werden kann. Der Zweck dieses Kapitels der vorliegenden Arbeit ist also, durch eine ausführliche Präsentation und plausible Untersuchung der relevanten theoretischen Denkweisen eine solide Basis für das bessere Verständnis jeglicher Regulierungsstrategien und Lösungsversuche für die friedliche Beilegung des Nordirlandkonfliktes zu schaffen. Auf der theoretischen Basis der hier vorgestellten Gegenstände werden außerdem in den darauf folgenden Kapiteln die Konfliktregulierungsversuche im nordirischen Friedensprozess hinter den diversen politischen Herangehensweisen der Diplomatien auf allen Ebenen des sozial-politischen Lebens präsentiert und kritisch analysiert.

Da es zur Bearbeitung des Themas meines Erachtens angebracht ist, sowohl auf die historischen Dimensionen als Ausgangsbedingungen als auch auf die konkreten konzeptionellen Lösungsstrategien und Herangehensweise der offiziellen Politik (Track 1) zur friedlichen Regulierung des Nordirlandkonfliktes einzugehen, sollten diese zuerst in Kapitel 4 dargelegt werden. In diesem Kapitel werden die Verhaltensmuster der nordirischen politischen Kreise jeglicher Couleur in Bezug auf die Beendigung der Kampfhandlungen und die Errichtung eines gewaltlosen Zusammenleben der beiden ethnisch-religiösen Gruppen in Nordirland erläutert, um später deren Ziele und geostrategischen Interessen an der Friedensschaffung leichter beurteilen zu können. Zum anderen werden gleichzeitig in sehr begrenztem Maße die Rolle und das Verhalten der "äußeren" politischen Akteure - Großbritannien und der Republik Irland - skizziert. Zur Hinterfragung und Analyse der Effizienz der Konfliktlösungsmaßnahmen seitens der offiziellen Politik wählt diese Arbeit in Bezug auf die Hauptteile einen chronologischen Ansatz. Im Mittelpunkt der Untersuchung bisheriger Friedensbemühungen und Lösungsstrategien steht die Zeitspanne von 1973 bis zum heutigen Tag, wobei den unmittelbaren fünf Etappen des Peacebuilding-Prozesses (Sunningale Abkommen, Hillsborough-Abkommen, Downing-Street-Declaration, New Frameworks for Agreement und Karfreitagsabkommen) eine besondere Bedeutung zukommt. Daran anschließen wird sich die Betrachtung der Implementierung des Karfreitagsabkommens. Nachdem in diesem Kapitel die Wirkungsmöglichkeiten und Grenzen der offiziellen politischen Akteure aufgezeigt werden, wird anschließend auf die Konfliktbeteiligung der "alternativen Politik" eingegangen.

Da die offizielle Diplomatie und die politische Elite auf beiden Seiten in Nordirland im Verlauf des Friedensprozesses auf immense ungelöste Probleme und Schwierigkeiten bei der Herausbildung und Umsetzung der eigenen Lösungsstrategien gestoßen sind, sollte in Kapitel 5 der vorliegenden Arbeit der Beitrag einer Dritten "externen Partei" im Konfliktregulierungsprozess untersucht werden. Bei diesem Mediationsverfahren handelt es sich um eine Drittpartei-Intervention (in unserem Fall geht es um die Rolle der USA und der EU) auf gesellschaftlicher Ebene, die durch diverse Vermittlungsbemühungen und unterschiedliche Lösungsstrategien versucht, einerseits die aus der Konfliktsituation erwachsenen Vorzüge möglichst optimal einzusetzen und andererseits eventuelle destruktive Konfliktkomponenten auf ein Minimum zu reduzieren und damit den Friedensprozess voranzutreiben.

Darüber hinaus wird der Leser in die konkrete Thematik und Problematik der Track-2-Diplomatie im Konfliktlösungsprozess in Nordirland eingeführt. In Kapitel 6 wird über die Aktionen und Lösungsversuche der inoffiziellen Track-2-Diplomatie eingegangen, die darauf zielten, Strategien zu entwickeln und sie später in der nordirischen Realität durchzusetzen, damit eine günstige Umwelt für die erfolgreiche Konfliktlösung geschaffen wird. Dabei wird analytisch orientiert vorgegangen, um die Zusammenhänge zwischen den inoffiziellen diplomatischen Konfliktregulierungsmaßnahmen und deren Erfolg in der nordirischen politischen Realität zu erklären. Zugleich werden die Verhaltensmuster der Track-2-Lösungsinitiativen und Schlüsselakteure hinsichtlich des erfolgreichen Konfliktsmanagements in Nordirland untersucht und erläutert. Zugleich wird ein Blick auf die Prämissen und Besonderheiten der informellen Diplomatie geworfen, um deren Effizienz in Bezug auf die Entwicklung des nordirischen Peacebuildings besser verstehen zu können.

Ebenso richte ich meine Aufmerksamkeit auf die Ergebnisse der offiziellen diplomatischen Lösungsstrategien von Track 3. In Kapitel 7 versucht die vorliegende Magisterarbeit, das sozial-politische Vorgehen der inoffiziellen Diplomatie (Track 3) und die von ihr betriebene Konfliktregulierungspolitik als einen unersetzbaren Beitrag zur Friedensschaffung in Nordirland herauszuarbeiten. Dieses Kapitel studiert die Vorgehensweise auf Track 3. Nach einer kurzen Darstellung der Strategien bei der friedlichen Regulierung des nordirischen Konfliktes und der bürgerkriegsähnlichen Zustände wird die Rollenverteilung unter den unterschiedlichen Akteuren in diesem Track analysiert. Es wird hier auch der Frage nachgegangen, inwieweit deren sozial-politisches Engagement ihrer Profilierung als aktiver Hauptakteur am nordirischen Friedensprozess diente. Dabei werden im Verlauf dieses Kapitels die Grundlagen der Track-3-Diplomatie im Verhältnis zu den Lösungsversuchen der anderen sozial-politischen Akteure hinsichtlich der erfolgreichen Lösung des Nordirlandkonfliktes erörtert.

Als Ergebnis daraus soll auf diese Weise in Kapitel 8 ein Bogen zwischen den bisherigen Regulierungsversuchen der staatlichen Institutionen bzw. von Regierungsvertretern und den alternativen Strategien der inoffiziellen Diplomatie gespannt und damit auf die zahlreichen Lösungsinitiativen für eine friedliche und nachhaltige Konfliktlösung in Nordirland hingewiesen werden. Obwohl diese Magisterarbeit nur ein beschränktes Forum zur Verfügung stellt, um die gewaltlose Regulierung des Nordirlandprozess zu verstehen, soll sie doch aufzeigen, dass erfolgreiche friedensstiftende Anstrengungen nur darin bestehen konnten, dass alle drei Schienen gleichzeitig effizient und erfolgreich eingesetzt worden sind und dadurch ein echter Willen zu Frieden und Zusammenarbeit auf allen Niveaus hervorgebracht worden ist, was in der Folge die Chancen für einen dauerhaft aufrechtzuerhaltenden Frieden erhöht hat.

Am Ende der vorliegenden Hausarbeit, im abschließenden Kapitel 9 (Fazit), werden sowohl spezifischen Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten zwischen allen diplomatischen Ebenen (Tracks) angesichts der friedlichen Regulierung des Nordirlandkonflikts vor Augen geführt. Dadurch wird auch veranschaulicht, wie es zur Zusammenarbeit unter den verschiedenen Akteuren auf den verschiedenen Ebenen kommen konnte. Die Schlussbetrachtung greift die in der Einleitung formulierte und im weiteren Verlauf der vorliegenden Arbeit erhärtete Hauptthese auf, um sie zusammenfassend zu werten. Hier soll noch einmal geschildert werden, als wie effizient und konstruktiv sich die Konfliktregulierungsversuche und Friedensschaffungsstrategien der unterschiedlichen diplomatischen Akteure erwiesen haben, sodass der komplexe Konflikt in Nordirland allmählich unter Kontrolle gebracht und das gewaltlose Miteinander zwischen allen ethnisch-religiösen Gemeinschaft der Provinz ermöglicht worden ist.

Anschließend werden im Anhang die entsprechenden Literaturauflagen und Internetquellen angeführt, die für die Vorbereitung und spätere Abfassung der vorliegenden Hausarbeit relevant waren. Ein Abkürzungsverzeichnis dient dem Leser, der darin die in der Arbeit benutzten Kürzel schneller nachschlagen und verstehen kann.

1.4 Aktueller Forschungsstand

Der Nordirlandkonflikt stellt ein interessantes und intensiv erforschtes Phänomen in der britischen, irischen und europäischen Politikwissenschaft dar, dem im Hinblick auf die aktuellen Diskussionen über den Terrorismus weltweit eine entscheidende Bedeutung zukommt. In diesem Zusammenhang existieren im deutschen Sprachraum zahlreiche Berichte, Medienartikel und wissenschaftliche Arbeiten. Die meisten früheren Publikationen widmeten ihr wissenschaftliches Interesse überwiegend dem historischen Verlauf des nordirischen Konfliktes und der Erforschung von dessen Ursachen.[7] Andere beschränkten sich auf einer Darstellung der blutigen Anschläge der IRA bzw. anderer nordirischer Untergrundorganisationen und lassen dabei eine gründliche Analyse über das eigentliche Geschehen und über die diversen politischen Strategiemaßnahmen zur Konfliktregulierung meistens vermissen.[8] Solche einseitige Untersuchungen und punktuelle Forschungen sind nicht dazu geeignet, die Zusammenhänge im nordirischen Konflikt-Szenario zu verstehen, woraus wiederum das wissenschaftliche Problem erwächst, richtige Bezüge herzustellen bzw. Vorgänge zu begreifen, sie einordnen zu können und künftige Perspektiven zu erkennen.

Geleugnet werden soll aber auch nicht, dass im deutschen Sprachraum durchaus auch mehrere profunde empirisch-analytische Arbeiten vorliegen, die mit sorgfältig ausgearbeitetem Quellenmaterial sowohl eine präzise Darstellung des politischen Geschehens in Nordirland, als auch zahlreiche ausführliche theoretische Ansätze und Regulierungsstrategien bezüglich einer friedlichen Lösung des Konflikts präsentieren.[9] Meines Erachtens sind in diesem Zusammenhang vor allem die wissenschaftlichen Abhandlungen von Bernhard Moltmann zu nennen, die geeignetes Material für eine ausführliche Untersuchung der Problematik bereit stellen.[10] Zugleich ist die englische Literatur bezüglich des Nordirlandkonfliktes und der Perspektiven bzw. theoretischen Ansätze zu dessen friedlicher Lösung kaum zu überschauen:

Auf der Suche nach einer plausiblen Erklärung, weshalb sich die Menschen in Nordirland so bitter und unnachgiebig bekämpfen, warum sie Busse und Autos in die Luft jagen, Wohnhäuser anzünden, Kinder und Frauen ermorden, und auf der Suche danach, welche Auswege es aus dieser Krise geben kann, bekommt der interessierte Leser in der englischsprachigen Wissenschaftsliteratur einerseits zwar eine ganze Reihe von Theorien- und Lösungsstrategien präsentiert. Andererseits droht er sich aber zwangsläufig in der Vielzahl der angebotenen Hypothesen und der komplexen Entwicklung des Konfliktes zu verlieren. Die enorme Vielzahl von Ansätzen in der englischsprachigen Literatur,[11] deren Koexistenz und die sehr leidenschaftlich geführten Diskurse zwischen den Repräsentanten einzelner theoretischer Auffassungen - mit schlüssigen Begründungen auf der einen wie auf der anderen Seite - machen es dem unparteiischen Beobachter sehr schwer, sich einen verständlichen und holistischen Überblick über den aktuellen Stand der Theorieforschung und über die Lösungsstrategien bezüglich des nordirischen Konfliktes zu verschaffen.

Eine solide Basis bezüglich der konzeptionellen Untersuchung des Friedenprozesses und der strukturellen Analyse der Konfliktlösungsstrategien in Nordirland liefern meines Erachtens sowohl die theoretischen Abhandlungen von David Bloomfield,[12] als auch die neuen wissenschaftlichen Arbeiten von Tina Kempin, Franz Vilandro und John Derby.[13]

Die Analyse der vorliegenden Magisterarbeit stützt sich allgemein auf die Aufarbeitung von Primär- und Sekundärliteratur. Für die Abhandlung der historischen Entwicklung des Konfliktregulierungsprozesses in Nordirland standen meistens Primärquellen über politische Friedensabkommen und sämtliche diplomatischen Lösungsversuche zur Verfügung. Für die Definition der Konflikttheorie und das Herausarbeiten von gültigen Regulierungsstrategien bezüglich des Nordirlandkonfliktes wurden dagegen zahlreiche Monographien, wissenschaftliche Untersuchungen und etliche Zeitschriftenaufsätze benutzt. Schließlich wurde auch Einsicht in die aus elektronischen Quellen und Internetseiten stammenden Artikel und Informationen genommen. Dabei ist klar, dass die genutzte Literatur sich nicht an der Vollständigkeit orientiert, sondern vielmehr am Nutzen für die Beantwortung der zuvor in dieser Arbeit gestellten und behandelten Fragen, also: Welche sind die entscheidenden Konfliktursachen? Wo sind die prägenden Wesensmerkmale dieses Konfliktes zu suchen? Warum dauerte der Konflikt in Nordirland so lange und was hat seine Lösung so kompliziert gemacht?

2. Komplexität und Wesensmerkmale des Nordirlandkonfliktes

"I have read very widely in the general literature on conflict, hoping to pick up ideas which would help me to understand the Northern Ireland problem more clearly. It has been largely a waste of time."[14]

Die Ursprünge des Nordirlandkonfliktes werden gewöhnlich entweder mit einem oder mehreren fundamentalen Aspekten der menschlichen Zusammengehörigkeit, etwa der Religion, der Politik, der wirtschaftlichen Entwicklung, der Ethnizität und dem kulturellen Leben in Verbindung gebracht. Solche sozialen Assoziationen bzw. Dissoziationen sind von großer Relevanz, weil sie sich auf die Wege beziehen, über die sich Menschen und ihre individuelle Rolle in der Welt identifizieren lassen. Das Selbstbestimmungsrecht der Sozialgruppen, sich zu profilieren, führt in der nordirischen Gesellschaft zu Grenzziehungen und Mauerbildungen, zur Determinierung von Territorien und zu einer sowohl physischen als auch emotional-psychischen Differenzierung von den anderen.

2.1 Der Nordirlandkonflikt - ein Konfessionskrieg?

Die einfachste Methode, den Nordirlandkonflikt zu definieren, besteht darin zu sagen, worum es nicht geht. In der Wissenschaft hielt sich zuerst lang und hartnäckig die Auffassung, es tobe eine Art „Glaubenskrieg“ zwischen Katholiken und Protestanten, das heißt, es handele sich um einen reinen Religionskonflikt.[15] Durch den Begriff "sectarian" wird dabei versucht, den Konflikt zwischen den irisch-katholischen und den protestantisch-britischen Antagonisten zu umschreiben.[16] Die strikte räumliche Segregation zwischen katholischen und protestantischen Wohngebieten zum Beispiel steht für den Lebensweg der meisten Nordiren: während katholische Kinder zumeist kirchliche Schulen besuchen, sind Protestanten an staatlichen eingeschrieben.[17] Und sogar bei der Freizeitgestaltung bestehen keinerlei Kreuzverbindungen, also institutionalisierte sozial-politische Kontakte über Konfessionsgrenzen hinweg. Die meisten katholischen Jugendlichen spielen zum Beispiel Gaelic Football (eine irische Mischung aus Fußball und Rugby), während ihre protestantischen Altersgenossen eher den typischen britischen Sportarten - Kricket und Fußball – zuneigen.[18] Obwohl andererseits eine Agentur für faire Beschäftigung die Diskriminierung am Arbeitsplatz überwacht, sind in vielen Konzernen, Firmen und Betrieben die Angehörigen einer Konfessionsgruppe unter sich. Selbst in einer der wenigen auch in der Praxis überkonfessionellen Instanzen der nordirischen Provinz, in der Queen’s University in Belfast, stellen die Katholiken und Protestanten getrennte Gesellschaftsgrüppchen. Gemischte Ehen sind weiterhin eine Seltenheit.[19]

Tatsächlich aber steht in diesem Kontext weder die Missionierung der jeweils anderen Konfessionsgruppe im Vordergrund, noch streiten Protestanten und Katholiken in Nordirland um die Interpretation bestimmter Dogmen, Glaubenspostulate, Religionskanons oder Enzykliken. Der nordirische Konflikt hat also keinen vornehmlich religiösen Charakter, obwohl die Konfessionszugehörigkeit eine wesentliche Dimension der sozial-politischen Segregation ist. Daher ist der Konflikt in Nordirland mehr ethnisch-nationaler Natur, in welcher die Religion einfach einer der mehreren Unterscheidungsfaktoren ist, der die beiden Nationen spaltet.[20] In diesem Kontext erhielten sowohl die sozial-ökonomischen als auch kultur-politischen Verhaltensmuster der beiden ethnischen Gruppen in Nordirland eine konfessionelle Legitimation. Dadurch wird eigentlich das friedensstiftende Postulat und der moralische Inhalt der Religionslehre missbraucht, pervertiert und instrumentalisiert. Allerdings werden dabei auch Unterschiede in der Struktur der nordirischen Gesellschaft sichtbar, die deutlich machen, dass das Phänomen des nordirischen Konfliktes nicht mit monokausalen Erklärungsmodellen zu beschreiben und zu begreifen ist.

2.2 Der politische Aspekt

Während zweifellos eine der Kernprämissen des Nordirlandkonfliktes in polarisierten ethnisch-religiösen Beziehungen zu suchen ist, spielen dort auch zusätzliche Probleme eine entscheidende Rolle, die zur Komplexität der Situation beitragen. In streng geteilten Gesellschaften setzt sich die religiöse Ethnizität in einer Vielzahl von tagesaktuellen und längerfristigen politischen und gesellschaftlichen Problemen fort: von Entwicklungsplänen, über Meinungsverschiedenheiten im Bildungsbereich und Gewerkschaftsangelegenheiten bis hin zur Agrar-, Wirtschafts- und Steuerpolitik. Charakteristisch für Gebiete mit verschiedenen Ethnien und Religion ist, dass politische und gesellschaftliche Fragen, die anderswo in der alltäglichen Verwaltung beantwortet würden, einen Hauptplatz auf der politischen Tagesordnung einnehmen und so für kontinuierliche Spannung sorgen. Dies ist unzweifelhaft auch in Nordirland der Fall, wo jedes öffentliche Problem auf Schlachtfeld des ethnisch-nationalen Gegensatzes ausgetragen wird.

Grundsätzlich gilt aber festzuhalten, dass sich die ganze Brisanz der politischen Problematik Nordirlands um zwei relevante Schlüsselpunkte gedreht hat bzw. mit Einschränkungen immer noch dreht.[21] Einerseits ging es um die Frage nach der verfassungsrechtlichen Legitimität der nordirischen Provinz innerhalb des Vereinigten Königreiches ("United Kingdom") und zum anderen um die politische Gleichberechtigung der katholischen Minderheit. Während das primäre politische Ziel der katholischen Republikaner über den gesamten Verlauf der Konflikts die Vereinigung der nordirischen Provinz mit der Republik Irland war, verfolgen die protestantische Loyalisten die Aufrechterhaltung des Status quo und die weitere Vertiefung der Verbindung mit der Regierung in London innerhalb des britischen Staatsverbandes. Die enorme Diskrepanz bezüglich des künftigen politisch-rechtlichen Status’ Nordirlands lässt sich besonders eindrucksvoll in der sprachlichen Bezeichnung Nordirlands nachvollziehen: während die protestantische Loyalisten die Provinz mit dem Namen "Ulster" bezeichnen, sprachen zugleich die meisten der katholischen Republikaner von den "Sechs Grafschaften".[22] Und während die pro-britischen Unionisten sich in ihrer politischen Dominanz durch den Government of Ireland Act (1920) und den Northern Ireland Constitutional Act (1973) bestätigt sahen, die allesamt die Teilung der irischen Inseln und die weitere britische Präsenz dort regelten, begründeten die pro-irischen Nationalisten ihre politischen Ansprüche auf die Macht über die gesamte Insel durch das Art. 2 der irischen Verfassung.[23]

Neben dem territorialen Aspekt der Staatszugehörigkeit ging es gleichzeitig aber auch immer um die politische Diskriminierung des katholisch-republikanischen Bevölkerungsanteils, die naturgemäß besonders heftig umstritten war. Die sozial-politische Benachteiligung der pro-irischen Katholiken war nicht zu leugnen, hat sie sich doch in deren mangelnder Präsenz in Exekutive, Legislative und Judikative widergespiegelt.[24] Mehr noch: In manch einer der Machtstrukturen der nordirischen Provinz fehlten die proirischen Katholiken sogar vollständig. Das fundamentale Bedürfnis der katholischen Minderheit, an der Gestaltung der politischen Prozessen Nordirlands auf wirksamen und legitime Weise teilhaben zu können, stellt ein wichtiges Element innerhalb der komplexen nordirischen Problematik dar. Für manche Wissenschaftler ist dies sogar der zentrale Aspekt des Nordirlandkonfliktes - die Frage nach der Machtausübung und Herrschaft über die gesamte Provinz.[25]

2.3 Der ökonomische Ansatz

Bevor die "Troubles" ausbrachen, waren sowohl sozial-rechtliche Streitthemen - unter anderem politische Manipulationen und grobe Wahlkreis-Schiebungen (gerrymandering) - als auch sozial-ökonomische Schlüsselprobleme wie Unterkunft (housing) und Arbeitsbenachteiligung im öffentlichen Leben Nordirlands präsent. Das offensichtliche Unvermögen der Politiker, die gesellschaftlich-politische Stabilität Nordirlands zu gewährleisten, strahlte auch äußerst negativ auf die ökonomische Entwicklung der Provinz aus.[26] Und diese negative wirtschaftliche Entwicklung sorgte wiederum für steigende Spannungen innerhalb der nordirischen Gesellschaft, die sich letztendlich in den blutigen Auseinandersetzungen entluden, die ihre Ursprünge und Ursachen in den Protestkampagnen für bürgerlichen Rechte gegen Ende der 1960er Jahre hatten, die ein Ende der katholischen Benachteiligung nicht nur auf der politischen Ebene, sondern darüber hinaus auch in der Wirtschaftsentwicklung der Provinz forderten.

Katholische Republikaner übernahmen diese Forderung nach einer Beendigung der ökonomischen Diskriminierung als Leitmotiv für ihre Protestkampagne gegen die staatlichen Strukturen Nordirlands und setzten sich zugleich für Verbesserungsmaßnahmen ein. Die gewaltsamen Auseinandersetzungen seit dem Ausbruch des Konfliktes wurden zweifelsohne durch den tiefen Sinn der katholischen Minderheitsgemeinschaft für die sozial-ökonomische Ungleichheit provoziert und durch deren schmerzliches Gefühl, unfair behandelt und benachteiligt zu werden, angetrieben.

Da die pro-britischen Protestanten jahrzehntelang mit der stillschweigenden Protektion der britischen Regierung in London die ökonomischen Strukturen Nordirlands überwiegend dominiert hatten, wurden meistens Katholiken in erhöhtem Maße aus der öffentlichen Güterverteilung und Arbeitsprozessgestaltung ausgeschlossen. Infolgedessen blieb die Arbeitslosigkeit innerhalb des katholischen Bevölkerungsanteils besonders hoch.[27]

Letztendlich scheinen darüber hinaus auch die Unruhen selbst die Arbeitssuche erschwert zu haben, schreckten doch sowohl Protestanten als auch Katholiken davor zurück, Jobs in den von den Mitgliedern der jeweils anderen ethnisch-religiösen Bevölkerungsgruppe beherrschten Gebieten anzunehmen – aus Angst um ihre eigene Sicherheit. Der Faktor Angst hat damit die ohnehin bereits gesellschaftlich grundgelegte Segregation auch in der Arbeitswelt noch verstärkt, denn vor allem in kleineren Unternehmen gab es kaum eine Chance für Angehörige der jeweils anderen ethnischen Gruppierung, eine Anstellung zu bekommen.[28]

Durch die hohe Arbeitslosigkeit, aussichtslose Zukunftsperspektiven und sich schwierig gestaltende Jobverhältnisse unter der ethnisch-religiösen Komponente der nordirischen Gesellschaft - man beschäftigte wie gezeigt überwiegend Mitglieder der eigenen Bevölkerungsgruppe - spitzten sich in den 70er und 80er Jahren die sozialen Spannungen unter der Katholiken und Protestanten erheblich.

2.4 Kampf der nationalen Identitäten - sozialpsychologische Dimension des Konfliktes

Wesentlich für die Untersuchung der Ursachen des Nordirland-Konfliktes scheint mir die Erkenntnis, dass im Laufe des Kampfes und mit jeder blutigen Steigerung der Auseinandersetzungen immer neue Aspekte und Wesensmerkmale zu den bereits vorhandenen Konfliktgegenständen dazugekommen sind, was zu einer massiven Steigerung der Konfliktkomplexität geführt hat. Während also solche Faktoren wie die Religion, die sozial-politische Diskriminierung und die verwehrte Teilhabe an der wirtschaftlichen Entwicklung bzw. die im allgemeinen hinkende Wirtschaftsentwicklung wichtige Parameter des Konfliktes sind, ist es der tiefe emotionale Antagonismus der ethnisch-nationalen Identitäten,[29] der den Konflikt entscheidend definiert. Die oben genannten religiösen, politischen und ökonomischen Prämissen des Nordirlandkonfliktes greifen aber weder emotionale Empfindungen noch kultur-psychologischen Leidenschaften auf, die das soziale Verhalten der proirischen katholischen Republikaner bzw. der probritischen protestantischen Unionisten anzutreiben schienen und damit erklärbar machten. Es geht in Nordirland nicht (nur) um die faktischen Unterschiede in Religion, Politik und Wirtschaft, sondern vielmehr auch um die emotionale Rivalität zwischen zwei verschiedenen sozialen Identitäten - die der irischstämmigen Bevölkerung gegen die der Nachfahren von britischen und schottischen Siedlern aus der Vergangenheit.[30]

Der Mensch identifiziert sich in seiner Außenwelt - aufgrund seiner nationalen Zugehörigkeit, konfessionellen Ausprägung, politischer Präferenzen, sozial-ökonomischen Status oder anderen Wesensmerkmalen - als Mitglied einer bestimmten ethnisch-nationalen Gruppe. Ethnischer Nationalismus umschließt seinerseits die kulturelle Identität und die Assoziierung eines Individuums mit einer bestimmten ethnisch-nationalen Bevölkerungsgemeinschaft. Dabei sind die Emotionen und Gefühle, die mit der ethnischen-nationalen Identität einer Sozialgruppe in Kontakt stehen, stark ausgeprägt und entsprechend hoch.

Eine entsprechend wichtige Motivation im sozialen Verhalten der ethnisch-nationalen Bevölkerungsgemeinschaften stellt die Verfolgung und Bewahrung der eigenen menschlichen Grundbedürfnisse im Licht der Konfrontation mit konkurrierenden Gesellschaftsgruppen innerhalb der Grenzen eines einzelnen Staates oder Territoriums dar. Psychologische Empfindungen der Protagonisten und die strikte emotionale Trennung entlang der kulturell-nationalen Identität der Bevölkerungsgruppen führen oft zu einem "Wir-Sie–Syndrom“, das wiederum mit einer Vielzahl weiterer Komponenten und Aspekte des Konfliktes verbunden ist.[31] "Wir leiden wegen ihnen" und "sie versuchen uns zu zerstören" sind die grundlegenden Vorstellungen, die tief in der Gefühlswelt der Mitglieder einer ethnisch-nationalen Bevölkerungsgemeinschaft verwurzelt werden. Dies führt letztendlich dazu, dass der intensive Grad an persönlichen emotionalen Erlebnissen oft von der ganzen ethnisch-religiösen Gruppe als ein eigenes Erlebnis, eine eigene kollektive emotionale Erfahrung übernommen wird.[32] Dabei macht es nichts aus, ob die schädliche Handlung - Diskriminierung, Beleidigung etc. - eine direkte Wirkung auf nur eine einzelne Person gehabt hat – reagiert wird kollektiv, und zwar im Extremfall von einer ganzen ethnisch-religiösen Volksgruppe.

Diese Bevölkerungsgruppen, egal ob sie aus gemeinsamen religiösen, ethnischen, rassischen, kulturellen oder andere Wesensmerkmalen gebildet worden sind, sind bereit, alles tun, um ihre eigene spezifische Identität innerhalb der Gesellschaft zu schützen und zu bewahren. Wird ihnen also ihre physische Sicherheit, ihre wirtschaftliche Prosperität, ihre politische Partizipation und der soziale Respekt vor ihrer menschlichen Würde von anderen Sozialgruppen und vom Staat verweigert, wird dies als Angriff auf die Identität der Volksgruppe gewertet, der mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln abgewehrt werden muss.

In den meisten Fällen, wie auch in Nordirland, wird dieser Prozess noch dadurch komplexer, dass er als eine "Nullsummen-Konfrontation" wahrgenommen und ausgetragen wird, das heißt: dem Bedürfnis einer Gesellschaftsgruppe nach Anerkennung und Gewährleistung ihrer "spezifischen" Identität stehen die Interessen einer anderen Sozialgemeinschaft gegenüber.

Auffällig, wenn auch nicht spezifisch, ist der blutige Verlauf des Konfliktes in Nordirland.[33] Er zeigt, auf welchem Niveau des Hasses und der menschlichen Gewalt, die Konfliktgegner in Nordirland bereit waren, sich zu bekriegen. Diese irrationalen Komponenten katapultieren den Konflikt auf eine Ebene, in der die kühle menschliche Logik der gewöhnlichen Konfliktlösungsstrategien nicht mehr gültig ist. Dabei ist festzustellen, dass das menschliche Handeln in Nordirland mehr durch irrationale Ziele rund um die Etablierung und Bewahrung der eigenen Identität, als durch rationale Berücksichtigung eigener materieller Vorteile gesteuert und angetrieben wird.

Zusammenfassend wird die Segmentierung der ethnischen Bevölkerungsgruppen in Nordirland häufig auf die religiöse Zugehörigkeit, politische Disparität, sozial-wirtschaftliche Ungleichheit, ethnisch-kulturelle Identität oder ein anderes greifbares Element reduziert. Das sind einige der wesentlichen Elemente, Aspekte und Prämissen, die diesen Konflikt so kompliziert und fortdauernd gemacht haben, auch weil sie das gesamte Spektrum der Gesellschaft durchdringen. Wer den Konflikt aber wirklich verstehen will, muss seinen sozial-psychologischen Wurzeln nachspüren, die den Konflikt zwischen den beiden nordirischen ethnisch-religiösen Bevölkerungsgruppen gemeinsam mit dem stark vernetzten Konglomerat aus der gleichzeitigen Existenz verschiedenster Gegensätze so komplex machen. Als die Kampfhandlungen die negativen Erscheinungen des öffentlichen Lebens Nordirlands verstärkten, wurde der Antagonismus zwischen allen beteiligten Kontrahenten immer akzentuierter.

Die Komplexität des Konfliktes stellt demnach ein entscheidendes Hindernis dar, das dauerhafte gewaltlose Zusammenleben und die endgültig friedliche Regulierung des Nordirlandkonfliktes zu ermöglichen. Die hohe Opferzahl und die langjährige Fortdauer des Nordirlandkonfliktes sind sowohl Symptome wie auch Ursachen dieser Komplexität.

[...]


[1] Vgl. Fay, Marie-Therese/Mike Morrssey/Mary Smyth: Northern Ireland´s Troubles: The Human Costs, London: Pluto Press, 1999, S.137.

[2] Wegen der Empfindlichkeit der Sprache ist im Englischen der offizielle Titel für die am 10.04.1998 getroffene Vereinbarung "The Agreement", obwohl darauf, unter anderen Dingen, als "Good Friday Agreement" und "The Belfast Agreement" verwiesen wird.

[3] Unter anderem spricht dafür die vor kurzen abgegebenen Bekündigung der IRA, alle ihre bewaffneten Kampagnen vollkommen einzustellen und mit der Entwaffnung des eigenes militärischen Arsenals sofort anzufangen:

"IRA says armed campaign is over", 28.07.2005, in: BBC News, unter: http://news.bbc.co.uk/1/hi/northern_ireland/4720863.stm. (Stand 12.09.05). wie auch "IRA 'has destroyed all its arms', The IRA has put all of its weapons beyond use, the head of the arms decommissioning body has said.", 26.09.2005, in BBC News, unter: http://news.bbc.co.uk/1/hi/northern_ireland/4283444.stm (Stand 27.09.2005).

[4] Vgl. Azar, Edward E.: Protracted International Conflicts: Ten Propositions, in: Azar, Edward E./John W. Burton (Hrsg.): International Conflict Resolution, Theory and Practice, Sussex u.a.: Wheatsheaf Books, 1986, S. 28-40.

[5] Ausführliche Darstellung dieser Theorie siehe Burton, John: Conflict: Human Needs Theory, New York: St. Martin´s Press, 1990.

[6] Diese soziale Systempyramide wurde entwickelt und weitergeführt in: Lederach, John Paul: Building Peace: Sustainable Reconciliation in Divided Societies, Washington D.C.: US Institute of Peace Press, 1997.

[7] Vgl. u.a. Hermle, Reinhard: Der Konflikt in Nordirland: Ursachen, Ausbruch und Entwicklung unter besonderer Berücksichtigung des Zeitraums 1963-1972, München: Kaiser Verlag, 1979; auch Stadler, Klaus: Nordirland, Analyse eines Bürgerkrieges, München, 1979; Rapp, Manfred: Nordirland am Scheideweg, München: tuduv, 1987; Schulze-Marmeling, Dietrich/Ralf Sotscheck: Der lange Krieg - Macht und Menschen in Nordirland, Göttingen: Die Werkstatt, 1989; Breuer, Manfred: Nordirland - eine Konfliktanalyse, Münster: LIT, 1994.

[8] Vgl. u.a. Bittner, Jochen/Christian Ludwig Knoll: Ein unperfekter Frieden - Der IRA auf dem Weg von Mythos zur Mafia, Frankfurt/Main: Fischer Verlag, 2000, S. 258-267; auch Neumann, Peter: IRA - Langer Weg zum Frieden, Hamburg: Rotbuch, 1999.

[9] Vgl. u.a. Knoll, Christian Ludwig (Hrsg.): Nordirland auf dem Weg ins 21.Jahrhundert, Norderstedt: Books on Demand, 2004; Otto, Frank: Der Nordirlandkonflikt - Ursprung, Verlauf, Perspektiven, München: Beck, 2005; Wuhrer, Pit: Nordirland am Rande des Friedens, Zürich: Rotpunkt, 2000; Hauswedell, Corinna: Von den Waffen zur Demokratie? Probleme der Friedenskonsolidierung in Nordirland; in: Schoch, Bruno/ Hauswedell, Corinna/ Weller, Christoph/ Ratsch, Ulrich/ Mutz, Reinhard (Hrsg.), Friedensgutachten 2002; Münster/ Hamburg/ London:LIT,2002, S. 254-262.

[10] Vgl. u.a. Moltmann, Bernhard: "Es kann der Frömmste nicht im Frieden bleiben ..." Nordirland und sein kalter Frieden, Frankfurt/Main: HSFK, 2002; Moltmann, Bernhard: Nordirland 1999/2000, Frankfurt/Main: HSFK, 2000; Moltmann, Bernhard: Nordirland: vom Wagnis eines neuen Gesellschafts- und Herrschaftsvertrages oder wie Thomas Hobbes und John Locke jüngst Stormont Castle besuchten, Frankfurt/Main: HSFK, 1998; Moltmann, Bernhard/Thorsten Gromes/Bruno Schoch: Demokratie-Experimente in Nachbürgerkriegsgesellschaften -Bosnien und Herzegowina, Nordirland und Kosovo im Vergleich, Frankfurt/Main: HSFK, 2004.

[11] Über die größte Materialsammlung bezüglich der friedlichen Lösungsversuche und Strategien des nordirischen Konfliktes verfügt die Linen Hall Library in Belfast.

[12] Vgl. u.a. Bloomfield, David: Developing Dialogue in Northern Ireland, Basingstoke. Palgrave, 2001; Bloomfield, David: Political Dialogue in Northern Ireland, Basingstoke: Macmillan, 1998; Bloomfield, David: Peacemaking Strategies in Northern Ireland - Building Complementarity in Conflict Management Theory, Basingstoke: MacMillan, 1997.

[13] Vgl. u.a.Kempin, Tina: Ready for Peace?, Zürich: Forschungsstelle für Sicherheitspolitik der ETH, 2003; Valandro, Franz: The Peace Process in Northern Ireland, Frankfurt/Main: Lang, 2004; Darby, John: The management of peace processes, Basingstoke: MacMillan, 2000.

[14] Vgl. Whyte, John: Interpreting Northern Ireland, Oxford: Clarendon Press, 1990, S. 252.

[15] Vgl. u.a. einen guten Überblick diesbezüglichen geben unter anderem Liechty, Joseph/Cecelia Clegg: Moving beyond Sectarianism - Religion, Conflikt and Reconciliation in Northern Ireland, Blackrock: Columbia Press, 2001; auch Dillon, Martin: God and the Gun, The Chuch and Irish Terrorism, New York: Routledge, 1997; wie auch Hickey, John: Religion in Northern Ireland Problem, Dublin: Gill and Macmillan, 1984.

[16] Vgl. "Longman Dictionary of Contemprory English, Langenscheidt", 2. Aufl., Berlin/München: 1987, S. 944.

[17] Vgl. Been, Richard/Paula Devine: Segmentation and the Social Strukture, in: Mitchell, Paul/Rick Wilford (Hrsg.): Politics in Northertn Ireland, Oxford: Westview Press, 1999, S. 57.

[18] Vgl. u.a. Sugden,John/Alan Bairner: Sport, Sectarianism and Society in a Divided Ireland, Leicester: Leicester University Press, 1993.

[19] Vgl. Been, Segmentation, S. 59.

[20] Vgl. Fox, Jonathan: Ethnoreligious Conflict in the Late Twentieth Century, A General Theory, Lanham: Lexington Books, 2002, S. 143.

[21] Vgl. Rapp, Michael: Nordirland am Scheideweg, München: tuduv, 1987, S. 31.

[22] Das sind die so genannte "Six Counties": Antrim, Armagh, Down, Fermanagh, Tyrone und (London)Derry.

[23] Art. 2: "The national territory consists of the whole island of Ireland, its islands and the territorial seas." (Zitiert nach Darby, John: Scorpions in a Bottle. Conflicting Cultures in Northern Ireland, London: Minority Rights Publication, 1997, S. 195.

[24] Vgl. Rapp, Michael: Nordirland am Scheideweg, München: tuduv, 1987, S. 28-31.

[25] Vgl. Hunter, John: An Analysis of the Conflict in Northern Ireland, in: Rea, Desmond (Hrsg.): Political Cooperation in Divided Societies: A Series of Papers Relevant to the Conflict in Northern Ireland, Dublin: Gill and Macmillan, 1983, S. 30.

[26] Einen guten Überblick über sozial-ökonomischen Verhältnisse als Ursache und Folgen vom Nordirlandkonflikt s. Bew, Paul/Henry Patterson/Paul Teauge (Hrsg.): Northern Ireland between war and peace - the political future of Northern Ireland, London: Lawrence & Wishart, 1997, S. 87-143; sowie auch Birnie, Esmond: Northern Ireland Economy, Aldershot u.a.: Ashgate, 1999; Löbler, Frank/Peter Hauptmanns/Rainer Freriks (Hrsg.): Ulster zwischen Bürgerkrieg und Binnenmarkt, Hagen: Fernuniv., 1992.

[27] Vgl. Fay, Marie-Therese et al: Northern Ireland´s Troubles, S.97.

[28] Vgl. Boyle, Kevin/Tom Hadden: Northern Ireland: The Choice, London: Penguin Books, 1994, S. 46.

[29] Vgl. Connor, Walker: Ethnonationalism, The Quest for Understanding, Princeton: Princeton University Press, 1994, S. 74.

[30] Vgl. Bloomfield, David: Peacemaking Strategies in Northern Ireland - Building Complementarity in Conflict Management Theory, Basingstoke: MacMillan, 1997, S. 13-23.

[31] Vgl. Connor, Ethnonationalism, S. 46.

[32] Vgl. Wedge, Bryant: Psychology of the Self in Social Conflict, in: Azar,Edward E./John W. Burton (Hrsg.): International Conflict Resolution, Theory and Practice, Sussex u.a.: Wheatsheaf Books, 1986, S. 56f.

[33] Einen guten Überblick über die Tiefe der Gefühle und der starken emotionelle Intensität des Nordirlandkonfliktes stellen die ausführlichen Untersuchungen und Analysen der blutigen Ereignisse und der zahlreichen menschlichen Opfern in: Bew, Paul/Gordon Gillespie: Northern Ireland: A Chronology of the Troubles 1968-1999, Lanham: The Scarecrow Press, 1999; wie auch Fay, Marie-Therese/Mike Morrssey/Mary Smyth: Northern Ireland´s Troubles: The Human Costs, London: Pluto Press, 1999.

Ende der Leseprobe aus 99 Seiten

Details

Titel
Komplexität des Nordirlandkonfliktes und diplomatische Initiativen zu seiner friedlichen Lösung
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Sozialwissenschaftliche Fakultät)
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2005
Seiten
99
Katalognummer
V53676
ISBN (eBook)
9783638490559
ISBN (Buch)
9783638751780
Dateigröße
826 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Komplexität, Nordirlandkonfliktes, Initiativen, Lösung
Arbeit zitieren
Vassil Loukarsky (Autor), 2005, Komplexität des Nordirlandkonfliktes und diplomatische Initiativen zu seiner friedlichen Lösung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53676

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