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Komplexität des Nordirlandkonfliktes und diplomatische Initiativen zu seiner friedlichen Lösung

Title: Komplexität des Nordirlandkonfliktes und diplomatische Initiativen zu seiner friedlichen Lösung

Thesis (M.A.) , 2005 , 99 Pages , Grade: sehr gut

Autor:in: Vassil Loukarsky (Author)

Politics - Topic: Peace and Conflict, Security
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Von Palästina über Nordirland bis ins Baskenland, von Kolumbien über Kosovo bis Kurdistan reicht die Palette jener Konflikte, die sich durch deren scheinbar irrationale Gründe und extreme Dimensionen brutaler Gewalt unserem menschlichen Verständnis einerseits, politisch-strategischen Lösungsmöglichkeiten andererseits zu entziehen scheinen. Die weltweite Dominanz solcher innerstaatlicher Konflikte, ihre lange chronologische Intensität und tiefe soziale Brisanz - häufig verbunden mit komplexen humanitären Katastrophen und Hungersnöten als Folge von Flucht und Vertreibung, ethnischem Genozid, Völkermord und Terrorismus - stellen eine enorme Herausforderung für die Sicherheit von allen Staaten und Menschen im internationalen System dar. Folgerichtig ist auch zugleich weltweit die Bereitschaft gewachsen, verschiedene diplomatische Lösungsstrategien und friedensstiftende Konzepte auszuarbeiten, um diese schrecklichen Konflikte allmählich zu entschärfen und in der Folge friedlich zu regeln.

Der Bürgerkrieg in Nordirland, der innerhalb der letzten drei Jahrzehnte über 3600 Menschen das Leben gekostet und zugleich enormen sozial-ökonomischen Schaden verursacht hat,1 ist ein beängstigendes Beispiel für diese endlose Spirale der Gewalt. Die Matrix des nordirischen Schreckens beweist, dass in Westeuropa kein anderes Land nach 1945 stärker und intensiver von blutigen Unruhen zerrüttet worden ist als die nordirische Provinz. Zugleich betrifft dieser Konflikt nicht nur Nordirland, sondern sowohl die Republik Irland, als auch Großbritannien als Protektoren und Vertreter der Interessen der eigenen Bevölkerungsgruppe in Nordirland. Da diese aber seit 1973 Mitglieder der EU sind, ist der Konflikt in Nordirland zugleich auch ein gesamteuropäisches Problem.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Der Nordirlandkonflikt im Kontext der globalen Konfliktlösungsproblematik

1.2 Fragestellung, Erkenntnisinteresse und Zielsetzung

1.3 Aufbau, Vorgehensweise und Grundlagen der vorliegenden Arbeit

1.4 Aktueller Forschungsstand

2. Komplexität und Wesensmerkmale des Nordirlandkonfliktes

2.1 Der Nordirlandkonflikt - ein Konfessionskrieg?

2.2 Der politische Aspekt

2.3 Der ökonomische Ansatz

2.4 Kampf der nationalen Identitäten - sozialpsychologische Dimension des Konfliktes

3. Theoretische Untersuchungen eines tief verwurzelten sozialen Konfliktes, deren Übertragung auf das Nordirlandproblem und Anwendung von unterschiedlichen Diplomatien

3.1 Nordirlandkonflikt als ein "Protracted Social Conflict" und John Burton’s "Human Needs Theory" zur Konfliktlösung

3.2 Lederachs Pyramide der drei sozialen Ebenen der Konfliktregulierung und die Track-1-Diplomatie

3.3 Die Track-2-Diplomatie

3.4 Die Track-3-Diplomatie

4. Wirkungsmöglichkeiten und Konfliktlösungsversuche der offiziellen politischen Diplomatie in Nordirland (Track 1)

4.1 Sunningale Abkommen von 1973

4.2 Weitere Konfliktlösungsversuche der offiziellen Politik und das anglo-irische Agreement von Hillsborough (1985)

4.3 Downing Street Declaration (1993)

4.4 Die Friedensbemühungen der offiziellen Politik (Track-1-Diplomatie) von 1993 bis 1998 - New Frameworks for Agreement

4.5 Friedensabkommen vom Karfreitag 1998 (Good Friday Peace Agreement)

5. Die Rolle der "dritten Partei" (Mediator) bei der Lösung des Nordirlandkonflikts

5.1 Die Rolle der Dritten (Außen)Partei bei der Konfliktlösung - Theorie der Mediation

5.2 Die Vereinigten Staaten von Amerika

6. Strategische Initiativen und praktische Schritte der Track-2-Diplomatie zur friedlichen Lösung des Nordirlandkonflikts

6.1 Theoretische Grundlagen und Vorgehensweise der Track-2-Diplomatie bei der Lösung des Nordirlandkonflikts

6.2 Sozial-politische Bemühungen der nordirischen Kirchen und anderer christlicher Organisationen zur friedlichen Lösung des Konflikts

6.3 Die Rolle der Akademiker und Intellektuellen bei der praktischen Lösung des Nordirlandkonflikts

6.4 Der Beitrag der Gewerkschaften und der "Business Community" zum nordirischen Friedensprozess

6.5 Initiativprogramme für gemeinsame Bildung, interkommunale Erziehung und zwischengemeinschaftliche Schulen

6.6 Kulturelle Arbeit und interkulturelle Organisationen zur Friedensschaffung in Nordirland

7. Wirkungsmöglichkeiten und sozial-politische Relevanz der Track-3-Diplomatie bei der Lösung des Nordirlandkonflikts

7.1 Community Groups im Friedensprozess Nordirlands

7.2 Die Rolle von "Reconciliation Groups" für die friedliche Lösung des Nordirlandkonflikts

7.3 Arbeit und Funktion von diversen informellen Frauenvereinen auf der Track-3-Ebene des Konfliktlösungsprozesses in Nordirland

7.4 "Interface Work" - friedensstiftende Initiativen an den Schnittstellen des ethnisch-religiösen Nordirlandkonflikts

7.5 Betreuungsarbeit mit Gefangenen und ehemaligen Paramilitärs

8. Konzeptualisierung – und Auswege aus der Krise

9. Unterschiede und Gemeinsamkeiten in den Regulierungsstrategien der diversen diplomatischen Akteure hinsichtlich der erfolgreichen Konfliktlösung in Nordirland - Schlussfolgerung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit analysiert die Möglichkeiten, Grenzen und die Effizienz des friedlichen Managements des Nordirlandkonflikts unter Einbeziehung sowohl der offiziellen Diplomatie (Track 1) als auch inoffizieller Methoden (Track 2 und Track 3), um zu ergründen, welche Strategien maßgeblich zur Beendigung der Gewalt und zur Friedensschaffung beigetragen haben.

  • Analyse der Komplexität des Nordirlandkonflikts und seiner Ursachen.
  • Untersuchung der diplomatischen Ansätze (Track 1, 2 und 3).
  • Evaluation offizieller Friedensabkommen wie des Karfreitagsabkommens.
  • Rolle von Drittparteien wie den USA und der EU bei der Konfliktlösung.
  • Bedeutung informeller Akteure und sozialer Initiativen für den Friedensprozess.

Auszug aus dem Buch

2.4 Kampf der nationalen Identitäten - sozialpsychologische Dimension des Konfliktes

Wesentlich für die Untersuchung der Ursachen des Nordirland-Konfliktes scheint mir die Erkenntnis, dass im Laufe des Kampfes und mit jeder blutigen Steigerung der Auseinandersetzungen immer neue Aspekte und Wesensmerkmale zu den bereits vorhandenen Konfliktgegenständen dazugekommen sind, was zu einer massiven Steigerung der Konfliktkomplexität geführt hat. Während also solche Faktoren wie die Religion, die sozial-politische Diskriminierung und die verwehrte Teilhabe an der wirtschaftlichen Entwicklung bzw. die im allgemeinen hinkende Wirtschaftsentwicklung wichtige Parameter des Konfliktes sind, ist es der tiefe emotionale Antagonismus der ethnisch-nationalen Identitäten, der den Konflikt entscheidend definiert. Die oben genannten religiösen, politischen und ökonomischen Prämissen des Nordirlandkonfliktes greifen aber weder emotionale Empfindungen noch kultur-psychologischen Leidenschaften auf, die das soziale Verhalten der proirischen katholischen Republikaner bzw. der probritischen protestantischen Unionisten anzutreiben schienen und damit erklärbar machten. Es geht in Nordirland nicht (nur) um die faktischen Unterschiede in Religion, Politik und Wirtschaft, sondern vielmehr auch um die emotionale Rivalität zwischen zwei verschiedenen sozialen Identitäten - die der irischstämmigen Bevölkerung gegen die der Nachfahren von britischen und schottischen Siedlern aus der Vergangenheit.

Der Mensch identifiziert sich in seiner Außenwelt - aufgrund seiner nationalen Zugehörigkeit, konfessionellen Ausprägung, politischer Präferenzen, sozial-ökonomischen Status oder anderen Wesensmerkmalen - als Mitglied einer bestimmten ethnisch-nationalen Gruppe. Ethnischer Nationalismus umschließt seinerseits die kulturelle Identität und die Assoziierung eines Individuums mit einer bestimmten ethnisch-nationalen Bevölkerungsgemeinschaft. Dabei sind die Emotionen und Gefühle, die mit der ethnischen-nationalen Identität einer Sozialgruppe in Kontakt stehen, stark ausgeprägt und entsprechend hoch.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Thematik des Nordirlandkonflikts, dessen globalen Kontext sowie die Zielsetzung und Vorgehensweise der Arbeit.

2. Komplexität und Wesensmerkmale des Nordirlandkonfliktes: Analyse der religiösen, politischen, ökonomischen und sozialpsychologischen Dimensionen, die zur Komplexität des Konflikts beitragen.

3. Theoretische Untersuchungen eines tief verwurzelten sozialen Konfliktes, deren Übertragung auf das Nordirlandproblem und Anwendung von unterschiedlichen Diplomatien: Theoretische Auseinandersetzung mit "Protracted Social Conflict" und Vorstellung des Lederach-Modells der drei Ebenen der Diplomatie.

4. Wirkungsmöglichkeiten und Konfliktlösungsversuche der offiziellen politischen Diplomatie in Nordirland (Track 1): Untersuchung offizieller politischer Friedensbemühungen von 1973 bis 1998, einschließlich des Sunningdale- und Karfreitagsabkommens.

5. Die Rolle der "dritten Partei" (Mediator) bei der Lösung des Nordirlandkonflikts: Analyse der Vermittlerrolle externer Akteure, insbesondere der USA und der Europäischen Union.

6. Strategische Initiativen und praktische Schritte der Track-2-Diplomatie zur friedlichen Lösung des Nordirlandkonflikts: Darstellung der Rolle von Akteuren wie Kirchen, Akademikern und Wirtschaftsvertretern bei der friedlichen Konfliktbearbeitung.

7. Wirkungsmöglichkeiten und sozial-politische Relevanz der Track-3-Diplomatie bei der Lösung des Nordirlandkonflikts: Untersuchung lokaler Graswurzel-Initiativen, Friedensgruppen und Frauenorganisationen als Basis des Friedensprozesses.

8. Konzeptualisierung – und Auswege aus der Krise: Zusammenfassende Betrachtung der Effizienz der drei diplomatischen Schienen für eine nachhaltige Konfliktlösung.

9. Unterschiede und Gemeinsamkeiten in den Regulierungsstrategien der diversen diplomatischen Akteure hinsichtlich der erfolgreichen Konfliktlösung in Nordirland - Schlussfolgerung: Abschlussbetrachtung über das Zusammenwirken der verschiedenen Akteure und die Bedeutung eines ganzheitlichen Friedensprozesses.

Schlüsselwörter

Nordirlandkonflikt, Friedensprozess, Diplomatie, Track-1-Diplomatie, Track-2-Diplomatie, Track-3-Diplomatie, Karfreitagsabkommen, Mediation, ethnisch-religiöse Identität, Konfliktlösung, Soziale Versöhnung, Politische Machtverteilung, Human Needs Theory, Gewaltfreiheit, Gesellschaftliche Partizipation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht den nordirischen Konflikt und analysiert, welche diplomatischen und sozialen Strategien notwendig waren, um den langjährigen Bürgerkrieg in Richtung eines dauerhaften Friedens zu führen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die Analyse der Ursachen des Konflikts, die offizielle politische Diplomatie, die Rolle externer Mediatoren sowie die Bedeutung inoffizieller und lokaler friedensstiftender Initiativen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Kombination aus offizieller Politik (Track 1) und alternativen diplomatischen Methoden (Track 2 und 3) zur erfolgreichen Konfliktregulierung in Nordirland beigetragen hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine analytische Untersuchung, die theoretische Konfliktansätze (wie die "Human Needs Theory" und Lederachs "Model of Peace Building") mit einer historischen Auswertung konkreter Friedensbemühungen kombiniert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die Komplexität des Konflikts, theoretische Rahmenbedingungen, offizielle Friedensabkommen, die Vermittlerrolle der USA und EU sowie die vielfältigen inoffiziellen Initiativen der Zivilgesellschaft detailliert analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Nordirlandkonflikt, Friedensprozess, Drei-Ebenen-Diplomatie (Track 1, 2, 3), Karfreitagsabkommen, Konflikttransformation und zivilgesellschaftliche Versöhnung charakterisieren.

Warum war der "Track 1"-Ansatz allein nicht ausreichend?

Der offizielle politische Weg (Track 1) war oft starr und durch Machtkalküle der Führungseliten limitiert; er bedurfte der Ergänzung durch soziale und informelle Ansätze, um tiefsitzendes gesellschaftliches Misstrauen abzubauen.

Wie haben die USA den nordirischen Friedensprozess beeinflusst?

Die USA fungierten als pragmatischer Vermittler und Gegengewicht, der vor allem durch die Clinton-Regierung den moderaten Flügel von Sinn Féin unterstützte und finanzielle Anreize für die Friedenssicherung schuf.

Welche Bedeutung hatten die "Reconciliation Groups" für den Frieden?

Diese Gruppen trugen wesentlich zur Deeskalation bei, indem sie objektive Kommunikation zwischen den verfeindeten Gemeinschaften förderten und das gegenseitige Misstrauen auf lokaler Ebene abzubauen halfen.

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Details

Title
Komplexität des Nordirlandkonfliktes und diplomatische Initiativen zu seiner friedlichen Lösung
College
LMU Munich  (Sozialwissenschaftliche Fakultät)
Grade
sehr gut
Author
Vassil Loukarsky (Author)
Publication Year
2005
Pages
99
Catalog Number
V53676
ISBN (eBook)
9783638490559
ISBN (Book)
9783638751780
Language
German
Tags
Komplexität Nordirlandkonfliktes Initiativen Lösung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Vassil Loukarsky (Author), 2005, Komplexität des Nordirlandkonfliktes und diplomatische Initiativen zu seiner friedlichen Lösung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53676
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