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Formen der Erinnerungsdarbietung in Elias Canettis autobiographischem Kernwerk

Title: Formen der Erinnerungsdarbietung in Elias Canettis autobiographischem Kernwerk

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 27 Pages , Grade: 1

Autor:in: Christian Wunner (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Die vorliegende Untersuchung „Formen der Erinnerungsdarbietung in Elias Canettis autobiographischem Kernwerk“ will sich mit dem autobiographischen Werk des jüdischen Schriftstellers auseinandersetzen. Das Corpus umfasst inzwischen vier Bände: „Die gerettete Zunge“ (1905 - 19121) [GZ], „Die Fackel im Ohr“ (1921 - 1931) [FiO], „Das Augenspiel“ (1931 - 1937) [AS], sowie das postum erschienene Opus „Party im Blitz“. Aufgrund des Umfanges kann eine erschöpfende Analyse des autobiographischen Gesamtwerkes im Rahmen einer Seminararbeit weder sinnvoll noch erstrebenswert sein, weshalb Schwerpunkte gesetzt werden müssen und erkenntnisleitende Fragen aufgeworfen werden sollen, die sich mit der Klärung von wichtigen Einzelaspekten befassen. So wird versucht werden, die Frage, ob die canettischen Lebensbeschreibungen den gattungstypischen Normen entsprechen, bzw. wo und wie sie davon abweichen, zu klären. Außerdem steht die Art und Weise der Erinnerungsdarbietung, also die Frage, wie Elias Canetti die eigenen Erinnerungen dem Leser schildert und vergegenwärtigt, im Mittelpunkt. Die Untersuchung ist von ihrer Grundstruktur her induktiv angelegt. So soll zuerst eine einführende, allgemeine Darstellung der Strukturmerkmale einer Autobiographie als literarische Gattung die Grundlage bilden, auf die im Folgenden zurückgegriffen werden kann um herauszuarbeiten, wann sie davon abweicht. Gattungstypische Besonderheiten, wie z.B. die Zäsuren der drei ersten Bände und die Titelwahl, sollen untersucht werden um zunächst einen Eindruck vom selbstbiographischen Gesamtkonzept und erste Hinweise auf zentrale Themen und Motive zu bekommen. Im weiteren Verlauf werden dann die Gesichtspunkte im Blickpunkt der Untersuchung stehen, die eine Abweichung von der gattungspoetologischen Form konstitutionalisieren bzw. Besonderheiten darstellen. Hierzu gehört vor allem die Frage, wie der Autor seine Erinnerungen dem Leser zu vergegenwärtigen sucht, wie das Erinnern funktioniert. Da Erinnerung, „wenn sie absichtlich geschieht und erfolgreich sein will, visuell organisiert“ ist, steht hier die Untersuchung der bildhaften Erinnerungspräsentation in der Selbstbiographie Canettis im Mittelpunkt. Hierauf sollen beispielhaft eine Auswahl der wichtigsten Schlüsselereignisse und Themen (die Canetti selbst als bestimmend für sein Leben angesehen hat) und deren Darstellung untersucht werden.

Excerpt


Gliederung

EINLEITUNG

I. DIE AUTOBIOGRAPHIE ALS LITERARISCHE GATTUNG

1. DER STELLENWERT DER AUTOBIOGRAPHIE INNERHALB DES LITERARISCHEN KANONS

2. WICHTIGE STRUKTURMERKMALE EINER „EIGENTLICHEN“ AUTOBIOGRAPHIE

II. STRUKTURANALYSE DES AUTOBIOGRAPHISCHEN KERNWERKES CANETTIS

1. ORDNUNGSKATEGORIEN – DER AUFBAU DER DREI BÄNDE

2. DIE ZENTRALEN THEMEN - WESEN UND ZIELRICHTUNG DES AUTOBIOGRAPHISCHEN WERKES VON ELIAS CANETTI

I. ERFÜLLUNG DER STRUKTURMERKMALE UND BESONDERHEITEN IN DER ERINNERUNGSDARBIETUNG

1. DER ERINNERUNGSDARBIETUNG IN DER AUTOBIOGRAPHIE ELIAS CANETTIS

1.1. BEGEGNUNGEN MIT BRUEGHEL

1.2. DER TRIUMPH DES TODES“

1.3. DER BLINDENSTURZ

2. DIE DYNAMIK VON PREISGABE UND AUSSPARUNG

ZUSAMMENFASSUNG

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht die autobiographische Trilogie von Elias Canetti unter dem Fokus der Erinnerungsdarbietung. Dabei wird analysiert, inwiefern Canettis Werk den gattungstypischen Anforderungen an eine Autobiographie entspricht, wie er visuelle Erinnerungsstrukturen nutzt und welche Funktion die bewusste Dynamik von Preisgabe und Aussparung für die Sinnstiftung seines Lebenswegs einnimmt.

  • Untersuchung der Autobiographie als literarische Gattung und deren Strukturmerkmale.
  • Analyse der Titelwahl und der Ordnung des autobiographischen Kernwerks.
  • Bedeutung der bildhaften Erinnerungspräsentation am Beispiel der Werke von Pieter Brueghel.
  • Reflektion über Canettis Kampf gegen den Tod als zentrales Leitmotiv.
  • Hinterfragung der Dynamik zwischen autobiographischer Ehrlichkeit und bewussten Aussparungen.

Auszug aus dem Buch

1.1. Begegnungen mit Brueghel

Canetti berichtet in der „Geretteten Zunge“ von einem brennenden Haus in seiner Geburtsstadt Rustschuk:

„…und da sah ich zum ersten Mal ein brennendes Haus. Es war schon weit heruntergebrannt, Balken stürzten ein und Funken sprühten. Es ging gegen Abends, es wurde allmählich dunkel und das Feuer schien immer heller. Aber was mir weit mehr Eindruck machte als das brennende Haus, waren die Menschen, die sich darum bewegten. Sie sahen klein und schwarz aus dieser Entfernung aus, es waren viele und sie rannten alle durcheinander. Manche blieben in der Nähe des Hauses, manche entfernten sich und diese trugen alle etwas auf dem Rücken. (…) Dieser Anblick der mir unvergesslich blieb, ist mir später in die Bilder eines Maler aufgegangen, so das ich nicht mehr sagen kann, was ursprünglich war (Einschränkung der Erinnerungsfähigkeit -> Erlebnis aus frühester Kindheit, Realitätsnähe) und was von ihnen dazu kam. Ich war neunzehn, als ich von Wien vor den Bildern Brueghels stand. Ich erkannte auf der Stelle die vielen kleinen Menschen jenes Feuers aus der Kindheit.

Die Bilder waren mir so vertraut, als hätte ich mich immer unter ihnen bewegt. Ich verspürte eine ungeheure Anziehung von ihnen und ging täglich hin. Der Teil meines Lebens, der mit jenem Feuer begann, setzte sich unmittelbar in diesen Bildern fort, als wären keine fünfzehn Jahre dazwischen gelegen. Breughel ist mir der wichtigste Maler geworden, aber ich habe ihn mir nicht wie vieles spätere durch Betrachtung oder Nachdenken erworben. Ich habe ihn schon vorgefunden, als hätte er schon lange, sicher dass ich zu ihm kommen müsse, auf mich gewartet.“

Zusammenfassung der Kapitel

EINLEITUNG: Die Einleitung steckt das Untersuchungsfeld ab und formuliert die erkenntnisleitende Frage nach der Erinnerungsdarbietung und der Abweichung von gattungspoetologischen Normen.

I. DIE AUTOBIOGRAPHIE ALS LITERARISCHE GATTUNG: Es werden die theoretischen Grundlagen der Gattung Autobiographie erörtert, insbesondere der fiktionale Charakter sowie die Notwendigkeit chronologischer Systematisierung.

II. STRUKTURANALYSE DES AUTOBIOGRAPHISCHEN KERNWERKES CANETTIS: Das Kapitel widmet sich der Gliederung und den Titeln der drei Bände, um zentrale Themen und die „Bildungsgeschichte“ Canettis zu explorieren.

I. ERFÜLLUNG DER STRUKTURMERKMALE UND BESONDERHEITEN IN DER ERINNERUNGSDARBIETUNG: In diesem Hauptteil wird analysiert, wie Canetti durch Bilder von Brueghel Erinnerungen visualisiert und wie er durch gezielte Aussparungen und Preisgaben seine Lebensgeschichte als Kampf gegen den Tod konstruiert.

ZUSAMMENFASSUNG: Die Ergebnisse werden gebündelt und unterstreichen die These, dass das Schreiben der Autobiographie bei Canetti ein prometheisches Unterfangen darstellt, um den Tod hinauszuzögern.

Schlüsselwörter

Elias Canetti, Autobiographie, Erinnerungsdarbietung, Bildungsgeschichte, Brueghel, Tod, Tod-Feindschaft, Masse, Identität, Sprache, Aussparung, Gedächtnis, visuelle Erinnerung, Selbstbiographie, Sinnstiftung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das autobiographische Kernwerk von Elias Canetti unter besonderer Berücksichtigung der Frage, wie der Autor seine Erinnerungen gestaltet und dem Leser vergegenwärtigt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentrale Themen sind die Gattung Autobiographie, die Bedeutung von bildender Kunst (insbesondere Brueghel) für das Erinnern sowie das dominierende Motiv des Kampfes gegen den Tod.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es zu ergründen, ob Canettis Lebensbeschreibungen gattungstypischen Normen folgen und inwiefern der Autor durch bewusste Verzerrungen und Auslassungen seine Identität konstruiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?

Die Untersuchung ist induktiv angelegt: Zuerst werden theoretische Strukturmerkmale der Gattung definiert, um diese anschließend an Canettis Texten auf ihre Erfüllung oder Abweichung hin zu prüfen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die bildhafte Erinnerungspräsentation anhand der Kunstwerke von Pieter Brueghel und untersucht die dialektische Dynamik von Preisgabe und Aussparung persönlicher Lebensereignisse.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Wichtige Begriffe sind „Tod-Feindschaft“, „Erinnerungsdarbietung“, „Selbstentäußerung“ und die „Bildungsgeschichte“ des Autors.

Wie beeinflusst Canettis Auseinandersetzung mit Karl Kraus die Autobiographie?

Kraus wird als moralische Instanz und „Schule des Hörens“ gewürdigt, wobei der Titel „Die Fackel im Ohr“ die ambivalente Beziehung zwischen Erleuchtung und späterer Verblendung des Lehrers widerspiegelt.

Welche Rolle spielen die Brueghel-Bilder konkret im Text?

Die Bilder fungieren als Erinnerungsstützen und „Schwellenereignisse“, in denen Canetti eigene Erfahrungen (wie die Angst vor Blindheit oder das Erleben von Massen) auf eine übergeordnete mythologische Ebene hebt.

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Details

Title
Formen der Erinnerungsdarbietung in Elias Canettis autobiographischem Kernwerk
College
University of Würzburg  (Philosophische Fakultät)
Course
Hauptseminar: Bildverlust? Bildgewinn? Texte der Gegenwartsliteratur.
Grade
1
Author
Christian Wunner (Author)
Publication Year
2006
Pages
27
Catalog Number
V53680
ISBN (eBook)
9783638490597
ISBN (Book)
9783656788522
Language
German
Tags
Formen Erinnerungsdarbietung Elias Canettis Kernwerk Hauptseminar Bildverlust Bildgewinn Texte Gegenwartsliteratur
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christian Wunner (Author), 2006, Formen der Erinnerungsdarbietung in Elias Canettis autobiographischem Kernwerk, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53680
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