Rhythmisierung an der Ganztagsschule. Erstellung eines Stundenplans


Essay, 2017

10 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Klärung des Begriffs „Rhythmisierung“

3. Rhythmisierung in der Praxis
3.1. Unterteilung
3.2. Erstellung eines Stundenplans

4. Fazit

5. Anhang

6. Literaturverzeichnis
6.1. Sekundärliteratur
6.2. Internetquellen

1. Einleitung

Das Konzept der Ganztagsschule hat in Deutschland Fuß gefasst. Besonders in Münster findet man kaum noch Schulen, die nicht zumindest eine Über-Mittags-Betreuung anbieten oder sich selbst als OGS, also Offene Ganztagsschule, bezeichnen. Schulformübergreifend gibt es immer mehr Schulen, die ihre Schülerinnen und Schüler bis in den Nachmittag hinein betreuen. Dies kann in Form regulärer Unterrichtsstunden geschehen oder es gibt freiwillige Angebote, wie Arbeitsgemeinschaften und Hausaufgaben-Betreuung.

Als ich zur Schule gegangen bin war dies noch nicht so selbstverständlich wie heute. An meiner Grundschule gab es dieses Konzept nicht. Um halb zwei war Schulschluss. Auch an der weiterführenden Schule, die ich besuchte, wurde das Modell der Ganztagsbetreuung erst schrittweise eingeführt. Erst als ich in der neunten Klasse war wurde eine Mensa gebaut, um die Übermittagsbetreuung fest einführen zu können. Zuvor gab es zwar Nachmittagsunterricht, jedoch höchstens zwei mal in der Woche und auch erst ab der siebten Klasse.

Dabei hätte ich, genau wie viele andere Kinder, dessen Eltern berufstätig sind, die Übermittagsbetreuung gut gebrauchen können. Es entlastet die Eltern, die länger arbeiten müssen. Ein großer positiver Effekt. Ich erinnere mich jedoch, dass es einige Eltern gab, die mit der Umstellung zur Ganztagsschule nicht zufrieden waren. Sie befürchteten, dass wir Schülerinnen und Schüler überfordert werden könnten. Ganz unrecht hatten sie damit nicht. Da der Unterricht bis halb vier andauerte und wir noch mit dem Bus nach Hause fahren mussten, waren wir nie vor vier Uhr zuhause. Dann mussten noch Hausaufgaben erledigt werden und natürlich hatte der ein oder andere auch noch außerschulische Aktivitäten, die zusätzlich Zeit benötigten. Allein von der Schulzeit war man nachmittags so müde, dass man von der freien Zeit nicht mehr viel hatte.

Heute arbeite ich an einer Ganztagsschule. Die Kinder, die ich am Nachmittag betreue sind nicht so müde, wie ich es damals war. Im Gegenteil, meistens sind sie noch sehr aktiv und lernwillig. Es hat sich im Gegensatz zu meiner Schulzeit etwas verändert. Hier kommt die Rhythmisierung ins Spiel. Doch was bedeutet Rhythmisierung? Wie wird sie in der Praxis angewendet und welche Vorteile bringt sie mit sich? Mit welchen Mitteln hat sie einen positiven Einfluss auf das Lernverhalten der Kinder?

Anhand dieser Leitfragen möchte ich das Thema Rhythmisierung erörtern. Dabei möchte ich zunächst klären, was man unter dem Begriff Rhythmisierung überhaupt versteht. Danach werde ich schauen, wie dies in der Praxis angewendet werden kann, um dann anhand eines groben Beispiels die Vorteile zu erarbeiten. Zuletzt werde ich ein Fazit abgeben und meine persönliche Meinung zum Ausdruck bringen.

2. Klärung des Begriffs „Rhythmisierung“

Bevor ich auf die genauen Spezifika der Rhythmisierung im Bereich der Ganztagsschule eingehe, muss zunächst geklärt sein, was unter dem Begriff „Rhythmisierung“ in Bezug auf Schule verstanden wird und wie weit dieser Begriff reicht.

Der Begriff „Rhythmisierung“ hat sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten stark verändert. Während Hartwig Schröder in seinem „Grundwortschatz Erziehungswissenschaft“ von 1992 noch von der „Herbeiführung eines Gleichmaßes in einem Bewegungsablauf durch periodischen Wechsel und Hervorhebung der Zeitintervalle“1, sowie von einer „methodischen Maßnahme zum besseren Behalten und Reproduzieren von Lernmaterial“2 spricht, findet man im „Handbuch der Ganztagsschule“ aus dem Jahr 2009 eine wesentlich modernere Definition von „Rhythmisierung“. In Stefan Appels Handbuch wird Rhythmisierung nicht mehr als eine „Lernmethode“ beschrieben, sondern als Begriff für das sinnvolle Einteilen des Schultages an einer Ganztagsschule. Sinnvoll ist die Einteilung für ihn dann, wenn die „Schülerinnen und Schüler sich wohl fühlen, [dass] sie die Schule als gemeinschaftsverbindende Lern- und Lehrstätte begreifen, [dass] also Kinder- und Jugendbedürfnisse berücksichtigt und adäquate Lehr- und Lernverfahren einbezogen werden können“3. Zudem bezieht er den Begriff auf seinen griechischen Ursprung, der laut Appel nicht etwa die musikalische Taktgebung bedeutet, sondern dessen Sinngehalt eher eine Art Wellenbewegung oder eine Wechselbeziehung darstellt.4

Prof. Dr. Ursula Carle von der Uni Bremen sagt sogar, dass das gesamte Leben eines Menschen rhythmisiert sei. Jede einzelne Handlung, aber auch längere Zeiträume, wie das Jahr, folgen einem Rhythmus, der durch mal mehr und mal weniger intensive Phasen bestimmt wird. In der Schule sei es also erforderlich für jede Schülerin und jeden Schülern einen Rahmen zu schaffen, in dem es strukturiert arbeiten kann, jedoch genug Freiraum hat, um seinem eigenen Rhythmus nachzugehen.5 Karlheinz Burk geht noch einen Schritt weiter und sagt, dass die Kinder immer mehr in die Zeitvorgaben der Erwachsenen gedrückt werden. Durch mehr Zeit in der Ganztagsschule hätte man nun die Möglichkeit, Kindern das Verhältnis von Zeit näher zu bringen und ihnen so zu ermöglichen mit Rhythmen und Zeitvorgaben besser umzugehen.6

3. Rhythmisierung in der Praxis

Der moderne Rhythmisierungsbegriff bedeutet also nicht die methodische Maßnahme einer Lernhilfe, ebenso wenig geht es dabei um die Taktierung der Unterrichtszeiten, sondern es geht um die Einteilung des Schultages, die sich möglichst wellenförmig durch den Schultag zieht. Es geht auch im Belastungs- und Entlastungsphasen, die Schülerinnen und Schüler weitergehend selbst einteilen sollten. Wie dies nun in der Praxis zur Anwendung kommt, soll dieses Kapitel klären.

3.1. Unterteilung

Wie von Prof. Dr. Carle bereits angedeutet, ist es unheimlich wichtig, dass Schülerinnen und Schüler ein gewisses Maß an Selbstbestimmung haben, was ihren Rhythmus angeht.7

Dies bekräftigt auch Karlheinz Burk. Um dies zu gewährleisten, den Schülerinnen und Schülern jedoch einen Grundrahmen vorzugeben, nimmt Burk eine Unterteilung vor, die auch Prof. Dr. Carle übernimmt. Er unterscheidet zwischen Takt, äußerer Rhythmisierung und innerer Rhythmisierung. Der Takt ist das was von der Schule vorgegeben ist. Es muss eine Einteilung in Abschnitte des Schultages geben. Unterrichtsblöcke und Pausenzeiten werden also von der Schule vorgegeben und im Schulkonzept festgehalten. Rhythmisierung ist im Gegensatz zum Takt nun die Unterteilung der einzelnen Unterrichtsblöcke. Die äußere Rhythmisierung wird durch die Lehrkraft oder das Lehr-Team gelenkt. Indem zwischen verschiedenen Lehr-Lernformen gewechselt wird, können die Unterrichtsblöcke weiter unterteilt werden. Bei der inneren Rhythmisierung wird das Kind selbst tätig. Es bestimmt seinen eigenen Rhythmus, indem es entscheidet wann es Lernhilfen benutzt, mit anderen Kindern zusammenarbeitet oder eine Entspannungsphase einlegt. Diesen selbstbestimmten Rhythmus gibt es automatisch bei jeder Art von Lernen, doch sollte er den Kindern bewusst gemacht werden.8

3.2. Erstellung eines Stundenplans

Die Einteilung von Karlheinz Burk zeigt, dass es drei verschiedene Instanzen gibt, die den Unterricht lenken können. Die Schule gibt die groben Unterrichtsblöcke vor, welche wiederum von den Lehrkräften oder den Schülerinnen und Schülern selbst in Phasen unterteilt werden. Doch das zeigt uns noch nicht, wie ein solcher Stundenplan aussieht und wie dies in der Praxis angewendet werden kann.

In dem von mir gewählten Beispiel9, welche ich als grobe Vorlage verwende, wird der Schultag in drei Blöcke unterteilt. Zwischen diesen Blöcken finden Pausen, sowie Frühstück und Mittagessen statt. Die Phasen innerhalb dieser Blöcke können, durch die äußere und innere Rhythmisierung, variiert werden. Daher werde ich nur grob skizzieren, wie der Ablauf sein kann.

Zu Beginn des Schultages ist ein offener Anfang sehr wichtig. Jedes Kind kann in einem bestimmten Zeitrahmen zur Schule kommen und darf sich dort bis zum Beginn der eigentlichen Unterrichts selbstständig beschäftigen. Dafür gibt es ein bestimmtes Angebot an Tätigkeiten, die sich das Kind aussuchen darf. So kann es beispielsweise Spiele spielen, malen, bauen oder einfach mit anderen Kindern oder Erwachsenen sprechen. Durch das Angebot, hat das Kind bereits vor der Schulzeit die Möglichkeit auszuwählen, wie er seinen Schultag beginnt. Der Tag beginnt also nicht durch die Instruktionen der Lehrkräfte, sondern selbstbestimmt durch die Schülerinnen und Schüler.10 Die eigentliche Unterrichtszeit kann nun unterschiedlich begonnen werden. Beispielsweise können die Kinder, bis zu einer gewissen Uhrzeit, selbst entscheiden wann sie für die Arbeit bereit sind. Der Unterricht beginnt am Vormittag Stillarbeit, die die Kinder selbstständig bearbeiten müssen.11 Allerdings ist auch denkbar, dass der Unterricht mit einem Sitzkreis beginnt und dann in einer anderen Sozialform weitergeführt wird. Der erste Block endet um etwa zehn Uhr und es folgt das Frühstück, sowie eine Pause.

Nach der Pause beginnt der zweite Block, der ebenfalls verschiedene Lehr-Lernformen und Unterrichtsmethoden beinhalten sollte. Dieser Block dauert ungefähr zwei Stunden, in denen sich die Schülerinnen und Schüler ihre Pausen selber nehmen können, indem sie phasenweise weniger intensiv arbeiten. Dieser Block endet wieder mit einer längeren Pause und dem Mittagessen. Diese Pause sollte deutlich länger sein, als die erste, da in der Mittagszeit ein deutliches Leistungstief bei den Kindern zu spüren ist.

Der dritte Block sollte neben dem Unterricht auch Nachmittagsangebote schaffen. Dazu können Arbeitsgemeinschaften, Hausaufgabenbetreuung, aber auch Sportangebote gehören. Damit endet der Schultag für die Schülerinnen und Schüler.12

Eine ähnliche Einteilung wählte Burk übrigens auch für die Rhythmisierung an der Halbtagsschule. Auch hier sollte der Unterricht mit einer offenen Anfangsphase beginnen und dann in größere Arbeitsphasen eingeteilt werden, in denen die Kinder ihren Rhythmus nach Möglichkeit selbst einteilen sollten.13

4. Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Rhythmisierung für die Schülerinnen und Schüler, aber auch für die Lehrer einige Vorteile bietet. Nicht nur ist es dadurch möglich, dass Kinder sich selber Pausen setzen und so automatisch die Motivation bis in der Nachmittag hochgehalten wird, sondern auch die Lehrer haben eine andere Aufgabenverteilung. Anstatt die Schülerinnen und Schüler zu instruieren, arbeitet man mit den Kindern und hat die Möglichkeit ihnen viele Freiräume zu lassen. Zudem lassen sich durch die Auflösung der 45-minütigen Fachunterrichtsstunden Fächer besser miteinander vernetzen. So kann in einem Unterrichtsblock ein Thema aus der Sicht verschiedener Fächer betrachtet werden. Auch die Kinder lernen so anders mit Themen umzugehen und denken nicht von Anfang an fachgebunden. Außerdem bietet es die Möglichkeit jahrgangsübergreifend zu unterrichten. Schülerinnen und Schüler verschiedener Jahrgänge können bei bestimmten Themen durchaus auf einem ähnlichen Wissensstand sein und so lernen die Kinder zusätzlich miteinander und voneinander zu lernen.

Blicke ich zurück auf meine eigene Schulzeit, so muss ich feststellen, dass all die Anstrengung, die mit der Veränderung zur Gesamtschule auf die Kinder geladen wurde, wesentlich kleiner gewesen wäre, wenn man die Rhythmisierung beachtet und den 45-Minuten-Rhythmus umgestellt hätte.

[...]


1 Vgl. SCHRÖDER, Hartwig – Grundwortschatz Erziehungswissenschaft; München, zweite erweiterte Auflage, 1992, S. 294

2 Vgl. ebd. S.295

3 APPEL, Stefan - Handbuch Ganztagsschule; Schwalbach, sechste überarbeitete Auflage, 2009 (= Politik und Bildung, Band 13), S. 140

4 Vgl. APPEL, Stefan - Handbuch Ganztagsschule; Schwalbach, sechste überarbeitete Auflage, 2009 (= Politik und Bildung, Band 13), S. 140ff

5 Vgl. http://www.tqse.uni-bremen.de/dimensionen/rhythmisierung.html

6 Vgl. BURK, Karlheinz – Mehr Zeit in der Schule- der Rhythmus macht's; In: HÖHMANN, Katrin/ HOLTAPPELS, Heinz Günter (Hrsg.) - Ganztagsschule gestalten; Seelze-Velber 2006, S. 92-95

7 Vgl. http://www.tqse.uni-bremen.de/dimensionen/rhythmisierung.html

8 Vgl. BURK, Karlheinz – Mehr Zeit in der Schule- der Rhythmus macht's; In: HÖHMANN, Katrin/ HOLTAPPELS, Heinz Günter (Hrsg.) - Ganztagsschule gestalten; Seelze-Velber 2006, S. 96f

9 Tabelle im Anhang

10 Vgl. BURK, Karlheinz – Mehr Zeit in der Schule- der Rhythmus macht's; In: HÖHMANN, Katrin/ HOLTAPPELS, Heinz Günter (Hrsg.) - Ganztagsschule gestalten; Seelze-Velber 2006, S.101

11 So erfahren in meiner Tätigkeit als pädagogischer Mitarbeiter

12 Vgl. BURK, Karlheinz – Mehr Zeit in der Schule- der Rhythmus macht's; In: HÖHMANN, Katrin/ HOLTAPPELS, Heinz Günter (Hrsg.) - Ganztagsschule gestalten; Seelze-Velber 2006, S. 99-102

13 Vgl. BURK, Karlheinz – Grundschule mit festen Öffnungszeiten; In: HOLTAPPELS, Heinz Günter (Hrsg.) - Ganztagserziehung in der Schule; Opladen 1995 (=Schule und Gesellschaft, Band 10), S.162ff

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Rhythmisierung an der Ganztagsschule. Erstellung eines Stundenplans
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
2,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
10
Katalognummer
V537115
ISBN (eBook)
9783346126993
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rhythmisierung, ganztagsschule, erstellung, stundenplans
Arbeit zitieren
Onno Suntken (Autor), 2017, Rhythmisierung an der Ganztagsschule. Erstellung eines Stundenplans, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/537115

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