Um die griechischen Demokratien Athen und Syrakus vergleichen zu können, bedarf es zuerst einer Definition des Begriffes Demokratie, die uns Thukydides in seiner Geschichte des Peloponnesischen Krieges gibt: „Die Verfassung, die wir haben […] heißt Demokratie, weil der Staat nicht auf wenige Bürger, sondern auf die Mehrheit ausgerichtet ist.“1Das triff zwar auch auf die heutige Demokratie zu, aber wichtig ist in diesem Zusammenhang der Begriff des Bürgers. Denn die Herrschaft des Volkes, wie sie in der Antike definiert wurde, ist nicht mit unserer heutigen Volksherrschaft gleichzusetzen. In der Antike waren nicht alle Einwohner des Staates stimmberechtigt, sondern nur einen gewissen Teil der Bürger2, darum ist es wichtig die sozialen Schichten der Bevölkerung genauer zu beleuchten. Weiterhin betrachte ich es als sinnvoll, sich die verschiedenen Wege hin zur Demokratie anzuschauen, denn diese können Aufschluss darüber geben, worin sich die Demokratien unterscheiden. Den Hauptpunkt des Vergleiches bildet dann natürlich die Betrachtung der politischen Institutionen, denn hier lassen sich die Unterschiede der Demokratien feststellen. In meiner Hausarbeit möchte ich mich auf das 5. Jahrhundert v. Chr. beschränken, da in diesen Zeitraum die Demokratie in Syrakus fällt. Die Demokratie Athens erstreckt sich über mehrere Jahrhunderte, in denen sie zahlreichen Veränderungen unterlegen ist. Die Beschränkung auf das 5. Jahrhundert ermöglicht einen direkten und zeitnahen Vergleich. Als Quellengrundlage für Athen dienen vor allem Herodot, Aristoteles und Thukydides, für Syrakus in erster Linie Diodor und Thukydides, aber auch Aristoteles. Diodor und Thukydides haben allerdings selbst nur Sekundärquellen zur Hand gehabt, woraus sich das Problem der Glaubwürdigkeit ergibt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Entstehung der Demokratie
2.1. Athen
2.2. Syrakus
3. Die sozialen Schichten
3.1. Athen
3.2. Syrakus
4. Die politischen Institutionen
4.1. Athen
4.2. Syrakus
5. Resümee
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, die griechischen Demokratien von Athen und Syrakus im 5. Jahrhundert v. Chr. strukturell zu vergleichen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in ihrer Entwicklung, sozialen Zusammensetzung und ihren politischen Institutionen herauszuarbeiten.
- Vergleichende Analyse der Entstehung demokratischer Verfassungsformen
- Strukturierung der sozialen Schichten und deren politischer Einfluss
- Gegenüberstellung der politischen Institutionen wie Volksversammlung und Rat
- Einfluss von Reformern wie Kleisthenes, Ephialtes und Diokles
- Bedeutung der politischen Teilhabe und Bürgerschaft in der Antike
Auszug aus dem Buch
3.1.Athen
Der Begriff Athen steht stellvertretend für die gesamte Landschaft Attikas. Man kann die Bewohner Athens in fünf Gruppen einteilen: die Bürger Attikas mit der Untergruppe der athenischen Frauen, die Metöken, die Sklaven und die Freigelassenen. Sie alle haben einen unterschiedlichen sozialen Stellenwert und, was für diese Arbeit am wichtigsten ist, einen unterschiedlichen Einfluss auf die Politik.
Die Bezeichnung Bürger trifft auf alle freien, in Attika wohnhaften Menschen mit politischen Rechten zu. Da sie zu politischen Handlungen fähig waren, wurden sie auch Politen genannt. Nicht alle konnten im gleichen Maße an der Politik teilhaben, das passive Wahlrecht hatte unter Solon nur die Schwerbewaffneten, das heißt die Bürger der ersten bis zur dritten Steuerklasse. Alle anderen konnten aber an der Volksversammlung teilnehmen. Mit dem Beginn der Flottenpolitik wurden dann alle zu Aktivbürgern. Ab 451/50 v. Chr. wurde das Bürgerrecht nur noch an diejenigen verliehen, deren Vater und Mutter athenische Bürger waren. Die Männer waren ab Vollendung des 18. Lebensjahres politisch mündig.
Die athenischen Frauen standen in der Abhängigkeit eines Vormundes, welcher in der Regel ihr Vater oder nach dessen Tod der älteste Bruder bzw. ihr Ehemann war. Sie konnten sich ihren Ehemann nicht frei wählen und waren nur durch ihren Vormund geschäftsfähig.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung definiert den Demokratiebegriff der Antike und begründet die zeitliche sowie thematische Eingrenzung der Vergleichsstudie auf das 5. Jahrhundert v. Chr.
2. Die Entstehung der Demokratie: Das Kapitel zeichnet die historischen Entwicklungslinien und Reformschritte nach, die in Athen und Syrakus zur Etablierung demokratischer Strukturen und teils zu deren Unterbrechung durch Tyrannen führten.
3. Die sozialen Schichten: Hier werden die gesellschaftlichen Gruppen in beiden Städten analysiert und ihr jeweiliger Grad an politischer Partizipation sowie ihr rechtlicher Status dargelegt.
4. Die politischen Institutionen: Dieses Kapitel vergleicht die Funktionsweise zentraler Organe wie der Volksversammlung, des Rates und der Gerichte sowie die Rolle der gewählten oder gelosten Beamten.
5. Resümee: Die abschließende Zusammenfassung betont die Ähnlichkeiten in der demokratischen Entwicklung und sozialen Gliederung, während sie gleichzeitig auf die institutionellen Unterschiede zwischen beiden Städten hinweist.
Schlüsselwörter
Griechische Demokratie, Athen, Syrakus, 5. Jahrhundert v. Chr., Volksversammlung, Phylen, Kleisthenes, Diokles, Bürgerrecht, Soziale Schichtung, Politische Institutionen, Antike, Politische Teilhabe, Vergleich, Verfassungsgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit einem vergleichenden Überblick über die beiden griechischen Demokratien Athen und Syrakus während des 5. Jahrhunderts vor Christus.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die Entstehungsgeschichte der Demokratien, die soziale Gliederung der Bevölkerung sowie den Aufbau und die Funktion der jeweiligen politischen Institutionen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist ein direkter und zeitnaher Vergleich, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der demokratischen Organisation dieser beiden antiken Städte aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine vergleichende Analyse auf Basis antiker Quellentexte (u.a. Thukydides, Aristoteles, Diodor) sowie moderner Sekundärliteratur zur Verfassungsgeschichte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Entstehung der Demokratie, die Analyse der sozialen Schichten (Bürger, Frauen, Metöken, Sklaven) und die detaillierte Betrachtung der politischen Institutionen in beiden Städten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Demokratie, Phylen, Volksversammlung, Bürgerschaft, Zensus, Tyrannis und soziale Schichtung.
Inwiefern unterschied sich die Rolle der Frauen in der athenischen Demokratie?
Frauen in Athen waren zwar freie Bürgerinnen, unterstanden jedoch einem Vormund, waren nur eingeschränkt geschäftsfähig und besaßen keine direkten politischen Rechte.
Was war das Ziel des sogenannten Petalismos in Syrakus?
Der Petalismos war eine Nachahmung des athenischen Ostrakismos und diente dazu, durch Verbannung einflussreicher Bürger Unruhen im Staat zu verhindern.
Wie unterschied sich die Funktion des Rates in Syrakus von der in Athen?
Ein wesentlicher Unterschied lag darin, dass der Ratsvorsitz in Syrakus nicht gleichzeitig den Vorsitz der Volksversammlung innehatte, wie es teilweise in Athen der Fall war.
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- Annika Werner (Author), 2005, Die griechischen Demokratien im Vergleich: Athen und Syrakus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53713