Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, herauszufinden, anhand welcher Methoden eine adäquate Berücksichtigung von Länderrisiken bei der Bewertung ausländischer Tochtergesellschaften erfolgen kann.
Dabei werden zunächst die für den Verlauf der Arbeit relevanten Begrifflichkeiten definiert und abgegrenzt. Charakteristika multinationaler Unternehmen als Grundlage internationaler Geschäftstätigkeit werden aufgezeigt und die Schnittstelle zur ausländischen Tochtergesellschaft dargelegt. Länderrisiken werden definiert, ihrer Art nach differenziert und mit Beispielen erläutert. In Kapitel 3 wird die Notwendigkeit der Berücksichtigung von Länderrisiken ausgehend von den Entwicklungen grenzüberschreitenden Warenhandels und ihrer relativen Bedeutung tiefergehend untersucht. Kapitel 4 bildet den Kern der Arbeit und beschäftigt sich mit der Berücksichtigung von Länderrisiken bei der Bewertung ausländischer Tochtergesellschaften. Dabei werden Methoden zur Identifikation der Risikotreiber und Bestimmung der Länderrisikoprämie diskutiert. Im Unterkapitel 4.3 wird exemplarisch der Prozess der Bewertung unter Einbezug von Länderrisiken, basierend auf den Erkenntnissen der vorangegangenen Abschnitte beschrieben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsdefinitionen und -abgrenzungen
2.1 Ausländische Tochtergesellschaften
2.2 Länderrisiken
3 Notwendigkeit der Berücksichtigung von Länderrisiken
4 Berücksichtigung von Länderrisiken bei der Bewertung ausländischer Tochtergesellschaften
4.1 Identifikation der Risikotreiber
4.2 Bestimmung der Länderrisikoprämie
4.3 Unternehmensbewertung unter Berücksichtigung von Länderrisiken
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Länderrisiken bei der Bewertung ausländischer Tochtergesellschaften adäquat berücksichtigt werden können, um eine drohende Überbewertung von Unternehmen bei grenzüberschreitenden Investitionen zu vermeiden.
- Grundlagen der Internationalisierung und Definition ausländischer Tochtergesellschaften
- Systematisierung und Bewertung von Länderrisiken
- Analyse der Notwendigkeit einer risikoadäquaten Bewertung
- Methoden zur Identifikation von Risikotreibern
- Ansätze zur Bestimmung der Länderrisikoprämie
- Integration von Länderrisiken in die Unternehmensbewertung (insb. DCF-Verfahren)
Auszug aus dem Buch
4.1 Identifikation der Risikotreiber
Da seit 2004 die Vorschriften des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht (BASEL II) die Eigenkapitalunterdeckung jedes individuellen Kreditrisikos vorschreiben, „werden Länderratings zum Dreh- und Angelpunkt für alle Finanzierungsentscheidungen einer Bank“.31 Weltweit existiert etwa eine Hand voll Ratingagenturen. Zu den bekanntesten zählen Moody’s, Standard & Poor’s und Fitch. Moody’s beispielweise umfasst unterschiedlichste Rating-Kategorien, unter die Staaten sowie auch einzelne Unternehmen, Konzerne oder Branchen fallen.32 Das Rating wird durch eine ein- bis dreistellige Buchstabenkombination ausgedrückt, die zusätzlich um die nummerischen Klassen von eins bis drei erweitert werden können. Insgesamt existieren 22 Ratingstufen von denen Aaa die höchste Stufe darstellt und das geringste Ausfallrisiko indiziert. Die ersten zehn Stufen enden bei der Ratingstufe Baa3 und bilden die sogenannten Investment-Grade-Ratings. Alle weiteren Stufen von Ba1 bis C bilden den Non Investment-Grade ab.33 Auch die Bewertungen weiterer Ratingagenturen erfolgen anhand einer Buchstaben-basierten Kategorisierung. Fitch Ratings definiert die höchste Kreditwürdigkeitsstufe mit dem AAA-Rating. Das AA-Rating bildet die nächstmögliche Ratingkategorie und mündet im D-Rating, das laut Fitch Ratings die Zahlungsunfähigkeit des betrachteten Wirtschaftssubjekts testiert. 34
Neben dem Rating ausgewählter Agenturen existieren weitere Indikatoren und Indizes, die die Identifikation der im Unterkapitel 2.2 aufgeführten Länderrisiken zulassen. So erlaubt die Angehörigkeit einer Staatengemeinschaft wie beispielweise der Europäischen Union (EU), den Vereinten Nationen (UN) oder der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) Rückschlüsse hinsichtlich der politischen Risiken des zu bewertenden Landes beziehungsweise der zu bewertenden Ländergruppe.35 Darüber hinaus werden zur Identifikation und Bewertung von Länderrisiken jährlich ausgewählte Indizes verschiedener Institutionen errechnet und in Abhängigkeit vergangener Entwicklungen interpretiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung motiviert die Themenstellung durch die zunehmende Globalisierung und definiert das Ziel der Arbeit, Methoden zur risikoadäquaten Bewertung ausländischer Tochtergesellschaften zu finden.
2 Begriffsdefinitionen und -abgrenzungen: In diesem Kapitel werden multinationale Unternehmen, ausländische Tochtergesellschaften sowie der Begriff des Länderrisikos definiert und voneinander abgegrenzt.
3 Notwendigkeit der Berücksichtigung von Länderrisiken: Es wird untersucht, warum Länderrisiken bei der Bewertung aufgrund der gestiegenen Bedeutung internationaler Warenströme und Direktinvestitionen zwingend zu berücksichtigen sind.
4 Berücksichtigung von Länderrisiken bei der Bewertung ausländischer Tochtergesellschaften: Der Hauptteil erläutert Verfahren zur Identifikation von Risikotreibern, die Berechnung von Risikoprämien und deren Integration in das Discounted-Cashflow-Verfahren.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Bewertung ausländischer Tochtergesellschaften maßgeblich von den getroffenen Prognosen und einer dezidierten Berücksichtigung von Länderrisiken abhängt.
Schlüsselwörter
Länderrisiko, Unternehmensbewertung, Tochtergesellschaft, Discounted-Cashflow, WACC, Kapitalkosten, Risikoprämie, Rating, Internationalisierung, Globalisierung, systematische Risiken, Bonität, Investition, Cashflow, Finanzierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der methodischen Einbeziehung von Länderrisiken in die Bewertung von ausländischen Tochtergesellschaften, um bei multinationalen Aktivitäten eine realistische Unternehmenswertermittlung sicherzustellen.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Zentrale Themen sind die Definition und Systematisierung von Länderrisiken, die Identifikation von Risikotreibern mittels Indizes sowie die quantitative Integration dieser Risiken in Bewertungsmethoden wie das DCF-Verfahren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Methoden aufzuzeigen, wie Länderrisiken bei der Bewertung von Tochtergesellschaften adäquat berücksichtigt werden können, um eine Überbewertung durch zu niedrig angesetzte Kapitalkosten zu vermeiden.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse und die Darstellung bewertungstechnischer Ansätze, insbesondere des Discounted-Cashflow-Verfahrens (DCF) und des Capital Asset Pricing Models (CAPM).
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Der Fokus liegt auf der praktischen Identifikation von Risikotreibern durch Ratings und Indizes sowie auf der mathematischen Herleitung von Länderrisikoprämien innerhalb der Kapitalkostenberechnung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Länderrisiko, Kapitalkosten, Discounted-Cashflow, Rating und Internationales Controlling charakterisiert.
Wie werden Länderrisiken quantifiziert?
Länderrisiken werden häufig durch Differenzbildungen bei CDS-Prämien oder Staatsanleihenrenditen zwischen Stamm- und Zielland quantifiziert und als Risikozuschlag in die Kapitalkosten integriert.
Warum spielt das DCF-Verfahren eine so wichtige Rolle?
Das DCF-Verfahren hat sich in der Praxis als Standard zur Unternehmensbewertung durchgesetzt, da es den Unternehmenswert über diskontierte Zahlungsströme abbildet, in denen Risikofaktoren über den Kapitalkostensatz (WACC) adressiert werden können.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen Risikoarten im Bewertungsprozess?
Die Arbeit weist darauf hin, dass zwischen normalen Volatilitätsrisiken, die über Kapitalkosten abgebildet werden, und unerwarteten Risiken (z.B. Krieg), die eher über Cashflow-Szenarien berücksichtigt werden sollten, differenziert werden muss.
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- Christos Fotiadis (Author), 2020, Berücksichtigung von Länderrisiken bei der Bewertung ausländischer Tochtergesellschaften, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/537155