Merkmale von Frauen- und Männersprache. Eine Analyse in geschlechtsspezifischen Werbespots


Seminararbeit, 2020

16 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ältere und jüngere Forschung zur Frauen- und Männersprache

3. Frauen- und Männersprache
3.1. Sprache der Frauen
3.1.1. Merkmale der Frauensprache
3.2.Sprache der Männer
3.2.1. Sexismus in der Sprache
3.2.2. Merkmale der Männerspräche

4. Frauen und Männer in Medien und Werbung
4.1. Printwerbung
4.2. Frauen in Fernsehsendungen und Werbespots

5. Empirischer Teil
5.1. Braun Series 9 Rasierer
5.1.1. Darstellung des Werbespots
5.1.2. Inhaltliche Interpretation
5.1.3. Sprachliche Interpretation
5.2. Braun Beauty Produkte
5.2.1. Darstellung des Werbespots
5.2.2. Inhaltliche Interpretationen
5.2.2. Sprachliche Interpretation
5.3.Zusammenfassung der Ergebnisse

6. Fazit

7. Quellen- und Literaturverzeichnis
7.1. Quellen
7.2. Literatur

1. Einleitung

Es fängt beim Biologischen an, geht über Interessen, Hobbies, Stil, bis hin zur Sprache. Frauen und Männer verhalten sich in vielen Bereichen des Lebens sehr unterschiedlich. Aber: „Frauen und Männer sind nicht nur anders, sie sprechen und hören auch anders“.1

Die vorliegende Arbeit widmet sich daher den verschiedenen Sprechweisen von Frauen und Männern. Dazu wird sich die Arbeit zu Beginn mit den älteren und jüngeren Forschungen und Erkenntnissen zur Frauen- und Männersprache2 befassen. Weiters werden die wichtigsten Merkmale der Sprachverwendung beider Geschlechter dargestellt. Im Anschluss wird es ganz allgemein um die Darstellung von Frauen und Männer in der Werbung gehen. Da Werbung vor allem mit dem Mittel der Identifizierung arbeitet, ist es interessant, ob und wie sich die Sprechweisen der verschiedenen Geschlechter niederschlagen, um die jeweilige Zielgruppe anzusprechen. Daher stellt sich die Frage: Welche Erkenntnisse gibt es zu geschlechtsspezifischen, sprachlichen Merkmalen überhaupt? Weiters wird folgende Fragestellung von Relevanz sein: Inwiefern finden diese sprachlichen Merkmale auch Eingang in geschlechterbezogenen Werbespots? Dieser Fragestellung wird im empirischen Teil meiner Arbeit nachgegangen. In diesem Teil meiner Arbeit wird sowohl inhalts- als auch textanalytisch vorgegangen werden. Die verwendete Sprache wird also auf geschlechtsspezifische Merkmale, die vorab in der Arbeit dargestellt wurden, untersucht. Dabei wird gleichermaßen auch auf inhaltliche und nonverbale Strukturen eingegangen, um auf das dabei vermittelte Bild Bezug zu nehmen.

2. Ältere und jüngere Forschung zur Frauen- und Männersprache

Bereits ältere linguistische Forschungen setzen sich mit den geschlechtsspezifischen Unterschieden in der Rede von Männern und Frauen auseinander. Schon im Jahr 1900 untersuchen James Bradstreet Greenough und George Lyman Kittredge die verschiedenen sprachlichen Ausprägungen der Geschlechter und beschreiben einen Frauendialekt, der sich in einem differenzierten Wortschatz und einer korrekteren Aussprache niederschlägt. Mauthner gibt ein paar Jahre später die gesellschaftlichen Bedingungen als Grund für die unterschiedlichen Sprechweisen an. Frauen, seien nicht so gut gebildet wie Männer, weshalb sie anders sprechen. Auch Otto Jespersen gibt den gesellschaftlichen Einflüssen, nämlich vorwiegend der geringeren Bildung die Schuld dafür, dass Frauen sich in ihrem Wortschatz nicht nur unterscheiden, sondern auch dass er kleiner ist als jener der Männer. Als weitere Ursache nennt er auch, dass Frauen mehr Aufmerksamkeit auf ihre unmittelbare Umgebung verwenden, während sich Männer eher „dem Schaffenden und Bildendem, dem Nützlichen“3 zuwenden.4

Ausgelöst durch Arbeiten von Mary Richie Key und Robin Lakoff, fokussiert man sich ab den 1970er Jahren vermehrt auf die geschlechtsspezifischen Unterschiede unter dem Gesichtspunkt des Sexismus in der Sprache und der gesellschaftlichen Stellung der Frauen. Lakoff zeigt in ihrem viel umstrittenen Buch „Language and woman’s place“ (1975) einige Merkmale zu frauenspezifischem Sprachgebrauch auf, die jedoch hauptsächlich auf eigenen Erfahrungen und Beobachtungen, nicht aber auf empirischen Untersuchungen, beruhen. Darin beschreibt sie die Sprache der Frauen unter anderem als machtlos, was auch den Status der Frau in der Gesellschaft widerspiegeln soll. Key geht ausführlicher auf den Sexismus in der Sprache ein. Auch sie sieht den Grund für unterschiedliche Wortschätze in den verschiedenen Arbeitsbereichen. Key versucht die Sprechweisen und das jeweilige Sprachverhalten im Kontext der Gesprächssituation zu betrachten und auszuwerten. Senta Trömel-Plötz war schließlich diejenige, die 1978 die Diskussion im deutschsprachigen Raum eröffnete. Sie orientiert sich zwar an Lakoff und Key, ergänzt die Thesen jedoch unter anderem durch deutschsprachige Beispiele.5

Nach Gräßel (1991: S. 23) gibt es ganz generell zwei große Forschungsrichtungen, wenn es um Frauen- und Männersprache geht, nämlich jene Sprachforschung, die sich dem Sexismus in der Sprache widmet, und jene die, das geschlechtsspezifische Sprachverhalten untersucht. Im Folgenden wird die letztere Richtung näher betrachtet, der Sexismus in der Sprache wird nur kurz angerissen, um den Umfang der Arbeit nicht zu sprengen. In der Frauen- und Männerwerbung spielt der Sexismus jedoch eine entscheidende Rolle.

3. Frauen- und Männersprache

3.1. Sprache der Frauen

In der feministischen Linguistik wird die Frauensprache des Öfteren als eine sehr per­sönliche, Distanz verringernde Sprache betrachtet. Frauen lassen daher oft eigene Erfahrun­gen in das Gespräch miteinfließen. Dadurch soll im Gespräch Vertrauen aufgebaut werden, um sich der Unterhaltung besser hinzugeben und es persönlicher zu gestalten.6 Folgende Merkmale werden in der feministischen Sprachtheorie mit dem Sprachgebrauch der Frauen assoziiert.

3.1.1. Merkmale der Frauensprache

Trömel-Plötz (1982) orientiert sich bei ihrer Auflistung der Merkmale weiblicher Sprech­weisen hauptsächlich an Key und Lakoff.

Verniedlichungen Frauen neigen eher zu Verniedlichungen z.B. durch Diminutiva und Euphemismen. Es wird also eher ein „Käffchen“ getrunken, ein „Süppchen“ gekocht, oder ein „Kleidchen“ gekauft. Die Diminutiva und auch die Verniedlichungen und Liebkosungsformen stammen im Allgemeinen aus dem Umgang mit Kindern. Die Verwendung dient dazu, das Gesagte abzu­schwächen, zu verschönern, zu mildern oder akzeptabel zu machen. 7

Wortschatz In der Sprachverwendung der Frauen findet sich ein anderer Wortschatz als in jener der Männer. Der Wortschatz soll diejenigen Interessen und Arbeitsbereiche der Sprecherin widerspiegeln. Daher verfügen Frauen über ein „reicheres Vokabular im Bereich der Kinderpflege und -erziehung, […] des Haushalts […] und im Bereich der Mode“8. Desweiteren verwenden Frauen Ausdrücke für Farben bzw. Farbunterschiede, die Männer nicht haben und daher nicht verwenden. 9 Zum Wortschatz lässt sich weiters auch die Vorliebe der Frauen für „Übertreibungen und Wiederholungen, für Emphase und Superlative“10 zählen. Nach Oppermann und Weber (1995) ist der Wortschatz auch in der Hinsicht unterschiedlich von jenem der Männer, dass Frauen ihre Rede emotionaler gestalten. Sie haben dahingehend ein reicheres Vokabular an Ausdrücken, die ihre Gefühle und Stimmungen schildern.11

Interaktion Frauen interagieren laut Kotthoff und Nübling (2018) in der Regel in der Konversation stärker mit dem Gesprächspartner als Männer es tun. Dazu zählt unter anderem das Lachen, das „für die Gestaltung von Interaktion eine große Bedeutung“12 hat. Frauen lachen reaktiv und interagieren insofern im Gespräch, dass sie die Reden des Gesprächspartners durch das Lachen unterstützen. 13

Außerdem sollen Frauen das Gespräch weiters unterstützen, indem sie Fragen stellen, denn Fragen verlangen nach einer Antwort, oder zumindest einer Reaktion. Zu diesen unterstützenden Mechanismen zählen auch Minimalreaktionen. Unter Minimalreaktionen bzw. Minimalbestätigungen fallen Äußerungen wie mhm, hm, genau, richtig, ja. Diese geben dem Sprecher ein Gefühl des Interesses, vor allem aber das Zeichen, dass zugehört wird. Diese Einwürfe zählen als aktive Unterstützung im Gespräch und führen wieder auf den Rückschluss, dass Frauen mehr interagieren als ihre männliche Genossen. Eine weitere Annahme wäre, dass Frauen, in Anbetracht der Erkenntnisse, aktivere Zuhörerinnen sind.14

Abschwächungen Wie oben bereits erwähnt, benutzen Frauen, nach Trömel-Plötz (1982) Formen der Verniedlichung, um die Aussage eines Satzes abzuschwächen. Dieses Schema findet sich auch auf anderen Ebenen. So wurde herausgefunden, „daß Frauen ,besser‘ und ‚korrekter‘ sprechen als Männer“15. Demnach orientiert sich das weibliche Geschlecht eher an der Standardsprache und im Allgemeinen an jener Varietät, die mehr Prestige trägt. Außerdem sind Schimpfwörter und vulgäre Ausdrücke bei Frauen weniger geläufig als bei Männern. Diese Merkmale einer Sprachverwendung, nämlich einerseits die Abschwächung und andererseits die Verschönerung der Aussage, wirken für das Gesagte jeweils relativierend. Sie bewirken in der Kommunikation, dass ein Bild der geringeren Behauptung gegenüber dem Gesprächspartner entsteht.16

So erläutert Trömel-Plötz (1982) desweiteren folgende Mechanismen, die von Frauen angewandt werden:

Das Infragestellen der Aussage durch Interrogativsätze

z.B. „nicht wahr?“, „meinst du nicht auch, dass“, etc. …17

Auch Gräßel (1991: S. 250) stellt in ihren Untersuchungen fest, „daß Frauen häufiger als Männer eine Frage statt einer Aussage formulieren“.

Indirektheit und Mittelbarkeit

z.B. durch Phrasen wie „Willst du nicht …“, „Ist das nicht…“ etc. … Die Entscheidung und daher auch Verantwortlichkeit wird dem Kommunikationspartner überlassen. 18

Aber auch die Vermeidung von ich wird in diesem Kontext angesprochen, etwa durch Konstellationen wie: „man könnte sagen, dass“.

Oppermann und Weber (1995) hingegen referieren auf die häufige Verwendung des ich von Frauen. Auch in diesem Kontext, wird es jedoch benutzt, „weil sie den Gesprächspartner nicht >>überfahren<< wollen“19. Dabei handelt es sich vor allem um Formeln in Verbindung mit Verben des Glaubens und Meinens, etwa Ich denke/ Ich glaube / Ich meine … 20 Auch diese Verwendung deutet auf komplexere Satzstrukturen hin.

Auch die Unschärfemarkierer irgendwie und eigentlich werden öfter von Frauen als von Männern benutzt, hauptsächlich um ihre Aussage zu relativieren, sie unverbindlicher klingen zu lassen. Das gleiche kann man von der Verwendung des Konjunktivs in Aussagen (Ich würde annehmen, dass) behaupten.21

Mit Bezug zur Syntax kann man hier erkennen, dass die Sprache der Frauen durch Voran- bzw. Nachstellung geprägt ist. Auch Rückversicherungsfragen, sowie Unschärfemarker und die Vermeidung von ich beeinflussen in ihrer Verwendung die angewandte Syntax. Inwiefern das jedoch zu einer komplexeren Satzstruktur gegenüber der Sprachverwendung von Männern beiträgt, kann nicht eindeutig festgehalten werden.

Aus den oben zusammengetragenen Erkenntnissen lässt sich also sagen, dass die Sprache der Frauen eine persönliche, euphemistische, weniger vulgäre, jedoch eine jegliche Aussage abschwächende, und eine, gegenüber dem Partner, sehr passive und unsichere Sprechweise ist.

[...]


1 Oppermann und Weber (1995: S. 10)

2 Der Begriff Frauen- und Männersprache wird in der Arbeit jeweils für sprachliche Variationen genommen, nicht aber für Sprache im sprachwissenschaftlichen Sinne.

3 Gräßel (1991: S. 15)

4 Vgl. Gräßel (1991: S. 13-16)

5 Vgl. Gräßel (1991: 12-23)

6 Vgl. Oppermann und Weber (1995: S. 84)

7 Vgl. Trömel-Plötz (1982: S. 45f.)

8 Ebd. (1982: S. 46f.)

9 Vgl. Ebd. (1982: S. 46f.)

10 Ebd. (1982: S. 52)

11 Vgl. Oppermann und Weber (1995: S. 19)

12 Kotthoff und Nübling (2018: S. 298)

13 Vgl. Ebd. (2018: S. 298)

14 Vgl. Samel (1995 S: 189-191)

15 Trömel-Plötz (1982: S. 47)

16 Vgl. Ebd. (1982: S. 47f.)

17 Vgl. Trömel-Plötz (1982: S. 48)

18 Vgl. Ebd. (1982: S. 49.)

19 Oppermann und Weber (1995: S. 85)

20 Ebd. (1995: S. 84f.)

21 Vgl. Ebd. (1995: S. 88)

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Details

Titel
Merkmale von Frauen- und Männersprache. Eine Analyse in geschlechtsspezifischen Werbespots
Hochschule
Universität Salzburg
Autor
Jahr
2020
Seiten
16
Katalognummer
V537220
ISBN (eBook)
9783346135940
ISBN (Buch)
9783346135957
Sprache
Deutsch
Schlagworte
merkmale, frauen-, männersprache, eine, analyse, werbespots, Frauensprache, Geschlechtersprache
Arbeit zitieren
Stephanie Strauß (Autor), 2020, Merkmale von Frauen- und Männersprache. Eine Analyse in geschlechtsspezifischen Werbespots, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/537220

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