Durch die Überprüfung neuerer Wellen der World Values Survey von 2010-2014, soll herausgefunden werden, ob sich die Einstellung bezüglich Demokratie, Geschlechtergleichstellung, Abtreibung, Scheidung und Homosexualität von Menschen in islamischen Ländern und im "Westen" geändert hat. Weiterhin soll die Frage beantwortet werden, inwiefern sich die beiden Zivilisationen möglicherweise angenähert oder weiter entfernt haben und was eventuelle Gründe dafür sind.
Abschließend werden die Theorien der Weltgesellschaft und Pfadabhängigkeit gegenübergestellt, die Ursachen für die Unterschiedlichkeit der beiden Zivilisationen erklären könnten. Ein besonderes Augenmerk soll hierbei daraufgelegt werden, ob islamische Länder überhaupt die gleiche Möglichkeit haben, dass sich Demokratie und dafür grundlegende Wertvorstellungen verankern, wie der Westen. Außerdem widmet sich diese Arbeit möglichen Lösungsansätzen und deren Notwendigkeit.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Demokratie versus Geschlecht – World Values Survey 2010-2014
Länderauswahl
Untersuchungsmethode der Variablen
Ergebnisse
Diskrepanz: Islam versus The West
Pfadabhängigkeit und „multiple modernities“ – Shmuel N. Eisenstadt
Weltgesellschaft oder Weltkultur – John W. Meyer
Mögliche Ursachen für anhaltende Diskrepanz
Lösungsansätze?
Zusammenfassung & Fazit
Quellenangaben
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand einer exemplarischen Analyse von Daten aus dem World Values Survey (2010-2014), inwiefern sich die kulturellen und gesellschaftlichen Einstellungen zwischen westlichen und islamisch geprägten Ländern unterscheiden und ob sich diese Zivilisationen angenähert oder weiter voneinander entfernt haben. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, welche theoretischen Erklärungsansätze, insbesondere Pfadabhängigkeit und Weltgesellschaftstheorie, für die beobachteten Diskrepanzen in der Umsetzung demokratischer Werte und Freiheitsrechte maßgeblich sind.
- Vergleichende Analyse soziokultureller Einstellungen (Demokratie, Geschlechtergleichheit, Scheidung, Abtreibung, Homosexualität)
- Überprüfung der Thesen von Inglehart und Norris zur Unvereinbarkeit islamischer und westlicher Wertesysteme
- Gegenüberstellung der Theorien von Shmuel N. Eisenstadt (multiple Modernitäten) und John W. Meyer (Weltgesellschaft)
- Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Werteeinstellungen und dem tatsächlichen Demokratiegrad mittels Freedom House Index
- Diskussion über die Notwendigkeit von Lösungsansätzen für interzivilisatorische Diskrepanzen
Auszug aus dem Buch
Pfadabhängigkeit und „multiple modernities“ – Shmuel N. Eisenstadt
Nach Eisenstadt hatte weder Fukuyama mit seiner Konvergenz und Homogenisierungstheorie, noch Huntington mit der Theorie der Divergenz der Kulturen und einem daraus resultierenden Kampf, Recht (Eisenstadt 2000, 9). In seinem Werk „Die Vielfalt der Moderne“ stellt der Autor eine neue Theorie auf, die sich gegen einige Konzepte von Modernisierung und Moderne, aber auch gegen die Klassiker der Modernisierungstheorie richtet (ebd., 10). Er wehrt sich damit – wie Huntington – unter anderem gegen die Annahme, dass Modernisierung „Westernisierung“ bedeutet: Das „im Westen entwickelte kulturelle Programm der Moderne“ wird nicht „von allen sich modernisierenden Gesellschaften übernommen“ (ebd.).
Der Ausgangspunkt für seine Theorie, dass es nicht die Moderne gibt, sondern eine Vielfalt von Modernen, fundiert Eisenstadt mit der Annahme der Kontingenz beziehungsweise Pfadabhängigkeit. Damit ist gemeint, dass „in einer weit zurückliegenden Vergangenheit entscheidende Weichenstellungen erfolgt sind“ (Joas & Knöbl 2004, 452), die das Einwirken der Moderne bedingen und die Auswirkungen dieser abhängig von dem jeweiligen Pfad sind. Mit dieser Weichenstellung meint Eisenstadt die sogenannte erste Achsenzeit, die zwischen 800-200 v.Chr. historisch einzuordnen ist (ebd., 453).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Zivilisationen nach Huntington ein und stellt die Relevanz der Untersuchung von Einstellungen zu Demokratie und kulturellen Werten im Vergleich zwischen westlichen und islamischen Ländern dar.
Demokratie versus Geschlecht – World Values Survey 2010-2014: Das Kapitel erläutert das methodische Vorgehen, die Auswahl der untersuchten Länder (Deutschland, Niederlande, USA vs. Aserbaidschan, Türkei, Marokko) und präsentiert die zentralen Ergebnisse der Datenanalyse hinsichtlich gesellschaftlicher Werte und Demokratieverständnis.
Diskrepanz: Islam versus The West: Hier werden theoretische Erklärungsmodelle für die Diskrepanzen diskutiert, insbesondere Shmuel N. Eisenstadts Theorie der Pfadabhängigkeit und John W. Meyers Weltgesellschaftstheorie, sowie mögliche Lösungsansätze und der Umgang mit kultureller Differenz reflektiert.
Zusammenfassung & Fazit: Das Kapitel rekapituliert die wichtigsten Erkenntnisse der Untersuchung und kommt zu dem Schluss, dass trotz einer breiten Akzeptanz von Demokratie als politisches Ziel erhebliche Unterschiede in den zugrundeliegenden Wertesystemen bestehen bleiben, die durch Pfadabhängigkeiten geprägt sind.
Schlüsselwörter
Kultursoziologie, Zivilisationen, Pfadabhängigkeit, Weltgesellschaft, World Values Survey, Demokratie, Islam, Westen, Modernisierung, Multiple Modernities, kulturelle Identität, Freiheit, Wertesysteme, Geschlechtergleichheit, Transformation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, ob und inwiefern zwischen westlichen und islamisch geprägten Ländern immer noch tiefgreifende kulturelle Spaltungslinien existieren, insbesondere bezüglich demokratischer Werte und gesellschaftlicher Einstellungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Zentrale Themen sind der Vergleich von Werten wie Geschlechtergleichheit, Abtreibung, Scheidung und Homosexualität sowie die Einstellung zu Demokratie in den untersuchten Ländern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die exemplarische Überprüfung, ob sich westliche und islamische Zivilisationen bezüglich ihrer demokratischen Grundwerte angenähert haben und welche theoretischen Ansätze die anhaltende Diskrepanz erklären können.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Autorin führt eine exemplarische, stichprobenartige Sekundärdatenanalyse durch, basierend auf den Wellen des World Values Survey von 2010-2014, und kombiniert diese mit einer theoretischen Reflexion basierend auf Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die empirische Auswertung der Umfragedaten für ausgewählte Länder sowie die theoretische Analyse durch die Theorien von Shmuel N. Eisenstadt (Pfadabhängigkeit) und John W. Meyer (Weltgesellschaft).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Schlüsselwörter sind unter anderem Pfadabhängigkeit, multiple Modernitäten, Weltgesellschaft, kulturelle Spaltungslinien, Demokratie und Zivilisationen.
Warum wurden für die islamische Zivilisation gerade Aserbaidschan, Türkei und Marokko gewählt?
Die Auswahl dient der exemplarischen Darstellung, wobei die Türkei als „torn country“ mit laizistischer Tradition, Aserbaidschan als Ersatz für Ägypten und Marokko als konstitutionelle Monarchie die Heterogenität des islamischen Kulturraums widerspiegeln sollen.
Welches Fazit zieht die Arbeit bezüglich der „Weltgesellschaft“?
Die Arbeit kommt zum Schluss, dass eine homogene Weltgesellschaft unwahrscheinlich ist, da kulturelle Prägungen und historische Pfadabhängigkeiten weiterhin die Art und Weise beeinflussen, wie moderne Werte in unterschiedlichen Zivilisationen adaptiert oder umgesetzt werden.
- Citation du texte
- M. G. (Auteur), 2018, Pfadabhängigkeit und Weltgesellschaft. Unterschiede zwischen westlichen und islamischen Ländern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/537272