Phonetik in DaF-Unterricht. Analyse des Lehrwerks "DaF kompakt" aus der phonetischen Sicht


Hausarbeit, 2016

20 Seiten, Note: 2.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Teil
2.1 Die Wichtigkeit und Schwierigkeit der deutschen Aussprache
2.2 Phonetik in DaF-Unterricht
2.3 Phonetik in DaF-Lehrwerken

3. Praktischer Teil
3.1 Der Aufbau des Lehrwerks DaF kompakt
3.2 Analyse des Lehrwerks aus der phonetischen Sicht
3.2.1 Analyse zur Lektion 6 „Kleider machen Freunde“
3.2.2 Analyse zurLektion 17 „Praktikum: Erfahrung, Lernen, SpaB“
3.2.3 Analyse zur Lektion 27 ,,Geschichten und Gesichter Berlins“
3.3 Bewertung des Lehrwerks aus der phonetischen Sicht

4. Zusammenfassung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Aussprache ist ein wichtiger Bereich beim Erlernen einer Fremdsprache, weil sie eine der Grundfertigkeiten der Sprechfertigkeit bildet. Da nach „Contrastive Analysis Hypothesis (CAH) (vgl. Lado 1957) die sprachlichen Gewohnheiten von der Muttersprache auf die Fremdsprache ubertragen werden konnen, sind die Interferenzen aus der Muttersprache beim Erlernen einer Fremdsprache nicht zu vermeiden. Daher ist die Ausspracheubung beim Fremdsprachelemen notwendig. Es ist allgemein bekannt, dass die Aussprache im Fremdsprachenunterricht im Vergleich zur Grammatik und Lexik vemachlassigt wird. Wahrend in den 80er Jahren die Phonetik im DaF-Unterricht eine untergeordnete Rolle spielte (vgl. Dieling 1994: 14), entstehen erst nach dem Jahr 1992 neue Untersuchungen zum Aussprachestandard und zur Entwicklung von Aussprachefertigkeiten (vgl. Hirschfeld/Reinke 2007: 1). Dadurch haben sich die Ausspracheubungen in DaF-Lehrwerken generell verbessert.

Das Ziel dieser Arbeit ist, den phonetischen Teil des Lehrwerks DaF kompakt zu analysieren und zu bewerten.

Im theoretischen Teil dieser Arbeit wird zunachst erlautert, warum eine gute Aussprache beim Erlernen einer Fremdsprache wichtig ist. Dann werden die Schwierigkeiten der deutschen Aussprache aus den Aspekten der deutschen Laute und einigen prosodischen Merkmale dargestellt. AnschlieBend wird vorgestellt, auf welche Prinzipen der Phonetikunterricht beruhen soil und welche Ubungen fur ein Aussprachetraining geeignet sind. SchlieBlich wird darauf eingegangen, welche Modelle der phonetischen Darstellung es in DaF-Lehrwerken gibt und welche Forderungen an der phonetischen Darstellung und Ubung in Lehrwerken gestellt werden.

Im praktischen Teil werden zunachst das Lehrwerk DaF kompakt und sein phonetischer Teil in Kurze vorgestellt. Danach wird das Lehrwerk hinsichtlich der Darstellung und Ubung der deutschen Aussprache nach den im theoretischen Teil erwahnten Kriterien analysiert. Dazu werden drei Ubungslektionen als Beispiele jeweils fur Laute, bestimmte Lautverbindungen und Intonation genommen. Das Lehrwerk ist fur die Anfangerstufe geeignet und besteht aus mehreren Teilen. Nur die mit Phonetik korrelativen Teile, namlich das Ubungsbuch und das Lehrerhandbuch, werden hier untersucht.

2. Theoretischer Teil

2.1 Die Wichtigkeit und Schwierigkeit der deutschen Aussprache

Aussprache wird als Synonym fur Phonetik benutzt, wenn Phonetik im Zusammenhang mit dem Fremdsprachenunterricht steht. Die Aussprache besteht sowohl aus Artikulation als auch aus Intonation. Die Artikulation umfasst die Lautbildung und gehort zu dem segmentalen Bereich der Phonetik. Die Intonation umfasst die prosodischen Merkmale einer Sprache wie Satzmelodie, Akzentuierung, Rhythmus, Pausen und Tempo und wird als suprasegmentale Merkmale bezeichnet (vgl. Dieling/Hirschfeld 2000: 12). Laut Dieling und Hirschfeld spielt die prosodischen Merkmale bei der Sprachwahrnehmung und -verarbeitung eine wichtigere Rolle als die Artikulation (vgl. Dieling/Hirschfeld 2000: 32).

Die Aussprache spielt eine wichtige Rolle bei der kommunikativen Fertigkeit. Wenn die Aussprache mangelhaft ware, wurde die Verstandlichkeit einer AuBerung und somit die Kommunikation wesentlich behindert. Die Missverstandnisse, die von Aussprachefehlern verursacht werden, konnen sogar groBer als die von Grammatik- oder Lexikfehler sein. Daruber hinaus kann der Akzent bei der Aussprache die Beurteilung der Sprachkenntnisse beeinflussen (vgl. Storch 1999: 104).

Auf der anderen Seite konnen sich eine abweichende Aussprache auf den Sprachlernprozess negativ auswirken. Sie beeintrachtigt den Verstehensprozess beim Lernen dadurch, dass die Lernenden die Informationen von Lehrern oder Gesprachspartnern nicht so genau empfangen. SchlieBlich behindert und verzogert sie nicht nur die Sprechfertigkeit, sondern auch die Horfertigkeit (vgl. Hirschfeld 1997: 25-26).

Dieling und Hirschfeld legen die allgemeinen Schwerpunkte beim Lernen der deutschen Aussprache sowohl auf die Artikulation, als auch auf die Intonation (vgl. Dieling/Hirschfeld 2000). Auf der Seite der Artikulation gehoren nicht nur die einzelnen Laute wie die E-Laute, O- und U-Laute, Ich- und Ach-Laut sowie R-Laute. Die Vokallange und Spannung, der Vokalneueinsatz, die Fortis- und Leniskonsonanten, die Auslautverhartung und die Assimilationen sind auch fur die Lernenden beim Lernen besonders bedeutsam. Auf der Seite der Intonation sind die Akzentuierung, Rhythmus und Sprechmelodie schwer fur die Nichtmuttersprachler korrekt wahrzunehmen und richtig zu anwenden. Deutsch akzentfrei, intonationsrichtig und im entsprechenden Rhythmus zu sprechen, stellt eine groBe Herausforderung fur die Deutschlemenden dar. Wahrend sich die Schwierigkeiten bzw. die moglichen Abweichungen der deutschen Aussprache sowohl in segmentalen als auch in suprasegmentalen Bereich befinden, ist nach Hirschfeld festzustellen, dass die suprasegmentalen Abweichungen uberwiegend und auffalliger sind als die segmentalen Abweichungen (vgl. Hirschfeld 1994: 161).

2.2 Phonetik in DaF-Unterricht

Laut Storch beruht der Phonetikunterricht auf vier Prinzipien: Kontrast, Einbettung, ImitationundWiederholung(vgl. Storch 1999: 105).

Beim Kontrast bestehen drei Typen: interlinguale Kontraste zwischen muttersprachlichen und fremdsprachlichen Einheiten, intralinguale Kontraste zwischen fremdsprachlichen Einheiten und Kontraste zwischen falscher Aussprache von Lernenden und modellgerechter fremdsprachlicher Aussprache. Die meisten phonetischen Kontrastubungen beziehen sich auf den segmentalen Bereich und konnen die haufigsten Ausspracheschwierigkeiten uberwinden und Aussprachefehler korrigieren (vgl. Storch 1999: 105-106).

Bei der Einbettung werden die Laute mit der Intonation zusammen geubt. Wichtig ist es, dass die Lernenden die Laute und ihre Kombinationen in vielen verschiedenen UmgebungenmitverschiedenenprosodischenMerkmalenuben(vgl. Storch 1999: 106). Imitation ist besonders wichtig beim Phonetikunterricht. Bevor Anfanger sprechen, sollten sie vor allem ein Aussprachemodell horen. Dabei sind Audiodateien und Videoklipps im Unterricht ein Muss, damit sich die Lernenden an einem authentischen Modell orientieren konnen (vgl. ebd.). Daruber hinaus soil die Aussprache sehr intensiv geubt und wiederholt werden, so dass die Artikulationsorgane sich an die fremdsprachlichen Muster gewohnen und die Artikulation stark verfestigt wird (vgl. ebd.).

Da die Aussprache eng mit den kommunikativen Fertigkeiten verbunden ist, konnen die Ausspracheubungen nicht von Hor- und Sprechubungen getrennt werden. Storch (vgl. ebd.) sowie Dieling und Hirschfeld (vgl. Dieling/Hirschfeld 2000: 47) vertreten ebenfalls die Ansicht, dass die Ubungen fur Aussprache Hor- und Sprechubungen umfassen sollten. Die Ubungstypen nach Dieling und Hirschfeld lauten (vgl. ebd.):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle2.2.1 (ebd.)

Bei Eintauchubungen ist der Inhalt sekundar. Wichtig ist, dass die Lernenden in die Sprache eintauchen und die lautubergreifenden, klanglichen Besonderheiten der neuen Fremdsprache wahmehmen. Ziel der Diskriminationsubungen ist zu trainieren, fremdsprachige Klange und Laute zu unterscheiden. Als Inhalt werden oft Minimalpaare genommen. Schwieriger als Diskrimination ist Identifizieren. Dadurch sind die Laute und Klange wieder zu erkennen. Nach den vorbereitenden Horubungen kommen die angewandten Horubungen, bei denen es nicht mehr um phonetische Details, sondern um den Inhalt geht. Angewandte Horubungen konnen globale Aufgaben umfassen oder umfangreicher sein, z. B. Texte, Dialoge und Lieder (vgl. Dieling/Hirschfeld 2000: 49-55).

Eine einfache Sprechubung ist die haufigste Ausspracheubung, wobei das Muster vom Lehrer vorgesprochen oder von den Kassetten oder CD abgespielt und von den Lernenden wiederholt wird. Als eine sanfte Schwierigkeitssteigerung dient die kaschierte Nachsprechubung. Bei den produktiven Ubungen geht es darum, dass der Lernende selbstandig Erfragtes findet. Dadurch wird das Gedachtnis der Lernenden angeregt. Zu angewandten Sprechubungen gehoren Vortragen, Lesen sowie freies Sprechen, wobei auBer der Artikulation auch die prosodischen Merkmale wie Rhythmus, Akzentuierung und Sprechmelodie berucksichtigt werden.

2.3 Phonetik in DaF-Lehrwerken

Mebus nennt drei Modelle der Aussprachedarstellung und -Ubung in DaF-Lehrwerken: nichts, Vorkurs Aussprache und Aussprache happchenweise (vgl. Mebus 1994: 74).

Im Modell 1 enthalten die Lehrwerke kein Phonetiktraining. Die Begrundung dafur ist, dass die Aussprache durch die Imitation der Lernenden und die Korrektur der Lehrer erlernt werden kann.

Im Modell 2 gibt es eine Ausspracheubung als Vorkurs, so dass die Lernenden von Beginn des Sprachlemens eine angemessene Aussprache erwerben und weiter uben. Aber solche Ausspracheubungen ohne Inhalt sind den Lernenden langweilig und konnen die Lernmotivation storen.

Im Modell 3 wird die Aussprache happchenweise injeder Lektion dargestellt und geubt. Dieses Modell legt besonderen Wert auf eine Uberschaubarkeit des Lernstoffs. Die Ubungen konnen vielfaltig sein und im Zusammenhang mit den Lektionsinhalten stehen. Aber der Nachteil ist auch offenbar: die Lernenden mussen alle Laute von Anfang an imitieren. Es besteht die Moglichkeit, dass die Lernenden von Anfang an die Laute abweichend aussprechen, die spater schwer korrigiert werden konnen. AuBerdem verhindert das eine sinnvolle und schnelle Progression.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Phonetik in DaF-Unterricht. Analyse des Lehrwerks "DaF kompakt" aus der phonetischen Sicht
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg  (Institut für Germanistik / Sprachwissenschaft des Deutschen)
Veranstaltung
Seminar: Qualität von DaF-Lehrwerken. Didaktisch-methodische Analyse
Note
2.0
Autor
Jahr
2016
Seiten
20
Katalognummer
V537275
ISBN (eBook)
9783346134080
ISBN (Buch)
9783346134097
Sprache
Deutsch
Schlagworte
DaF, Lehrwerkanalyse, Phonetik
Arbeit zitieren
Zhengfei Chen (Autor), 2016, Phonetik in DaF-Unterricht. Analyse des Lehrwerks "DaF kompakt" aus der phonetischen Sicht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/537275

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