Die Idee der Souveränität hat sich seit ihrer Entstehung stark verändert, hat die Grenzen des Wissens auf dem Gebiet der Theorie des Staates und seiner Gesetze erweitert, und ist eine Hauptkomponente für die Bildung und Entwicklung der begrifflichen Grundlagen der staatlichen Souveränität geworden.
Auf der Suche nach der Bedeutung der Souveränität für die Entstehung des Staates im Übergang vom mittelalterlichen zum frühneuzeitlichen Staat wird man der Souveränitätslehre von Jean Bodin schwer entgehen. Der französische Philosoph hat wahrscheinlich den Begriff der Souveränität nicht erfunden, aber er gilt als Begründer des modernen Souveränitätsbegriffs. Der Begriff der Souveränität hat sich in der Geschichte laufend gewandelt und es bestand darüber eigentlich nie wirklich Einigkeit. In Bodins Zeit wurden nicht selten Herrscher (der Kaiser des Römischen Reiches und seine Vasallen) und Fürsten als Souverän bezeichnet, doch vor ihm gelang es keinem Staatsphilosophen, die Souveränität klar aus staatstheoretischer Sicht zu formulieren und als Legitimationsgrundlage für gesellschaftliche Ordnungen zu benutzen.
Kernpunkt der Untersuchung dieser Hausarbeit ist die Frage, ob die Souveränitätslehre von Jean Bodin einen Schritt zur neuzeitlichen Staatsauffassung darstellt und anhand welcher Aspekte diese These untermauert werden kann. Zur besseren Anschauung seiner Staatslehre werden ausgesuchte Passagen aus seinem Hauptwerk „Sechs Bücher über den Staat“ mit der deutschen Übersetzung von Bernd Wimmer (1981) herangezogen und auf ihren neuzeitlichen Charakter hin untersucht. Am Anfang steht eine kurze Vorstellung der gesellschaftlichen Situation in Frankreich im letzten Drittel des 16. Jahrhunderts, da es unbedingt nötig ist, Bodins Lehre in diesem historischen Rahmen zu betrachten. Der Staat von Bodin ist nicht auf religiösen Ansichten, sondern auf einer bestimmten historisch-gesellschaftlichen Problematik, die es zu lösen gilt, gegründet. Im darauffolgenden Abschnitt werden die Grundlagen der Souveränitätslehre mit gezielter Verwendung von Originaltextstellen dargestellt. Auf dieser Basis baut die Hauptuntersuchung auf, in der seine Staatslehre hinsichtlich traditioneller und neuzeitlicher Aspekte untersucht wird, um im Grunde genommen die Frage zu beantworten, ob Bodin seinem Ruf als Wegbereiter der neuzeitlichen Staatsauffassung gerecht werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Entstehung der Souveränitätslehre im 16. Jahrhundert
2. Grundlagen der Souveränitätslehre Jean Bodins
2.1 Der Zweck des wohlgeordneten Staates
2.2 Die Darstellung der traditionellen und neuzeitlichen Staatsverfassung
3. Bodins Lehre als Schritt zum modernen Staat
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Hausarbeit untersucht die Souveränitätslehre von Jean Bodin im Kontext des Übergangs vom mittelalterlichen zum frühneuzeitlichen Staat, um zu beurteilen, inwieweit sein Konzept als Vorläufer neuzeitlicher Staatsauffassungen gelten kann.
- Historische Einordnung der Souveränitätslehre im 16. Jahrhundert
- Analyse des Staatszwecks und der Souveränitätsdefinition bei Jean Bodin
- Gegenüberstellung von traditionellen (mittelalterlichen) und neuzeitlichen Elementen in seiner Theorie
- Untersuchung der Bedeutung der Souveränität für die Entwicklung des modernen Nationalstaates
Auszug aus dem Buch
2.1 Der Zweck des wohlgeordneten Staates
In den folgenden beiden Abschnitten werden Staat und Souveränität in Bodins Lehre vorgestellt. Dies dient zur Vorbereitung der Hauptuntersuchung dieser Arbeit und es werden daher nur die wesentlichsten Punkte erfasst. Das zentrale politische Werk Bodins stellt hinsichtlich seiner Methodologie und humanistisch-historisch-juristischen Gelehrsamkeit die erste wissenschaftliche Verfassungstheorie der Neuzeit dar (Stammen et al. 1997: 67). Der Kampf der französischen Krone um ihre Unabhängigkeit von Kaiser und Papst brachte die Lehre Bodins hervor, in deren Mittelpunkt folgende Aussage steht: „Der Staat ist definiert durch die dem Recht gemäß geführte, mit souveräner Gewalt ausgestattete Regierung einer Vielzahl von Familien und dessen, was ihnen gemeinsam ist.“ (Bodin 1987: 8). Diese prägnante Definition ist direkt am Anfang seiner „Sechs Bücher über den Staat“ zu finden und zielt einzig auf den Zweck des Staates ab; die Wiederherstellung und Sicherung einer friedensstiftenden Ordnung in Frankreich durch eine einheitlich definierte und dem Staatswohl verpflichtete Herrschaft (Weber 1997: 68).
Um dies zu erreichen, verfasste Bodin sein Werk in der Sprache seiner Landsleute und nicht in der Gelehrtensprache (Quaritsch 1986: 49). Neben diesem Fakt offenbart sich die zweckgerichtete Intention seiner Lehre auch direkt nach der Staatsdefinition mit der Verkündung, dass man immer erst nach dem Zweck einer Sache fragen muss, erst dann nach den eigentlichen Mitteln zur Umsetzung (Bodin 1987: 8). Die Gewichtung seiner Definition lenkt Bodin auf die Orientierung des Staates am Recht, die (souveräne) Gewalt und die Regierten. Die folgende Erörterung dieser drei Kernpunkte wird deutlich machen, dass Bodins Staatslehre mit Blick auf die zu seiner Zeit bestehenden Verhältnisse eine primär auf die menschliche Existenz gerichtete Zielsetzung verfolgt (Mayer-Tasch 2000: 23). Der Staat an sich ist ein Großflächenstaat, denn sein Territorium muss „[…] groß und fruchtbar genug sein, um die Einwohner zu nähren und zu kleiden […]“ (Bodin 1987: 11). Dieser wohlgeordnete Staat ist einzig durch die Gemeinsamkeit der Herrschaft bestimmt, wobei die rechte Regierung gemäß den Gesetzen der Natur handeln muss, um sich von anderen Gemeinschaften, wie Räuberbanden, abzugrenzen und Willkür auszuschließen (Bodin 1987: 9).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Entstehung der Souveränitätslehre im 16. Jahrhundert: Dieses Kapitel verortet Bodins Lehre historisch in den religiösen und gesellschaftlichen Konflikten Frankreichs, die den Bedarf nach einer stabilisierenden, säkularen staatlichen Ordnung weckten.
2. Grundlagen der Souveränitätslehre Jean Bodins: Hier werden die zentralen Pfeiler von Bodins Definition erläutert, insbesondere der Staatszweck als Friedenssicherung und das Konzept der absoluten, unteilbaren Gewalt als Abkehr von partikularer Lehensherrschaft.
3. Bodins Lehre als Schritt zum modernen Staat: Das Kapitel reflektiert die Modernität von Bodins Ansatz und stellt fest, dass er zwar als Wegbereiter für den Nationalstaat gilt, jedoch durch sein mittelalterliches, theologisches Fundament noch nicht vollständig in der Moderne angekommen ist.
Schlüsselwörter
Jean Bodin, Souveränität, Staatstheorie, Frühe Neuzeit, Souveränitätsbegriff, Absolutismus, Staatsgewalt, Rechtssetzung, Friedenssicherung, Nationalstaat, Religionskriege, Politiques, Staatsform, Machtkonzentration, Rechtsgleichheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Souveränitätslehre von Jean Bodin und prüft, inwiefern sie den Übergang vom mittelalterlichen Feudalwesen hin zum modernen, frühneuzeitlichen Verfassungsstaat markiert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Entstehung des Souveränitätsbegriffs, das Verhältnis von Herrscher und Untertan, die Säkularisierung der Staatsmacht und der Wandel von der mittelalterlichen Rechtswahrung zur aktiven Gesetzgebung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu klären, ob Bodin zu Recht als Wegbereiter der neuzeitlichen Staatsauffassung gilt oder ob seine Theorie aufgrund ihrer theologischen Grundlagen noch zu stark im mittelalterlichen Denken verhaftet ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine politikwissenschaftliche Analyse von Primärquellen („Sechs Bücher über den Staat“) in Verbindung mit relevanter Sekundärliteratur zur historischen und staatsphilosophischen Einordnung genutzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Einordnung der französischen Krise im 16. Jahrhundert, die theoretische Erarbeitung der Grundlagen bei Bodin sowie eine kritische Prüfung traditioneller und moderner Elemente seines Modells.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Souveränität, Staatsgewalt, Frieden, Säkularisierung, Nationalstaat und die Person Jean Bodin.
Warum spielt die Religion bei Bodin eine so wichtige Rolle?
Religiöse Konflikte zwischen Protestanten und Katholiken destabilisierten Frankreich; Bodin suchte nach einer übergeordneten, säkularen Macht, die den Frieden sichert, ohne die Vorherrschaft einer Konfession zu stützen.
Ist Bodin ein Absolutist oder ein Vorläufer der Demokratie?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Bodin eher als Wegbereiter des Absolutismus und des modernen Nationalstaates zu verstehen ist, da sein Fokus auf der Konzentration der Staatsgewalt lag, nicht auf demokratischer Partizipation.
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- Anonym (Auteur), 2017, Souveränitätslehre Jean Bodins als Grundlage des Staates der Neuzeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/537387