Der Mensch im Kommunismus, Vergleich in den Stück von Brecht und Müller.
Die Frage, was eigentlich ein Mensch ist, ist ein zentrales Thema in Brechts "Die Maßnahme". Und diese Frage werde ich im Folgenden anhand dieses Stückes erläutern. Vergleichend dazu werde ich ebenfalls Mauser von Heiner Müller unter dem gleichen Aspekt beleuchten und diese beiden Texte gegenüberstellen.
Beide Texte behandeln die Rolle des Individuums und des Kollektivs in der kommunistischen Revolution, wobei Die Maßnahme trotz der Tötung des jungen Genossen ein eher positives Bild des Kollektivs zeichnet, dem sich das Individuum unterzuordnen hat. Vielfach wurde Brecht in den 30er Jahren kritisiert, unter anderem durch Werner Mittenzwei, seine Ausführungen wären mit der kommunistischen Bewegung nicht vereinbar, aber „Brecht sagt in dem ganzen Stück nichts, was nicht bei den »Klassikern« steht.“ Daher ist wohl davon auszugehen, dass es sich nicht um ein konterrevolutionäres Stück handelt.
Dieser Intention steht Müllers Mauser gegenüber, wobei Mauser als Antwort auf "Die Maßnahme" gilt, da Müller von Brecht geprägt wurde und „[s]o erkennt man in Brechts Texten verwandte Strukturen in praktisch jedem von Müllers Texten“. Sein Stück wirft einen kritischeren Blick auf das Menschenbild der kommunistischen Revolution, denn „Mauser, so Müller[…], ist ein Versuch «Die Maßnahme» unter Berücksichtigung der Erfahrungen der sowjetischen Schauprozesse und des Terrors der Stalinzeit zu kritisieren und neu zu schreiben“. Daher ist es sicher interessant zu sehen, in welchen Punkten sich das Menschenbild unterscheidet und wo immer noch Gemeinsamkeiten zu finden sind. [...]
Inhaltsverzeichnis
2. Einleitung
3. Bertolt Brechts Die Maßnahme
3.1. Individuum und Kollektiv
3.2. Lernprozess und Einverständnis
3.3. Gefühl und Körperlichkeit
4. Heiner Müllers Mauser
4.1. Individuum und Kollektiv
4.2. Lernprozess und Einverständnis
4.3. Gefühl und Körperlichkeit
5. Vergleich und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht vergleichend das Menschenbild in der kommunistischen Revolution anhand von Bertolt Brechts "Die Maßnahme" (1931) und Heiner Müllers "Mauser" (1978), wobei der Fokus auf dem Spannungsfeld zwischen individuellem Gewissen und kollektiver Notwendigkeit liegt.
- Analyse des Individuums im Verhältnis zum kommunistischen Kollektiv.
- Untersuchung von Lernprozessen und dem Konzept des Einverständnisses.
- Rolle von Gefühl und Körperlichkeit als Abgrenzungsmerkmale zur Gemeinschaft.
- Gegenüberstellung der unterschiedlichen historischen und ideologischen Ausgangslagen beider Autoren.
- Diskussion von Verrat und der Konsequenz des Todes innerhalb der revolutionären Logik.
Auszug aus dem Buch
3.1. Individuum und Kollektiv
Bei Brecht ist die Stellung des Individuums gleich zu Anfang durch die Abwesenheit ebenjenes gekennzeichnet. Es treten der Kontrollchor und die „vier Agitatoren[…], die den jungen Genossen aus Worten, Blicken und Gesten zusammensetzen“, auf. Der junge Genosse ist zu diesem Zeitpunkt schon tot und nicht mehr als Person vorhanden, sondern wird im Laufe des Stückes nur durch einen Teil der Gemeinschaft dargestellt.
Doch gleich zu Beginn erhält das Individuum einen gewissen Wert, da der Kontrollchor mit den Agitatoren einverstanden ist, diese aber mit „Halt! Wir müssen etwas sagen! Wir melden den Tod eines Genossen.“ unterbrechen. Dem Tod des Einzelnen verliehen sie somit Gewicht, denn sie hätten den Tod des jungen Genossen ohne Weiteres verschweigen können, tun es aber nicht.
Die Agitatoren beginnen nun zu erzählen, wie es zu der Erschießung des jungen Genossen gekommen ist. Und hier wird durch viele Aussagen des jungen Genossen seine Individualität angedeutet. Gleich bei ihrem ersten Treffen sagt er: „Mein Herz schlägt für die Revolution. Der Anblick des Unrechts trieb mich in die Reihen der Kämpfer. Der Mensch muß den Menschen helfen.“ Durch die Andeutung der Körperlichkeit wird auf das Individuum verwiesen und mit der Aussage, dass der Mensch, und nicht die Partei oder Revolution, den Menschen helfen müsse noch verstärkt.
Zusammenfassung der Kapitel
2. Einleitung: Die Einleitung führt in das zentrale Thema des Menschenbildes in der kommunistischen Revolution ein und begründet den Vergleich zwischen Brechts "Die Maßnahme" und Müllers "Mauser".
3. Bertolt Brechts Die Maßnahme: Dieses Kapitel analysiert das Stück von Brecht hinsichtlich der Unterordnung des Einzelnen, der Rolle von Lernprozessen und der Bedeutung von Emotionen.
4. Heiner Müllers Mauser: Hier wird Müllers Werk als kritische Antwort auf Brecht beleuchtet, wobei das Fehlen klassischer Lernprozesse und die radikalere Auslöschung des Individuums im Fokus stehen.
5. Vergleich und Fazit: Das abschließende Kapitel stellt die Erkenntnisse gegenüber und resümiert die unterschiedlichen Perspektiven auf die Revolution und das Menschenbild.
Schlüsselwörter
Bertolt Brecht, Heiner Müller, Die Maßnahme, Mauser, Kommunismus, Revolution, Individuum, Kollektiv, Einverständnis, Lernprozess, Körperlichkeit, Gefühl, Gewissen, Menschenbild, Verrat
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Darstellung des Menschenbildes im Kontext der kommunistischen Revolution in zwei bedeutenden Theaterstücken des 20. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Individuum zu Kollektiv, die Dynamik von Macht und Gehorsam sowie die Rolle von Moral und Emotionen im revolutionären Prozess.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Untersuchung fragt danach, wie das Bild des Menschen in der kommunistischen Revolution in Brechts "Die Maßnahme" konstruiert ist und wie sich dieses im Vergleich zu Müllers "Mauser" unter veränderten historischen Voraussetzungen darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Literaturanalyse, die Motive wie "Individuum im Kollektiv", "Lernprozess und Einverständnis" sowie "Gefühl und Körperlichkeit" gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die beiden Dramen anhand der genannten Themenkomplexe und arbeitet Unterschiede in der ideologischen Gewichtung heraus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere das Kollektiv, das revolutionäre Einverständnis, das Individuum und die historische Kontextualisierung der Texte.
Wie unterscheidet sich das Menschenbild bei Brecht von dem bei Müller?
Brecht zeichnet ein positiveres Bild, in dem das Kollektiv den Einzelnen durch Lernprozesse zu erziehen versucht, während bei Müller der Mensch eher als fehlerhaftes Objekt der Vernichtung erscheint.
Welche Rolle spielt der Tod des Protagonisten in beiden Stücken?
In beiden Werken ist der Tod eine notwendige Konsequenz bei Verrat oder Schwäche, wobei er bei Brecht als notwendiges Opfer für die Sache und bei Müller als Resultat eines ausweglosen Konflikts ohne Einverständnis auftritt.
- Citar trabajo
- Alexandra Jacobi (Autor), 2010, Wie stellt sich das Menschenbild in der kommunistischen Revolution in Bertolt Brechts "Die Maßnahme" von 1931 und vergleichend dazu in Heiner Müllers "Mauser" von 1978 dar?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/537423