Zwischen Nationalepos und Nibelungentreue befindet sich im Nibelungenlied ein komplexes Geflecht aus sozialen Störungen, die für den mittelalterlichen Rezipienten noch zugänglich, für heutigen Leser auf den ersten Blick aber nicht erkennbar sind. Sieht man genauer hin enthüllt sich eine Vielzahl von Motiven, die Krisen und Spannungen des sozialen Gefüges offenbaren und das Nibelungenlied einmal mehr als Hofkritik erscheinen lassen.
"Soziale Funktion und Dysfunktion werden dabei sichtbar an der Grundstruktur des Gebens und Nehmens, die den Text auf verschiedenen Ebenen durchzieht." Dieses Verhältnis soll im Folgenden untersucht werden. Hierbei werden drei Personengruppen besonders untersucht. Dazu zählen die Könige Günther und Siegfried, in deren Interaktion miteinander sich bereits etliche Irritationen ergeben.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Die Könige des Nibelungenliedes
- Verschiedenartigkeit der Höfe
- Gleichwertigkeit
- Kippen der Gleichwertigkeit und Ermordung
- Die Königinnen des Nibelungenliedes
- Brünhild als Bild eines archaischen Matriarchats
- Kriemhilds Wandlung
- Der Hortraub
- Die Vasallen des Nibelungenliedes
- Vorbildliche Gaben Rüdigers
- Konflikt der Verpflichtungen
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Seminararbeit analysiert das Nibelungenlied unter dem Aspekt des gestörten Verhältnisses von Geben und Nehmen. Dabei wird untersucht, wie die Grundstruktur von Geben und Nehmen auf verschiedenen Ebenen des Textes durchzieht und soziale Dysfunktionen im mittelalterlichen Hofleben widerspiegelt.
- Analyse des gestörten Verhältnisses von Geben und Nehmen im Nibelungenlied
- Untersuchung von drei Personengruppen: Könige, Königinnen und Vasallen
- Bedeutung von materiellen und immateriellen Gaben im Kontext des mittelalterlichen Hoflebens
- Ambiguisierung der Ordnungen der Welt im Nibelungenlied
- Zusammenbruch der gesellschaftlichen Ordnung im Epos
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung beleuchtet das komplexe Gefüge sozialer Störungen im Nibelungenlied und führt die Thematik des gestörten Verhältnisses von Geben und Nehmen ein.
Kapitel 2 untersucht die Beziehung zwischen den Königen Gunther und Siegfried. Es zeigt, wie frühzeitig Störungen in ihrer Interaktion auftreten und die Gleichwertigkeit ihrer Herrschaftspositionen gefährden, was schließlich zur Ermordung Siegfrieds führt.
Kapitel 3 widmet sich den Königinnen des Nibelungenliedes, insbesondere Brünhild und Kriemhild. Es beleuchtet die Rolle von Brünhild als Repräsentantin eines archaischen Matriarchats und analysiert die Wandlung von Kriemhild, die durch den Hortraub in ihren Rachefeldzug getrieben wird.
Kapitel 4 fokussiert auf die Vasallen, insbesondere Rüdiger, und zeigt, wie Treuebünde zu ihrem Herrn mit Freundschaftlichen Verpflichtungen kollidieren und zu problematischen Überschneidungen führen.
Schlüsselwörter
Nibelungenlied, Geben und Nehmen, Hofkritik, soziale Störungen, mittelalterliches Hofleben, Könige, Königinnen, Vasallen, Treue, Belohnung, milte, Hortraub, Ambiguisierung, Ordnungszusammenbruch, Irmgard Gephart, Jan-Dirk Müller.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Thema der Arbeit zum Nibelungenlied?
Die Arbeit analysiert das gestörte Verhältnis von Geben und Nehmen als Zeichen sozialer Dysfunktion im mittelalterlichen Hofleben.
Wie äußert sich die Störung zwischen Gunther und Siegfried?
Es entstehen Irritationen in der Gleichwertigkeit ihrer Positionen, die schließlich zum Zusammenbruch der Ordnung und zur Ermordung Siegfrieds führen.
Was symbolisiert der „Hortraub“?
Der Raub des Nibelungenhortes markiert Kriemhilds Wandlung und dient als Auslöser für ihren späteren Rachefeldzug.
Welche Rolle spielt der Vasall Rüdiger?
Rüdiger steht für den Konflikt zwischen der Treuepflicht gegenüber seinem Herrn und freundschaftlichen Gabenverpflichtungen.
Ist das Nibelungenlied eine Hofkritik?
Ja, durch die Darstellung der Krisen im sozialen Gefüge und der gestörten Gabenökonomie erscheint das Epos als Kritik am zeitgenössischen Hofwesen.
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- Alexandra Jacobi (Author), 2012, Zum gestörten Verhältnis von Geben und Nehmen im Nibelungenlied, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/537429