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Bismarcks Versöhnung mit Kleist-Retzow im September 1878 - eine politische Inszenierung?

Titel: Bismarcks Versöhnung mit Kleist-Retzow im September 1878 - eine politische Inszenierung?

Hausarbeit (Hauptseminar) , 1999 , 31 Seiten , Note: sehr gut

Autor:in: Wolfgang Fischer (Autor:in)

Geschichte Deutschlands - 1848, Kaiserreich, Imperialismus
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Am 19. September des Jahres 1878 schrieb das Mitglied des Reichstages Hans von Kleist-Retzow in einem Brief an den Reichskanzler Otto von Bismarck:

„Lieber Bismarck !
Laß Dir kurz vor meiner Abreise von hier während der Reichstagsferien noch von ganzem Herzen dafür danken, daß Du mir nach so langer schmerzlicher Entbehrung neulich wieder Deine Hand reichtest. Mit großer Freude erkenne ich darin den Ausdruck Deines Wunsches: das alte Freundschafts- und Verwandtschaftsband und den früheren häuslichen Verkehr zwischen uns wieder herzustellen, und werde nach Deiner und meiner Rückkehr davon gern Gebrauch machen. In alter Treue Dein
H. v. Kleist-Retzow“

Zwei Tage zuvor, am 17. September 1878 während der ersten Lesung des zweiten Sozialistengesetzes im Deutschen Reichstag war Bismarck unmittelbar nach der Rede Kleist-Retzows auf diesen zugegangen und hatte ihm die Hand geschüttelt. Dieser Akt öffentlicher Versöhnung beendete die beinahe ein Jahrzehnt andauernde erbitterte politische und auch private Gegnerschaft der beiden vormals eng befreundeten und verwandtschaftlich verbundenen Wohnungsgenossen aus früheren Tagen.
An sich stellt eine Versöhnung zweier alter Freunde nach einem langen Streit nichts ungewöhnliches dar. Aber in diesem Fall handelt es sich um zwei wichtige, ihre Zeit maßgeblich prägende Personen der politischen Öffentlichkeit – dies gilt freilich in erster Linie für Bismarck, aber auch Kleist-Retzow erfreute sich als Vertreter des preußisch-protestantischen Konservatisvismus einem hohen Maß an Bekanntheit und Ansehen in der Öffentlichkeit. Die Ursachen des Streits waren zum größten Anteil politischer Natur gewesen, daher ist kaum anzunehmen, daß die Versöhnung sich gerade im Rahmen einer derartig hochbrisanten innenpolitischen Debatte ausschließlich auf private Motive stützte. Dazu kommt der besondere Charakter der Versöhnung durch ihren Vollzug vor den Augen der Öffentlichkeit, was den Verdacht einer politischen Inszenierung nahe legt.
Dieser Frage soll die vorliegende Arbeit nachgehen, ob sich aufgrund der vorhandenen Quellen nachweisen läßt, daß es sich bei diesem Akt nicht nur um eine private Versöhnung, sondern um eine bewußte politische Inszenierung gehandelt hat.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Fragestellung

2. Literatur- und Quellenlage

3. Begriffliche Annäherung: Was ist eine politische Inszenierung?

4. Analytischer Teil

4.1. Der politische Rahmen: Die Sozialistengesetze des Jahres 1878

4.2. Das Verhältnis zwischen Bismarck und Kleist-Retzow

4.3. Die Debatte am 16. und 17. September 1878

4.4. Die politische Signalwirkung: Reaktion in den Medien

4.5. Die politische Signalwirkung II: Ausblick

5. Schlussbetrachtung

6. Schlußbetrachtung II: Defizite der Arbeit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, ob die öffentliche Versöhnung zwischen Reichskanzler Otto von Bismarck und dem konservativen Politiker Hans von Kleist-Retzow am 17. September 1878 eine gezielte politische Inszenierung darstellte, um den konservativen Rückhalt im Reichstag zu stärken. Es wird analysiert, inwieweit dieser symbolische Akt dazu diente, die politische Neuorientierung Bismarcks weg von den Nationalliberalen hin zu den Konservativen zu untermauern.

  • Analyse der politischen Konstellation des Jahres 1878 und der Rolle der Sozialistengesetze.
  • Untersuchung des persönlichen und politischen Verhältnisses zwischen Bismarck und Kleist-Retzow.
  • Textanalyse der Reichstagsdebatte vom 16. und 17. September 1878.
  • Beurteilung der medialen Reaktion und der Signalwirkung der Versöhnung.
  • Einordnung des Versöhnungsaktes als Instrument der Machtpolitik.

Auszug aus dem Buch

4.2. Das Verhältnis zwischen Bismarck und Kleist-Retzow

Bismarck und Kleist-Retzow, der Stiefonkel von Bismarcks Frau und Pate dessen Tochter, waren vor allem seit ihrer gemeinsamen Zeit in Berlin ab 1848 als Mitglieder des Junkerparlaments und dann des Abgeordnetenhauses neben der verwandtschaftlichen Bande auch freundschaftlich eng verbunden. Kleist-Retzow lebte in Frankfurt gemeinsam mit dem Ehepaar Bismarck, politisch galten die beiden als Kernvertreter der preußischen Reaktion:

„Bismarck und Kleist vereinigt sollten den Keil bilden, den die Kamarilla in die zweite Kammer hineintreiben wollte, um die phantastische deutsche Politik des Königs zu vereiteln. Bismarck und Kleist sollten vermöge ihrer Willenskraft die Revision des Verfassungswerks bestimmen und die rückbildende Gesetzgebung beeinflussen. So wurden die beiden Verwandten, der geniale märkische und der charaktervolle, treuherzige pommersche Junker in den kommenden beiden Jahren ein einheitlicher Begriff. Sie verkörperten das Stockpreußentum. Ministerium, Kamarilla und das ganze Land nannten die beiden jungen Männer, die mit unerschütterlicher Sicherheit und tatenfroh ihren Weg daherschritten, stets zusammen.

Und die beiden kamen sich selbst immer näher, was dadurch äußerlich in Erscheinung trat, daß Kleist, wie er einst mit Ranke und Wunderlich einen gemeinsamen Haushalt geführt hatte, so schließlich auch in der Hauptzeit der kommenden Jahre mit seinem Neffen eine Wohnung bezog, bis sie fast gleichzeitig in einen größeren Wirkungskreis überstellt wurden.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung und Fragestellung: Das Kapitel führt in das Ereignis der öffentlichen Versöhnung zwischen Bismarck und Kleist-Retzow ein und stellt die zentrale Hypothese auf, ob es sich dabei um eine politische Inszenierung handelte.

2. Literatur- und Quellenlage: Es werden die wesentlichen Quellen, insbesondere der stenographische Bericht der Reichstagsdebatte, sowie die biographische und historische Sekundärliteratur vorgestellt.

3. Begriffliche Annäherung: Was ist eine politische Inszenierung?: Hier wird eine Arbeitsdefinition der politischen Inszenierung als bewusster symbolischer Akt vor der Öffentlichkeit zur Erzielung einer Signalwirkung erarbeitet.

4. Analytischer Teil: Dieses Kernkapitel untersucht den politischen Rahmen, die historische Vorgeschichte, das Verhältnis der Akteure sowie den Verlauf und die Wirkung der Debatte im Reichstag.

5. Schlussbetrachtung: Die Ergebnisse werden zusammengefasst und die Versöhnung als gezielter, aber nicht notwendigerweise informell abgesprochener Akt der Bismarckschen Machtpolitik interpretiert.

6. Schlußbetrachtung II: Defizite der Arbeit: Das abschließende Kapitel benennt Forschungslücken, wie den Mangel an Auswertungen spezifischer Nachlässe und weiterführender Medienanalysen.

Schlüsselwörter

Otto von Bismarck, Hans von Kleist-Retzow, Politische Inszenierung, Sozialistengesetz, Reichstag, Konservative, Nationalliberale, Konservative Wende, Preußen, Innenpolitik, Parlamentarismus, Symbolpolitik, 1878, Deutsche Konservative Partei, Machtpolitik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die öffentliche Versöhnung zwischen Bismarck und Kleist-Retzow im September 1878 im Kontext der parlamentarischen Debatte um das Sozialistengesetz.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Schwerpunkte liegen auf der politischen Neuorientierung Bismarcks, der Krise der Nationalliberalen und dem Erstarken der Konservativen im Deutschen Kaiserreich.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob der Akt der Versöhnung eine bewusste, inszenierte politische Maßnahme war, um politische Machtverhältnisse zu beeinflussen.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?

Die Arbeit basiert auf einer quellenkritischen Analyse des stenographischen Berichts der Reichstagssitzungen, ergänzt durch die Auswertung zeitgenössischer Presseberichte und biographischer Quellen.

Was wird im umfangreichen Hauptteil thematisiert?

Der Hauptteil analysiert den politischen Kontext des Jahres 1878, das belastete Verhältnis zwischen Bismarck und Kleist-Retzow und die strategische Bedeutung der Versöhnung während der Debatte.

Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Bismarck, politische Inszenierung, Konservatismus, Sozialistengesetz, Parlamentarismus und die innenpolitische Wende von 1878.

Warum war der Zeitpunkt der Versöhnung für Bismarck strategisch bedeutsam?

Bismarck benötigte eine neue parlamentarische Mehrheit rechts der Mitte, um seine Politik (z.B. Schutzzölle) durchzusetzen, nachdem die Kooperation mit den Nationalliberalen bröckelte.

Gibt es Belege für eine direkte vorherige Absprache der Versöhnungsszene?

Die Quellen belegen zwar Kontakte im Vorfeld, jedoch keine explizite informelle Absprache über den spezifischen Akt der Handreichung im Reichstag; der Akt wird als kalkulierte taktische Geste interpretiert.

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Details

Titel
Bismarcks Versöhnung mit Kleist-Retzow im September 1878 - eine politische Inszenierung?
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Seminar für Neuere Geschichte)
Veranstaltung
Parlamentarische Gegner Bismarcks 1847-1890
Note
sehr gut
Autor
Wolfgang Fischer (Autor:in)
Erscheinungsjahr
1999
Seiten
31
Katalognummer
V53751
ISBN (eBook)
9783638491150
ISBN (Buch)
9783640612888
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bismarcks Versöhnung Kleist-Retzow September Inszenierung Parlamentarische Gegner Bismarcks
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Wolfgang Fischer (Autor:in), 1999, Bismarcks Versöhnung mit Kleist-Retzow im September 1878 - eine politische Inszenierung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/53751
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  31  Seiten
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