Gewaltfreier Unterricht. Wirksame Maßnahmen für eine Konfliktregelung in der Schule


Hausarbeit (Hauptseminar), 2019

14 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung

2. Grundlagen von Konflikt und Gewalt
2.1 Begriffsdefinition
2.2 Intersektionalität

3. Gewaltprävention
3.1 Begriffsdefinition
3.2 Interventionsprogramm nach Olweus

4. Fazit mit Bezug zur Fragestellung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Problemstellung

23.02.2018, Osterwieck, Hilferuf von Grundschullehrern: Externe körperliche Gewalt und Gefühlskälte (vgl. www.spiegel.de) 22.01.2018, Aachen, Massenschlägerei unter Eltern: Wenn es um Kinder geht, sinkt die Hemmschwelle (vgl. www.spiegel.de) 01.03.2018, Berlin, Probleme mit Gewalt: Berliner Grundschule heuert Sicherheitsdienst an (vgl. www.spiegel.de)

In den letzten Jahren treten solche Nachrichten immer häufiger in die Öffentlichkeit. „Gewalt unter Schulkindern ist zweifellos ein sehr altes Phänomen. Die Tatsache, dass einige Kinder häufig und systematisch von anderen Kindern gemobbt und angegriffen werden. [...] In den letzten Jahren hat dieses Problem an Schärfe deutlich zugenommen." (vgl. Olweus, 2006). Sowohl innerhalb als auch außerhalb der Schule treten Kinder und Jugendliche regelmäßig mit Konflikten in Kontakt, sei es als Täter, Opfer oder Außenstehender. Mobbing, Ausschließen durch Gruppenbildung, Drohungen, körperliche und seelische Gewalt stehen heutzutage auf der Tagesordnung. Die zu Beginn erwähnten Schlagzeilen verdeutlichen die Problematik, dass Gewalt bereits im Grundschulalter auftaucht und sich verschärft, sofern dem nicht effizient vorgebeugt wird.

1.2 Zielsetzung

Schulen „bestimmen über einen langen und entwicklungspsychologisch entscheidenden Zeitraum“ das Leben von Kindern und Jugendlichen. Dadurch haben die Schulen einen starken Einfluss auf deren Entwicklung (vgl. Gollwitzer et al., 2007, S. 158). Um Konflikte und Gewalt zu vermeiden ist es demnach umso wichtiger, diesen bereits im Vorfeld effizient vorzubeugen. Doch die Frage ist, welche Möglichkeiten gibt es, dies durchzusetzen? Und sind diese Vorgehensweisen wirksam?

Um diese Fragen beantworten zu können, werden im ersten Teil zunächst die Begriffe „Konflikt" und „Gewalt" definiert und in Zusammenhang mit der Begrifflichkeit Intersektionalität gebracht. Anschließend wird ein Präventionsprogramm vorgestellt und analysiert und miteinander verglichen. Im letzten Teil folgt eine subjektive Auseinandersetzung mit dem vorgestellten Präventionsprogramm und der zu Beginn aufgeworfenen Frage, ob solche überhaupt wirksam sind.

2. Grundlagen

2.1 Begriffsdefinition

a. Konflikt

Gemäß der Definition vom Duden ist der Begriff „Konflikt“ eine „durch das Aufeinanderprallen widerstreitender Auffassungen, Interessen oder Ähnliches entstandene schwierige Situation, die zum Zerwürfnis führen kann“ (vgl. www.duden.de), was durch Glasl folgendermaßen verdeutlicht wird: „Sozialer Konflikt ist eine Interaktion zwischen Aktoren (Individuen, Gruppen, Organisationen usw.), wobei wenigstens ein Aktor Unvereinbarkeiten im Denken/ Vorstellen/ Wahrnehmen und/ oder Fühlen und/ oder Wollen mit dem anderen Aktor (den anderen Aktoren) in der Art erlebt, - dass im Realisieren eine Beeinträchtigung durch einen anderen Aktor (die anderen Aktoren) erfolge." (vgl. Glasl, 1999). Das heißt, dass bei einer negativen Handlung, die durch einen Konflikt zustande kommt, nicht immer Gewalt die Folge ist, da laut Bierhoff und Wagner Aggression als zielerichtete Handlung zu definieren sei, die ihre Mitmenschen bedrohen, erniedrigen oder verletzen (vgl. Bierhoff & Wagner, 1998, S.5).

b. Gewalt

Sobald sich destruktives Verhalten verfestigt, sodass Menschen willentlich in irgendeiner Art geschädigt werden, wird von Gewalt gesprochen (vgl. Preuschoff 1993, S. 38). Demnach ist Gewalt eher eine sichtbare und freie Entscheidungsform von auffälligem Verhalten (vgl. Hacker, 1985, S. 22 ff.).

Der Begriff „Gewalt“ wird nun hinsichtlich des Instituts Schule erläutert. Unter „Schulgewalt“ muss zunächst zwischen physischer und psychischer Gewalt unterschieden werden (vgl. Bäuerle / Moll – Strobel / Reinert / Wehr, 1999, S. 9). Unter beiden Formen wird „Gewalt“ als eine geplante Handlung verstanden (vgl. Bäuerle et al, 1999, S. 9), welche das Ziel verfolgt, jemanden zu etwas zu zwingen oder zu verletzten (vgl. https://www.duden.de/rechtschreibung/Gewalt). Unter physische Gewalt fallen jegliche „körperlichen Zwänge“, worunter Auseinandersetzungen bzw. Konflikte bis hin zur körperlichen Gewalt, um andere zu verletzten, gemeint ist (vgl. Klewin, 2002, S. 1079). Psychischer Gewalt werden hingegen vor allem „verbale Attacken“ untergeordnet, welche durch Beleidigungen, Erniedrigungen oder Erpressungen ausgeführt werden und dadurch „psychische Schäden“ verursachen können (vgl. ebd., 2002, S. 1079). Gründe für Gewalt sind vielseitig und werden daher im Anschluss mit mehreren Theorien kurz erklärt (vgl. Soto Sobrino, 2009, S.22 ff.).

2.2 Intersektionalität

Intersektionale Aspekte von Gewaltprävention ist die Verknüpfung verschiedener sozialer Klassen. Um jene Kategorien benennen zu können, muss zunächst der Begriff Intersektionalität verstanden werden.

Diese Begrifflichkeit umfasst „Ansätze [...], die das Wechselverhältnis von Geschlecht und weiteren sozialen Ungleichheiten erfassen wollen“ (vgl. Lenz, 2010, S. 158). Das bedeutet, dass soziale Kategorien wie Alter, Gender, Klasse und Ethnizität nicht isoliert voneinander konzeptualisiert werden können, sondern in ihrem Zusammenspiel betrachtet werden müssen (vgl. ebd., S. 161). Im Folgenden wird auf die Beziehung zwischen Gewalt und Alter, Gewalt und Gender sowie Gewalt und soziale Klasse eingegangen.

a. Alter

Jugendliche im Alter zwischen 13 und 16 Jahren sind die größte Gruppe, welche physische Gewalt ausüben wobei es offensichtlich ist, dass Gewalt auch von anderen Faktoren ausgeht (vgl. Gugel 2006, S. 184). Besonders in der Phase, indem sich ihre Persönlichkeit entwickelt suchen sich viele Jugendliche durch Gewalt nach Selbstbestätigung. Sie verschaffen sich Respekt, demonstrieren Stärke und Durchsetzungsfähigkeit (vgl. https://www.planet-wissen.de/gesellschaft/psychologie/jugendgewalt_in_deutschland/index.html).

b. Gender

Studien verdeutlichen bereits, dass sowohl Gewalttäter als auch Opfer mehrheitlich junge Männer sind (vgl. Connell 1999). Dementsprechend werden aufgrund der Einteilung in zwei Geschlechter Gewalterfahrungen von Jungs als „unproblematisch“ angesehen, wobei Formen von Gewalt für Mädchen ein Zeichen einer fehlgeschlagenen Sozialisation ist. Ein blaues Auge einer Frau verursacht durch einen Mann, sind Ursachen, um diese zu schützen, während ein blaues Auge eines Mannes verursacht durch einen Mann beispielsweise in einer Schlägerei, als eine erfolgreiche männliche Sozialisation betrachtet wird (vgl. Hagemann-White 2005, S. 6). Solche Geschlecht differierenden Ansichten auf die Bedingungen, in denen Gewalt geschieht, sind es, die verstanden werden müssen, um eine effiziente Gewaltprävention entwickeln zu können.

c. Soziale Klassen

Es lässt sich feststellen, dass sowohl der Anteil als auch der Umfang der Gewalt von männlichen sowie weiblichen Jugendlichen im hohen Maße von der Art der Schule abhängig ist, die sie besuchen. Schülerinnen und Schüler von Hauptschulen sind häufiger in Gewaltsituationen beteiligt als Jugendliche anderer Schulen (vgl. http://www.bpb.de/apuz/30375/hauptschulen-und-gewalt?p=all). Die Akzeptanz der Schülerinnen und Schüler untereinander und die damit verbundene Ausübung von Gewalt, nimmt mit höherem Bildungslevel ab (vgl. Gugel 2006, S. 184).

3. Gewaltprävention

3.1 Begriffsdefinition

Der Begriff der Gewaltprävention beschreibt „alle institutionellen und personellen Maßnahmen, die der Entstehung von Gewalt vorbeugen bzw. diese reduzieren“ (vgl. www.sgbviii.de). Durch dieses Vorbeugen soll ein gewaltfreier und fairer Umgang mit Konflikten in den Schulen erreicht werden (vgl. Schubarth, 2000, S. 103).

Obwohl es momentan viele Programme zur Gewaltprävention gibt, stehen uns nur wenige inhaltsreiche Evaluationen zu Verfügung (vgl. Lösel, 2008, S. 207). Daher werden im Folgenden zwei Präventionsprogramme vorgestellt, welche kontinuierlich evaluiert werden, da „begleitende Effektivitätsstudien integrativer Bestandteil der Programme sind“ (vgl. Schick/Cierpka, 2005, S. 466).

3.2 Interventionsprogramm

Die Ziele des Interventionsprogramms basieren auf Forschungsergebnisse von Entwicklungen und Veränderungen auffälliger Verhaltensweisen. „Die Hauptziele [...] sind, so weit wie möglich, bestehende Gewalttäter-/Gewaltopfer - Probleme innerhalb und außerhalb der Schulumgebung zu vermindern und die Entwicklung neuer Probleme zu vermindern [...]“ (vgl. Olweus, 2006, S. 70). Darüber hinaus soll sowohl den Opfern als auch den Tätern bessere Möglichkeiten gegeben werden, sodass das Zusammenleben innerhalb und außerhalb der Schule ermöglicht oder die Beziehung zueinander verbessert wird. Die Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung des Interventionsprogramms an Schulen ist die Zusammenarbeit der Lehrerschaft, Eltern und der Schülerinnen und Schüler. Sofern eine autoritäre Beziehung zwischen Erwachsenen und Kind gegeben ist und für alle Beteiligten die Problematik bewusst ist, kann das Programm anfangen zu wirken (vgl. Soto Sobrino, 2009, S. 59 ff.).

a. Schulebene

Zur Ermittlung des momentanen „Ist - Zustandes“ in Bezug auf das Gewaltproblem in der Schule, ist es nach Olweus empfehlenswert, einen sogenannten „Gewaltfragebogen“ von den Schülerinnen und Schülern ausfüllen zu lassen. Dieser Fragebogen gibt den Lehrerinnen und Lehrern Anhaltspunkte bezüglich der Häufigkeit von Gewalt an der Schule und dem Eingreifen der Lehrkräfte in Gewaltsituationen. Der Fragebogen wird anschließend ausgewertet und die Ergebnisse bilden den Ausgangspunkt für alle weiteren Maßnahmen. Diese Maßnahmen werden auf drei verschiedenen Ebenen angewendet:

Auf der Schulebene soll das Programm den Gewaltausmaß innerhalb der gesamten Schule verringern und neue Problemen vorbeugen, indem bestimmte Bedingungen geschaffen werden, die diese Ziele unterstützen (vgl. Soto Sobrino, 2009, S. 60).

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Gewaltfreier Unterricht. Wirksame Maßnahmen für eine Konfliktregelung in der Schule
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,3
Jahr
2019
Seiten
14
Katalognummer
V537552
ISBN (eBook)
9783346149947
ISBN (Buch)
9783346149954
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gewaltfreier, unterricht, wirksame, maßnahmen, konfliktregelung, schule
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Gewaltfreier Unterricht. Wirksame Maßnahmen für eine Konfliktregelung in der Schule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/537552

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